Parodontologie


Konservative Parodontitisbehandlung plus Chlorhexidin

14.10.2010

Abb. 1: Entnahme des PerioChips aus dem Blister.
Abb. 1: Entnahme des PerioChips aus dem Blister.

Am folgenden Fallbeispiel beschreibt die Autorin den Erhalt eines unteren Schneidezahnes bei chronischer Parodontitis, welcher konservativ und unter Einsatz eines Antiseptikums behandelt wurde.

November 2008 erschien erstmals eine 38-jährige Patientin in der Praxis und beklagte Zahnfleischbluten und einen Zahnfleischrückgang bei Zahn 31. Die allgemeine Anamnese war unauffällig.

Befund und Diagnose

An Zahn 31 war eine Gingivarezession durch das tief ansetzende Band deutlich erkennbar. Die Taschen in den seitlichen Bereichen wiesen ca. 5–6 mm Tiefe auf und bluteten bei der Sondierung. Der Röntgenbefund ergab in allen Kieferbereichen nur leichten, horizontalen Knochenabbau. Zahn 31 war röntgenologisch unauffällig. Es handelte sich eindeutig um eine chronische Parodontitis. Zusätzlich konnten ein parafunktionales Knirschen sowie der Frühkontakt und die funktionelle Überbelastung von 31 diagnostiziert werden.

Therapieplan und Durchführung

Im Dezember 2008 haben wir die Behandlung mit einer ausführlichen Zahnpflegeunterweisung und einer professionellen Zahnreinigung begonnen. Im Januar 2009 wurde eine geschlossene Kürettage durchgeführt, um auch die Wurzeloberflächen von Biofilm und Konkrementen zu reinigen und zu glätten – die klassischen Maßnahmen zu einem ersten entzündungsfreien Zustand. Zusätzlich waren eine Knirscherschiene und evtl. ein freies Schleimhauttransplantat regio 31 geplant.

Leider erschien die Patientin erst wieder im August 2009. Der Zustand hatte sich ernsthaft verschlechtert. Mesial war bei 31 eine Taschentiefe von 12 mm und der Lockerungsgrad II festzustellen. Der Zahn war eindeutig vital.

Nach einer erneuten Kürettage und einer CHX-Spülung bei 31 erfolgen das geplante Einschleifen des Frühkontaktes 31 und die Eingliederung einer Schiene zur Verblockung des gelockerten Zahnes. Um die Entzündung zu stoppen, wurde mit einer Chlorhexidin-Therapie begonnen und PerioChip in die Zahnfleischtasche an 31 appliziert (Abb. 1). Der hochkonzentrierte 33%ige Chlorhexidin-Chip wirkt direkt am Entzündungsherd und tötet lokal die Keime ab – ohne Nebenwirkungen und Resistenzbildungen.

  • Abb. 2: Die Röntgenkontrolle von 31 am 16. November 2009 zeigt eine umfassende Osteolyse.

  • Abb. 2: Die Röntgenkontrolle von 31 am 16. November 2009 zeigt eine umfassende Osteolyse.

Das weitere Behandlungsprotokoll lautete wie folgt:

12. Oktober 2009: Lockerungsgrad von 31 etwas geringer, aber Taschentiefe immer noch bei 12 mm. Erneute Applikation eines PerioChips an 31.

06. November 2009: PZR.

16. November 2009: Die Röntgenkontrolle von 31 zeigte eine umfassende Osteolyse (Abb. 2), aber die Vitalität war immer noch eindeutig positiv und die Taschentiefe betrug nur noch 6 mm.

Die Patientin berichtete erstmals, dass sie bereits seit 20 Jahren an der Hashimoto-Thyreoiditis, einer autoimmunen Entzündung der Schilddrüse, leidet. Deshalb treten bei der Patientin an verschiedenen Stellen wechselnd, z. B. an den Fingern, Entzündungen auf. Ob diese Erkrankung das Fortschreiten einer

  • Abb. 3: Im Röntgenkontrollbild von 31 am 26.03.2010 ist die Knochenneubildung zu sehen.

  • Abb. 3: Im Röntgenkontrollbild von 31 am 26.03.2010 ist die Knochenneubildung zu sehen.
  • Abb. 4: Auch das Röntgenkontrollbild aus dem Sommer 2010 bestätigt die Knochenneubildung.

  • Abb. 4: Auch das Röntgenkontrollbild aus dem Sommer 2010 bestätigt die Knochenneubildung.
Parodontitis bei der Patientin begünstigte, ist unklar.

Es wurden die Extraktion von Zahn 31 und Zahnersatz mittels Implantat in Erwägung gezogen. Die Patientin wollte jedoch unbedingt den Zahn erhalten, sodass wir mit einer monatlichen PerioChip-„Kur“ starteten, d. h. es erfolgte eine PerioChip-Applikation an 31 am 20.11. und am 18.12.2009 sowie am 22.01. und am 19.02.2010. Die Applikation erfolgte jeweils ohne vorausgehende Kürettage, nur mit einer zusätzlichen CHX-Spülung.

Ergebnis

Am 26.03.2010 betrug die Taschentiefe an 31 nur noch 5 mm und die Vitalität war weiterhin gegeben. Das Röntgenkontrollbild von 31 zeigte sogar eine deutliche Knochenneubildung, d. h., der Zahn konnte stabilisiert und gerettet werden (Abb. 3). Die Patientin ist seitdem beschwerdefrei. Die konservative Therapie mit regelmäßigen Kontrollterminen alle drei Monate soll fortgesetzt werden. Bei einem erneuten Ausbruch der Entzündung wird dann aufgrund des hervorragenden Ergebnisses erneut eine PerioChip-„Kur“ durchgeführt.

Mit einer Prognose muss man aber bei diesen vorliegenden Grunderkrankung allerdings vorsichtig sein. Die Chancen stehen dennoch gut, denn die Mitarbeit und häusliche Mundhygiene sowie die PZR-Motivation sind zurzeit vorbildlich. Die Patientin erscheint inzwischen regelmäßig alle drei Monate zur PZR. Das hierbei stabilisierte Ergebnis bestätigt das aktuelle Röntgenkontrollbild vom Juli 2010 (Abb. 4).

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Annegret Heise

Bilder soweit nicht anders deklariert: Annegret Heise


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