Prothetik


Effiziente Abdrucknahme im Rahmen der CAD/CAM-Technologie – Teil 1

Abb. 1: Klassifikation des Fertigungsweges eines zahntechnischen Werkstücks: Die drei Klassen I (konventioneller Arbeitsablauf), II (kombiniert konventionell-digitaler Arbeitsablauf) und III (rein digitaler Arbeitsablauf) zeigen u. a. die computergestüt
Abb. 1: Klassifikation des Fertigungsweges eines zahntechnischen Werkstücks: Die drei Klassen I (konventioneller Arbeitsablauf), II (kombiniert konventionell-digitaler Arbeitsablauf) und III (rein digitaler Arbeitsablauf) zeigen u. a. die computergestüt

Wohl kaum ein anderer Bereich der zahnmedizinischen Prothetik befindet sich derzeit in einem größeren Wandel als die Anfertigung zahntechnischer Werkstücke mittels computergestützter Modellation (Computer-Aided Design) und Erstellung (Computer-Aided Manufacturing). Die stetig fortschreitende, apparative Technisierung der Anfertigung von Kronen, Teilkronen, Inlays und Brücken stellt die Abdrucknahme mit klassischen Abformmaterialien nun vor neue Herausforderungen. Welche Anforderungen an Abformmaterialien in diesem Zusammenhang zu stellen sind, erläutert der Autor im Folgenden anhand eines klinischen Beispiels. Dabei fließen auch Produktangaben zu den eingesetzten Materialien in die Ausführungen ein.

Die Versorgung von Zähnen – und zunehmend auch von Implantaten – mit vollkeramischen CAD/CAM-Werkstücken (Kronen, Teilkronen, Onlays, Inlays und Brücken für Erstere sowie Kronen- und Brücken-Suprakonstruktionen für Letztere) kann mittlerweile als etabliertes zahnmedizinisch-zahntechnisches Vorgehen angesehen werden. Glaubt man den Statistiken der dentalen Fachpresse, sind seit Ende der 1980er Jahre bis heute weltweit über 25 Millionen (Angabe AG Keramik) vollkeramische Restaurationen mithilfe der CAD/CAM-Technologie in Zahnarztpraxen („chairside“) bzw. in zahntechnischen Laboren („labside“) oder in zentralen Fertigungs- bzw. Fräszentren erstellt worden. Mehr als 80 % der vollkeramischen Arbeiten werden derzeit entweder teilweise oder komplett computergestützt angefertigt.

  • Abb. 5: Der einzeitige, zweiphasige Abdruck („Doppelmischabformung“) des rechten Oberkieferabschnitts zeigt die nahezu durchgebissenen okklusalen Kontaktflächen.

  • Abb. 5: Der einzeitige, zweiphasige Abdruck („Doppelmischabformung“) des rechten Oberkieferabschnitts zeigt die nahezu durchgebissenen okklusalen Kontaktflächen.
Aus Sicht der zahnärztlichen Praxis bietet die CAD/CAM-Technik nach nunmehr gut zwanzigjähriger Verfeinerung der digitalen Software und kontinuierlicher Verbesserungen der klinischen bzw. zahntechnischen Praktikabilität beeindruckend gute Resultate. Interessant ist hierbei die Tatsache, dass sich bei der Erstellung vollkeramischer Restaurationen nahezu jedes gewerbliche Dentallabor auf CAD/CAM-basierte Fertigungswege verlässt. Dagegen jedoch nutzen nicht einmal 10 % aller Zahnarztpraxen diese digitalen Möglichkeiten zur Versorgung ihrer Patienten. Einer der Gründe hierfür mag der vermeintlich hohe apparative und finanzielle Aufwand sein, der durch die photo-optischen Abformungen im Patientenmund entsteht. Ein anderer Grund ist vermutlich, dass man bei der Versorgung von Patienten mit Kronen, Brücken und anderweitigen Restaurationen traditionell an eingespielten Arbeitsabläufen festhält. Ein erster Schritt in Richtung digitalisierter Fertigung von vollkeramischem Zahnersatz wäre für die Zahnarztpraxen eine Kombination aus konventionellem und digitalem Verfahren (Abb. 1). Dabei wären – abgesehen von einer für Vollkeramikversorgungen speziell einzuhaltenden Präparationsweise – keine besonderen bzw. neuartigen Arbeitsschritte für die Praxis erforderlich. Alle CAD/CAM-gebundenen Arbeitsprozesse würden, wie für die Praxis gewohnt, im

CAD/CAM-orientierte Abdrucknahme

  • Abb. 6: Der mithilfe des Triple-Tray-Segment-Abformmassenträgers genommene Abdruck aus Abbildung 5 von seitlich lateral gesehen.

