Kinderzahnheilkunde


Verwendung von Zirkonoxidkronen bei MIH

Bei schweren Formen der Molaren-Inzisiven-Hypoplasie (MIH) wird als Therapie die Überkronung mittels konfektionierter Kronen empfohlen. Während im Milchgebiss die Versorgung meistens mit Stahlkronen einhergeht, kann in der bleibenden Dentition als Alternative auch der Einsatz von Zirkonoxidkronen in Erwägung gezogen werden.

Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) und insbesondere ihre schwere Form stellt den Behandler vor eine Herausforderung. Die Kinder mit schwerer MIH sind aufgrund der überempfindlichen Zähne oft ängstlich und nur bedingt kooperativ. Die MIH ist laut Weerheijm et al. [1] und Mathu-Muju & Wright [2] in 3 Schweregrade eingeteilt, die auf die Therapie Einfluss nehmen. So lässt sich die milde Form der MIH (Schweregrad 1) durchaus zunächst mit einer Glasionomerfüllung (GIZ-Füllung) und anschließend mit einer Kompositfüllung versorgen. Bei der moderaten (Schweregrad 2) und schweren Form der MIH (Schweregrad 3) wird die Therapie mit einer konfektionierten Krone als Langzeitprovisorium empfohlen. Ziel hierbei ist es, den Zahn zu erhalten und somit die spätere definitive Überkronung im Erwachsenenalter zu ermöglichen.

Da die Verweildauer der konfektionierten Kronen bei den bleibenden Molaren über einen erheblich längeren Zeitraum als bei den Milchmolaren besteht, spielt hierbei der ästhetische Aspekt eine wichtige Rolle. Daher wird seitens der Patienten nach Alternativen zu den standardmäßigen Stahlkronen gesucht. Neben der unzureichenden Ästhetik gibt es bei den Stahlkronen weitere Nachteile wie Artefaktbildung im Magnetresonanztomogramm (MRT) bei der Schädeldiagnostik sowie Materialunverträglichkeit auf Nickelbestandteile. Als zahnfarbene konfektionierte Kronen können verblendete Kinderkronen (z. B. NuSmile, Houston, TX, USA) eingesetzt werden, wobei jedoch unschöne Abplatzungen als nachteilig zu beobachten sind. Kinderkronen aus Kunststoff (z. B. KidCadCrowns, vFM Dentallabor GmbH, Hamburg) sind ebenfalls auf dem Dentalmarkt erhältlich; allerdings ist die Stabilität bei rein kunststoffgefertigten Kinderkronen geringer als bei den anderen Kinderkronen. Als vollkeramische Kinderkronen stehen Zirkonoxidkronen (z. B. Tuff Kids Crowns, New Port Richey, FL, USA; EZ Pedo, Loomis, CA, USA; NuSmile Zirconia) dem Behandler zur Verfügung. Indikationen für Zirkonoxidkronen sind gegeben, wenn die Ästhetik im Vordergrund steht, bei kooperativen Kindern, falls eine MRT-Aufnahme im Kopfbereich ansteht, und beim Vorliegen einer Nickelallergie.

Patientenfall

Ein 8-jähriger Junge stellte sich mit der Diagnose MIH vor. Alle vier bleibenden Molaren waren betroffen, allerdings mit unterschiedlichen Schweregraden. Der Zahn 26 hatte Schweregrad 1, der Zahn 16 Schweregrad 2 und die Zähne 36 und 46 wiesen Schweregrad 3 auf. Als Therapie wurde ein Stufenplan verfolgt: Zunächst sollten alle bleibenden 6er mit GIZ-Füllungen versorgt werden, um die Überempfindlichkeit zu lindern und um eine adäquate Mundhygiene an den betroffenen Zähnen wiederherzustellen. Anschließend wurden als definitive Versorgungen Kompositfüllungen an den schwächer geschädigten Zähnen 16 und 26 sowie Zirkonoxidkronen an den stärker geschädigten Zähnen 36 und 46 geplant. Die oberen ersten Molaren wurden mit GIZ-Füllungen (Fuji Triage white, GC, Tokio, Japan) versorgt (Abb. 1 u. 2), die später durch Kompositfüllungen ersetzt werden sollten.

