Zahnerhaltung


3-Jahres-Untersuchung vergleicht Glasionomerzement-Füllungen bei Kindern

Die Bedeutung minimalinvasiver Ansätze in der Zahnheilkunde ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. So setzt die moderne Kariestherapie vermehrt auf Techniken, die möglichst wenig Zahnsubstanzverlust zur Folge haben. Neben einem komplexen Behandlungskonzept aus präventiven und invasiven Maßnahmen bedarf es dabei nicht zuletzt geeigneter Materialien, zu denen neben Kompositen und Kompomeren auch die Glasionomerzemente (GIZ) zählen. Bei der Frage nach der Eignung von GIZ spielt das Coating eine entscheidende Rolle, wie eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigt. Die unter Feldbedingungen in Vietnam durchgeführte Studie untersuchte die Performance von GIZ-Füllungen mit und ohne Coating über den Zeitraum von 3 Jahren.

Glasionomerzemente (GIZ) haben sich seit ihrer Einführung in den 1970er Jahren in bestimmten Indikationsstellungen bewährt [1] und wurden seitdem stetig weiterentwickelt. Vor allem mit den ersten hochviskösen GIZ ab Mitte der 1990er Jahre (z. B. GC Fuji IX, GC) zeichneten sich die Materialien durch deutlich verbesserte Werkstoffeigenschaften aus [2]. Hochvisköse GIZ kommen unter anderem im Rahmen der minimalinvasiven ART-Technik (Atraumatic Restorative Treatment) [3] – bei der die Karies mithilfe von Handinstrumenten entfernt und die Kavität mit einem Glasionomerzement gefüllt wird – zur Anwendung und werden hierfür auch von der WHO (World Health Organization) empfohlen.

Eine kürzlich veröffentlichte 3-Jahres-Studie von Diem et al. [4] untersuchte den Effekt eines nanogefüllten Komposit- Coatings auf die Performance von Glasionomerzement-Füllungen unter Anwendung der ART-Technik. Im Rahmen der Untersuchung wurde der hochvisköse Glasionomerzement Fuji IX GP Extra (GC) mit und ohne Applikation des nanogefüllten Kompositlacks G-Coat Plus (GC) verglichen. Beide Materialien bilden die Basis des in Deutschland vertriebenen zweistufigen Füllungskonzepts EQUIA, bestehend aus EQUIA Fil (entsprechend Fuji IX GP Extra) und EQUIA Coat (entsprechend G-Coat Plus).

Erste Vergleichsstudie ihrer Art

Wie erwähnt, setzt das zweistufige Füllungskonzept EQUIA auf die Kombination einer GIZ-Komponente und einem Kompositlack. Das Coating begegnet dabei unter anderem einem Nachteil von Glasionomerzementen: die geringe Toleranz gegenüber Feuchtigkeit und Austrocknung vor dem Abschluss der zweiten Härtungsphase. Neben der Feuchtigkeitsabschirmung sollen EQUIA Coat beziehungsweise G-Coat Plus die oberflächliche Schicht infiltrieren und so die mechanischen Eigenschaften wie auch das Erscheinungsbild der gelegten Füllung verbessern [5].

Laut der durchführenden Wissenschaftler ist die Studie [4] die erste, die Fuji IX GP Extra mit und ohne der Applikation von G-Coat Plus vergleicht. Als Vergleichsmaterial diente 3-Jahres-Untersuchung vergleicht Glasionomerzement-Füllungen bei Kindern Die Bedeutung minimalinvasiver Ansätze in der Zahnheilkunde ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. So setzt die moderne Kariestherapie vermehrt auf Techniken, die möglichst wenig Zahnsubstanzverlust zur Folge haben. Neben einem komplexen Behandlungskonzept aus präventiven und invasiven Maßnahmen bedarf es dabei nicht zuletzt geeigneter Materialien, zu denen neben Kompositen und Kompomeren auch die Glasionomerzemente (GIZ) zählen. Bei der Frage nach der Eignung von GIZ spielt das Coating eine entscheidende Rolle, wie eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigt. Die unter Feldbedingungen in Vietnam durchgeführte Studie untersuchte die Performance von GIZ-Füllungen mit und ohne Coating über den Zeitraum von 3 Jahren. Solare [6] (GC), ein auf dem asiatischen Markt vertriebenes, lichthärtendes Komposit. Zur Durchführung wurden 91 Kinder im Alter von 11 bis 12 Jahren aus dem ländlichen Raum nahe Ho Chi Minh City, Vietnam, herangezogen. Im Rahmen der Studie wurden okklusale Kavitäten bei den ersten Molaren der Kinder entweder mit Fuji IX GP Extra (n = 87 Restaurationen), Fuji IX GC Extra + G-Coat Plus (n = 84) oder Solare (n = 83) restauriert. Die Recall-Intervalle betrugen 6 Monate sowie 1, 2 und 3 Jahre. Etwa 1 bis 2 Wochen nach Platzierung der Füllungen („Baseline“) sowie zu jedem Recall wurden die Restaurationen unter anderem hinsichtlich Farbbeständigkeit, Bruchfestigkeit, Randschlussverhalten, postoperative Sensibilitäten, Inzidenz von Karies und Abrasion/Verschleiß bewertet.

