Zahnerhaltung


Worauf es bei einer individuellen Farbzusammenstellung wirklich ankommt

Abb. 1: Frakturierte Schneidekante bei einer 66-jährigen Patientin.
Abb. 1: Frakturierte Schneidekante bei einer 66-jährigen Patientin.

Wer häufig Frontzahnrestaurationen aufbaut, weiß, dass es mehr auf die Helligkeit (Value) und die Opazität des

Materials ankommt als auf die Farbe selbst. Solange diese Werte stimmen, kann man demnach auch alternative

Schichtkonzepte wagen, ist Prof. Dr. Ernst überzeugt. Er erläutert nachfolgend anhand der Versorgung einer

frakturierten Schneidekante mit einer direkten Kompositrestauration, wie man erfolgreich eine individuelle

Farbe abseits der üblichen Herstellerempfehlungen zusammenstellt, und zwar gemäß der Devise „Helligkeit

und Opazität versus Farbton“.

Eine 66-jährige Patientin stellte sich mit ihrer frakturierten Schneidekante mit der Bitte um möglichst minimalinvasive Versorgung vor (Abb. 1). Derartige Defekte sind aus Gründen der Zahnhartsubstanzschonung und der aufzuwendenden Kosten mit direkten Kompositerestaurationen zu versorgen. Eine Veneerversorgung des Zahnes hätte nur Sinn, wenn mindestens beide oberen Schneidezähne ästhetisch deutlich verändert werden sollten, was aber nicht im Sinne der Patientin war. Weder die abradierte Schneidekante noch der Schmelzdefekt im zervikalen Drittel der Labialfläche an Zahn 21 störten die Patientin, sodass beschlossen wurde, lediglich den Defekt an Zahn 11 zu restaurieren.

Vor der Behandlung wurde eine Zahnfarbbestimmung durchgeführt. Die ausgewählte Farbe war A3, was zwar zunächst alterstypisch etwas zu hell erschien, aber trotzdem gut zum Zahn passte. Die geplante Restauration sollte mit dem neuen Füllungsmaterial Filtek™ Supreme XTE Universal Composite erfolgen. Die gegenüber Filtek™ Supreme XT optimierte Variante des bewährten Nano-Komposits verspricht eine nochmals verbesserte Politurfähigkeit sowie eine höhere Glanzbeständigkeit.

Überlegungen zur Farbwahl

Nach Empfehlungen des Herstellers (3M Espe, Seefeld) wären für eine A3 Schneidekanten-Versorgung die Farben A4D, A3B, A2E sowie die transluzente Effektmasse A die Materialkombination der Wahl. Diese Zusammenstellung basiert auf dem Konzept der Schichttechnik nach Dr. Vanini, das empfiehlt, eine Restauration aus der Tiefe heraus mit dunkleren Farben aufzubauen und dann mit helleren Schmelzfarben zu überschichten. Eine Schichtung mit Farben derselben Helligkeitsstufe kann allerdings durchaus vergleichbare Ergebnisse erzielen; zudem ist sie einfacher zu realisieren, da die Volumina der einzelnen Farben nicht ganz so exakt eingehalten werden müssen wie bei der zuerst beschriebenen Technik. Somit wäre die Kombination A3D (Dentinfarbe), A3B (Body- oder Universalfarbe) und A3E (Schmelzfarbe) eine durchaus diskussionswürdige Alternative.

  • Abb. 2: Adhäsive Versiegelung der Klebefläche.
  • Abb. 3: Aufbau der palatinalen Schmelzwand mit der Schmelzmasse A3E.
  • Abb. 2: Adhäsive Versiegelung der Klebefläche.
  • Abb. 3: Aufbau der palatinalen Schmelzwand mit der Schmelzmasse A3E.

  • Abb. 4: Dentinmasse B3D.
  • Abb. 5: Die noch verbliebene Schicht wurde aus der Body-Masse C2B aufgebaut.
  • Abb. 4: Dentinmasse B3D.
  • Abb. 5: Die noch verbliebene Schicht wurde aus der Body-Masse C2B aufgebaut.


