Zahnerhaltung

Ein Patientenfall

Chairside CAD/CAM-Neuversorgung mit ZLS-Keramik


Die zirkonverstärkte Lithiumsilikat (ZLS)-Keramik Celtra Duo wird in einem fertig kristallisierten Block angeboten und kann je nach klinischer Anforderung entweder ganz ohne zusätzlichen Kristallisationsbrand bzw. optional mit einem kurzen Glasurbrand eingesetzt werden. Damit punktet der universelle Chairside-Werkstoff gegenüber Lithiumdisilikat insbesondere mit der deutlich reduzierten Verarbeitungszeit. Im vorliegenden Beitrag werden kurz die Materialeigenschaften der neuen ZLS-Keramik besprochen und anhand eines Patientenfalles detailliert die Vorgehensweise bei der CAD/CAM-Neuversorgung mit Celtra Duo beschrieben.

Die 45 Jahre alte Kollegin verlor ein nach eigenen Aussagen nahezu 20 Jahre altes, okklusal-distales Keramikinlay an Zahn 35. Sie stellte sich an ihrem Wohnort bei einem Kollegen vor, der den Defekt mit einem lichthärtenden Glasionomerzement provisorisch verschloss. Da sie befürchtete, dass das ebenso alte, bereits mehrfach reparierte und ergänzte Keramikinlay an Zahn 36 bald dasselbe Schicksal ereilen würde, vereinbarte sie einen Drei-Stunden-Termin für eine Chairside CAD/CAM-Neuversorgung beider Zähne mit je einer Keramikrestauration.

Ausgangssituation und Therapieplanung

  • Abb. 1: Alio loco durchgeführte Interims-versorgung an Zahn 35 mit einem lichthärtenden GIZ und bereits mehrfach repariertes Keramikinlay an Zahn 36.

  • Abb. 1: Alio loco durchgeführte Interims-versorgung an Zahn 35 mit einem lichthärtenden GIZ und bereits mehrfach repariertes Keramikinlay an Zahn 36.
Die klinische Befundung ergab eine suffiziente Interimsversorgung an Zahn 35 und eine klinische Situation an Zahn 36, die nicht unbedingt eine sofortige Intervention erforderlich machen würde (Abb. 1). Bei defekten existierenden Restaurationen sollte generell immer die Austauschindikation von einer Reparaturoption differenziert werden. Reparaturen bzw. „restaurationserhaltende Maßnahmen“ sind immer dann indiziert, wenn lediglich punktuelle Defekte vorliegen oder noch nennenswerte Bestandteile der bestehenden Restauration intakt sind. Es gibt nämlich keinen Nachweis dafür, dass bei Auftreten eines singulären Defektes an einer Stelle einer Restauration in Kürze ein Versagen der restlichen Bestandteile zu erwarten wäre. Finden sich hingegen parallel zu einem lokalen Defekt an einer Restauration generalisiert insuffiziente Ränder an der Gesamtrestauration, die zu der Annahme veranlassen, dass eine geringere Lebenserwartung als zwei Jahre zu erwarten ist, sollte doch der Gesamtaustausch in Erwägung gezogen werden. Dies war im vorliegenden Fall an Zahn 36 gegeben: Aufgrund der weitspannenden Desintegrationsphänomene am mesio-lingualen Höcker konnte schwer eine Garantie dafür abgegeben werden, dass die linguale Wand stabil bleiben und keine Fraktur zu befürchten wäre. Derartige Frakturen verlaufen oft schräg nach zervikal und sind dann schwer mit Sekundärrestaurationen zu versorgen. Man kam somit überein, zur Erhöhung der Gesamtstabilität den Zahn 36 in Form einer Teilkrone zu versorgen. Da man heute eher der kohäsiven Materialstabilität der Keramik als einem 100%igen adhäsiven Verbund vertraut, bezieht man dünne Wände in der Regel in die Präparation mit ein, um einen komplizierten Frakturverlauf zu vermeiden. Die distale Wand des Zahnes 36 erwies sich hingegen als stabil und kariesfrei, sodass diese nach Rücksprache mit der Patientin belassen wurde: Tief nach zervikal reichende Schrägfrakturen treten meist bukkal oder lingual auf, im Approximalbereich hingegen extrem selten. Bei Zahn 35 zeigte sich eine ausreichende Dentinunterstützung, sodass eine Fassung der Höcker hier nicht in Erwägung gezogen werden musste. Die Mesialfläche des Zahnes 35 erwies sich ebenso als kariesfrei, sodass hier eine Erweiterung auf ein dreiflächiges Mod-Inlay vermieden werden konnte.

