Prophylaxe


Icon® – Bohren? Nein danke! – Teil 1

Die Applikationshilfe des Icon-Sets besteht aus einer Drehspritze, an die eine sehr dünne Doppelflie aufgeschraubt wird. Das Material tritt durch Poren aus, die sich auf nur einer Seite der Folie befinden.
Die Applikationshilfe des Icon-Sets besteht aus einer Drehspritze, an die eine sehr dünne Doppelflie aufgeschraubt wird. Das Material tritt durch Poren aus, die sich auf nur einer Seite der Folie befinden.

Was tun bei kleinen Defekten? Abwarten und fluoridieren oder exkavieren und füllen? Zu diesen Optionen kommt mit der Infiltration noch eine neue, vorteilhafte Alternative hinzu. Durch Infiltration mit einem lichthärtenden Kunststoff (Icon®, DMG, Hamburg) kann Karies am Fortschreiten gehindert werden. Das Material füllt nach vorherigem Anätzen die demineralisierten Schmelzregionen einfach auf. Im folgenden Fallbericht werden das Konzept und die Anwendung der neuen Methode erläutert.

Karies ist eine der häufigsten Erkrankungen in der Zahnmedizin. Wir erkennen sie entweder klinisch oder röntgenologisch und unterscheiden unterschiedliche Formen der Karies nach ihrem Verlauf oder nach ihrer Ausdehnung. Große kariöse Läsionen sind im Röntgenbild meist eindeutig als Aufhellung erkennbar. Geht die Aufhellung im Röntgenbild über das erste Dentindrittel (D1) hinaus (Abb. 1), ist in jedem Fall eine Füllungstherapie erforderlich. Für nicht kavitierte Schmelzdefekte mit einer maximalen röntgenologischen Läsionsausdehnung bis in das erste Dentindrittel gab es bisher unterschiedliche Behandlungsansätze, die allesamt unbefriedigend waren. Die Abwägung zwischen den Alternativen war schwierig; so fragte sich der Zahnarzt angesichts solcher Befunde: Warten wir ab, bis die Defekte größer werden? Reicht das Fluoridieren? Können wir unsere Patienten motivieren? Stabilisiert sich der Defekt? Sollten wir überhaupt mit dieser Entscheidung ein Risiko eingehen?

  • Abb. 1: Schematische Darstellung des Ausmaßes röntgenologisch sichtbarer Karies mit Infiltrationsindikation.

  • Abb. 1: Schematische Darstellung des Ausmaßes röntgenologisch sichtbarer Karies mit Infiltrationsindikation.

Die Motivation unserer Patienten zur besseren Mundhygiene ist eine wichtige Voraussetzung, um Schäden zu verhindern. Aber wie sieht es rein rechtlich aus, wenn der Zahnarzt einen Defekt erkannt hat, ihn aber nicht versorgt und der Schaden größer wird? Und wie verfahren wir mit einer ganz besonderen Spezies, den pubertierenden Jugendlichen, die einen großen Karieszuwachs haben und sich der Ratio der Erwachsenen häufig komplett entziehen? Nun gibt es nun eine neue Lösung zur Behandlung kleiner Defekte, die dem Zahnarzt die Entscheidung erleichtern kann: die Infiltration.

Infiltration als minimalinvasive Therapie für kleine Defekte

Die Infiltration mit Icon® ist ein neues Verfahren zur Kariesbehandlung, die mit dem lichthärtenden Kunststoff durchgeführt wird. Diese Behandlungsmethode ist für Läsionen in den Ausmaßen E1 bis D1 angezeigt und nicht als Präventionsmaßnahme in defektfreien Bereichen anzusehen. (In der Bissflügelaufnahme wird die Karies nach ihrer Ausdehnung beurteilt. Wir kennen unterschiedliche Nomenklaturen für das Ausmaß einer Karies. Für die Infiltrationstherapie wird die Karies in Schmelz- [E] und Dentinkaries [D] differenziert. Die Schmelzdistanz wird hälftig mit E1 oder E2 bezeichnet, die Dentinkaries wird gedrittelt und mit D1, D2 und D3 graduiert.
Das Verfahren wurde von PD Dr. H. Meyer-Lückel und Dr. Sebastian Paris entwickelt, das Produkt wurde von der Firma DMG unter dem Namen Icon® zur Marktreife gebracht. Der Name Icon® leitet sich von den Begriffen Infiltration Concept ab.
Ziel der Behandlung ist das Auffüllen der durch Karies demineralisierten Schmelzregionen mit einem lichthärtenden Kunststoff. Hierbei spielt das Entfernen der pseudointakten Oberflächenschicht im Schmelz eine entscheidende Rolle, da diese zu dicht ist und der Kunststoff sie nicht durchdringen kann.
Icon® wird als Produkt für approximale sowie für vestibuläre Defekte angeboten. Die Trays der jeweiligen Behandlungseinheiten unterscheiden sich in den Applikationsformen für die jeweilige Anwendung. Sie enthalten spezielle Separationskeile, Applikatoren, HCl-Ätzgel, Ethanol und den Infiltranten, einen niedrigviskosen, lichthärtenden Kunststoff. Im Deckel der Behandlungseinheit ist eine kurze und genaue Gebrauchsanleitung abgebildet, so dass man als Behandler schnell die wichtigen Verarbeitungshinweise erfasst und die Applikation mit jeder Mitarbeiterin schnell durchzuführen ist. Im Behandlungstray nicht enthalten ist das Kofferdam-Equipment. In der folgenden Fallbeschreibung möchte ich dieses neue Verfahren vorstellen.

