Parodontologie


Parodontitis: Dominanz pathogener Keime im entzündeten Milieu

25.04.2022


Dr. med. dent. Heinz-Peter Olbertz ist Fachreferent für systemische Parodontologie und CMD. Seine Seminare zur Mikronährstofftherapie bei Parodontitis erregen immer mehr Aufmerksamkeit. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Dr. Olbertz, warum wurde der systemische Aspekt der Parodontitis so lange ignoriert?
Die Zahnheilkunde hatte sich von der Medizin entkoppelt. Mit Corona gibt es eine Rückbesinnung auf die Mundhöhle als Teil des Menschen – und somit auch auf inflammatorische Aspekte parodontaler Erkrankungen.

Ihre Kernthese lautet, dass pathogene Keime sich nur im entzündeten Milieu durchsetzen. Warum leiden heute so viele Menschen unter einer Silent Inflammation?
Unsere Nahrung ist zu stark industrialisiert und kommerzialisiert. Zudem ist unsere Umwelt massiv belastet, wir leiden unter Feinstaub und Nanopartikeln. All diese Einflussfaktoren fahren auf Dauer die Entzündungssysteme zu einem unkontrollierbaren Schwelbrand hoch. Alzheimer, Osteoporose oder Diabetes – sie alle haben eine entzündliche Basis.

Welchen Patienten empfehlen Sie die Einnahme von Mikronährstoffen?
Wenn eine Patientin oder ein Patient mit einer Parodontitis durch das zahnmedizinische Repertoire und die häusliche Eigentherapie nicht zu stabilisieren ist und einen aMMP-8-Wert von über 20 ng/ml aufweist, ist der Stoffwechsel durch ein Entzündungsgeschehen belastet. Dann empfehle ich die bilanzierte Diät Itis-Protect zum Diätmanagement bei Parodontitis. In der Erhaltungstherapie rate ich zur Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren zur Modulation chronischer Entzündungen, außerdem zu Magnesium-Calcium zur Unterstützung der Regulierung des Säure-Basen-Haushalts und zur Einnahme darmaktiver Mikroorganismen. Wichtig ist allerdings die Qualität der Produkte.

Was ist das Besondere an den Seminaren zur behandlungsresistenten Parodontitis?
Ich freue mich, dass das Thema jetzt „reif“ ist und dass die kostenlosen Seminare zur begleitenden Mikronährstofftherapie immer mehr Zulauf verzeichnen. Es macht mir Spaß, Wissen zu teilen, Kolleginnen und Kollegen aufzuklären und auf ihrem Weg in die ganzheitliche Zahnmedizin zu begleiten. Es lohnt sich für Praxen, sich mit orthomolekularer Medizin und anderen Bereichen der inneren Medizin zu beschäftigen.

Wie sieht die Parodontitis-Behandlung im Jahr 2040 aus?
Ernährung, Bewegung und Lebensstil müssen in die parodontale Therapie integriert werden. Eine Zahnmedizin, die keine Zusammenhänge zwischen oraler Gesundheit und dem inneren Milieu herstellt, ist zum Scheitern verurteilt!

Wie ernähren Sie sich selbst?
Ich lege Wert auf frische Lebensmittel in Bio-Qualität. Konserven, stark verarbeitete Lebensmittel, Zusatzstoffe und Co. kommen bei uns nicht auf den Tisch. Außerdem spare ich Zucker ein und beende eine Mahlzeit, kurz bevor ich satt bin. Damit fühle ich mich sehr vital.


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