Parodontologie

Wechselbeziehungen zwischen Diabetes mellitus und Parodontitis

Bedeutung der Mundgesundheit bei Diabetikern

04.02.2011

Viele Diabetiker wissen noch zu wenig über den Zusammenhang von Diabetes mellitus und Parodontitis.
Viele Diabetiker wissen noch zu wenig über den Zusammenhang von Diabetes mellitus und Parodontitis.

Parodontitis wird als Folgeerkrankung des Diabetes mellitus oft unterschätzt. Doch Diabetiker haben ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken (1). Sie weisen gleichzeitig eine verstärkte Progression parodontaler Erkrankungen bei reduzierter Therapieantwort auf eine Parodontitisbehandlung auf (2). Umgekehrt verstärkt die chronische Entzündung die Insulinresistenz der Gewebe und erschwert somit die optimale Blutzuckereinstellung (2). Die zu Anfang des Jahres 2010 gegründete Initiative „Gesund im Mund bei Diabetes“ hat sich zum Ziel gesetzt, Aufklärung über die Wechselbeziehungen zwischen beiden Erkrankungen, ihre Risikofaktoren und Prophylaxemöglichkeiten zu betreiben und strebt eine Ergänzung der evidenzbasierten Leitlinien der zuständigen Fachgesellschaften an.

  • Die Initiative

  • Die Initiative "Gesund imMund bei Diabetes" betreibt Aufklärungsarbeit und möchte die Ergänzung der evidenzbasierten Leitlinien der zuständigen Fachgesellschaften.
Der Diabetes mellitus ist eine durch chronische Hyperglykämie charakterisierte Regulationsstörung des Stoffwechsels bei der entweder eine gestörte Insulinsekretion, eine verminderte Insulinwirkung oder beides vorliegt. Allgemein bekannt ist, dass die chronische Hyperglykämie zu mikrovaskulären und makrovaskulären Begleit- und Folgeerkrankungen führt. In den letzten Jahrzehnten wurde eine deutliche Zunahme der Diabeteskranken registriert. Die hohe Dunkelziffer mit eingeschlossen leiden derzeit schätzungsweise 8 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes (3). Ebenso wie der Diabetes mellitus ist Parodontitis eine in der Bevölkerung weit verbreitete Erkrankung. Von einer moderaten Form der Parodontitis sind in Deutschland durchschnittlich etwa 40 % der Erwachsenen und Senioren betroffen (4). Die Prävalenz von schweren Formen der Parodontitis nimmt zu (zwischen 4 bis 8 % der Erwachsenen und zwischen 14 bis 22 % der Senioren weisen eine Parodontitiserkrankung mit schwerer Ausprägung auf). Vor allem Alter, Geschlecht, Rauchen und sozioökonomische und genetische Faktoren können die Entstehung von Parodontitis bedingen – aber auch Diabetes. Bei Diabetikern wurde im Parodont eine vermehrte Akkumulation von Endprodukten der fortgeschrittenen Glykierung (AGE) nachgewiesen, welche die Entstehung einer Parodontitis begünstigen (2). Diabetiker leiden dreimal häufiger als Nicht-Diabetiker an Parodontitis. Zahlreiche Studiendaten liefern Hinweise darauf, dass Parodontitis und Diabetes sich gegenseitig negativ beeinflussen: Ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel begünstigt die Entstehung einer Parodontitis und diese kann zu Insulinresistenz der Gewebe und einer Verschlechterung der Blutzuckereinstellung bei Diabetikern führen (2).

Risiko durch Parodontitis

Nicht nur Diabetes, sondern auch Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die oftmals lange Zeit unerkannt bleibt. Wenn die Parodontitis unbehandelt fortschreitet, kann sie, vor allem bei Diabetikern, zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Diabetiker, die an Parodontitis leiden, weisen durchschnittlich eine schlechtere glykämische Einstellung auf als Diabetiker ohne Parodontitis (2). Mit Zunahme der Sondierungstiefe oder des entzündeten parodontalen Gewebes (PISA) steigt auch der HbA1c-Wert bei Diabetikern an (5,6). Bei Diabetikern mit schwerer Parodontitis kann die Sterblichkeit als Folge einer ischämischen Herzkrankheit um den Faktor 2,3 und durch eine diabetische Nephropathie sogar um das 8,5-Fache erhöht sein – gegenüber parodontal gesunden Diabetikern oder solchen mit einer nur leichten Ausprägung der Parodontitis (7). Damit besitzt die Parodontitis eine lebensverkürzende Komponente (8).

