Implantologie


Prävention einer periimplantären Mukositis

25.10.2015
aktualisiert am: 21.01.2016

Bakterieller Biofilm mit einer fluoreszierenden Indikatorflüssigkeit unter Blaulicht.
Bakterieller Biofilm mit einer fluoreszierenden Indikatorflüssigkeit unter Blaulicht.

Eine periimplantäre Mukositis stellt ein Risiko für Implantatversorgungen dar, entwickelt sich doch häufig daraus eine Periimplantitis. Eine Prävention entzündlicher Prozesse bzw. ihre frühzeitige Behandlung trägt maßgeblich zum langfristigen Erhalt der Implantatprothetik bei. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die effektive Kontrolle des bakteriellen Biofilms. Ein erfolgreiches Implantat-Nachsorgekonzept umfasst aufeinander abgestimmte Maßnahmen in der Zahnarztpraxis und zu Hause. Für die Umsetzung stehen zum Beispiel Präparate aus dem Implant-Care- Programm von Ivoclar Vivadent zur Verfügung.

Bakterieller Biofilm, eine Ursache für Entzündungen

Anker, Geschiebe oder Stege von endgültigen abnehmbaren Versorgungen begünstigen aufgrund schwer zu reinigender Retentionsnischen die Ansiedelung bakterieller Plaque. Bei festsitzenden Implantat-getragenen Kronen oder Brücken gehören Ränder, Approximalbereiche sowie Brückenstege zu den Risikostellen. Bei Akkumulation von Plaque entzündet sich periimplantäres Gewebe eher als die gesunde Gingiva [1–3]. Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte sowie Abwehrstoffe des Immunsystems lösen leicht eine Entzündung aus. Im Vergleich zu den normalen natürlichen Bedingungen schieben sich Keime einfacher zwischen Implantat und Gewebe [1]. Darüber hinaus enthält die Mukosa weniger Blut- und Lymphgefäße und zeigt eine geringere Immunabwehr [2,3]. Da eine Mukositis dem periimplantären Knochenabbau immer vorausgeht, kommt es idealerweise erst gar nicht zu einer Entzündung. Die Schädigung des Halteapparates bedeutet eine unmittelbare Gefahr für das Implantat [4,5]. Regelmäßige Kontrolltermine und ein bedürfnisorientiertes Mundgesundheitsmanagement können diesem Problem vorbeugen.

Schonende professionelle Reinigung 

  • Abb. 1: Professionelles Reinigen, so schonend wie möglich mit der feinen Proxytpaste und weichem Kelch. © Dr. F. Zimmerling

  • Abb. 1: Professionelles Reinigen, so schonend wie möglich mit der feinen Proxytpaste und weichem Kelch. © Dr. F. Zimmerling
Bei Implantatpatienten gehört die professionelle Reinigung zum Standard. Sie soll das empfindliche periimplantäre Gewebe nicht irritieren und muss die Oberflächenqualität der unterschiedlichen natürlichen Zahnhartgewebe und dentalen Werkstoffe langfristig erhalten [6]. Ein irreversibles Zerkratzen durch ungeeignete Reinigungsmittel, seien es Prophypasten oder Reinigungspulver, ist unbedingt zu vermeiden; begünstigen doch raue Oberflächen die Ansiedelung bakterieller Beläge, und Restaurationen bzw. Rekonstruktionen aus Kunststoff oder Keramik büßen ihren ästhetischen Glanz ein und tendieren stärker zu Verfärbungen [7–9]. Eine besonders schonende, effektive Behandlung erfolgt zum Beispiel mit einem weichen Kelch und der feinen Prophypaste Proxyt (Abb. 1). Der niedrige RDA-Wert 7 kennzeichnet diese bimssteinfreie, xylithaltige Paste. Damit behalten gereinigte Oberflächen ihre glatte Struktur, und der natürliche Glanz von Composite- und Keramikoberflächen bleibt erhalten bzw. wird wiederhergestellt [7,8]. Gleichzeitig wird der Gingivalsaum geschont.

Gezielter Schutz für Risikostellen

  • Abb. 2:Applikation eines chlorhexidinhaltigen Schutzlackes am Rand des Ankers. © Dr. F. Zimmerling