Coating steigert Verschleißresistenz

Von den ursprünglich 254 Restaurationen waren für die Evaluierung nach drei Jahren 198 verfügbar (Fuji IX GP Extra 69; Fuji IX GP Extra + G-Coat Plus 65; Solare 64). Die farbliche Übereinstimmung der GIZ-Restaurationen mit der umgebenden Zahnsubstanz verbesserte sich über den gesamten Zeitraum der Studie. Waren die Werte von Solare nach einem Jahr noch deutlich besser als die von Fuji IX GP Extra (mit oder ohne G-Coat Plus), wurden die Farbwerte aller Materialien nach zwei und drei Jahren für über 80 % aller Restaurationen mit „gut“ bewertet (kein signifikanter Unterschied zwischen den Materialien). Die im Laufe der Zeit erfolgte Farbveränderung der beiden GIZ-Gruppen steht im Einklang mit den Erwartungen. In der Regel steigt die Farbbeständigkeit herkömmlicher GIZ mit fortschreitender Liegezeit [7].

Etwa 3 % der Restaurationen mit Fuji IX GP Extra und G-Coat Plus sowie etwa 2 % der Solare-Restaurationen wiesen nach 3 Jahren Oberflächenrisse auf; ohne signifikanten Unterschied zwischen den Materialien. Randverfärbungen waren bei allen Restaurationen minimal und ohne signifikanten Unterschied. Zu keinem Prüfzeitpunkt konnten an den behandelten Zähnen Schmerzen oder postoperative Empfindlichkeiten der Patienten vermerkt werden. Des Weiteren war die Inzidenz von Sekundärkaries bei allen Restaurationen sehr gering und betraf nach 3 Jahren lediglich zwei Fuji IX GP Extra + G-Coat Plus-Restaurationen und eine Solare-Restauration.

Nach 2 Jahren wurde bei den Restaurationen mit Fuji IX GP Extra mit G-Coat Plus im Vergleich zu jenen mit Fuji IX GP Extra eine wesentlich geringere Abrasion festgestellt, was den Trend erkennen lässt, dass das Coating G-Coat Plus der Füllungskomponente Fuji IX GP Extra einen Extra-Schutz gegen Verschleiß verleiht.

Studienergebnisse bestätigen Resultate

Die Feldstudie von Diem et al. [4] bestätigt bisherige Untersuchungen zum Füllungssystem EQUIA. Friedl et al. [8] untersuchten retrospektiv die Leistung von mit G-Coat Plus beschichteten Fuji IX GP Extra-Füllungen über 24 Monate hinweg und kamen zu dem Schluss, dass das Material eine leistungsfähige Füllungsalternative für Langzeitversorgungen in posterioren Kavitäten darstellt.

Gurgan et al. [9] zeigten Anfang 2013 im Rahmen eines Meetings der IADR (International Association for Dental Research), dass die Kombination von Fuji IX GP Extra mit G-Coat Plus nach 36 Monaten eine ähnliche Leistungsfähigkeit wie ein mikrogefülltes Komposit aufweist; diese Studie bezog keine Fuji IX GP Extra-Füllungen ohne Coating ein. Auch Lohbauer et al. haben den Effekt des „Coatings“ auf die Oberfläche beschrieben; so werden oberflächliche Risse und Blasen durch diese spezielle Maßnahme effektiv verschlossen und bei richtiger Anwendung kann die Biegefestigkeit signifikant gesteigert werden [10]. Zudem wurde eine optimierte Randdichtigkeit nach Applikation des Coatings festgestellt [11].

In der oben beschriebenen Studie von Diem et al. [4] konnte schon der Füllungsvariante Fuji IX GP Extra (EQUIA Fil) ohne Coating eine vielversprechende Leistungsfähigkeit nachgewiesen werden – die Kombination von Fuji IX GP Extra mit G-Coat Plus (EQUIA Coat) steigerte die Performance nochmals, da das Coating den Füllungen eine Art „Schutzmantel“ verleiht. Als wesentliches Ergebnis kann herausgestellt werden, dass die Applikation von G-Coat Plus unter anderem die Verschleißresistenz der untersuchten Füllungen erhöht.

Fazit

Laufende Langzeitstudien werden zeigen, welche Leistungsfähigkeit das zweistufige Restaurationskonzept über einen fortgeschrittenen Zeitraum erbringen kann. Ergebnisse und Zwischenresultate aktueller Untersuchungen präsentierten Wissenschaftler unter anderem auf der CED-IADR 2013 (Meeting of the Continental European Division of the International Association for Dental Research), die vom 04. bis 07. September in Florenz stattfand.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Ulrike Osswald-Dame

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Ulrike Osswald-Dame


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