Prophylaxe


Zahnpasta mit feinstem Diamantpulver

Zahnpasten beinhalten Silikate, Kalziumphosphate oder Kieselsäuren und wirken abrasiv. Die Abrasion auf Dentin wird in RDA gemessen bzw. auf Zahnschmelz mit REA (Radioactive Dentin/Enamel Abrasion). Der RDA-Wert herkömmlicher Zahnpasten liegt, je nach angegebener Indikation (Entfernung von Raucherbelägen oder Plaque-Entfernung an empfindlichen Zähnen), zwischen 30 bis 200.

Die Korngröße dieser Abrasive erstreckt sich von 1 bis 100 μm, teilweise sogar bis zu 150 μm; sie sind „weicher“ als Zahnschmelz und „härter“ als Dentin. Aufgrund dessen wirken diese zwar reinigend, doch kaum abtragend auf Schmelzoberflächen. Dentin und Wurzelzement aber werden durch die grobkörnigen Abrasive zerstört und letztendlich sind sie für keilförmige Defekte im Bereich der Zahnhälse, für Sensitivitätsstörungen und Überempfindlichkeiten mitverantwortlich. Die Konzentrationen der Abrasive liegt bei 10 bis 30 Gew.%.

Diamantpulver als Abrasiv

  • Abb. 1–3: Vergleich von herkömmlichen Abrasiven (Bild 1) und Diamantpulver (Bild 2) in der Korngröße 3 μm. Ganz unten bei gleicher Vergrößerung ein Feinkorn-Diamant (rot), wie er zum Beschleifen von Zahnhartsubstanz eingesetzt wird.

  • Abb. 1–3: Vergleich von herkömmlichen Abrasiven (Bild 1) und Diamantpulver (Bild 2) in der Korngröße 3 μm. Ganz unten bei gleicher Vergrößerung ein Feinkorn-Diamant (rot), wie er zum Beschleifen von Zahnhartsubstanz eingesetzt wird.
Diamant kennen wir alle als härtestes Material und deshalb wird es für verschiedene industrielle Fertigungsprozesse verwendet (Schleifen, Sägen, Polieren etc.). Je nach eingesetzter Korngröße reduziert sich die Abrasion signifikant gegen Null. In Schlussfolgerung dessen wurde bio-inertes Diamantpulver als Abrasiv in Zahnpasten eingesetzt.

Zahnpasten mit bio-inertem Diamantpulver sind sowohl in der Korngröße als auch in der Konzentration zuverlässig einstellbar. Diamant ist zwar härter als Zahnschmelz, reinigt jedoch die Zahnoberfläche mit mikronisiertem Diamantpulver der Korngröße von 2 bis 3 μm gründlich und ohne schädliche „Rillen“ und „Zerstörungen“ an Schmelz und Dentin zu verursachen. Der Diamantgehalt ist im Vergleich zu konventionellen Abrasiven sehr gering (Abb. 1-3).

Die Abrasion am Zahnschmelz bei diesen Zahnpasten ist vernachlässigbar klein. Sie liegt bei 20 μm in 70 Jahren. Die Abrasion am Dentin hingegen ist um beachtliche 70 bis 90 % kleiner als bei herkömmlichen Pasten, welche in 70 Jahren über 700 μm betragen kann (Abb. 4 und 5).

  • Abb. 4: Dentin und Schmelzverlust von Diamantzahnpasten der Korngrößen 1,5 μm, 2,5 μm und 4 μm im Vergleich zu einer der meistgekauften Zahnpasten auf dem Markt, gemessen mit Profilometrie (Attin T., Uni Zürich 2014).
  • Abb. 5: Dentin und Schmelzverlust in Mikrometern; dargestellt über einen Zeitraum von 100 Jahren Anwendung.
  • Abb. 4: Dentin und Schmelzverlust von Diamantzahnpasten der Korngrößen 1,5 μm, 2,5 μm und 4 μm im Vergleich zu einer der meistgekauften Zahnpasten auf dem Markt, gemessen mit Profilometrie (Attin T., Uni Zürich 2014).
  • Abb. 5: Dentin und Schmelzverlust in Mikrometern; dargestellt über einen Zeitraum von 100 Jahren Anwendung.

Nach dem Zähneputzen mit diesen Zahnpasten sind die Zähne lange spürbar glatt. Hypersensibilitäten reduzieren sich und Zahnhalsdefekte durch zu heftiges Putzen gehören der Vergangenheit an. Die erzeugte Politur bewirkt eine deutliche Reduktion der Plaquebildung und eine signifikante Zahnaufhellung. Zahnstein wird durch den harten Diamant bereits in der Entstehungsphase entfernt. Diamantpulver ist bio-inert, reagiert also nicht mit anderen Bestandteilen in Zahnpasten. Die Wirkweise wurde in universitären Studien in den USA und Europa nachgewiesen. Eine neue weltweit patentierte Zahnpasta mit Diamantpulver als Abrasiv ist aufgrund der geringen Konzentrationsmenge im Preisvergleich mit herkömmlichen Pasten durchaus verbraucherfreundlich. Diese Zahnpasta wird ab April dem Handel vorgestellt.

Die Autoren:
Ing. Kurt Spring, Prof. Ulrich P. Saxer, Dr. Hans Gaiser

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Hans Gaiser


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