  • Abb. 1: Zahn 16 mit GIZFüllung.
  • Abb. 2: Zahn 26 mit GIZFüllung.
  • Abb. 1: Zahn 16 mit GIZFüllung.
  • Abb. 2: Zahn 26 mit GIZFüllung.

Die unteren ersten Molaren wurden zunächst ebenfalls mit GIZ-Füllungen (Fuji Triage white) versehen und an den Folgeterminen mit Zirkonoxidkronen (NuSmile Zirconia) versorgt. Vor der Präparation des Zahnes 46 (Abb. 3) wurde zur Größenbestimmung eine NuSmile ZR Try-In Crown (NuSmile Zirconia) sowie eine Schiebelehre (Münchener Modell, Dentaurum, Ispringen) verwendet. Dann wurde der Zahn 46 für eine Aufnahme einer Zirkonoxidkrone präpariert, wobei folgende Präparationsregeln zu beachten sind: Der Substanzabtrag soll laut Herstellerangaben okklusal 1 bis 1,5 mm und nach Auflösung der Approximalkontakte zirkulär 0,5 bis 1,25 mm betragen. Im Gegensatz dazu sollen bei Stahlkronen die oralen und vestibulären Wände geringfügig oder gar nicht beschliffen werden. Außerdem soll bei den Zirkonoxidkronen ein Federrand von 1 bis 2 mm subgingival angelegt werden.

  • Abb. 3: Zahn 46 vor Präparation einer Zirkonoxidkrone.
  • Abb. 4: Am Zahn 46 eingesetzte Zirkonoxidkrone.
  • Abb. 3: Zahn 46 vor Präparation einer Zirkonoxidkrone.
  • Abb. 4: Am Zahn 46 eingesetzte Zirkonoxidkrone.

Die Krone muss passiv ohne Störstelle spannungsfrei passen; man spricht vom sogenannten „passive fit“. Die Eingliederung der Krone erfolgte mit einem Glasionomerzement (Ketac-Cem, 3M ESPE, Seefeld) (Abb. 4). Die Zirkonoxidkronen können laut Hersteller mit verschiedenen Zementen wie kunststoffbasierten Zementen, Glasionomerzementen oder kunststoffmodifizierten Glasionomerzementen eingesetzt werden.

Allerdings sollte man bei der Auswahl des Zementes an die Überempfindlichkeit der MIH-Zähne denken. Daher erscheinen Glasionomerzemente sinnvoll, da bei den kunststoffbasierten Zementen postoperative Überempfindlichkeiten auftreten können. Zum Schluss wurde die Okklusionskontrolle durchgeführt. An einem weiteren Termin erfolgte die Versorgung des Zahnes 36 entsprechend dem bereits beschriebenen Ablauf.

Fazit

Zirkonoxidkronen können eine Alternative zur Stahlkrone in der zweiten Dentition darstellen. Es sollten jedoch verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. So muss im Vergleich zur konventionellen Stahlkrone mehr Zahnhartsubstanz abgetragen werden. Aufgrund der Härte der Zirkonoxidkronen sollte bei MIH darauf geachtet werden, dass die Antagonisten keinen hohen Schweregrad aufweisen.

weiterlesen

Literatur:
  1. Weerheijm KL, Jälevik B, Alaluusua S: Molar-incisor hypomineralisation. Caries Res 35, 390–391 (2001).
  2. Mathu-Muju K, Wright JT: Diagnosis and treatment of molar incisor hypomineralization. Compend Contin Educ Dent 27, 604–610 (2006).
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Vicky Ehlers


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