Prophylaxe


Prophylaxe bei Patienten mit systemischen Erkrankungen

Die wechselseitige Beeinflussung zwischen Diabetes und Parodontitis ist durch zahlreiche Studien belegt. Daher ist der Prävention parodontaler Erkrankungen eine besondere Bedeutung zuzuordnen. Eine Schlüsselrolle kommt der Prophylaxe und Therapie der Gingivitis zu, die als potenzielle Vorstufe der Parodontitis gilt. Durch effektives Biofilmmanagement kann Gingivitis vorgebeugt und das Risiko für die Entstehung von Parodontitis reduziert werden. Nachfolgend wird anhand eines Fallbeispiels ein individuell abgestimmtes Prophylaxe-Konzept bei einer Diabetes-Patientin vorgestellt.

Patientenfall

Eine 17-jährige Gymnasiastin stellte sich in diesem Jahr in unserer Praxis vor. Sie leidet an der Autoimmunerkrankung Diabetes mellitus Typ 1. Ansonsten ist ihr allgemeiner Gesundheitszustand gut. Der HbA1c-Wert betrug zu diesem Zeitpunkt 7%. Als regelmäßige Medikamenteneinnahme gab sie tägliche Insulingaben und die Einnahme von Kontrazeptiva an. Die Patientin nahm bisher regelmäßig am präventiven Recall teil; der letzte Besuch lag jedoch schon 18 Monate zurück.

Der extraorale Befund zeigte sich unauffällig. Intraoral waren beidseitig die Interkalarlinie und Zungenimpressionen zu erkennen und die Schleimhäute waren gut befeuchtet. Neben generalisierter Plaque wurden eine Schwellung und Rötung der marginalen Gingiva festgestellt. Es handelte sich um ein konservativ versorgtes Gebiss, teilweise waren insuffiziente Fissurenversiegelungen vorhanden (Abb. 1 und 3). Alle Zähne waren vital. Der Parodontale Screening Index (PSI) lag bei 1, lediglich im 5. Sextanten aufgrund lokalisierter Zahnsteinablagerungen bei 2. Die Indizes nach Quigley und Hein [5] und der Papillenblutungsindex nach Saxer und Mühlemann [7] bestätigten das klinische Bild und die Verdachtsdiagnose „Plaque-induzierte generalisierte Gingivitis“ (Abb. 2). Die Hauptmerkmale nach der neuen Klassifikation [2] lagen vor.

  • Abb. 1: Der dentale Befund.
  • Abb. 2: Die Ausgangssituation vor der Behandlung.
  • Abb. 1: Der dentale Befund.
  • Abb. 2: Die Ausgangssituation vor der Behandlung.

  • Abb. 3: Oberkiefer mit insuffizienter Fissurenversiegelung.
  • Abb. 3: Oberkiefer mit insuffizienter Fissurenversiegelung.

Nach Erhebung der relevanten Indizes begann die Behandlung (Individuelles Mundgesundheitscoaching – IMC) zunächst mit der Aufklärung über Ätiologie und Therapie der Gingivitis. Die Patientin wurde hinsichtlich effektiver, häuslicher Mundhygiene neu instruiert (Tell-Show-Do-Methode, [4]) und remotiviert (Motivational Intervieving – MI, [3]). Die dentalhygienische Behandlung umfasste ein manuelles und maschinelles Biofilmmanagement, individuell nach Bedarf jedes einzelnen Zahnes. Zahnflächen ohne Plaque- oder Zahnsteinauflagerungen blieben unberührt. Nach anschließender Remineralisation wurde ein Termin zur Entzündungskontrolle 2 Wochen nach IMC vereinbart.

Die Reinigung zu Hause sollte nach dem 3-fach-Prophylaxekonzept: Reinigung der Zähne mit der elektrischen Zahnbürste, Zahnzwischenraumreinigung mit Zahnseide oder Interdentalbürste und Anwendung einer Mundspüllösung (z.B. Listerine® Cool Mint Milder Geschmack mit ätherischen Ölen ohne Alkohol), stattfinden.