Wahl des passenden Restaurationsmaterials

Muss aus den genannten Gründen ein Höcker eingefasst werden, hängt das Ausmaß des Reduktionsbedarfes sehr stark davon ab, welches indirekte Restaurationsmaterial zur Anwendung kommt. Die klassische Empfehlung, bei Keramikinlays einen Platzbedarf im Bereich tragender Höcker von 2 bis 2,5 mm zu berücksichtigen, gilt heute nicht mehr uneingeschränkt für alle Keramiken. Mit e.max (Ivoclar Vivadent) steht seit Jahren ein extrem stabiles Restaurationsmaterial zu Verfügung, das sich zwar hinsichtlich der offiziellen Präparationsempfehlungen eher konservativ gibt, in zahlreichen Fallberichten jedoch zeigen konnte, dass selbst dünnste Table-Top-Onlays in Schichten von z.T. < 1 mm funktionieren – eine suffiziente adhäsive Befestigung vorausgesetzt. Nun ist e.max aber nicht mehr alleine: Neben dieser Lithiumdisilikatkeramik stehen seit Kurzem auch die Zirkonoxid-verstärkten Silikatkeramiken Celtra Duo (DENTSPLY DeTrey) und SUPRINITY (VITA) zur Verfügung. Während SUPRINITY in einem vorkristallisierten Zustand geschliffen wird und ähnlich e.max eines zeitaufwendigen Kristallisationsbrandes bedarf, wird Celtra Duo (DENTSPLY) in einem fertig kristallisierten Block angeboten, der nach Herstellerangaben eine intrinsische Festigkeit von 420 MPa aufweisen soll. Nach dem Schleifen im Cerec-Gerät reduziert sich diese Härte auf 210 MPa. Ein einfacher Glanzbrand, der die Oberflächenrauigkeiten am effizientesten verschließt, erhöht hingegen die Biegebruchfestigkeit bereits auf 370 MPa.

Selbst in einem nicht mit einem Glanzbrand versehenen, polierten Zustand verspricht dieses neue Material somit eine Biegebruchfestigkeit von nahezu dem doppelten Wert, wie er für die klassische Vita Mark II angegeben wird – einem Material, dem man nun wirklich nicht nachsagen kann, dass es klinisch nicht funktioniere; ganz im Gegenteil: Eine ausreichende Mindestschichtstärke vorausgesetzt, wird man kaum im klinischen Alltag Frakturen beobachten. Warum also dann eine Biegebruchfestigkeit, die doppelt so hoch liegt? Zum einen gibt dies einen zusätzlichen Sicherheitsaspekt, zum anderen können dann auch sicherlich dünnere Strukturen – ähnlich wie bei e.max – realisiert werden, was einer Zahnhartsubstanzschonung zugute kommt. Zwar hält sich der Hersteller DENTSPLY ähnlich bedeckt wie die Ivoclar Vivadent für e.max – eine Mindestschichtstärke von 1,5 mm in der Fissur und 2,0 mm im Bereich eines Höckers werden vom Hersteller als Präparationsrichtlinie vorgegeben. Bis klinische Erfahrungen im größeren Stil vorliegen, sollte man auch diesen Vorgaben entsprechend präparieren.

