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Mundspülungen: sinnvolle Ergänzung der Prophylaxe in der Kieferorthopädie

28.05.2020

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Wer eine kieferorthopädische Behandlung beginnt, wird automatisch zum Hochrisiko-Patienten: Die Anfälligkeit für White-Spot-Läsionen, Karies und Gingivitis erhöht sich durch das Tragen von Multibracket-Apparaturen oder Alignern [1,2]. Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt und geeignete Prophylaxemaßnahmen sind bei dieser Patientengruppe besonders wichtig.

Die meisten Menschen, bei denen eine Korrektur von Zahnfehlstellungen mit kieferorthopädischen Apparaturen erfolgt sind Jugendliche. Diese Patientengruppe wird häufig mit einem grundsätzlich erhöhten Kariesrisiko, aber geringerem Risiko für das Auftreten von Parodontalerkrankungen in Verbindung gebracht [3]. Der noch nicht vollständig ausgereifte Schmelz ist anfälliger gegenüber Angriffen durch Säure und Bakterien, während die Ernährungsgewohnheiten häufig wenig zahnfreundlich sind.

Durch das Tragen kieferorthopädischer Apparaturen werden die Bedingungen zusätzlich erschwert. Bei festsitzenden Multibracket-Apparaturen liegt dies daran, dass speziell an der Bracketbasis zusätzliche Retentionsflächen für Plaque und pathogene Bakterien geschaffen werden [1,2]. Aufgrund der schwer zugänglichen Nischen verbleiben mehr potenziell schädliche Plaque und Bakterien im Patientenmund, wodurch das Risiko einer Demineralisierung der Zahnhartsubstanz, die zur Bildung von White Spots und Karies führen kann, sowie der Entstehung entzündlicher Prozesse an der Gingiva steigt.

Präventive Maßnahmen in der Praxis

In der Praxis sollten – wie bei jedem Hochrisiko-Patienten – engmaschige Kontrollen erfolgen. Hierbei erscheint es sinnvoll, einen speziell für Patienten in kieferorthopädischer Behandlung entwickelten Orthodontic Plaque Index (OPI) zu erheben, der eine präzisere Kontrolle der Mundhygiene im direkten Bracketumfeld ermöglicht [1]. Im Rahmen der Kontrolluntersuchungen sollte zudem regelmäßig (zwei- bis dreimal jährlich) eine professionelle Zahnreinigung erfolgen [4].

Als weitere sinnvolle Maßnahme wird in der Fachliteratur die Intensivfluoridierung mit einem Lack erwähnt, die im Abstand von circa 3 Monaten durchgeführt werden kann [6]. Nicht zuletzt ist die Möglichkeit der Bracketumfeldversiegelung mit fluoridhaltigen Produkten zu nennen, die über einen längeren Zeitraum auf der Zahnsubstanz verbleiben [5]. Sie fördern die Remineralisierung des Zahnschmelzes, beugen einer Demineralisierung vor und verhindern so erfolgreich die Bildung von White Spots sowie Karies.

3-fach-Prophylaxe zu Hause

Welche Mundhygiene-Maßnahmen sollten Ihre Patienten zu Hause beherzigen? Als sinnvolle Maßnahme für zu Hause hat sich die 3-fach-Prophylaxe bewährt: Das sorgfältige Putzen der Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahncreme wird durch die Reinigung der Bereiche zwischen Brackets und Bögen mit speziellen Bürstchen oder Zahnseide ergänzt. Um letzte Reste von Plaque zu entfernen, empfiehlt die S3-Leitlinie eine Mundspülung mit antibakteriellen Wirkstoffen, wie z.B. Listerine®.

Die der Leitlinie zugrunde gelegten Studien zeigen, dass antibakterielle Wirkstoffe (z.B. ätherische Öle) als Ergänzung zur mechanischen Reinigung zu einer Reduktion der Gingivitis beitragen [6,7]. Mundspülungen mit bis zu vier ätherischen Ölen, wie in Listerine®, haben das Potenzial, bei kieferorthopädischen Patienten Plaque zu reduzieren, ohne das mikrobielle Profil im Patientenmund zu verändern [8].