Adäquate Zahnpflege entscheidend für Allgemeingesundheit

Klinische Studien weisen darauf hin, dass eine effektive parodontale Behandlung den Blutzuckerwert senken kann (9-12). Nachweislich konnte in Metaanalysen gezeigt werden, dass sich eine erfolgreiche zahnärztliche Parodontitistherapie günstig auf die metabolische Einstellung von Typ-2-Diabetikern auswirkt und der HbA1c-Wert (bei Ausgangswerten von 7 bis 10 %) um durchschnittlich 0,4- bis 0,8 %-Punkte gesenkt werden konnte (13-15).
Von entscheidender Bedeutung für den Erfolg einer Parodontaltherapie und für die Parodontitisprävention ist neben der regelmäßigen professionellen zahnmedizinischen Behandlung auch die häusliche Mundhygiene. Dazu zählen die tägliche Verwendung von Zahnseide und Interdentalbürsten sowie die zweimal tägliche mechanische Plaquekontrolle mit Zahnbürste und -paste. Gerade bei Patienten mit einem erhöhten Parodontitisrisiko, wie Diabetikern, sollte die häusliche Mundhygiene durch chemische Wirkstoffe in Zahnpasten und/oder Mundspülungen unterstützt werden, die neben einem anti-bakteriellen auch einen anti-entzündlichen Effekt haben. Eine Wirkstoffkombination aus Triclosan/Copolymer wirkt anti-bakteriell und anti-entzündlich und hat sich in klinischen Langzeitstudien bei zweimal täglicher Anwendung in Form einer Zahnpaste als aktiver Schutz vor parodontalen Entzündungen erwiesen. Die Entstehung einer Parodontitis und die Gefahr eines parodontalen Rezidivs kann so signifikant verringert und der Erfolg einer professionellen Parodontitistherapie verbessert werden, im Vergleich zu herkömmlichen Zahnpasten ohne diese Wirkstoffkombination (16-18). Die nicht beaufsichtigte Anwendung einer kommerziell erhältlichen Zahncreme, die 0,3 % Triclosan in Verbindung mit 2 % Copolymer enthält, konnte in einer Langzeitstudie den parodontalen Attachementverlust im Vergleich mit der Testgruppe um signifikante 50 % hemmen (18).

Interdisziplinäre Zusammenarbeit gefordert

Angesichts der erstzunehmenden Wechselbeziehung zwischen Diabetes mellitus und Parodontitis sowie der steigenden Prävalenz beider Erkrankungen in Deutschland, bedarf es einer engen Zusammenarbeit von Diabetologen und Zahnmedizinern. Der interdisziplinäre Wissenschaftsausschuss der Initiative „Gesund im Mund bei Diabetes“, die von der Bundeszahnärztekammer und Colgate-Palmolive getragen wird, möchte daher über die Risiken der Wechselwirkungen sowie über Prophylaxe und therapeutische Maßnahmen aufklären. Die jeweils vier namhaften Experten auf den Gebieten Diabetologie und Zahnmedizin diskutierten auf ihrer zweiten Sitzung, die im September in München stattfand, ein auf der Grundlage von aktuellen Studiendaten erarbeitetes Konsensuspapier zur Leitlinienergänzung, das auch die Frage nach den praktischen Implikationen in der allgemeinmedizinischen und zahnmedizinischen Praxis erörtert.

Weiterführende Informationen auf Anfrage:
Kontakt zur Initiative "Gesund im Mund bei Diabetes"
TBWA\+  Tony Petersen
Bernhard-Nocht-Straße 113
20359 Hamburg
Tel.: 040 36907 451
Fax: 040 36907 445
E-Mail: tony.petersen@tbwa.de

Colgate-Palmolive GmbH, www.colgate.de
Bundeszahnärztekammer, www.bzaek.de


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