  • Abb. 6: Der mithilfe des Triple-Tray-Segment-Abformmassenträgers genommene Abdruck aus Abbildung 5 von seitlich lateral gesehen.
  • Abb. 7: Der Gegenkieferbereich zum präparierten Zahn 46, wie ihn der bereits in Abbildung 5 und 6 gezeigte Abdruck wiedergibt. Man beachte die Oberflächenglätte und Homogenität, die eine sichere und zuverlässige computergestützte 3D-Datenerfassung erlauben.

  • Abb. 7: Der Gegenkieferbereich zum präparierten Zahn 46, wie ihn der bereits in Abbildung 5 und 6 gezeigte Abdruck wiedergibt. Man beachte die Oberflächenglätte und Homogenität, die eine sichere und zuverlässige computergestützte 3D-Datenerfassung erlauben.
  • Abb. 8: Für die Situationsabformung des zu präparierenden Zahns erfolgt der „Dual-Arch-Abdruck“ mit einem Triple-Tray-Segement-Abformmassenträger in Doppelmischtechnik.

  • Abb. 8: Für die Situationsabformung des zu präparierenden Zahns erfolgt der „Dual-Arch-Abdruck“ mit einem Triple-Tray-Segement-Abformmassenträger in Doppelmischtechnik.
Um einen CAD/CAM-tauglichen Abdruck vornehmen zu können, benötigt man Abformmassen, die einwandfreie Materialcharakteristika für das spätere Scannen des Abdrucks selbst oder des konventionell erstellten Meistermodells aufweisen. Neben den klassischen werkstoffkundlichen Parametern, wie etwa Zeichnungsschärfe, Reißfestigkeit, Rückstellvermögen, unproblematisches Handling (vor und nach dem Abbinden), Desinfizier- und Lagerfähigkeit, sind vor allem eine makellose Oberflächenglätte sowie eine einwandfreie Homogenität gefordert. Zu diesem Zweck stellen additionsvernetzende Polyvinylsiloxane (A-Silikone) eine sehr gute Wahl dar. Allerdings sollten nur solche Abformmassen eingesetzt werden, die ohne direkte Handanmischung angewendet werden können. So bietet z. B. das Flexitime® Dynamix-System von Heraeus mit dem in der Hartkartusche verfügbaren Flexitime Dynamix Putty, dem Dynamix-Anmischgerät und Flexitime Correct Flow (als universelles und speziell dünnfließendes Korrekturabformmaterial) sowie mit dem neuen Bissregistriermaterial Flexitime Bite ein aufeinander abgestimmtes Material-Geräte-Konzept, welches sich auch bei Abdrucknahmen für die Anfertigung von CAD/CAM-Werkstücken bestens bewährt hat (s. Abb. 5–9). Das Dynamix-Anmischgerät und die Flexitime-Abformmaterialien sind aufeinander abgestimmt und hinsichtlich einfacher, sicherer und robuster Handhabung optimiert. Die prozessorientierte Abformungsqualität ist reproduzierbar und zuverlässig. Alle Arten von Abformungen bestechen mit genauesten Wiedergaben der im Mund des Patienten bestehenden klinischen Situation und entsprechen damit allen vorgegebenen Qualitätsanforderungen der CAD/CAM-Technologie. Es darf an dieser Stelle noch einmal betont werden, dass der Teilschritt der „klassischen“ Abdrucknahme zwar ein kleiner, aber letztendlich ein ganz wesentlicher ist, wenn es gilt, qualitätsorientiert vorzugehen. Qualitätsorientiert bedeutet hierbei schlichtweg, dass Abdrucknahmen – seien sie einphasig einzeitig (Mono-Abformung), zweiphasig einzeitig (z. B. Doppelmischabformung bzw. Sandwich-Abformung) oder zweiphasig zweizeitig (z.B. Korrektur-Abformung) durchgeführt – sämtliche relevanten Strukturen des betreffenden Kieferbereichs wiedergeben müssen. Die dreidimensionalen Informationen des Abdrucks müssen eine einwandfreie photo-optische digitale Umsetzung (Scannen des Abdrucks und computergestütztes Kreieren eines virtuellen Arbeitsmodells) gestatten (Abb. 7).

