Implantologie


Perfektes Strahlen – der Traum vom makellosen Zahnimplantat

06.03.2017

Jeder wünscht sich gesunde und schöne Zähne.
Jeder wünscht sich gesunde und schöne Zähne.

Trotz fortschreitendem Zahnverlust weiterhin ohne Scham lächeln und kräftig zubeißen können – das versprechen die spezifischen Eigenschaften moderner Zahnimplantate. Bioverträglichkeit, Stabilität, Belastbarkeit und Langlebigkeit zeichnen den echten künstlichen Zahn aus, wenn sich der neue Insasse ohne Probleme integrieren kann. Der Traum vom perfekten und dauerhaften Zahnersatz kann sich allerdings schnell zum Albtraum wandeln, sobald sich lästige Komplikationen einstellen. Ein neuartiger Instrumentenansatz für Pulver/Luft/Wasserstrahl-Geräte, entwickelt von Prof. Dr. Jörg Meyle, Direktor der Poliklinik für Parodontologie an der Universität Gießen, soll nun eine vollständige Reinigung der Implantatoberflächen ermöglichen und so die Entstehung periimplantärer Entzündungen von Beginn an verhindern.

Zwar gilt Zahnlosigkeit in vielen Ländern als rückläufiges Phänomen, dennoch liegen wichtige, von der WHO formulierte Ziele wie etwa die Beibehaltung von mindestens 20 Zähnen im Alter von 80 Jahren immer noch in weiter Ferne. Auch in den westlichen Industrieregionen wie Europa oder Nordamerika stellt Zahnverlust weiterhin ein durchaus ernstzunehmendes Problem dar. Einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) zufolge (Ist die DMS V gemeint? Müsste dann eigentlich unten als Quelle angegeben werden) ist bei den älteren Menschen in Deutschland heute jeder achte völlig zahnlos. Immerhin ein deutlicher Fortschritt gegenüber der Situation im Jahr 1997*, als noch jeder vierte keine eigenen Zähne mehr besaß. Allerdings steigt der Behandlungsbedarf gegenwärtig allein schon aus demografischen Gründen stetig an. Umso bedeutender erscheint daher die zunehmende Verbesserung der Behandlungsqualität.

Implantologie: eine Erfolgsgeschichte nicht ohne Komplikationen

In gleichem Maße, wie die völlige Zahnlosigkeit abnimmt, steigt der Trend zum festsitzenden Zahnersatz. Die dentale Implantologie ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte in der modernen Zahnmedizin. Patienten verfügen derzeit in Deutschland zehnmal häufiger über Implantate als noch vor zwanzig Jahren (Quelle). Schätzungen zufolge werden hierzulande jedes Jahr mehr als eine Million Zahnimplantate eingesetzt. Da immer mehr Menschen ihre eigenen Zähne behalten, verbessern sich die Voraussetzungen dafür, dass Zahnersatz fest verankert werden kann. Der Verlust der Zähne ist mit Knochenverlust verbunden, daher ist es sehr wichtig, den verlorenen Zahn zu ersetzen. Zahnimplantate ersetzen die Wurzeln der verlorenen Zähne, stellen die normale Funktionsfähigkeit wieder her und wirken dem Knochenverlust entgegen. Implantate erscheinen und funktionieren dementsprechend wie echte Zähne. Darüber hinaus sollen sie weiterhin für gesundes Zahnfleisch sorgen und Hohlräume an der implantierten Stelle verhindern. Dies geschieht jedoch oftmals nicht ohne Komplikationen. Trotz der beeindruckenden Erfolgsraten der dentalen Implantologie in allen westlichen Industrieländern treten immer wieder Probleme mit bisweilen gravierenden Folgen für die Patienten auf.