Beim Kontrolltermin zeigte das klinische Bild reizlose und gut befeuchtete intraorale Schleimhäute, die marginale Gingiva in der Region der Unterkieferfrontzähne war indes nur noch leicht gerötet. Dieser Befund bestätigte sich auch bei der Erhebung der Indizes durch deutlich weniger Plaque und gingivale Blutungen. Die Umsetzung der häuslichen Mundhygiene war demnach effektiv und wurde nur leicht modifiziert. Der vereinbarte Recallintervall wurde zunächst auf 4 Monate festgesetzt, um die Patientin weiterhin engmaschig zu betreuen. Die Prognose ist gut, jedoch stark abhängig von äußeren Faktoren und der zukünftigen Compliance der Patientin, insbesondere im Hinblick auf die häusliche Mundhygiene und das Diabetes-Management.

Mit effektivem Biofilmmanagement Gingivitis vermeiden und Parodontitis vorbeugen

In Deutschland leiden mehr als 8 Millionen Menschen an Diabetes mellitus, davon 5 bis 10% an Diabetes mellitus Typ 1. Bei den Betroffenen ist ein gut eingestellter HbA1c-Wert, der bei ca. 6,5% liegt, sehr wichtig, da ein erhöhter Wert die Gefahr von diabetischen Folgeerkrankungen birgt. Die wechselseitige Beeinflussung zwischen Diabetes und Parodontitis ist bekannt. Diabetiker haben ein 3-fach erhöhtes Risiko, parodontal zu erkranken [6]. Geht man davon aus, dass Parodontitis aus einer nicht behandelten Gingivitis entstehen kann, wird das Ausmaß der Relevanz von Prävention in diesem Fall deutlich.

Bei dem beschriebenen Fall ist ein effektives Biofilmmanagement durch regelmäßige Besuche in der Zahnarztpraxis wichtig. Eine erhebliche Rolle spielen die Motivation und Instruktion zu gründlicher häuslicher Mundhygiene. Die Standardempfehlungen umfassen die mechanische Zahnreinigung und die Interdentalraumpflege. Ein aktuelles Review von Alshehri [1] belegt den zusätzlichen Nutzen von Mundspüllösungen als Ergänzung zur mechanischen Reinigung mit Listerine®, weshalb der Patientin die Verwendung empfohlen wurde.

Der Beitrag wurde erstellt mit Unterstützung der Johnson & Johnson GmbH/Listerine. 


Literatur:
  1. Alshehri FA: The use of mouthwash containing essential oils (LISTERINE®) to improve oral health: A systematic review. Saudi Dent J 30 (1), 2–6 (2018).
  2. Chapple ILC, Mealey BL, Van Dyke TE, Bartold PM, Dommisch H, Eickholz P, Geisinger ML, Genco RJ, Glogauer M, Goldstein M, Griffin TJ, Holmstrup P, Johnson GK, Kapila Y, Lang NP, Meyle J, Murakami S, Plemons J, Romito GA, Shapira L, Tatakis DN, Teughels W, Trombelli L, Walter C, Wimmer G, Xenoudi P, Yoshie H: Periodontal health and gingival diseases and conditions on an intact and a reduced periodontium: Consensus report of workgroup 1 of the 2017 World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions. J Periodontol 89 (Suppl 1), S74–S84 (2018).
  3. Miller WR, Rollnick S: Motivierende Gesprächsführung: Motivational Interviewing. 4. Auflage. Freiburg: Lambertus Verlag (2015).
  4. Paryab M, Arab Z: The effect of filmed modeling on the anxious and cooperative behavior of 4–6 years old children during dental treatment: A randomized clinical trial study. Dent Res J (Isfahan) 11 (4), 502–507 (2014).
  5. Quigley GA, Hein JW: Comparative cleansing efficiency of manual and power brushing. J Am Dent Assoc 65, 26–29 (1962).
  6. Salvi GE, Carollo-Bittel B, Lang NP: Effects of diabetes mellitus on periodontal and peri-implant conditions: update on associations and risks. J Clin Periodontol 35 (8 Suppl), 398–409 (2008).
  7. Saxer UP, Mühlemann HP: Motivation and education. SSO Schweiz Monatsschr Zahnheilkd 85, 905–919 (1975).
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: B. Sc. Julia Haas


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