Kinderzahnheilkunde


Fissurenversiegelungen bieten erfolgreichen Kariesschutz

Versiegelter Molar mit gut zu reinigender Kaufläche.
Versiegelter Molar mit gut zu reinigender Kaufläche.

In Deutschland sind heute acht von zehn Kindern im Alter von 12 Jahren kariesfrei. Im Vergleich zum Jahr 1997 entspricht dies praktisch einer Verdoppelung kariesfreier Gebisse. Regelmäßige Kontrollbesuche in Zahnarztpraxen und die Versiegelung der Molaren sind die Grundlage dieser Entwicklung. So weisen 70,3% der Altersgruppe versiegelte Fissuren auf. Kinder ohne Fissurenversiegelungen hingegen weisen mit 0,9 DMF-Zähnen eine dreimal höhere Karieserfahrung auf [1].

Hohes Kariesrisiko

Fissuren und Grübchen sind aufgrund ihrer Oberflächenprofile schwierig zu reinigen und bieten bakteriellem Biofilm einen idealen Nährboden. Ein erhöhtes Kariesrisiko ist die Folge. Langjährige klinische Erfahrungen und die oben beschriebenen Ergebnisse der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) dokumentieren die präventive Effektivität der Versiegelung gefährdeter Okklusalflächen [1,2]. Entscheidende Faktoren für den Erfolg der Maßnahme sind der vollständige Zahndurchbruch mit frei zugänglichen Kauflächen und die Compliance der jungen Patienten (Abb. 1). Nur so sind gründlich gereinigte, mit Phosphorsäure konditionierte, absolut trockene Fissuren und eine gezielte Applikation des Versieglers inklusive Okklusionskontrolle zu realisieren. Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg der Behandlung [3]. Im Risikofall wird die Versiegelung nicht nur für intakte Fissuren sondern auch für nicht-kavitierte initiale Läsionen empfohlen [3].

  • Abb. 1: Ein flexibler Lippen-Wangen-Halter erleichtert den Zugang zu den Fissuren, sofern nicht unter Kofferdam gearbeitet wird.
  • Abb. 2: Applikation des Versieglers Helioseal F im Fissurenrelief.
  • Abb. 1: Ein flexibler Lippen-Wangen-Halter erleichtert den Zugang zu den Fissuren, sofern nicht unter Kofferdam gearbeitet wird.
  • Abb. 2: Applikation des Versieglers Helioseal F im Fissurenrelief.

Bei einwandfreiem Randschluss und langfristiger Retention der Versiegelung entwickelt sich die kariöse Läsion nicht weiter und kommt zum Stillstand. Die Qualität der Versiegelung sollte regelmäßig halbjährlich überprüft werden. Falls notwendig ist die Versiegelung ganz oder teilweise zu erneuern. Langzeitstudien belegen, dass bei optimaler Arbeitstechnik Retentionszeiten von mehr als 10 Jahren möglich sind [4]. Besonders bewährt haben sich Versiegler auf Kompositbasis mit oder ohne Fluoridfreisetzung wie zum Beispiel Helioseal F oder Helioseal von Ivoclar Vivadent [5, 6] (Abb. 2).

Schutz für durchbrechende Zähne

  • Abb. 3: Applikation des Schutzlackes Cervitec F, um das Stadium bis zur Versiegelung zu überbrücken (Bild: Dr. T. Repetto-Bauckhage).

  • Abb. 3: Applikation des Schutzlackes Cervitec F, um das Stadium bis zur Versiegelung zu überbrücken (Bild: Dr. T. Repetto-Bauckhage).
Einem hohen Kariesrisiko unterliegen die Zähne während ihres Durchbruchs. Das Putzen gestaltet sich schwierig, da die okklusalen Oberflächen noch nicht völlig frei liegen. Hinzu kommt, dass der Schmelz noch relativ porös und nicht so widerstandsfähig ist. Da Fissuren und Grübchen nicht im erforderlichen Maße zugänglich sind, ist in dieser Phase eine Versiegelung nicht indiziert. Die risikoorientierte Applikation eines Schutzlackes bietet eine effektive Option, das kritische Stadium bis zur Versiegelung zu überbrücken [7,8]. Fluoridierung und Keimkontrolle in einem Applikationsschritt erlaubt zum Beispiel das Lacksystem Cervitec F von Ivoclar Vivadent mit Fluorid, Chlorhexidin und CPC (Cetylpyridiniumchlorid). CPC trägt dazu bei, der Entwicklung von Zahnbelag und Zahnfleischentzündungen vorzubeugen, und unterstützt so die Wirkung des Chlorhexidins. Dank der relativ hohen Feuchtigkeitstoleranz lässt sich das Präparat auch dann anwenden, wenn ein Trockenlegen der Okklusalflächen nur bedingt möglich ist (Abb. 3). Das liquide Lacksystem lässt sich schnell verteilen und fließt in schwer zugängliche Stellen ein. Poröse Bereiche, teilbedeckte Oberflächen oder Fissuren mit komplexem Profil erhalten einen Mehrfachschutz.

Die Resultate klinischer Untersuchungen zeigen, dass nach Anwenden des Schutzlackes bei Schulkindern im Alter von 7 bis 14 Jahren die Zahl der Mutans-Streptokokken in Fissuren deutlich zurückgeht [8]. Diese Keime gelten als Biomarker für einen Shift des ökologischen Gleichgewichtes in Richtung einer kariogenen Plaque [9]. Ihre Kontrolle kann das Kariesrisiko senken. Die Applikation des Lackes erfolgt normalerweise vierteljährlich, falls erforderlich können kürzere Intervalle angesetzt werden. 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Gabriele David


Weiterführende Links

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