Zahnerhaltung

Eine Falldokumentation

Bulk-Fill- oder Universalkomposit im Seitenzahnbereich?

Für adhäsive Füllungen im Seitenzahnbereich haben sich Universalkomposite in Schichttechnik als klinisch zuverlässige und ästhetische Behandlungsoption etabliert. Tiefe und ausgedehnte Kavitäten stellen aber weiterhin eine besondere Herausforderung für den Zahnarzt dar. Ein Grund dafür ist die Schwierigkeit einer perfekten Polymerisation. Hinzu kommt auch der mit der Schichttechnik verbundene höhere Zeitaufwand. Nachfolgend wird anhand eines Fallbeispiels das Vorgehen bei der Versorgung einer komplexen Kavität im UK-Seitenzahnbereich mit einem Bulk-Fill-Komposit beschrieben.

Mit der Einführung der Bulk-Fill- Komposite soll eine zeitraubende Schichttechnik überflüssig werden und das Legen einer Füllung „am Stück“ (engl. „bulk“= Hauptteil) möglich sein. Doch was ist bei der Auswahl eines Bulk-Fills zu beachten?

Das Hauptargument für die Verwendung von Bulk-Fill-Materialien im Seitenzahnbereich ist, dass sie laut Herstellerangaben bis zu einer Schichtstärke von 4 bis 5 mm sicher aushärten und gleichzeitig einen geringen Volumenschrumpf und Schrumpfungsstress aufweisen. Studien bestätigen, dass moderne Bulk-Fill-Komposite diese gewünschten Eigenschaften bieten [1,2].

Verarbeitungseigenschaften

Es ist wichtig, dass diese Materialien keine Nachteile in puncto Verarbeitung und Ästhetik gegenüber Universalkompositen haben. Ein Bulk-Fill-Komposit sollte idealerweise dem Anwender ermöglichen, die Kavität ohne Notwendigkeit einer zusätzlichen Deckschicht aus Universalkomposit zu füllen. Demnach sollte das gewählte Material ebenso wie ein Universalkomposit gut an der Kavität adaptieren, einfach zu modellieren und abrasionsbeständig sein. Farbe und Opazität sollten dem Zahn, bzw. einem Universalkomposit, entsprechen. Zusätzlich ist eine gute Polierbarkeit wichtig [3,4].

Patientenfall: Erneuerung einer Füllung

Im Rahmen einer Kontrolluntersuchung wurden bei einer 60-jährigen Patientin insuffiziente Kompositrestaurationen an den Zähnen 44 und 45 festgestellt (Abb. 1). Eine Röntgenaufnahme bestätigte den klinischen Befund (Abb. 2). Aufgrund der Größe und Komplexität der Kavitäten wurde entschieden, beide Zähne in separaten Behandlungssitzungen mit neuen Kompositfüllungen zu versorgen. Im 1. Schritt erfolgte die hier beschriebene Behandlung des Zahnes 44.

  • Abb. 1: Okklusale Ansicht der Ausgangssituation an den Zähnen 44 und 45.
  • Abb. 2: Röntgenaufnahme der Ausgangssituation mit insuffizienten Füllungen an den Zähnen 44 und 45.
  • Abb. 1: Okklusale Ansicht der Ausgangssituation an den Zähnen 44 und 45.
  • Abb. 2: Röntgenaufnahme der Ausgangssituation mit insuffizienten Füllungen an den Zähnen 44 und 45.

Nach Lokalanästhesie und absoluter Trockenlegung mit Kofferdam (Keydent Dry Access x-Heavy blau; American Dental Systems) wurde die Füllung entfernt und die Karies im Approximalbereich minimalinvasiv exkaviert (Abb. 3 und 4). Dabei stellte sich heraus, dass sich unter der angrenzenden zervikalen Füllung ebenfalls Karies gebildet hatte. Dementsprechend wurde der erneuerungsbedürftige Anteil der Versorgung selektiv entfernt und auch hier die Karies exkaviert (Abb. 5).

