Parodontologie


Fingerspitzengefühl ist gut – Ultraschall-Kontrolle besser

Abb. 1: Der Perioscan.
Abb. 1: Der Perioscan.

Ein Ultraschallgerät, welches subgingivale Konkremente erkennen und auch beseitigen kann, sorgt für mehr Sicherheit und Erfolg bei der Diagnostik und Behandlung der Parodontitis, findet Dr. Alexander Kuhr, der seit 1997 ein solches Gerät in seiner Praxis einsetzt. Nachfolgend berichtet er unter Einbeziehung von Produktangaben über seine Erfahrungen.

Immer mehr Patienten sind von chronischen Erkrankungen des Parodontiums betroffen. Die Ergebnisse der letzten deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS IV, 2005) sprechen eine deutliche Sprache und erklären das erhöhte Behandlungsaufkommen in den Praxen.

  • Abb. 2–4: Klinischer Ausgangsbefund 09/2009.

  • Abb. 2–4: Klinischer Ausgangsbefund 09/2009.

Die nichtchirurgische Therapie der chronischen Parodontitis richtet sich gegen die Bakterien als Hauptverursacher der Entzündung. Im Zentrum steht hierbei die möglichst vollständige und gründliche Entfernung von Konkrementen von der Wurzeloberfläche. Dabei sind sowohl die supraals auch die subgingivale Plaquekontrolle entscheidend für den Therapieerfolg. Eine ebenso entscheidende Rolle spielt die Mundhygiene des Patienten.

Bisher mussten sich Behandler insbesondere bei der Entfernung von Konkrementen auf ihr Fingerspritzengefühl verlassen, da beim Reinigen der Wurzeloberfläche eine wirklich sichere Kontrolle ohne Instrumentenwechsel nicht möglich war. Um Unsicherheiten zu vermeiden, hole ich mir die Gewissheit, dass die Wurzeloberfläche tatsächlich konkrementfrei ist, durch den Ultraschall-Scaler PerioScan (Fa. Sirona/Bensheim), den ich seit dem Jahr 2007 in der Praxis verwende. PerioScan ist ein Ultraschallgerät, das subgingivale Konkremente erkennen und auch beseitigen kann (Abb. 1). Die Anwendung: Bei nicht gedrücktem Fußschalter befindet sich das Gerät im Erkennungsmodus und kann durch das Abfahren der Wurzeloberfläche mit der Ultraschallspitze anzeigen, ob die Wurzel oberfläche sauber ist, oder ob noch Konkremente vorhanden sind. Findet das Gerät ein Konkrement, wechsle ich mithilfe des Fußschalters sofort in den Therapie-Modus und kann die Wurzeloberfläche bearbeiten. Danach überprüfe ich den gerade bearbeiteten Bereich nochmals, um sicherzugehen, dass das Konkrement entfernt wurde.

Das PerioScan zwingt mich quasi dazu, gründlich zu arbeiten. Dadurch, dass ich meine Arbeit anhand der Detektionsfunktion genau nachkontrollieren kann, brauche ich eventuell mehr Zeit, arbeite dafür aber genauer und erspare mir und dem Patienten später lästige Nachbehandlungen, oder sogar schmerzhafte Lappenoperationen. Und ich gerate nicht in die Verlegenheit, dem Patienten sagen zu müssen, dass ich nicht ertasten kann, ob noch Konkremente in seinen Taschen vorhanden sind.

Fallbeispiel

Bei der Befundaufnahme im Rahmen der Erstuntersuchung eines 43-jährigen männlichen Patienten (Nichtraucher, keine Allgemeinerkrankungen) wurde auch eine Taschensondierung durchgeführt. Dabei ergaben sich PSI-Werte zwischen Grad III und IV. Die anschließende ausführliche Messung ergab Sondierungstiefen zwischen 4 und 7 mm. Die Diagnose lautete: generalisierte

  • Abb. 5: Parodontalstatus 09/2009.

  • Abb. 5: Parodontalstatus 09/2009.
chronische Parodontitis (Abb. 2–5).

Anamnese und vorbereitende Maßnahmen

Bei der Parodontitisbehandlung gehen wir klassischerweise wie folgt vor: Im ersten Schritt verschaffen wir uns einen Überblick durch eine ausführliche Anamnese und Befundaufnahme. Dabei kann festgestellt werden, wie stark die einzelnen Zähne vom Knochenabbau betroffen sind und welche Prognose sich daraus ergibt.

Für den Behandlungserfolg ist die Mitarbeit des Patienten ausschlaggebend. Deshalb führen wir ein ausführliches Patientengespräch über die Ursachen der Parodontitis, die Behandlungsziele und den Behandlungsablauf und betonen, dass die Mitarbeit des Patienten mittels einer optimalen Mundhygiene einen entscheidenden Einfluss auf den Behandlungserfolg hat. Außerdem wird der Patient darüber informiert, dass es sich bei der Parodontitis um eine chronische Erkrankung handelt, die auch nach dem Ende der Zahnfleischbehandlung eine regelmäßige Kontrolle und professionelle Reinigung der Zähne verlangt. Nach dem Gespräch werden Termine für die folgenden Sitzungen vereinbart.

Von der PZR bis zum Recall

  • Abb. 6–8: Klinischer Status nach der Parodontitisbehandlung 12/2009.

