Prophylaxe


Der erosive Zahnhartsubstanzverlust – eine unterschätzte Gefahr – Teil 2

Abb. 5: In-vitro-Fluoridaufnahme in menschlichen Zahnschmelz. Neben einer hohen Fluoridverfügbarkeit ist besonders wichtig, dass das Fluorid auch gut in den säuregeschädigten Zahnschmelz eindringen kann, um so diesen tatsächlich aktiv zu härten.
Abb. 5: In-vitro-Fluoridaufnahme in menschlichen Zahnschmelz. Neben einer hohen Fluoridverfügbarkeit ist besonders wichtig, dass das Fluorid auch gut in den säuregeschädigten Zahnschmelz eindringen kann, um so diesen tatsächlich aktiv zu härten.

Fortsetzung

Bevorzugte Lokalisation der Erosion

Für den zahnärztlichen Praktiker ist es wichtig zu wissen, dass die Häufigkeit dentaler Erosionen im natürlichen Gebiss der zweiten Dentition sich viermal mehr an den Okklusalflächen der Zähne feststellen lässt als an den vestibulären Zahnbereichen. Das Auftreten von nach oral hin gelegenen Erosionen ist hingegen eher selten. Im Milch- und Wechselgebiss dagegen können alle Zahnflächen von dentalen Erosionen beeinträchtigt sein, wobei erosive Läsionen an Milchzähnen mehrheitlich an den Okklusal- und Inzisalflächen zu finden sind.

Von Erosionen am meisten betroffen sind die vestibulären Flächen der Eckzähne und Prämolaren des Ober- und Unterkiefers gleichermaßen, die Okklusalflächen der Unterkiefermolaren sowie die nach oral hin gelegenen Bereiche der Schneidezähne des Oberkiefers.

Präventionskonzepte und vorbeugende Maßnahmen

Wie für jede vorbeugende Maßnahme als erste Maxime überhaupt, gilt für die Vermeidung erosiver Zahnhartsubstanzschädigungen: Je früher mit der Vorsorge begonnen wird, umso gewisser wird die Prävention auch vorbeugende Wirkung haben. Sieht man die für den Patienten präventiven Verhaltensweisen aus rein zahnmedizinischer Sicht, so lassen sich drei Hauptsäulen der Vorbeugung gegen Zahnhartsubstanzerosionen aufzeigen:

Regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen

Durch diese in relativ kurzen Abständen stattfindenden intraoralen Inspektionen lassen sich bereits erste Anzeichen von beginnenden dentalen Erosionen schnell feststellen und adäquate zahnmedizinische Gegenmaßnahmen einleiten. Auch die vorsorgliche Aufklärung über die potenziellen Risikofaktoren sowie die Unterweisung in patientenseits selbst durchführbare präventive Strategien bewirken eine Vermeidung oder eine Verringerung der weiteren Ausprägung dentaler Erosionen.

Vermeidung fehlerhafter Mundhygienegewohnheiten

Um den zerstörerischen Verlust angesäuerter und erweichter Zahnhartsubstanz zu vermeiden, ist es elementar, die Zahnpflege- und Zahnreinigungstechniken sowie deren Durchführung einer optimal erosionspräventiven Vorgehensweise anzupassen.

Die Zähne dürfen nur mit geringem Anpressruck gebürstet werden. Zahnbürsten mit weichen Borsten sind obligat. Die Bürstenbewegungen sind kreisend, dabei eher wischend als „horizontal sägend“ oder „schabend“ auszuführen.

Der Zeitpunkt des Zähneputzens ist ebenso zu beachten. So trägt beispielsweise ein gut gemeintes, langes und intensives Zähneputzen – etwa gleich nach einem „gesunden Frühstück“ mit unter anderem viel genossenem Orangensaft und natursaurem Fruchtsalat – in ganz besonderer Weise zu säureinduzierten, abriebbedingten Zahnhartsubstanzverlusten bei.

Regelmäßige Härtung des Zahnschmelzes und Steigerung der Mikrohärte

Durch die topische, also direkt auf die Zahnhartsubstanz aufgetragene, Zufuhr von Mineralien, die in der kristallinen Struktur des Zahnschmelzes und in den anorganischen Anteilen des Dentins vorkommen, lässt sich eine Erhöhung des Säurewiderstandes der Zahnhartsubstanz erzielen und die Mikrohärte klinisch relevant steigern.