Der eigentliche Pluspunkt gegenüber Lithiumdisilikat ist hingegen die deutlich reduzierte Verarbeitungszeit, da kein Kristallisationsbrand erfolgen muss. Der optionale Glanzbrand dauert lediglich 10–15 Minuten; ein Pluspunkt hier: Es ist keine Verwendung einer Brennpaste erforderlich, die anschließend mühselig und zeitaufwendig entfernt werden müsste. Bleibt noch die Frage der Polierbarkeit: Eigene Versuche mit einer approximalen Politur mittels Soflex-Scheibe (3M ESPE) sowie einer intraoralen okklusalen Politur mit NTICeraGlaze- Polieren (NTI Kahla) oder den OptraFine-Polieren (Ivoclar Vivadent) ergaben ein schnelles, hochglänzendes Politurergebnis. Die endgültige Hochglanzpolitur erfolgte intraoral mit der Karat-Diamantpolierpaste (VITA). Aufgrund der einfachen und schnellen intraoralen Polierbarkeit kann durchaus dieser Variante der Vorzug gegenüber dem zusätzlichen Glanzbrand gegeben werden, wenn nicht unbedingt eine so hohe Biegebruchfestigkeit als erforderlich angesehen wird, was bei den meisten klinischen Situationen wahrscheinlich ausreichen dürfte.

Versorgung mit der neuen ZLS-Keramik Celtra Duo

  • Abb. 2: Einprobe der noch komplett unbehandelten Celtra-Duo-Keramikrestaurationen an den Zähnen 35 und 36. Während die Teilkrone an Zahn 36 perfekt passt, kann das Inlay an Zahn 35 noch als klinisch vertretbar betrachtet werden.

  • Abb. 2: Einprobe der noch komplett unbehandelten Celtra-Duo-Keramikrestaurationen an den Zähnen 35 und 36. Während die Teilkrone an Zahn 36 perfekt passt, kann das Inlay an Zahn 35 noch als klinisch vertretbar betrachtet werden.
Es lag somit auf der Hand, die Patientin, die ausdrücklich mit Keramik versorgt werden wollte, mit diesem neuen, vielversprechenden Werkstoff zu versorgen. Die beiden Cerec- Werkstücke wurden beide aus einem LT (niedrige Transluzenz)-Block der Farbe A3 nach optischer Abformung mit der Cerec Bluecam unter der Software 3.8 in der Cerec MCX geschliffen. Da die Präparationsränder supragingival bzw. paragingival lagen, konnte die photooptische Abformung mit der Bluecam ohne Kofferdam realisiert werden. Bei tieferen Kavitäten empfiehlt sich, die Aufnahme unter Kofferdam vorzunehmen, um eine sichere Identifizierung der Kavitätenränder durch den Kantenfinder zu ermöglichen. Die Aufnahme ohne Kofferdam ermöglicht dem Patienten eine ca. 20-minütige Pause mit geschlossenem Mund z. B. im Wartezimmer, während die indirekte Versorgung konstruiert und geschliffen wird. Wird hingegen unter Kofferdam optisch abgeformt, muss entweder der Kofferdam für diese Zeit zusätzlich in situ bleiben oder anschließend neu gelegt werden, was man meist aufgrund des zusätzlichen Aufwandes zu vermeiden versucht. Die erste Einprobe (Abb. 2) erfolgte dann ebenso ohne Kofferdam; hierbei muss allerdings sorgfältig darauf geachtet werden, dass die ohne Friktion erstellten Keramikrestaurationen nicht herausfallen, verschluckt oder aspiriert werden.

Die Schleifparameter der Cerec AC waren auf die Teilkronensituation eingestellt; somit saß die Teilkrone an Zahn 36 perfekt, das Inlay an Zahn 35 zeigte hingegen keine spontan begeisternde Passung (Abb. 2) – diese war jedoch klinisch vertretbar. Die neuere Software-Variante 4.2 ermöglicht differenzierte Voreinstellungen für Inlays und Teilkronen – da sollte das Problem der schlechteren Initialpassung der Inlays nach Sirona-Herstellerangaben dann passé sein.