  • Abb. 6–8: Klinischer Status nach der Parodontitisbehandlung 12/2009.
Eine ausgebildete Prophylaxeassistentin führt eine professionelle Zahnreinigung durch. Je nach Mitarbeit des Patienten schließen sich bis zu vier Vorsorgesitzungen an, mit dem Ziel, die Mundhygiene zu optimieren und so Beläge und Entzündung zu reduzieren. Die Hauptbehandlung wird je nach Behandlungsumfang an einem Tag oder für Ober- und Unterkiefer an zwei aufeinander folgenden Tagen durchgeführt. Sie beinhaltet auch ein Full-Mouth-Disinfection-Konzept (FMD) mit dem Ziel, in der gesamten Mundhöhle eine möglichst hohe Keimarmut zu erreichen und eine Reinfektion aus erkrankten und noch nicht behandelten Bezirken zu vermeiden und einer Bakteriämie vorzubeugen.

Nach Abschluss der Hauptbehandlung finden in Abständen von ca. einer Woche die Nachsorgesitzungen statt, in denen letzte Schwachstellen beim Putzen entdeckt und beseitigt werden. Ggf. kommt das PerioScan hier ein weiteres Mal zum Einsatz, etwa wenn man noch blutende Zahnfleischtaschen entdeckt. Diese einzelnen Taschen werden erneut mit Ultraschall bearbeitet. Durch die engen Abstände in der Nachsorge hat man in dieser Zeit, in der sich ein Großteil der parodontalen Heilung vollzieht, eine optimale Kontrolle über die Mundhygiene des Patienten und kann gegebenenfalls unterstützend eingreifen.

Nach der Endkontrolle durch den Zahnarzt, an dem erneut ein parodontaler Befund aufgenommen wird, kommt es zu einer Einschätzung des Behandlungserfolges (Abb. 6–8). Der Patient wird in ein Recallsystem eingegliedert, wobei die Intervalle nach dem persönlichen Risiko des Patienten festgelegt werden.

Diskussion zum Geräteeinsatz

In allen Teilabschnitten der Zahnfleischbehandlung und im Recall kommen für die Reinigung der Wurzeloberfläche verschiedene Geräte und Instrumente zum Einsatz. Die Entwicklung der Ultraschallgeräte ist derzeit noch nicht soweit fortgeschritten, dass ein Gerät für jeden Patienten die hundertprozentige Lösung anbieten kann. Wir nutzen deshalb den PerioScan häufig in Kombination mit anderen Ultraschallgeräten oder auch Küretten. Ich verwende beispielsweise bei der Behandlung zusätzlich noch eine Explorer- Sonde. Diese ist wie eine Kürette geformt und hat eine grazile Spitze, mit der ich die Wurzeloberfläche abtasten kann.

Das PerioScan verfügt über einen Piezo-Ultraschall, das bedeutet, dass bei richtiger Anwendung dem Patienten kaum Schmerzen entstehen. Resultierend daraus, dass wir mit dem Gerät nicht mehr stur die komplette Zahnoberfläche abfahren müssen und dabei womöglich gesunde Zahnhartsubstanz entfernen, reinigen wir gezielt dort, wo noch Beläge sind oder das Gerät Konkremente anzeigt. Die Lichtfunktionen – grünes Licht deutet auf eine gesunde Wurzeloberfläche hin, blaues Licht signalisiert Konkremente – unterstützen mich sehr in meiner Arbeit. Zusätzlich habe ich auch immer das Akustiksignal aktiviert.

Das Gerät ersetzt so zwar nicht komplett das Fingerspitzengefühl, auf das ich mich immer noch gern verlasse, aber Kontrolle ist ja bekanntlich besser. Das PerioScan ist einfach und praktisch zu bedienen. So lassen sich etwa die Flüssigkeitstanks des Ultraschallgeräts schnell mittels Schalter umstecken. Auch die Form des Handstücks hat mich überzeugt. Eine Verbesserung wäre die Einführung grazilerer Spitzen, die es mir erlauben, auch in die Regionen der Wurzeloberfläche, etwa enge Furkationen, zu erreichen, bei denen ich momentan mit den derzeitigen Spitzen teilweise an die Grenzen komme.

  • Abb. 9: Parodontalstatus nach der PA-Behandlung 12/2009.

  • Abb. 9: Parodontalstatus nach der PA-Behandlung 12/2009.
Dennoch: Das Feedback der Patienten auf die Ultraschallbehandlung ist sehr gut. Besonders die Tatsache, dass wir mit dem PerioScan gezielt die Zahnoberfläche reinigen können, ist ein überzeugendes Argument. Das Akustiksignal zeigt zudem nicht nur mir, sondern auch den Patienten, dass noch Konkremente vorhanden sind. Somit bringt der PerioScan auch einen Vorteil in der Patientenkommunikation.

Fazit

Im vorliegenden Patientenfall konnten sehr gute Behandlungsergebnisse erzielt werden. Auf den klinischen Bildern sieht man den durch die parodontale Heilung erzeugten Rückgang der Entzündung, mit teilweisem Verlust der Papillen. Der Vergleich der Sondierungstiefen vor und nach PA-Behandlung unterstreicht den Behandlungserfolg.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Alexander Kuhr

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Alexander Kuhr


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