Prothetik

Hochgoldhaltige Edelmetalllegierungen

Aus Tradition aktuell

Dem Gold gebührt ein Ehrenplatz unter den Materialien in der Zahnheilkunde, doch konnte man in den letzten Jahren zuweilen den Eindruck gewinnen, dieses Restaurationsmaterial würde als Ehrenmitglied der dentalen Werkstofffamilie allmählich aufs Altenteil geschoben. Dabei hat sich an den starken Argumenten für den Klassiker nichts geändert. Aktuelle Innovationen optimieren ihn sogar noch weiter, wie der Autor in den folgenden Ausführungen erläutert.

4Steht eine prothetische Kronen- oder Brückenversorgung an, so muss man als Zahnarzt einem Patienten die im jeweiligen Falle möglichen Arten der Versorgung darlegen und erläutern. Es versteht sich von selbst, dass insbesondere das Material Gegenstand einer sorgfältigen Abwägung ist. Eine ganze Reihe von Argumenten sprechen für Gold.

Bestätigung durch Studien und Praxiserfahrung

Über Jahrzehnte war die Wahl des Gerüstwerkstoffs eine klare Sache: eine hochgoldhaltige Legierung. Dafür spricht auch heute noch der wissenschaftlich belegte klinische Erfolg, unter anderem durch Langzeituntersuchungen unter der Leitung von Prof. Dr. Reiner Biffar1, Universität Greifswald, und von Prof. Dr. Thomas Kerschbaum2, Universität Köln. Dieser hat das GoldenGate- System in einer Praxis, die es im Praxislabor ausschließlich einsetzte, untersucht, insgesamt 2.898 verblendete Einheiten. Nach zehn Jahren wurden nur wenige Mängel entdeckt. Die Überlebenskurve in Bezug auf Keramikabplatzungen zeigte: Nur 3,4 Prozent Keramikschäden waren nach zehn Jahren Tragedauer aufgetreten, davon machte jedoch nur ein Prozent wirklich eine Neuanfertigung erforderlich. In den übrigen Fällen konnte das Problem durch Beschleifen und Nacharbeiten mit Komposit behoben werden4.

Eine solche Reparatur kann bei metallkeramischen Arbeiten – anders als bei Vollkeramik/Zirkonoxid – unter Verwendung hochgoldhaltiger Legierungen selbst bei einem Sprung der Verblendkeramik bis zum Gerüst erfolgreich vorgenommen werden.

Dabei sind zwar in puncto Ästhetik meist Kompromisse einzugehen, aber die Funktionalität der Versorgung lässt sich wiederherstellen. Darüber hinaus gibt es auch zahnärztliche Teams, die zum heutigen Tag eine von anderen Materialien unerreichte Erfahrung beim Einsatz hochgoldhaltiger Legierungen in der Praxis haben.

Entwicklungen der letzten 10 Jahre

Die vorstehend aufgeführten Argumente gelten im laufenden Jahrhundert genauso wie im vergangenen. Dennoch haben sich seit dem Millenniumswechsel auch neue hochgoldhaltige Legierungen etabliert, wodurch die Indikationsvielfalt sich noch einmal erhöht hat.

Dazu ein Beispiel: Für Patienten mit Allergien oder anderen bekannten Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Werkstoffen sind so genannte Biolegierungen unter den hochgoldhaltigen die richtige Wahl. Auch wenn der Patient eine „ganzheitliche“ Versorgung wünscht, bieten sie sich an. Während noch vor wenigen Jahren Einschränkungen bestanden und die Anwendung im Wesentlichen Kronen betraf, stehen heute für viele Indikationen palladium- und kupferfreie hochgoldhaltige Legierungen zur Verfügung (z. B. alternativ BiOcclus Kiss oder BiOcclus Gold).