  • Abb. 2:Applikation eines chlorhexidinhaltigen Schutzlackes am Rand des Ankers. © Dr. F. Zimmerling
Nach der professionellen Reinigung der Suprastrukturen und der Zähne empfiehlt sich die Applikation eines Schutzlackes, zum Beispiel Cervitec Plus [10,11]. Die Inhaltsstoffe 1 % Chlorhexidin und 1 % Thymol, tragen dazu bei, die Aktivität bakterieller Beläge zu kontrollieren. Ziel ist ein gesundes Gleichgewicht der Keimflora im Biofilm. Das fließfähige Cervitec Plus dringt auch zu schwer zugänglichen Stellen an Ankern, Stegen oder Geschieben vor (Abb. 2). Da der Lack nach dem Trocknen die Oberflächen mit einer feinen Schicht überzieht, sitzen Steg- oder Anker-getragene abnehmbare Versorgungen weiterhin perfekt. Schwachstellen an vorhandenen natürlichen Zähnen oder Restaurationen werden direkt mitversorgt. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Zähne, die hinsichtlich Passform, Funktion und Ästhetik in direktem Zusammenhang mit der prothetischen Versorgung stehen. Ihr Gesundheitszustand ist unbedingt langfristig zu erhalten. Vorhandene Retentionsnischen, die ein potenzielles Reservoir für unerwünschte Bakterien bilden, unterliegen mit dieser Behandlungsstrategie einer gezielten professionellen Kontrolle.

Mechanische Plaquekontrolle 

  • Abb. 3: Bakterieller Biofilm mit einer fluoreszierenden Indikatorflüssigkeit unter Blaulicht sichtbar gemacht.

  • Abb. 3: Bakterieller Biofilm mit einer fluoreszierenden Indikatorflüssigkeit unter Blaulicht sichtbar gemacht.
Die mechanische Plaquekontrolle mithilfe der Zahnbürste gehört zu den effektiven präventiven Maßnahmen, wobei eine Handzahnbürste oder eine elektrische Zahnbürste verwendet werden kann [12]. Bei der Beratung in der Praxis wird besonders auf die Bereiche hingewiesen, wo sich Plaque bevorzugt ansammelt und die besonders gründlich geputzt werden müssen. Mithilfe einer Indikatorflüssigkeit wie Plaque Test werden diese Stellen sichtbar. Unter dem Licht jeder gängigen Polymerisationslampe fluoresziert ausschließlich der bakterielle Biofilm (Abb. 3). Diese eindrucksvolle Demonstration fördert einerseits das Verständnis für die Notwendigkeit und den Nutzen einer konsequenten Zahnpflege und PZR und zeigt andererseits auch die Fortschritte dieser Bemühungen. In der Praxis werden passende Interdentalbürsten ausgewählt und die richtige Handhabung trainiert. Es kann durchaus sein, dass ein Patient aufgrund unterschiedlich dimensionierter Approximalbereiche oder Stegkonstruktionen mit einer Interdentalbürste allein nicht auskommt und verschiedene Größen benötigt. Da sich die Gegebenheiten ändern können, ist von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob die Hilfsmittel noch adäquat sind.

Abgestimmte Mundpflege

  • Abb. 4: Einsatz des geschmeidigen Cervitec-Gels bei Pflege der prothetischen Versorgung. © Dr. F. Zimmerling

  • Abb. 4: Einsatz des geschmeidigen Cervitec-Gels bei Pflege der prothetischen Versorgung. © Dr. F. Zimmerling
Zusätzlich zur üblichen Mundpflege kann das kurmäßige Anwenden chlorhexidinhaltiger Präparate wie Cervitec Liquid mit 0,1 % Chlorhexidin und Xylit oder Cervitec Gel mit 0,2 % Chlorhexidin und 900 ppm Fluorid angezeigt sein [13–15]. Individueller Befund und avisierte Ziele bilden die Entscheidungskriterien für die eine oder die andere Darreichungsform. Eine dünne Schicht Cervitec Gel kann auf die Gingiva, Mukosa oder die Innenseite des herausnehmbaren Zahnersatzes direkt aufgetragen werden (Abb. 4). Die Dosiertülle der Tube erleichtert das Aufbringen auf Interdentalbürste oder Floss. Die geschmeidige Konsistenz des Gels begünstigt die Applikation im Approximalbereich, bei Geschieben oder Stegkonstruktionen (Abb. 5).

  • Abb. 5: Applikation des Mundpflege-Gels mit der passenden Interdentalbürste bei einer Geschiebe-Versorgung. © Dr. F. Zimmerling

  • Abb. 5: Applikation des Mundpflege-Gels mit der passenden Interdentalbürste bei einer Geschiebe-Versorgung. © Dr. F. Zimmerling
Cervitec Gel kann auch abends anstatt Zahnpasta genommen werden, da es Fluorid enthält. Am Morgen sollten die Zähne wie immer mit der gewohnten Zahnpasta geputzt werden. Wird diese Routine befolgt, sind weder Verfärbungen noch Geschmacksirritationen zu erwarten. Das Gel sollte mit einer weichen Zahnbürste auch auf der Zunge verteilt werden, denn die Furchen der Zunge sind ideale Nischen für Bakterien. Der im Vergleich zu anderen chlorhexidinhaltigen Produkten vergleichsweise angenehme Geschmack des Mundpflegegels fördert die Anwendungsbereitschaft und damit den Behandlungserfolg.



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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Gabriele David



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