Die scanbare Bissregistrierung

  • Abb. 9: Dieser Situationsabdruck – hier der Gegenkieferbereich, der aufgrund der sehr hohen Zeichnungsschärfe mit Flexitime Dynamix Putty abgeformt wurde – wird später ebenso digital erfasst. Die so ermittelten Scandaten der entsprechenden Ober- und Unterkieferzähne dienen dem virtuellen „Korrelationsmodell“. Im Rahmen des nachfolgenden computergestützten Modellierens der Vollkeramikkrone kann dieses digitale Referenzmodell für Feinabstimmungen sehr nützlich sein, insbesondere hinsichtlich der Festlegung der erforderlichen Okklusionsverhältnisse und der korrekten Gestaltung der Krone.

  • Abb. 9: Dieser Situationsabdruck – hier der Gegenkieferbereich, der aufgrund der sehr hohen Zeichnungsschärfe mit Flexitime Dynamix Putty abgeformt wurde – wird später ebenso digital erfasst. Die so ermittelten Scandaten der entsprechenden Ober- und Unterkieferzähne dienen dem virtuellen „Korrelationsmodell“. Im Rahmen des nachfolgenden computergestützten Modellierens der Vollkeramikkrone kann dieses digitale Referenzmodell für Feinabstimmungen sehr nützlich sein, insbesondere hinsichtlich der Festlegung der erforderlichen Okklusionsverhältnisse und der korrekten Gestaltung der Krone.
Die im Zuge der CAD/CAM-Fertigungsabläufe benötigte „Schlussbiss-Stellung“ (IKP-Lage des Unterkiefers) des Kiefers muss – analog zur bekannten konventionellen Herstellung zahntechnischer Werkstücke – mit einem hierfür geeigneten Material durchgeführt werden. Um korrekte digitale Registratdaten zu erhalten, ist es erforderlich, dass ein CAD/CAM-taugliches „Verschlüsselungsmaterial“ nicht nur den gestellten Vorgaben an ein Bissregistriermaterial entspricht, sondern auch die oben genannten werkstoffkundlichen Kriterien für CAD/CAM-Abformmaterialien erfüllt. Nur so kann die Schlussbiss-Registrat-Abformung dazu beitragen, dass im Rahmen des computergestützten Modellierens mithilfe geeigneter Software die Voraussetzung für eine einwandfrei passende, statische und auch störungsfreie, funktionsgerechte und dynamische Okklusion der späteren vollkeramischen Restauration geschaffen wird. Nach den bisherigen klinischen Erfahrungen des Autors mit Flexitime® Bite, welches seit kurzem die Flexitime-Produktfamilie ergänzt, kann dieses Bissregistriermaterial uneingeschränkt empfohlen werden, da es sich nicht nur hervorragend für die universelle Bissregistrierung, sondern auch für die puderfreie Datenerfassung im Arbeitsprozess der CAD/CAM-Technologie eignet (Abb. 10).
  • Abb. 10: Das angefertigte Registrat in Schlussbiss-Position.

  • Abb. 10: Das angefertigte Registrat in Schlussbiss-Position.
Es erfüllt alle vonseiten der klinischen Praxis und des zahntechnischen Labors geforderten werkstoffkundlichen Parameter. Als besonders angenehm sind hier zu nennen: eine Aushärtungszeit im Mund von nur 30 Sekunden, die bequeme Verarbeitungszeit sowie das problemlose Bearbeiten (Beschneiden und Fräsen bei minimaler Bruchgefahr). Außerdem bietet die sahneartige und standfeste Konsistenz beim Einbringen auf die Zahnreihen bzw. beim Zubeißen des Patienten keinerlei Widerstände und gewährleistet damit ein ungestörtes Einnehmen der korrekten statischen Okklusion.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Markus Th. Firla

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Markus Th. Firla



Nachhaltige Zahnmedizin – so geht's
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Die Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele der UN darf keine Utopie bleiben.
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