Seit kurzem lässt sich die Verblendung dieser und vieler anderer hochgoldhaltiger Legierungen im Labor mit einem neu konzipierten Keramiksortiment vornehmen, das sowohl die Arbeit gemäß den V-Classic-Farben als auch gemäß den V-3D-Farben erlaubt. Das macht das zahnärztlichzahntechnische Team bei der Farbnahme und bei der Ausführung der Verblendung flexibler und sorgt für eine größere Sicherheit bei der Erzielung einer optimalen Ästhetik. Selbstverständlich sind dabei hochgoldhaltige Legierungen wegen ihrer hellgelben Grundfarbe und der Vermeidung dunkler Oxide Nichtedelmetallen wie Kobalt-Chrom-Legierungen ohnehin überlegen.

Trotz Vollkeramik viele Indikationen für Gold

In weiten Bereichen der zahnärztlichen Prothetik bleiben hochgoldhaltige Legierungen trotz des Vordringens von Keramik praktisch ohne Alternative. Bei Arbeiten, die nur auf wenige Pfeiler gestützt sind (bspw. eine klinische Situation, in der mehr als zwei freie Zwischenglieder zu überbrücken sind), ist eine vollkeramische Versorgung – auch mit Zirkoniumdioxid – häufig kontraindiziert. Hochgoldhaltige Legierungen punkten hier mit ihrer geringeren Steifigkeit bzw. höheren Elastizität. Diese verleiht insbesondere Suprastrukturen in der Implantatprothetik, angesichts der starren Verankerung der künstlichen Zahnwurzeln im Kieferknochen unter Kaubelastung, im Vergleich zu Vollkeramik eine noch höhere Sicherheitsreserve3.

Sind ausgeprägte Hohlkehlpräparationen nicht möglich oder mit Risiken verbunden, etwa weil ein Molar nur eingeschränkt erreichbar ist, dann kann eine geringer ausgeprägte Hohlkehlpräparation und anschließende Versorgung mit einer klassischen hochgoldhaltigen Aufbrennlegierung die bevorzugte Alternative gegenüber Vollkeramik sein. Auch stellt dies ein minimalinvasives Vorgehen unter Schonung der natürlichen Zahnhartsubstanz dar, wie es heute von vielen Patienten gewünscht wird5. Ist eine Inlayversorgung indiziert, so bietet sich – insbesondere bei Patienten, die bereits Restaurationen auf der Basis hochgoldhaltiger Legierungen tragen – das substanzerhaltende klassische, leicht anfinierbare und damit fein auslaufende Goldinlay an.

Sind Bruxer prothetisch zu versorgen, so ist Keramik grundsätzlich kontraindiziert. Hier stehen die Alternativen Gold und Nichtedelmetall zur Diskussion. Aufgrund des antagonistenschonenden Verhaltens, der höheren Biokompatibilität und Ästhetik ist dabei die erste dieser beiden Optionen zu bevorzugen4. Die vorstehend beschriebenen Beispiele belegen auch die universelle Anwendbarkeit hochgoldhaltiger Legierungen – vom Inlay bis zur weitspannigen Versorgung.

Innovationen in der Pipeline

Erschien manchem die klassische Metallkeramik in den vergangenen Jahren als überholt, so könnte sie in Zukunft sogar eine Renaissance erleben6. Denn auch eine so lange bewährte Werkstoffklasse wie die hochgoldhaltigen Legierungen dürfte in Zukunft mit Neuentwicklungen aufwarten. Dabei ist der Trend zu goldreduzierten Legierungen ungebrochen. Aktuelle Vertreter dieser Klasse können sogar bei nur 33 Prozent Goldanteil (Econolloy Au, DENTSPLY, Hanau) eine überraschend hellgelbe Farbe aufweisen, die zwar nicht an moderne Hochgoldlegierungen (z. B. Degunorm), heranreicht, wohl aber mit Klassikern (z. B. Degudent H) vergleichbar ist.

Fazit

Es ist gerade die Verbindung der jahrzehntelangen „Tradition Edelmetall“ mit aktuellen Fortschritten durch innovative Varianten sowie durch größere Flexibilität bei der ästhetischen Verblendung, welche Gold auch für die Zukunft zu einem hochaktuellen Gerüstmaterial macht.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Christian Ehrensberger



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