  • Abb. 3: Situation nach Entfernung der approximalen Füllung am Zahn 44.
  • Abb. 4: Situation nach minimalinvasiver Kariesexkavation.
  • Abb. 3: Situation nach Entfernung der approximalen Füllung am Zahn 44.
  • Abb. 4: Situation nach minimalinvasiver Kariesexkavation.

  • Abb. 5: Präparation im zervikalen Bereich.
  • Abb. 5: Präparation im zervikalen Bereich.

Die Vorgehensweise

Zur Sicherstellung einer guten Haftkraft, speziell an den Schmelzoberflächen der präparierten zervikalen Kavität, wurde 35%iges Phosphorsäuregel (3M Scotchbond Universal Ätzgel) für 30 Sekunden auf den Schmelz und für 15 Sekunden auf das Dentin appliziert. Die Total-Etch-Technik wurde im vorliegenden Fall gewählt, um ein ausgeprägtes Ätzmuster auf allen Schmelzoberflächen sicherzustellen (Abb. 6). Anschließend erfolgte die Anwendung eines Universaladhäsivs (3M Scotchbond Universal Adhäsiv) nach den Angaben des Herstellers: Es wird 20 Sekunden in die Oberfläche einmassiert, anschließend vorsichtig mit Luft verblasen, um das vollständige Verdunsten des enthaltenen Lösungsmittels zu erzielen, und final lichtgehärtet (Abb. 7). Als Füllungsmaterial wurde zervikal ein fließfähiges Komposit (3M Filtek Supreme XTE Flowable Composite) in der Farbe A3 appliziert und polymerisiert (Abb. 8). Erst nach der Wiederherstellung der natürlichen Zahnform im Zahnhalsbereich wurde ein Teilmatrizensystem (Matrizenbänder und Soft-Face 3D-Ring des Composi-Tight® 3D Teilmatrizensystems, Garrison Dental) eingesetzt.

  • Abb. 6: Zahnoberfläche nach Ätzen mit Phosphorsäuregel.
  • Abb. 7: Situation nach Applikation des Universaladhäsivs.
  • Abb. 6: Zahnoberfläche nach Ätzen mit Phosphorsäuregel.
  • Abb. 7: Situation nach Applikation des Universaladhäsivs.

  • Abb. 8: Mit fließfähigem Komposit reparierte zervikale Füllung.
  • Abb. 8: Mit fließfähigem Komposit reparierte zervikale Füllung.

Um mit der Teilmatrize bei der vorliegenden oro-vestibulären Ausdehnung der Kavität eine physiologische Formgebung zu erreichen, wurde PTFE-Band (Cumdente) verwendet. Dieses wurde jeweils oral und vestibulär mit leichtem Druck zwischen der Teilmatrize und dem benachbarten Zahn eingebracht. Dann wurde der Spannring platziert. Von der Kavität aus wurde die Teilmatrize mit einem passenden Kugelstopfer in eine physiologische Form gedrückt. Das PTFE-Band wurde durch den Druck komprimiert – es füllte nun den Raum zwischen Teilmatrize und Spannring aus (Abb. 9). Dadurch wurde ein stabiles und physiologisch geformtes Widerlager für das Legen der Füllung erreicht. Dann erfolgten die Phosphorsäureätzung (Abb. 10) und die Applikation des Universaladhäsivs approximal (Abb. 11) analog zur Vorgehensweise im zervikalen Bereich.

  • Abb. 9: Teilmatrizensystem mit individualisiertem 3D-Ring.
  • Abb. 10: Ätzen der Zahnoberfläche mit Phosphorsäuregel. Die Einwirkzeit auf Dentin sollte maximal 15 Sek. betragen, um ein Überätzen zu vermeiden.
  • Abb. 9: Teilmatrizensystem mit individualisiertem 3D-Ring.
  • Abb. 10: Ätzen der Zahnoberfläche mit Phosphorsäuregel. Die Einwirkzeit auf Dentin sollte maximal 15 Sek. betragen, um ein Überätzen zu vermeiden.

  • Abb. 11: Mit Universaladhäsiv behandelte Kavität.
  • Abb. 11: Mit Universaladhäsiv behandelte Kavität.