Wie allgemein bekannt, sind A2 und A3 die in Deutschland und auch in Europa am häufigsten verwendeten Farben. Die alte Regel „Bis 30 Jahre A2, ab 30 Jahre A3“ trifft sehr oft zu und stellt die ideale Ausgangsbasis für eine schnelle und effektive Farbbestimmung dar. Entsprechend der häufigen Verwendung der Farben A2 und A3 waren in dem Testset der ersten Filtek Supreme XTE-Proben, das dem behandelnden Zahnarzt zur Verfügung stand, die Farben A3D und A3B bereits verarbeitet. Lediglich A3E war noch verfügbar. Wer häufig Frontzahnrestaurationen aufbaut, weiß, dass es mehr auf die Helligkeit (Value) und die Opazität des Materials ankommt als auf die Farbe selbst. Nur wenige Menschen können im Farbraum wirklich eine A- von einer B-Farbe unterscheiden, da sie sich sehr ähnlich sind. C-Farben wirken etwas grauer – ihr Effekt kann mit einer A-Farbe mit einem etwas dickeren Schmelzfarbenüberzug imitiert werden, da durch die höhere Transluzenz der Schmelzfarbe ein leichter Graueffekt entsteht. Aus den noch zur Verfügung stehenden Farben wurden neben A3E noch B3D und C2B ausgewählt. Die Dentinfarbe in der erforderlichen Helligkeit deckt den Dentinanteil sicher ab, die Schmelzfarbe A3, eigentlich die unbedeutendste, ist bereits passend gewählt und die etwas zu helle Farbe C2B muss lediglich in einer dünnen Schicht den Übergang von Dentin zu Schmelz labial kaschieren. Zwar ist es durchaus möglich, den labialen Übergang einer Frontzahnrestauration im Schmelzbereich aus der E-Masse zu gestalten aus eigener Erfahrung ergeben sich allerdings einfachere und bessere Ergebnisse, wenn labial lediglich die Body-Masse angewendet und die Verwendung der Schmelzmasse auf den inzisalen Bereich beschränkt wird.
  • Abb. 6: Im inzisalen Bereich kam erneut A3E zur Anwendung.
  • Abb. 7a: Abb. 7a und b: Nach Ausarbeitung und Politur zeigte sich ein harmonisches Bild, das die vorhandenen Opazitäten und Transluzenzen relativ natürlich wiedergibt.
  • Abb. 6: Im inzisalen Bereich kam erneut A3E zur Anwendung.
  • Abb. 7a: Abb. 7a und b: Nach Ausarbeitung und Politur zeigte sich ein harmonisches Bild, das die vorhandenen Opazitäten und Transluzenzen relativ natürlich wiedergibt.

  • Abb. 7b
  • Abb. 8: Die Versorgung bei einer weiteren Kontrolle nach acht Wochen.
  • Abb. 7b
  • Abb. 8: Die Versorgung bei einer weiteren Kontrolle nach acht Wochen.

Vorgehensweise bei der Schichtung

Nach Abrunden aller Kanten und der Schmelzränder erfolgte die adhäsive Versiegelung (Abb. 2). Da keinerlei Kontaminationsgefahr bestand, konnte im vorliegenden Fall auf die Verwendung von Kofferdam verzichtet werden. Lediglich ein Wangenhalter (Hager & Werken) verhinderte, dass die Lippen die Klebeflächen berührten. Zuerst wurde die palatinale Wand mit der Schmelzmasse A3 aufgebaut. Um die Modellation zu erleichtern, wurde eine mit einem Stück Klebestreifen verstärkte Fingerspitze von palatinal gehalten, gegen die modelliert werden konnte. Nach Polymerisation (20 Sekunden mit Elipar™ S10 LED-Polymerisationsgerät, 3M ESPE) stellte die palatinale Schmelzwand in A3E (Abb. 3) eine Grundlage dar, auf welche die Dentinmasse B3D aufgebaut werden konnte (Abb. 4). Die noch verbliebene labiale Schicht wurde mit der Body-Masse C2B aufgebaut (Abb 5). Lediglich im inzisalen Bereich kam erneut ein wenig Material der Farbe A3E zur Anwendung (Abb. 6).

Nach Ausarbeitung und Politur zeigte sich ein harmonisches Bild, das die vorhandenen Opazitäten und Transluzenzen recht natürlich wiedergibt – auch mit alternativen Farben (Abb. 7). Dies zeigt deutlich, dass es primär auf die exakte Bestimmung der erforderlichen Helligkeit des Komposits und die Auswahl geeigneter Opazitäten ankommt, die dann in den entsprechenden Schichtdicken eingebracht werden. Ein Material wie Filtek™ Supreme XTE unterstützt dies meiner Erfahrung nach ferner durch seinen schönen Chamäleoneffekt, der eine Farbadaptation auch leicht abweichender Farben erlaubt. Die Abbildung 8 zeigt die Versorgung bei einer weiteren Kontrolle nach acht Wochen.

Fazit

Keine Angst vor alternativen Schichtkonzepten – solange Helligkeit und Opazität stimmen!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst