Implantologie

Ein Fallbeispiel

Zahnärztliche Kooperation bei Implantation und prothetischer Versorgung

Abb. 1: Das OPG zeigt den Ausgangsbefund mit den fehlenden Zähnen 35 und 36.
Abb. 1: Das OPG zeigt den Ausgangsbefund mit den fehlenden Zähnen 35 und 36.

Im nachfolgenden Patientenfall zeigt der Autor die Insertion und Sofortbelastung von drei einteiligen Implantaten

sowie das einfache prothetische Prozedere der Eingliederung eines Zirkondioxidblockes. Dabei stellt dieser

Fall für ihn eine mögliche Kooperation zwischen einem Implantologen und dem Hauszahnarzt dar, der nach

der Implantation die prothetische Versorgung übernimmt.

Eine 58-jährige Patientin stellte sich in der Praxis mit dem Wunsch zur implantologischen Versorgung des linken Unterkiefers vor. Die Abbildung 1 zeigt den Ausgangsbefund mit den fehlenden Zähnen 35 und 36. Das Schnittbild im Spiraltomographen (Abb. 2) verdeutlicht das ausreichende Knochenvolumen im Implantationsbereich.
Im ersten Schritt wurden die Implantatpositionen markiert und im Anschluss daran die Schleimhautdicke bestimmt. Am einfachsten und schnellsten ging dies mit einer zahnärztlichen Sonde und einem aufgesteckten Gummistopper vonstatten (Abb. 3).
Unter Zuhilfenahme von unterdimensionierten Vorbohrern wurden die Implantatkavitäten bis zur endgültigen Insertionstiefe der Implantate aufbereitet (Abb. 4). Nach den komplett durchgeführten Vorbohrungen stellte sich das Implantationsgebiet dar (Abb. 5). Aufgrund der atraumatischen Vorgehensweise blutete es nur sehr wenig im OP-Bereich. Dies bedeutete für die Patientin, im Vergleich zu klassischen Implantologieverfahren, wesentlich weniger postoperative Beschwerden und Schwellungen.

  • Abb. 2: Das Schnittbild im Spiraltomographen zeigt ein ausreichendes Knochenangebot im Implantationsgebiet.
  • Abb. 3: Messung der Schleimhautdicke.
  • Abb. 2: Das Schnittbild im Spiraltomographen zeigt ein ausreichendes Knochenangebot im Implantationsgebiet.
  • Abb. 3: Messung der Schleimhautdicke.

  • Abb. 4: Die Aufbereitung der Implantatkavitäten.
  • Abb. 5: Implantationsgebiet nach durchgeführter Vorbohrung.
  • Abb. 4: Die Aufbereitung der Implantatkavitäten.
  • Abb. 5: Implantationsgebiet nach durchgeführter Vorbohrung.


Da durch die Flapless-Methode keine direkte Einsicht auf den ortsständigen Knochen möglich war, spielte die Knochenkavitätskontrolle (KKK) eine wesentliche Rolle. Diese führen wir routinemäßig mit einer WHO-Sonde durch. Bei tieferen Implantatkavitäten, bei denen der WHO-Sonde die notwendige Länge fehlt, hat sich ein dünner Plugger, wie er normalerweise in der Endodontie verwendet wird, bewährt. Danach folgte die Implantation der drei geplanten Champions-Implantate. Bei der Implantation ist darauf zu achten, dass die Implantatschulter ca. 1 mm subkrestal zu liegen kommt. Für die Sofortbelastung ist ein Drehmoment von 40 Ncm erforderlich. Sollte nach korrekter Positionierung des Implantates das Drehmoment nicht erreicht werden, wird explantiert und ein Champions-Implantat des nächst größeren Durchmessers inseriert. Das explantierte „Osteotom“ wird vom Hersteller kostenfrei ersetzt. Um den korrekten Sitz der Implantate zu überprüfen, wurde ein Kontroll-OPG angefertigt (Abb. 6).
Sowohl das OPG als auch das Schnittbild (Abb. 7) zeigten den korrekten Sitz aller drei Implantate. Im Anschluss daran fertigten wir ein Provisorium an, welches definitiv einzementiert wurde (Abb. 8).
  • Abb. 6: Das Kontroll-OPG bestätigt den korrekten Sitz der Implantate.
  • Abb. 7: Auch im Kontrollschnittbild zeigt sich der korrekte Implantatsitz.
  • Abb. 6: Das Kontroll-OPG bestätigt den korrekten Sitz der Implantate.
  • Abb. 7: Auch im Kontrollschnittbild zeigt sich der korrekte Implantatsitz.