Adhäsive Befestigung step by step: Keramikteilkrone 36

Nach der Einprobe erfolgte zunächst die Ätzung der Teilkrone an Zahn 36 für 30 Sekunden mit 5%igem Flusssäuregel (VITA Ceramics Etch, Abb. 3). Wie bei allen adhäsiven Vorbehandlungsmaßnahmen darf die Klebeoberfläche nicht kontaminiert und somit auch nicht – selbst mit den behandschuhten Fingern – gehalten werden. Um ein Festhalten mit den Fingern zu verhindern, wurde ein Rosenbohrer mit einem lichthärtenden Provisoriumsmaterial (Clip, VOCO) an der Kaufläche befestigt (alternativ: Klebewachs). Nach gründlichem Abspülen in einen Spülbecher (nicht direkt in das Waschbecken!) und Reinigung im Ultraschallbad erfolgte ein Auftrag des Calibra Silans (DENTSPLY). Die Anwendung des Silans aus einer Spritze ist für traditionalistische Monobond- Anwender erst einmal gewöhnungsbedürftig, macht aber Sinn, da das Luftvolumen in dem Vorratsbehälter so deutlich reduziert werden kann. Das Silan wirkt 60 Sekunden lang ein und wird anschließend mit dem Luftpüster verblasen und getrocknet. Zeigt sich die Keramikoberfläche vor Ablauf der 60-sekündigen Einwirkzeit bereits trocken, so wurde nicht ausreichend Material aufgetragen – eine weitere Applikation mit anschließender Trocknung ist dann erforderlich. Im Prinzip kann jedes adhäsive Befestigungssystem für Celtra Duo zur Anwendung kommen; auch eine reine lichthärtende Befestigung mittels einem lichthärtenden Füllungsmaterial ist vorstellbar. Der Hersteller empfiehlt das hauseigene, seit Jahren bewährte [5–10] und nun auf Celtra Duo abgestimmte Celtra Duo-Befestigungssystem, bestehend aus dem Typ-2-Adhäsiv XP Bond [1–4], das sich über eine 1:1-Mischung mit dem Self CureActivator und dem bekannten Calibra zu einem dunkelhärtenden Adhäsiv verwandelt. Calibra wird zudem nun endlich als Doppelkammermischspritze angeboten. Jede adhäsive Befestigung beginnt mit einer suffizienten Kontaminationskontrolle der Klebeflächen.

  • Abb. 3: Ätzung der Teilkrone an Zahn 36 für 30 Sekunden mit 5%igem Flusssäuregel (VITA Ceramics Etch).
  • Abb. 4: Die beiden zu versorgenden Zähne 35 und 36 unter Kofferdamisolierung nach der Kavitätenreinigung (Zircate-Paste, DENTSPLY). Die Abbildung verdeutlicht die vorgenommene Präparation unter Erhalt der distalen Randleiste des Zahnes 36 sowie der lediglich nachkorrigierten Inlay-Präparation an Zahn 35.
  • Abb. 3: Ätzung der Teilkrone an Zahn 36 für 30 Sekunden mit 5%igem Flusssäuregel (VITA Ceramics Etch).
  • Abb. 4: Die beiden zu versorgenden Zähne 35 und 36 unter Kofferdamisolierung nach der Kavitätenreinigung (Zircate-Paste, DENTSPLY). Die Abbildung verdeutlicht die vorgenommene Präparation unter Erhalt der distalen Randleiste des Zahnes 36 sowie der lediglich nachkorrigierten Inlay-Präparation an Zahn 35.

Die Abbildung 4 zeigt die beiden zu versorgenden Zähne 35 und 36 unter Kofferdamisolierung nach der Kavitätenreinigung (Zircate-Paste, DENTSPLY). Die Abbildung verdeutlicht die vorgenommene Präparation unter Erhalt der distalen Randleiste des Zahnes 36 sowie der lediglich nachkorrigierten Inlay-Präparation an Zahn 35.

