Parodontologie


Mit Calciumhydroxid: Beschleunigte Wundheilung und Regeneration nach parodontalchirurguischem Eingriff

Abb. 1: Klinische Ausgangssituation.
Abb. 1: Klinische Ausgangssituation.

Ein Zahnarztkollege stellt im nachfolgenden Beitrag seine Erfahrungen mit einer Calciumhydroxid-Suspension

vor, die er in der Parodontaltherapie und Oralchirurgie zur Förderung der parodontalen Regeneration erfolgreich

einsetzt. Herstellerangaben zum verwendeten Produkt liegen seinen Ausführungen zugrunde.

Der Einsatz von regenerativen Maßnahmen in der Parodontalchirurgie soll zu einem Wiedergewinn von verloren gegangenen parodontalen Strukturen mit der Neubildung von Wurzelzement, Desmodont und Alveolarknochen führen. Bei Furkationsbeteiligungen und intraossären Knochendefekten können verschiedene regenerative Materialien verwendet werden. Während Calciumhydroxid bisher vorwiegend in der Kariestherapie und bei endodontischen Behandlungen Anwendung fand, werden zunehmend Erfahrungen mit dessen Einsatz in der regenerativen Parodontitistherapie gesammelt.
Nach einem parodontalchirurgischen Eingriff soll alles Gewebe, das nicht zur Regeneration beiträgt und eine Proliferation verhindert, mittels einer Barriere daran gehindert werden, in den Defekt einzuwachsen. Gleichzeitig ist es Ziel, eine Osteo- und Desmodontregeneration zu erreichen. Dies erfolgt in der Regel durch die GTR (Guided Tissue Regeneration)-Technik, bei der u. a. eine resorbierbare oder nicht resorbierbare Membran platziert wird. Durch diese mechanische Barriere soll das epitheliale Wachstum in den Defekt verhindert werden. Von Fall zu Fall wird diese Therapie von einer Antibiose begleitet.
Das Präparat Osteora (DFS-Diamon, Riedenburg), eine ölige Calciumhydroxid-Suspension mit einer cremigen Konsistenz, verfügt über solch eine Barrierewirkung gegen das epitheliale Wachstum und ermöglicht so oftmals den Verzicht auf den Einsatz einer Membran. Gleichzeitig wird beobachtet, dass die Anwendung von Osteora zu einer beschleunigteren Wundheilung und Regeneration führt, wodurch vielfach auf eine Antibiose verzichtet werden kann. Anhand des folgenden klinischen Patientenfalls wird die Applikation und Erfahrung mit dieser Calciumhydroxid-Suspension beschrieben.

Patientenfall

Anamnese

Der 68-jährige männliche Patient suchte erstmals mit einer fortgeschrittenen Parodontitis im Jahre 2009 unsere Praxis auf. Seit der Durchführung einer systematischen PAR-Behandlung befindet er sich in einem regelmäßigen Recall.

Diagnose

2010 suchte er die Praxis aufgrund von Schmerzen an Zahn 12 sowie Rötung und Schwellung der Gingiva in Regio 12 bis 13 auf (Abb. 1). Anhand eines angefertigten Röntgenfilms (Abb. 2) und der klinischen Untersuchung wurde eine parodontale Zyste diagnostiziert.

Medikamentöse und chirurgische Therapie

Die verschiedenen Behandlungsalternativen wurden in einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten, der zu dieser Zeit mit Marcumar therapiert wurde, erläutert. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Kardiologen wurde die Zeit bis zur Marcumar-Substitution lokal und systemisch mit einer Antibiose begleitet, die oberflächlich zu einer entzündungsfreien Gingivasituation führte (Abb. 3). Damit wurde zwar zunächst ein Rückgang der Symptome erzielt, aber die Ursache für diese nicht beseitigt.
Ziel der folgenden Zystektomie sollte die vollständige Entfernung des Zystenbalgs mit anschließendem dichten Wundverschluss und Heilung über die Organisation des Blutkoagulums in der Knochenhöhle sein. Die Aufklappung erfolgte mit einer vertikalen Schnittführung mesial entlang des Defektes, sodass die Naht eine knöcherne Grundlage besitzt. Gleichzeitig war so eine optimale Durchblutung des Mukoperiostlappens gewährleistet (Abb. 4).
Anschließend wurde die vestibuläre Weichteildecke subperiostal mobilisiert und aufgeklappt sowie der Knochen über der Zyste abgetragen, um den Zystenbalg vollständig entfernen zu können (Abb. 5).

  • Abb. 2: Röntgenfilm der Ausgangssituation: Ausgeprägte Osteolyse distal an Zahn 12.
  • Abb. 3: Nach initialer Antibiotikatherapie.
  • Abb. 2: Röntgenfilm der Ausgangssituation: Ausgeprägte Osteolyse distal an Zahn 12.
  • Abb. 3: Nach initialer Antibiotikatherapie.