Periimplantitis gilt als biologischer Hauptgrund für den Implantatmisserfolg

Der wesentliche Auslöser für das Scheitern eines Implantats ist die Entzündung des umgebenden Gewebes: Periimplantitis als biologischer Hauptgrund für den Implantatmisserfolg führt die Liste der Ursachen mit einer geschätzten Prävalenz von 20 bis zu 42 % aller Implantate an. Dementsprechend kursiert bereits seit einigen Jahren das Wort, die Periimplantitis sei der Tsunami der Zahnmedizin. Die Welle der großen Probleme mit entzündeten oder gelockerten Implantaten könnte sich sogar erst noch auftürmen. Als primäre Ursache der entzündlichen periimplantären Erkrankungen gilt die bakterielle Kolonialisierung in Form von Biofilm. Die bei periimplantären Entzündungen freiliegenden Oberflächenanteile von Zahnimplantaten sind bakteriell kontaminiert und teilweise von verkalkten Auflagerungen oder von unverkalktem bakteriellem Biofilm bedeckt. Aufgrund der Oberflächengeometrie der Implantate entstehen an der Materialoberfläche Unterschnitte, die nur sehr schwer oder gar nicht zu reinigen sind.

Neuartiger Instrumentenansatz verhindert die Entstehung periimplantärer Entzündungen

Vor diesem Hintergrund hat der an der Justus-Liebig-Universität Gießen tätige Zahnmediziner Prof. Dr. Jörg Meyle einen neuartigen Instrumentenansatz für Pulver/Luft/Wasserstrahl-Geräte entwickelt, der eine vollständige Reinigung von Implantatoberflächen ermöglicht und so die Entstehung von periimplantären Entzündungen verhindert. Übliche Systeme zur Reinigung von Implantatoberflächen können diese Aufgabe meist nicht optimal erfüllen, weil sie nicht an der besonderen Geometrie der Implantate angepasst sind. Dadurch verbleiben trotz Reinigung noch Kontaminationen auf den Implantaten, wodurch es zu Entzündungen kommen kann, die schließlich den Erfolg der Implantation gefährden. Demgegenüber erreicht die Erfindung von Prof. Meyle mithilfe von Pulver/Luft/Wasserstrahl-Geräten durch eine besondere Geometrie des Ansatzes eine effektive Reinigung auch der Unterschnitte der Implantatoberfläche. Durch diesen speziellen Ansatz erfolgt eine Umlenkung des Pulver/Wasser/Luftstrahles und gewährleistet somit eine vollständige Säuberung der kontaminierten Implantatmaterialoberfläche. Der neuartige Instrumentenansatz ist dabei so konstruiert, dass insbesondere die schwer erreichbaren Bereiche wirksam gereinigt werden. Langwierige und penetrante Komplikationen bis hin zur operativen Entfernung des Implantats können unterbunden werden.

Fazit

Therapiekonzepte bei einer einmal aufgetretenen Periimplantitis scheinen bislang wenig erfolgversprechend. Weitaus vorteilhafter mithin, wenn die Erkrankung gar nicht erst entsteht. Der perfekte Strahl für den perfekt sitzenden Zahnersatz steht für die bislang beste Therapie: der konsequenten Vermeidung von Anfang an.

Hinweis der Redaktion:
Da die Patentanmeldung zum Schutz des Instrumentenansatzes der Uni Gießen von Prof. Dr. med. dent. Meyle gegenwärtig noch der Geheimhaltung unterliegt, konnte leider kein Bild des Prototypen veröffentlicht werden. Interessierte Unternehmen, als mögliche Partner für die Herstellung und den Vertrieb, können
jedoch nach Abschluss einer Geheimhaltungsvereinbarung Einsicht nehmen.

 

* Quelle: Institut der Deutschen Zahnärzte (im Auftrag von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V), Berlin, Köln 2016).

 

Prof. Dr. Jörg Meyle

Direktor der Poliklinik für Parodontologie am Medizinischen Zentrum für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen; Leiter des Projektbereiches für orale Biologie, Implantologie und Parodontologie bei der TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH; Prof. Meyle hat bereits eine innovative Endoskop-Sonde entwickelt, die eine gezielte Reinigung sowie die visuelle Kontrolle des Furkationsbereichs von Zahnwurzeln ermöglicht.

  • Prof. Dr. Jörg Meyle

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