Auch wenn zwei nebeneinanderliegende Kavitäten durchaus gleichzeitig eingegliedert werden können, empfiehlt es sich doch, eine Restauration nach der anderen einzukleben. Dies ermöglicht eine optimale Versäuberung der Klebefläche, die der anschließend zu versorgenden zugewandt ist. Die Abbildung 5 zeigt die zur adhäsiven Befestigung vorbereitete Klebefläche des Zahnes 36. Approximal wurde bereits vor der Ätzung eine Teilmatrize (Garrison) eingebracht, um an dieser Stelle ein unkontrolliertes Abfließen des Befestigungsmaterials nach zervikal zu verhindern. Zudem ist der Nachbarzahn 35 so vor ungewollter Kontamination mit Ätzgel, Adhäsiv oder Befestigungskomposit gut geschützt. Die Phosphorsäureätzung mit 36%igem Phosphorsäuregel (Conditioner 36, DENTSPLY) beginnt am Zahnschmelz (Abb. 6) und wird nach visueller Kontrolle aller zu ätzenden Kavitätenränder auf das Dentin ergänzt (Abb. 7). Hier verbleibt das Ätzgel für exakt 15 Sekunden und wird dann zusammen mit dem Ätzgel auf den Zahnschmelzrändern komplett abgespült. Der Abspülvorgang sollte ebenso 15 Sekunden betragen, um eine vollständige Entfernung der ausgefällten Kalziumpräzipitate sicherzustellen. Als nächster Schritt folgt die Trocknung der Klebeflächen: Intuitiv trocknet man eine Kavität beginnend von zentral. Damit trocknet man jedoch die Struktur am stärksten, die eigentlich am feuchtesten gehalten werden soll, nämlich das okklusale Dentin. Klinisch bewährt hat sich die Trocknung „von außen nach innen“; d. h., man konzentriert sich primär darauf, die Wasserpfützen außen am Matrizenband und dann die Wasserlachen in den spitzen Winkeln zwischen Matrizenband und Kavitätenflanken durch den Luftbläser zu entfernen. Anschließend genügt ein kurzer Luftstrom senkrecht in die approximalen Kästen, gefolgt von einer leicht fächelnden Bewegung okklusal. So wird sichergestellt, dass alle Wasserpfützen entfernt werden und das Dentin nicht übertrocknet wird.

  • Abb. 5: Die zur adhäsiven Befestigung vorbereitete Klebefläche des Zahnes 36. Approximal wurde bereits vor der Ätzung eine Teilmatrize (Garrison) eingebracht, um an dieser Stelle ein unkontrolliertes Abfließen des Befestigungsmaterials nach zervikal zu verhindern. Zudem ist der Nach-barzahn 35 so vor ungewollter Kontamination mit Ätzgel, Adhäsiv oder Befestigungskomposit gut geschützt.
  • Abb. 6: Die Phosphorsäureätzung mit 36%-igem Phosphorsäuregel (Conditioner 36, DENTSPLY) am Zahnschmelz.
  • Abb. 5: Die zur adhäsiven Befestigung vorbereitete Klebefläche des Zahnes 36. Approximal wurde bereits vor der Ätzung eine Teilmatrize (Garrison) eingebracht, um an dieser Stelle ein unkontrolliertes Abfließen des Befestigungsmaterials nach zervikal zu verhindern. Zudem ist der Nach-barzahn 35 so vor ungewollter Kontamination mit Ätzgel, Adhäsiv oder Befestigungskomposit gut geschützt.
  • Abb. 6: Die Phosphorsäureätzung mit 36%-igem Phosphorsäuregel (Conditioner 36, DENTSPLY) am Zahnschmelz.

  • Abb. 7: Vervollständigung der Ätzung auf das Dentin. Das Ätzgel verblieb hier für weitere 15 Sekunden und wurde dann komplett abgespült.
  • Abb. 8: Die mit der Kombination XP Bond/SCA versiegelte, unpolymerisierte Klebefläche des Zahnes 36.
  • Abb. 7: Vervollständigung der Ätzung auf das Dentin. Das Ätzgel verblieb hier für weitere 15 Sekunden und wurde dann komplett abgespült.
  • Abb. 8: Die mit der Kombination XP Bond/SCA versiegelte, unpolymerisierte Klebefläche des Zahnes 36.