  • Abb. 4: Nach Aufklappung.
  • Abb. 5: Nach Entfernung des Zystenbalgs.
  • Abb. 4: Nach Aufklappung.
  • Abb. 5: Nach Entfernung des Zystenbalgs.

  • Abb. 6: Einbringen der Calciumhydroxid-Suspension.
  • Abb. 6: Einbringen der Calciumhydroxid-Suspension.


Bei operativen Parodontalbehandlungen, in denen intraossäre Defekte, die aufgrund einer Parodontitis oder parodontalen Zyste entstanden sind, mit einem Regenerationsmaterial aufgefüllt werden, hat sich in meiner Praxis die Calciumhydroxid-Suspension bewährt. Osteora wird insbesondere zum Auffüllen von Alveolen, bei Knochentaschen-OPs zur Knochenregeneration, aber auch als Ergänzung der chirurgischen Parodontaltherapie lokal auf freiliegende Wurzeloberflächen appliziert (Abb. 6).
Osteora ist in einer gebrauchsfertigen Druckspritze mit biegsamer Applikationskanüle erhältlich. Die Anwendung erfordert keine spezielle Vorbereitung. Die Applikation erfolgt vergleichsweise einfach und schnell, da sich die Suspension durch eine angemessene Standfestigkeit auszeichnet und auch bei Blut im OP-Gebiet gut am Desmodont anhaftet (Abb. 7).
Klinische Studien und wissenschaftliche Untersuchungen, beispielsweise unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Becker, Prof. Dr. Georg Dietz, Prof. Dr. Dr. Anton Sculean und Prof. Dr. Brita Willershausen, belegen, dass mit Osteora ein Medikament zur Verfügung steht, das wie ein Knochenwundverband wirkt und in der Lage ist, postoperative Symptome zu vermindern und Komplikationen vorzubeugen.
Nachdem das Präparat durch primäre Deckung bzw. dichtes Vernähen der Wunde fest eingeschlossen wurde (Abb. 8), entwickelt es seine Barrierefunktion und verhindert so epitheliales Tiefenwachstum in den Defekt. Aufgrund der öligen Trägersubstanz von Osteora wird das eingebundene Calciumhydroxid konstant gleichmäßig an die Defektwand abgegeben. Abbildung 9 zeigt eine weitgehend schwellungs- und reizfreie Situation einen Tag nach der OP, die wohl darauf zurück zu führen ist, dass sich bereits nach wenigen Stunden der pH-Wert im Knochendefekt zwischen 8 und 9 stabilisiert hat. Nach komplikationslosem Heilungsverlauf wurden die Nähte nach zehn Tagen entfernt (Abb. 10). Weitere Behandlungsmaßnahmen waren nicht erforderlich.
Das Röntgenbild nach 21 Tagen post OP lässt die Knochenregeneration in Regio 12 bis 13 deutlich erkennen (Abb. 11). Laut Hersteller bleibt der stabilisierte pH-Wert während der gesamten Resorptionszeit von sechs bis acht Wochen konstant.
  • Abb. 7: Osteora weist eine angemessene Standfestigkeit auf.
  • Abb. 8: Primärer Nahtverschluss mit monofilem, atraumatischem Nahtmaterial.
  • Abb. 7: Osteora weist eine angemessene Standfestigkeit auf.
  • Abb. 8: Primärer Nahtverschluss mit monofilem, atraumatischem Nahtmaterial.

  • Abb. 9: Situation ein Tag post OP.
  • Abb. 10: Situation zehn Tage post OP nach Nahtentfernung.
  • Abb. 9: Situation ein Tag post OP.
  • Abb. 10: Situation zehn Tage post OP nach Nahtentfernung.

  • Abb. 11: OPG 21 Tage post OP.
  • Abb. 11: OPG 21 Tage post OP.

Fazit

Nach meinen klinischen Erfahrungen sorgt die Anwendung von Osteora für eine beschleunigte und komplikationslosere Wundheilung und die regenerierte Defektstelle weist in der Regel deutlich reduzierte Taschentiefen und ein verbessertes klinisches Attachmentlevel auf.
Diese positive Wirkung basiert laut Hersteller auf der erwähnten Verschiebung des pH-Wertes im Defekt, wodurch ein antiinflammatorischer, analgetischer und schwellungsreduzierender Effekt entsteht. Zusätzlich soll die Wundheilung durch eine extrem ansteigende Kollagensynthese unterstützt werden. Die Patienten sind schneller wieder schmerz- und entzündungsfrei.
Osteora ist vielleicht kein Wundermittel für die parodontale Regenerationsbehandlung, es kann jedoch in vielen klinischen Situationen helfen. Grundsätzlich bevorzuge ich die Verwendung der Calciumhydroxid-Suspension vor alternativen anderen Behandlungen, da es meiner Erfahrung nach die Osteo- und Desmodontregeneration klinisch überzeugend stimuliert und der postoperative Heilungsverlauf des Weichgewebes sehr gut ist.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZA Philipp Laakmann

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZA Philipp Laakmann


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