  • Abb. 8: Das einzementierte Provisorium.
  • Abb. 8: Das einzementierte Provisorium.


Die feste Einzementierung des Provisoriums ist für den Erfolg der Sofortbelastung notwendig. Das Freilassen der basalen Provisorienanteile ist zur Regeneration der Schleimhaut sowie aus hygienischen Gründen sehr sinnvoll.

Prothetische Versorgung

Zur prothetischen Versorgung kann der Patient zum Hauszahnarzt zurück überwiesen werden, der das von uns an dieser Stelle beschriebene weitere Prozedere übernimmt. Nach Abnahme des Provisoriums stellte sich die Situation wie in Abb. 9 dar. Zur Abformung stehen prinzipiell zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Abdrucknahme mit einer normalen Sandwichabformung und Abformkäppchen.
  2. Abformung mit Impregum ohne Abformkäppchen.

Im Anschluss daran erfolgte im Labor das Ausgießen der Abdrücke und die geeignete Stumpfpräparation. Der Techniker beschleift die Modellanaloge in dem Maße, wie es für die spannungsfreie Eingliederung des Zahnersatzes notwendig und für den vorliegenden Patientenfall in Abbildung 10 dargestellt ist. Ferner fertigt er Kunststoffkäppchen bzw. Präparationshilfen an, die in der Zahnarztpraxis dazu dienen, die Präparation der Implantate exakt in der gleichen Weise durchzuführen.

  • Abb. 9: Situation vor Abdrucknahme.
  • Abb. 10: Fertige Modellanaloge im Labor.
  • Abb. 9: Situation vor Abdrucknahme.
  • Abb. 10: Fertige Modellanaloge im Labor.

  • Abb. 11: Intraorale Situation: Die beiden mesialen Implantate sind bearbeitet, das distalste Implantat trägt noch das im Labor hergestellte Kunststoffkäppchen.
  • Abb. 12: Ergebnis der Implantatstumpfabtragung.
  • Abb. 11: Intraorale Situation: Die beiden mesialen Implantate sind bearbeitet, das distalste Implantat trägt noch das im Labor hergestellte Kunststoffkäppchen.
  • Abb. 12: Ergebnis der Implantatstumpfabtragung.

  • Abb. 13: Der eingebrachte Zahnersatz aus vestibulärer …
  • Abb. 14: … und lingualer Sicht.
  • Abb. 13: Der eingebrachte Zahnersatz aus vestibulärer …
  • Abb. 14: … und lingualer Sicht.

  • Abb. 15: Das Abschlussröntgenbild mit eingegliederter ZE-Versorgung.
  • Abb. 15: Das Abschlussröntgenbild mit eingegliederter ZE-Versorgung.


Die Abbildung 11 zeigt die fertige Präparation der beiden mesialen Implantate und das aufgesteckte Käppchen am distalen Implantat. Dann wird im Mund mit konventionellen Schleifkörpern bzw. speziellen Titanfräsen der Implantatstumpf bis zur vorgegebenen Höhe abgetragen. Das Ergebnis dieser Implantatstumpfabtragung wird hinsichtlich unseres Fallbeispiels in Abbildung 12 deutlich.
Da Titan ein relativ weiches Metall ist, ist der Grat, der durch das Abschleifen entsteht, zu polieren. Danach erfolgte die Einprobe und Zementierung des fertigen Zirkondioxidblockes (Abb. 13 u. 14). Das Abschlussröntgenbild bestätigte den korrekten Sitz der eingegliederten Suprakonstruktion (Abb. 15).

Fazit

Aufgrund des einfachen Handlings mit diesem einteiligen Implantatsystem ist es jedem Hauszahnarzt möglich, implantologische Arbeiten in sein Behandlungsspektrum aufzunehmen und seinen Patienten anzubieten. Bei guter Koordination reichen drei Termine beim Implantologen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: DS Frank Schrader

Bilder soweit nicht anders deklariert: DS Frank Schrader


Nachhaltige Zahnmedizin – so geht's
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