Das im nächsten Schritt applizierte Adhäsiv XP Bond (DENTSPLY) kann in zwei verschiedenen Varianten verwendet werden: einmal die klassische Anwendung wie in der Füllungstherapie, bei der nach sorgfältiger Lösungsmittelevaporation eine Lichthärtung erfolgt. Dieser Weg wäre vorzuziehen, wenn z. B. rein lichthärtend mit einem angewärmten oder ultraschallaktivierten Füllungskomposit eingesetzt werden soll. Hierbei ist darauf zu achten, eine Pfützenbildung des Adhäsivs – z. B. in den approximalen Kästen – zu vermeiden, da dies die finale Passung der Restauration negativ beeinträchtigen könnte. Im vorliegenden Fall sollte hingegen dualhärtend befestigt werden, was in logischer Konsequenz auch eine Dualhärtung des Adhäsivs beinhaltet. Hierzu muss das zu verwendende XP-Bond 1:1 mit dem Dunkelhärtungsaktivator SCA (= Self Cure Activator, DENTSPLY) vermischt werden. Dieses Vorgehen setzt allerdings die Verwendung des dualhärtenden Befestigungskomposits Calibra voraus. Hier sind alle Initiatorsysteme derart aufeinander abgestimmt, dass eine möglichst vollständige Aushärtung aller Systemkomponenten erreicht werden kann. (Die Kombination aus Calibra, XP-Bond und SCA kann auch rein dunkelhärtend eingesetzt werden. Eine Lichthärtung ist nicht zwingend erforderlich.) Die Abbildung 8 zeigt die mit der Kombination XP Bond/SCA versiegelte, unpolymerisierte Klebefläche des Zahnes 36. Das Befestigungskomposit Calibra wurde in der Farbe „Translucent“ auf die Keramik aufgebracht, platziert und sofort mit der Überstandsentfernung begonnen. Diese erfolgte mithilfe eines Heidemann-Spatels und eines Bonding-Pinsels. Eine 20-sekündige Lichtpolymerisation aus okklusaler Richtung unter Halt der Teilkrone mithilfe eines Kugelstopfers fixierte die Restauration initial. Nach visueller Kontrolle der Klebefugen erfolgte ein Auftrag eines Glyceringels (Airblock, DENTSPLY) zur Verhinderung der Sauerstoffinhibitionsschicht am Fügespalt und somit zur Sicherstellung der vollständigen Polymerisation des Befestigungsmaterials an der Klebefuge unter Sauerstoffabschluss. Eine weitere Polymerisation für weitere 20 Sekunden aus okklusaler, bukkaler und lingualer Richtung vervollständigte die Aushärtung. Nach Entfernung der approximalen Teilmatrize erfolgte die vollständige Versäuberung und Überstandsentfernung an Zahn 36.

Adhäsive Befestigung des Keramikinlays 35

Eine erneute Einprobe des Inlays an Zahn 35 stellte dessen Passung sicher. Es kann durchaus vorkommen, dass ein Kleberest an der Approximalfläche, oder eine um wenige ?m zu weit zur noch unversorgten Kavität des Nachbarzahnes weisende Keramikarbeit, die finale Positionierung des benachbarten Werkstückes verhindert oder zumindest erschwert. Deswegen ist diese erneute Anprobe, auch wenn sie ein paar Minuten mehr Behandlungszeit in Anspruch nimmt, durchaus zu empfehlen. Es versteht sich von selbst, dass die Vorbehandlung der Keramik erst nach dieser Einprobe erfolgen darf. Die Abbildung 9 zeigt die Ätzung des Inlays 35 mit dem Flusssäuregel. Die Abbildung 10 verdeutlicht nun die vorbereitete Kavität des Zahnes 35 zur Aufnahme des Keramikinlays.