Erosionsschutz durch Zufuhr von Mineralien und Fluoriden

Betrachtet man die Möglichkeiten der Hilfestellung bei der vorsorgenden Vermeidung und Linderung dentaler Erosionen aus rein zahmmedizinischer Sicht, dann kommt zusätzlich zu den oben genannten Möglichkeiten noch die Stärkung von Zahnschmelz und Dentin durch die dort örtlich erfolgende Zufuhr geeigneter Mineralien und Fluoridionen in Frage. Anhand der BEWE-Quantifizierung des Vorhandenseins erosiver Zahnhartsubstanzverluste bietet sich für alle vier Schweregrade – nach Ansicht und praktisch-klinischer Erfahrung des Autors, gerade auch für Grad „nihil“, da reinste und beste Prävention – die generelle Verwendung von Zahncremes für die Förderung der Mikrohärte der Zahnharzsubstanz an, wobei dieser positive Effekt noch durch die gezielte Intensivfluoridierung verstärkt wird, da so die Säurewiderstandsfähigkeit der Zähne erhöht wird.

In der Praxis des Autors wird daher als generelle Strategie der Prävention vor dentalen Erosionen der Einsatz von Sensodyne® Pro Schmelz Zahncreme sowie Sensodyne® Pro Schmelz Fluorid Gelée bei der häuslichen Zahnpflege angeraten.

Aufgrund der speziellen Zusammensetzung härtet erstere, welche auch als Sensodyne® Pro Schmelz Junior für den Gebrauch durch Kinder ab sechs Jahren (bedingt durch den sehr milden und altersgerecht angenehmen Geschmack) zur Verfügung steht, den Zahnschmelz nachhaltig. Des Weiteren bieten die genannten Zahncremes die Vorteile, dass sie einen neutralen pH-Wert aufweisen und (nach DIN EN ISO 11609) einen niedrigen RDA-Wert (Relative Dentin Abrasion), besitzen, sodass durch diese Mundpflegeprodukte die Zahnhartsubstanz nicht selbst noch weiter abgetragen wird. Die Zugabe von 1.450 ppm Fluorid zur klassischen Kariesvorbeugung rundet die vorsorgliche, zahnfreundliche Zahnputzwirkung ab.

Bei der täglichen Zahnschmelzhärtung sollte auf eine hohe Fluoridverfügbarkeit geachtet werden, denn so kann freies Fluorid besonders gut vom Zahnschmelz aufgenommen werden, wodurch eine aktive Härtung erzielt wird (Abb. 5).

Zur intensiven Versorgung des Zahnschmelzes mit Fluoridionen trägt in erster Linie das genannte Fluoridgel in anerkannt hervorragender Weise bei. Mit 12.500 ppm Natriumfluorid führt es auf der Basis seiner Arzneimittel- Fluorid-Formel zu einer topischen Zahnschmelzhärtung. Durch die örtlich auf die Zahnoberfläche einwirkende hohe Fluoridkonzentration kommt es zur Ausbildung einer die Zahnhartsubstanz bedeckenden Kalziumfluorid-Schicht, welche als Fluoridreservoir ihren reichlichen Vorrat an Fluoridionen weiter an Zahnschmelz, aber auch das Dentin abgibt. Dieser Depoteffekt der Kalziumfluorid- Ionen kann nun sowohl eine drohende Demineralisation der Zahnhartgewebe hemmen als auch – je nach Phase des Löslichkeitsproduktes der Mineralien in Zahnschmelz und Dentin – den Prozess der Remineralisation fördern.

Hinsichtlich des Einsatzes von mineralisierenden Zahncremes und hochdosierten Fluoridgelen ist im Rahmen präventiv-zahnheilkundlicher Überlegungen in den letzten Jahren ein deutliches Hervorheben des regelmäßigen und auch (auf das Patientenalter hin gesehen) frühen Gebrauchs zu erkennen.

Fazit

Der erosiv bedingte Zahnhartsubstanzschaden ist in seiner anfänglichen Ausprägung nicht immer einfach zu diagnostizieren. Dazu kommt, dass auch manifeste dentale Erosionen nicht immer auf den ersten diagnostizierenden Blick hin eindeutig zu erkennen sind, da sich nicht selten erosive Schäden mit Substanzverlusten durch Attrition, Abrasion, Abfraktion sowie Karies verbinden.

Dies gibt dem zahnärztlichen Behandler wie auch dem um Prophylaxe bemühten zahnmedizinischen Fachpersonal die Aufgabe vor, insbesondere durch Aufklärung über die Ursachen der dentalen Erosion dieser Schädigung erst gar keine Chance zur Manifestation zu gestatten. In diesem Zusammenhang sind vorbeugende Maßnahmen zum Ausschluss dieses multifaktoriellen Krankheitsbildes die erste Wahl der zahnärztlichen Bemühungen.

Auf der Basis der Unterrichtung über eine nicht die Zahnhartsubstanz schädigende Zahnpflege sollte dem Patienten der gezielte und regelmäßige Gebrauch spezieller Zahncremes sowie hoch dosierter Fluoridgele bei der häuslichen Mundhygiene zur Stärkung der Mikrohärte der Zahnhartsubstanz sowie zur Verbesserung der Säurewiderstandsfähigkeit dringend nahegelegt


Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Markus Th. Firla

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Markus Th. Firla



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