Patientenfall

Ein 13-jähriger Patient kam zur Kontrolle in unsere Praxis. Im Rahmen der Individualprophylaxe wurde eine Regeluntersuchung durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Schleimhautpapillen leicht gerötet waren, Plaque war generalisiert erkennbar. Der Approximalraum-Plaque-Index (API) wurde von uns auf 100 % geschätzt, der Papillen-Blutungs-Index (PBI) betrug 60 %. Der Röntgenbefund ergab approximal Aufhellungen im Ausmaß E1 bis D1 an den Zähnen 16, 15, 14, 44 und 45 (Abb. 2)

  • Abb. 2: Bissflügelaufnahme.

  • Abb. 2: Bissflügelaufnahme.
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Auf Basis dieser Befunde diagnostizierten wir Karies und Gingivitis und wählten die folgenden Therapiemaßnahmen: Mundhygieneunterweisung und Zahnreinigung mit Erfolgskontrolle sowie Fissurenversiegelung. Die Anwendung der neuen Methode der Infiltration an den Zähnen 16, 15, 14, 44 und 45 erschien sinnvoll. Alternativ zur Infiltration muss die Möglichkeit der Füllungstherapie diskutiert werden.
Bei der Durchführung der Therapie erwies sich die Motivation des Patienten in der Mundhygienephase als schwierig. Die Behandlung wurde zeitweise abgebrochen, da der Patient keine Compliance zeigte. Unter intensiver Mitwirkung der Eltern wurden jedoch wieder API-Werte unter 35 % erreicht, sodass wir uns für eine Kombination aus Füllungstherapie und Infiltration entschieden. Der Patient zeigte auch im Anschluss stabile Prophylaxewerte.
Zunächst wurden Fissurenversiegelungen in Säure-Ätz-Technik eingebracht. Anschließend wurden die Läsionen an den Zähnen 16, 15, 14, 44 und 45 infiltriert.

Bei Icon® besonders wichtig: Röntgendiagnostik und Dokumentation

Eine Vorraussetzung der Anwendung von Icon® ist die klare Darstellung der Defekte. Die meisten digitalen Systeme bieten die Möglichkeit, die Röntgenbilder mit wenig Aufwand so zu bearbeiten, dass wichtige Informationen besser hervortreten. Die für die Kariesdiagnostik erforderliche Bissflügelaufnahme zeigt sowohl digital als auch analog gewisse Qualitätsschwankungen. Diese können bei der digitalen Verarbeitung sehr einfach über die Veränderung der so genannten Gammawerte, des Kontrastes oder der Helligkeitswerte nachgebessert werden. Darüber hinaus gibt es programmspezifische Hilfen, so genannte Filter, durch deren Anwendung die gesuchten Strukturen mit einem Tastenklick hervorgehoben werden können. Abbildung 3 zeigt die Originaldaten einer digitalen Bissflügelaufnahme. Nach Anwendung eines in der Software enthaltenen Kariesfilters sind die kariösen Läsionen deutlich diagnostizierbar (Abb. 4).

  • Abb. 3: Bissflügelaufnahme, Originaldaten.

  • Abb. 3: Bissflügelaufnahme, Originaldaten.
  • Abb. 4: Bissflügelaufnahme mit dem Kariesfilter nachbearbeitet.

  • Abb. 4: Bissflügelaufnahme mit dem Kariesfilter nachbearbeitet.

 

 

 

 

 





Der Erfolg einer Therapie kann nur gemessen werden, wenn ein Ausgangzustand dokumentiert wurde, der später als Referenzwert dient. Die Dokumentation des Ausgangszustandes einer Infiltration ist die Ausgangsbissflügelaufnahme. Sie dient zur Befunderhebung, führt zur Diagnose und hilft bei der Therapieentscheidung. Wenn sie später in der Kontrolluntersuchung wiederholt wird, muss sie im gleichen Strahlengang durchgeführt werden.

Aufgrund der sehr guten Penetrationseigenschaften des Infiltranten, ist es nicht gleichzeitig möglich, eine gute Radioopazität zu erreichen. Um infiltrierte Schmelzdefekte dennoch dokumentieren zu können, insbesondere im Falle eines Behandlerwechsels, wird dem Patienten ein Patientenpass (Abb. 5) ausgehändigt, in welchem die behandelten Zähne sowie deren jeweilige röntgenologische Läsionsausdehnungen markiert werden. So können anhand regelmäßiger radiologischer Kontrollen selbst kleinste Veränderungen frühzeitig detektiert und minimalinvasiv behandelt werden.

  • Abb. 5: Die behandelte Fläche, die Läsionsausdehnung und das Behandlungsdatum werden im Patientenpass dokumentiert.

  • Abb. 5: Die behandelte Fläche, die Läsionsausdehnung und das Behandlungsdatum werden im Patientenpass dokumentiert.

 

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Icon® – Bohren? Nein danke!  – Teil 2

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Andreas Schult

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Andreas Schult



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