Zur Auskleidung des Kavitätenbodens empfiehlt sich die „Lining-Technik“. Durch die Applikation einer dünnen Schicht fließfähigen Komposits (Filtek Supreme XTE Flowable Composite A3) lassen sich schlecht einsehbare Bereiche oder Schmelzanschrägungen zuverlässig und blasenfrei auffüllen. Dadurch wird die marginale Adaptation der Füllung verbessert (Abb. 12). Der Rest der Kavität wurde mit einer einzigen Schicht Filtek One Bulk Fill Komposit A3 gefüllt. Dieses Bulk-Fill-Material wurde aufgrund seiner vergleichsweise hohen Opazität sowie guten Modellierund Polierbarkeit gewählt. Abbildung 13 zeigt die gelegte Füllung vor der Polymerisation. In Abbildung 14 ist das Behandlungsergebnis nach Lichthärtung sowie Konturierung und Politur mit 3M Sof-Lex Ausarbeitungs- und Polierscheiben dargestellt. Die volle optische Integration der Füllung am Zahn 44 zeigt sich erst eine Woche später nach vollständiger Rehydratisierung der Zähne (Abb. 15 und 16).

  • Abb. 12: Mit fließfähigem Komposit ausgekleideter Kavitätenboden.
  • Abb. 13: In Ein-Schicht-Technik in die Kavität eingebrachtes Füllungsmaterial vor der Lichthärtung.
  • Abb. 12: Mit fließfähigem Komposit ausgekleideter Kavitätenboden.
  • Abb. 13: In Ein-Schicht-Technik in die Kavität eingebrachtes Füllungsmaterial vor der Lichthärtung.

  • Abb. 14: Situation nach Polymerisation, finaler Ausarbeitung und Politur der Füllung des Zahnes 44.
  • Abb. 15: Bukkale Ansicht des Ergebnisses eine Woche nach Behandlung des Zahnes 44.
  • Abb. 14: Situation nach Polymerisation, finaler Ausarbeitung und Politur der Füllung des Zahnes 44.
  • Abb. 15: Bukkale Ansicht des Ergebnisses eine Woche nach Behandlung des Zahnes 44.

  • Abb. 16: Okklusale Ansicht des Ergebnisses eine Woche nach Behandlung des Zahnes 44.
  • Abb. 16: Okklusale Ansicht des Ergebnisses eine Woche nach Behandlung des Zahnes 44.

Schlussfolgerung

In den Bereichen, in denen tiefe Kavitäten adhäsiv versorgt werden müssen und eine zeitintensive Inkrementtechnik den Erfolg der Restauration infrage stellt, sind Bulk-Fill-Komposite im Praxisalltag als eine wertvolle Ergänzung zu konventionellen Universalkompositen zu sehen. 

weiterlesen

Literatur:
  1. Ilie N, Bucuta S, Draenert M: Bulk-fill Resin-based Composites: An In-Vitro Assessment of their Mechanical Performance. Oper Dent 36 (6), 618–625 (2013).
  2. Zorzin J, Maier E, Harre S, Fey T, Belli R, Lohbauer U, Petschelt A, Taschner M: Bulk-fill Resin Composites: Polymerization Properties and Extended Light Curing. Dent Mater 31 (3), 293–301 (2015). doi: 10.1016/j. dental.2014.12.010. Epub 2015 Jan 9.
  3. Rigo LC, Bordin D, Fardin VP, Coelho PG, Bromage TG, Reis A, Hirata R: Influence of Polishing System on the Surface Roughness of Flowable and Regular-Viscosity Bulk Fill Composites. Int J Periodontics Restorative Dent 38 (4), e79–e86 (2018). doi: 10.11607/prd.3033. Epub 2018 Mar 7.
  4. Burke FJT, Crisp RJ, Panchal D, Redfearn P, Sands P: A Practice-Based Clinical Evaluation of a Bulk Fill Restorative Material. Eur J Prosthodont Restor Dent 24 (3), 152–157 (2016).
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. José Zorzin


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