Hygiene


What’s new? Neue Erkenntnisse in der Zahnmedizin

11.01.2021

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Die Redaktion der ZMK präsentiert in lockerer Sequenz aktuelle Forschungsergebnisse mit praktischer Relevanz. Dieses Mal: ein Metareview zum Thema Covid-19 und eine Studie aus der Kinderzahnheilkunde. Wir geben eine kurze Zusammenfassung, die zum Nachlesen im Original anregen soll.

Metareview zu Covid-19: Maßnahmen gegen die Infektionsgefahr durch Aerosole in der Zahnarztpraxis

Ein „Rapid Review“ der Cochrane Society versucht zu klären, ob Vorsichtsmaßnahmen bei der zahnmedizinischen Behandlung von Patienten die Menge von Aerosolen und deren Kontamination vermindern und damit eine Ansteckung verhindern können. Untersucht wurde die Risikoreduktion durch: Hochleistungs- Absaugung, zahnärztliches Isolationssystem, Kofferdam, Luftreinigungssystem und Kühlflüssigkeit mit antibakteriellen Zusätzen. Nicht untersucht: Mundspüllösungen vor Behandlung, persönliche Schutzausrüstung.

Ergebnis der Metastudie

Die untersuchten Maßnahmen scheinen die Bakterienbelastung des Aerosols einzudämmen bzw. die Menge des Aerosols in der Raumluft zu vermindern, allerdings sind die eingeschlossenen Studien von geringer Zuverlässigkeit. Was den Review lesenswert macht, sind die Hintergrundinformationen zu den Maßnahmen zur Infektionskontrolle wie auch die Diskussion der Ergebnisse! Zudem ist die Auswertung der einbezogenen Studien angefügt.

16 RCTs (Randomized Controlled Trials) bzw. CCTs (Clinical Trials = nicht randomisiert) mit insgesamt 425 Teilnehmern im Alter von 5 bis 69 Jahren wurden in die Auswertung durch das Review (= Metastudie) eingeschlossen. Diese Studien untersuchten die Ausgangsfrage des Reviews nur indirekt, da sie nicht die Infektionsfälle unter dem Personal maßen, sondern die Bakterienbelastung (nicht die Virenbelastung) im Aerosol mittels der Maßeinheit CFU = Colony-Forming Units (= koloniebildende Einheit: Mikroorganismen, die durch Vermehrung auf Nährmedium eine Kolonie bilden.)

Hohe Studienvalidität, da das umfangreiche Cochrane-Protokoll angewendet wurde!

Literatur

Kumbargere Nagraj S, Eachempati P, Paisi M, Nasser M, Sivaramakrishnan G, Verbeek JH. Interventions to reduce contaminated aerosols produced during dental procedures for preventing infectious diseases. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 10. Art. No.: CD013686. DOI: 10.1002/14651858. CD013686.pub2. (Volltext frei zugänglich)


Studie Kinderzahnheilkunde: Versorgung von Milchmolaren

Studienfrage

Welche restaurative Methode erzielt bei mehrflächig kariösen Milchmolaren ein besseres klinisches wie röntgenologisches Ergebnis und geht mit geringerem Schmerzempfinden einher?

Eine Studie (RCT) aus dem Iran vergleicht die Hall-Technik (HT) – also die Zementierung einer vorgefertigten Stahlkrone ohne vorherige Kariesexkavation – mit einer Methode der selektiven Kariesentfernung und anschließender Versorgung mit einem Glasionomerzement (modified atraumatic restorative treatment = mART) und dem Goldstandard der konventionellen Stahlkronen-Technik unter Lokalanästhesie mit vorheriger Kariesexkavation und Präparation (= SSC; Goldstandard = Kontrollgruppe).

Kernaussage der Autoren

„Der große Therapieerfolg und die kürzere Behandlungszeit der Hall-Technik (HT) lassen diese als Alternative zur konventionellen Behandlungsmethode [Stahlkrone mit Exkavation/Präparation] von mehrflächig kariösen Milchmolaren erscheinen.“ Insbesondere „wenn eine kurze Behandlungsdauer wichtig ist, etwa bei der Behandlung unkooperativer Kinder oder wenn der Zugang zu zahnärztlicher Versorgung begrenzt ist“.

An der Studie nahmen 123 Kinder zwischen 4 und 9 Jahren teil; je ein kariöser Milchmolar pro Kind wurde einer Interventionsgruppe randomisiert zugeordnet (Einschlusskriterien: mehrflächige Karies, hohes Kariesrisiko und gute Compliance bei vorigen Behandlungen). Nach 6 und 12 Monaten wurden die Kinder nachuntersucht (klinisch + Röntgen). Nach 12 Monaten war der Anteil der Misserfolge in der mART-Gruppe signifikant höher als in der SSC-Gruppe und der HT-Gruppe.

Bei den Stahlkronen gab es keine Therapieversager (CER = 0%, n = 30), bei der Hall-Technik gab es einen Therapieversager (EER = 3%, n = 34) und unter den mART-Patienten gab es 11 Misserfolge (EER = 34%; n = 32). Die Versorgung mit der Stahlkrone dauerte im Mittel 17,3 Minuten (+/-5,1) und damit signifikant länger als die Alternativbehandlungen. Die Hall-Technik nahm 8,4 Minuten (+/-4,9) in Anspruch, und die selektive Kariesentfernung (mART) 11,1 Minuten. Bei den Werten zur Kooperation schnitt erstaunlicherweise die SSC-Gruppe besser ab als die HT- und die mART-Gruppe.

Anmerkung

Ein Bias zugunsten der Versorgung mit Stahlkronen könnte vermutet werden, da nur Kinder mit positiver Compliance unter Lokalanästhesie in Vorbehandlungen eingeschlossen wurden. Fälle mit Pulpaeröffnung während der Kronen-Präparation wurden zudem ausgeschlossen und nicht als Misserfolg für die SSC-Gruppe gewertet.

Literatur

Ebrahimi M, Sarraf Shirazi A, Afshari E. Success and Behavior During Atraumatic Restorative Treatment, the Hall Technique, and the Stainless Steel Crown Technique for Primary Molar Teeth. Pediatr Dent 2020;42(3):187-92. (Volltext frei zugänglich)

Ein aktueller, frei zugänglicher Review bescheinigt der Hall-Technik ebenfalls eine hohe Effektivität: Badar SB, Tabassum S, Khan FR, Ghafoor R. Effectiveness of Hall Technique for Primary Carious Molars: A Systematic Review and Meta-analysis. Int J Clin Pediatr Dent. 2019 Sep-Oct;12(5):445-452. doi: 10.5005/jp-journals-10005-1666. PMID: 32440052; PMCID: PMC7229363.


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