Parodontologie


Parodontitistherapie: Entzündungswerte beachten

18.02.2016

Die Prävention und Behandlung von Parodontitis muss verbessert werden (Bild: Tim Reckmann, pixelio.de).
Die Prävention und Behandlung von Parodontitis muss verbessert werden (Bild: Tim Reckmann, pixelio.de).
Quelle: © Tim Reckmann/pixelio.de

Zur Verbesserung der Prävention und Behandlung von Parodontitis erscheint es nach neuen Forschungsergebnissen sinnvoll, die Rolle der Entzündungswerte in Zukunft mehr zu berücksichtigen.

Den Langzeiteinfluss von Entzündungswerten auf die Entwicklung und das Voranschreiten von Parodontitis hat erstmals eine Greifswalder Studie mittels statistischer Auswertung epidemiologischer Daten untersucht. Insgesamt wurden dabei medizinische Daten von 1.784 Teilnehmern der Study of Health in Pomerania (SHIP) ausgewertet. Alle Teilnehmer waren zu Beginn der Studie und ca. 11 Jahre später erneut untersucht worden. Parodontitis wurde klassifiziert über die Taschentiefe, den Attachmentverlust und die CDC/AAP-Case-Definition. Es zeigte sich, dass über den Untersuchungszeitraum von 11 Jahren sowohl die Fibrinogenkonzentration als auch die Leukozytenzahl signifikant mit allen parodontalen Messgrößen assoziiert waren. Der anhaltende Einfluss chronisch erhöhter Entzündungsparameter scheint daher die Entwicklung und das Voranschreiten von Parodontitis zu begünstigen.

Der Einfluss der Entzündungswerte trat dabei unabhängig von anderen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Rauchverhalten, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, Übergewicht oder Diabetes auf. Allerdings sind die erhöhten Entzündungswerte selbst nicht die Ursache, sondern vielmehr ein Mechanismus, über den andere Risikofaktoren, wie Fettleibigkeit, Diabetes und andere chronische Entzündungszustände ihren Einfluss auf Parodontitis ausüben.

Die Biomathematikerinnen der Universitätsmedizin Greifswald, Christiane Pink und Dr. Birte Holtfreter, haben für diese Studie („Longitudinal effects of fibrinogen levels and white blood cell counts on periodontitis“) im vergangenen Jahr den deutschen Millerpreis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) erhalten.  

Quelle:
Pink C, Kocher T, Meisel P, Dörr M, Markus MR, Jablonowski L, Grotevendt A, Nauck M, Holtfreter B: Longitudinal effects of systemic inflammation markers on periodontitis. J Clin Periodontol 42 (11), 988–997 (2015). doi: 10.1111/jcpe.12473. Epub 14. November 2015. idw

*Cochrane Reviews sind systematische Übersichtsarbeiten, die alle zu einer therapeutischen Fragestellung relevanten Studien und andere Forschungsergebnisse zusammenfassen. Die Autoren eines Cochrane Reviews können aus ganz unterschiedlichen Ländern und Fachrichtungen kommen. In der Regel tun sich multidisziplinäre Teams zusammen, sodass z. B. klinische Experten, Methodiker, Epidemiologen, Recherche-Spezialisten und ggf. Statistiker gemeinsam an einer Übersichtsarbeit arbeiten. http://www.cochrane.de/systematischeuebersichtsarbeiten

weiterlesen