  • Abb. 9: Ätzung des Inlays 35 mit dem Flusssäuregel nach erneuter Einprobe nach approximaler Versäuberung an Zahn 36.
  • Abb. 10: Die vorbereitete Kavität des Zahnes 35 zur Aufnahme des Keramikinlays. Auch hier wurde eine Teilmatrize approximal platziert, um – wie bereits beschrieben – ein Abfließen des Befestigungskomposits in Richtung der approximalen Flanken zu lenken.
  • Abb. 9: Ätzung des Inlays 35 mit dem Flusssäuregel nach erneuter Einprobe nach approximaler Versäuberung an Zahn 36.
  • Abb. 10: Die vorbereitete Kavität des Zahnes 35 zur Aufnahme des Keramikinlays. Auch hier wurde eine Teilmatrize approximal platziert, um – wie bereits beschrieben – ein Abfließen des Befestigungskomposits in Richtung der approximalen Flanken zu lenken.

Auch hier wurde eine Teilmatrize approximal platziert, um, wie bereits beschrieben, ein Abfließen des Befestigungskomposits in Richtung der approximalen Flanken zu lenken. Die Teilmatrize wurde im okklusalen Bereich jeweils zwei Mal eingeschnitten. Dies ermöglicht ein diskretes „Aufbörteln“ der Ränder, um eine ungestörte Platzierung der Restauration zu ermöglichen. Ansonsten wäre die Positionierung des Inlays deutlich erschwert, da die Teilmatrize ihre größte Zirkumferenz im Bereich des Zahnäquators aufweist, die Einflugschneise somit deutlich verengt wäre, was letztendlich zu einem umständlichen „Hineinfädeln“ führen würde.

Die adhäsive Vorbehandlung erfolgte identisch zu der an Zahn 36: In der Abbildung 11 ist die Phosphorsäurekonditionierung von Schmelz und Dentin erkennbar; in der Abbildung 12 die mit XP Bond/SCA versiegelte Klebefläche. Die Abbildung 13 zeigt den Abschluss der Behandlung nach vollständiger Überstandsentfernung und intraoraler Politur mit Soflex-Scheiben (3M ESPE) sowie den Mini-Spitzen des zweistufigen OptraFine-Poliersystems (Ivoclar Vivadent). Der finale Hochglanz kam durch die Karat-Diamantpolierpaste (VITA) zustande. Die Abbildung 14 zeigt dieselbe Situation 14 Monate später: Der Bereich der Klebefuge an Zahn 35 ist etwas matter geworden; der Glanzgrad der beiden Keramikrestaurationen ist unverändert. Das Inlay an Zahn 35 wirkt etwas zu opak. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass bei beiden Zähnen die niedrig transluzente LT-Variante des Celtra-Duo-Blockes zur Anwendung kam. Bei Inlays hingegen ermöglicht die höher transluzente HT-Variante sicherlich eine schönere Ästhetik – diese Variante stand allerdings zum Behandlungszeitpunkt seitens des Herstellers noch nicht zu Verfügung, ist inzwischen aber erhältlich und wird seitdem auch für die Inlay- Indikation eingesetzt.

  • Abb. 11: Phosphorsäurekonditionierung von Schmelz und Dentin an Zahn 35
  • Abb. 12: Die mit XP Bond/SCA versiegelte Klebefläche.
  • Abb. 11: Phosphorsäurekonditionierung von Schmelz und Dentin an Zahn 35
  • Abb. 12: Die mit XP Bond/SCA versiegelte Klebefläche.

  • Abb. 13: Abschluss der Behandlung nach vollständiger Überstandsentfernung und intraoraler Politur.
  • Abb. 14: Nachkontrolle nach 14 Monaten.
  • Abb. 13: Abschluss der Behandlung nach vollständiger Überstandsentfernung und intraoraler Politur.
  • Abb. 14: Nachkontrolle nach 14 Monaten.

Fazit

Die durchgeführte Versorgung mit der neuen ZLSKeramik Celtra Duo konnte somit als funktioneller und ästhetischer Erfolg bezeichnet werden. Zwar liegen noch keine klinischen Studien mit dieser neuen Keramik vor, die zur Markteinführung zu Verfügung stehenden In-vitro-Untersuchungsergebnisse zu den physikalischen Eigenschaften der Keramik lassen aber in Kombination mit den seit Jahren guten Erfahrungen mit dem bewährten Calibra-Befestigungssystem von einer sehr guten Prognose der Restaurationen ausgehen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst