Hygiene

Innovative Wasseraufbereitung für die Zahnarztpraxis

Wasser marsch – aber bitte ohne Keime!

©psdesign1/fotolia
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Vor 40 Jahren waren die Keimzahlen im Betriebswasser einer zahnärztlichen Behandlungseinheit meist kein Thema. Das hat sich in jüngster Zeit geändert – es ist wichtiger denn je. Verschiedene Wasseraufbereitungssysteme für die Zahnarztpraxis sind erhältlich. Das neue System „Hygowater“ mit einer besonderen Technik wurde aktuell auf der diesjährigen IDS von Dürr Dental vorgestellt.

In jeder zahnärztlichen Behandlungseinheit fließt Wasser durch Schläuche und schon vor Eintritt in die Praxis hat es einen langen Weg hinter sich gebracht. An den Wandungen jeder wasserführenden Leitung können sich Biofilme bilden, potenziell pathogene Mikroorganismen anhaften und später, z.B. über Turbinen, Hand- und Winkelstücke, in den Mund des Patienten gelangen oder über Spraynebel, noch in 2 bis 4 m Abstand, das zahnmedizinische Personal kontaminieren. Mithilfe moderner chemisch- biologischer Analyseverfahren wurde diese Tatsache bestätigt und faktisch ausgewertet. Somit rückte das Thema Wasserhygiene verstärkt ins Bewusstsein von Hygieneexperten und Praxisteams (Abb. 1).

  • Abb. 1a u. 1b: Wer ist verantwortlich? Für den Weg vom Wasserwerk bis zum Haus ist es das Wasserwerk, im Haus der Eigentümer und in der Praxis der Praxisbetreiber. Ab der dortigen Übergabestelle wird das Trinkwasser per definitionem zum Betriebswasser.
  • Abb. 1b
  • Abb. 1a u. 1b: Wer ist verantwortlich? Für den Weg vom Wasserwerk bis zum Haus ist es das Wasserwerk, im Haus der Eigentümer und in der Praxis der Praxisbetreiber. Ab der dortigen Übergabestelle wird das Trinkwasser per definitionem zum Betriebswasser.
  • Abb. 1b

Im Jahr 2000 veröffentlichten unter anderem James T. Walker et al. eine Untersuchung des Betriebswassers aus Dentaleinheiten in 55 Zahnarztpraxen Südwestenglands. Mit dem Ergebnis: Die mikrobiologische Belastung des bereitgestellten Betriebswassers übertraf bei Weitem die bei Trinkwasser als „sicher“ geltenden Werte [1]. Diese und ähnliche Untersuchungen erregten Aufsehen. Bewegte sich die Wasserqualität dort, wo das zahnärztliche Team mit seiner originären Kompetenz für Hygiene und Infektionskontrolle verantwortlich zeichnete (Betriebswasser), tatsächlich auf einem geringeren Niveau als in der Hausleitung (Trinkwasser)?

Schlimmstenfalls drohten sogar rechtliche Konsequenzen. So sah sich im Jahre 2007 in Kanada ein Zahnarzt mit einer Klage konfrontiert: Ein Wasserstrahl aus einem zahnärztlichen Handstück hatte seine Patientin im Auge getroffen, die in der Zeit nach der Behandlung Sehprobleme bekam [2]. Einer Veröffentlichung im Herbst 2007 zufolge sei nach 2 Monaten ein Amöbenbefall festgestellt worden. Juristisch konnte jedoch kein zwingender Zusammenhang mit der zahnärztlichen Therapie bestätigt werden. Dennoch gab der Autor der Publikation den dringenden Tipp, dass Patienten eine Schutzbrille tragen sollen sowie das Wasser aus der Behandlungseinheit nach jeder Patientensitzung ablaufen zu lassen.

Im Jahr 2012 befassten sich südafrikanische Wissenschaftler mit der bakterienbedingten Endotoxin-Belastung von Aerosolen aus zahnärztlichen Behandlungen [3]. Sie führten Untersuchungen von Wasser- und Luftproben an mehreren Hochschulen des Landes durch. Unter Verwendung multivariater Statistik fanden sie heraus, dass das Ausmaß der gemessenen Endotoxin-Belastung hauptsächlich vom Typ der jeweiligen Dentaleinheit abhing. Darüber hinaus lagen in 3% der Luftproben die Werte höher als die DECOS-Empfehlungen (Dutch Expert Committee on Occupational Standards). Dies legte eine Gefährdung des Teams nahe. Im selben Jahr führten Untersuchungen in thailändischen Militärzahnkliniken zum Ergebnis, dass in 77% der entnommenen Wasserproben die Vorgaben der ADA (American Dental Association) nicht erreicht wurden. Mehr als 200 koloniebildende Einheiten pro Milliliter wurden nachgewiesen. Die Autoren kamen unter anderem zum Schluss, dass es schwierig bis unmöglich sei, eine Biofilmbildung an den Wandungen der Leitungen innerhalb der Dentaleinheiten komplett zu verhindern. Bei dieser Untersuchung wurden aber, wie die Autoren betonten, zumindest keine der gefürchteten (und lebensbedrohlichen) Legionellen detektiert [4].

Auf Leben und Tod

Vor 2 Jahren jedoch berichtete eine Fachzeitschrift über den Fall eines in Viby/Dänemark niedergelassenen Zahnarztes, der sich vermutlich über Aerosole aus einer Dentaleinheit mit der Legionärskrankheit infiziert hatte [5]. Damit wurde in Dänemark zum ersten Mal überhaupt das Auftreten von Legionärskrankheit infolge von kontaminiertem Wasser aus einer zahnärztlichen Dentaleinheit registriert. Eine hohe Brisanz kam diesem Fall nicht zuletzt deswegen zu, weil hier ein kerngesunder Zahnarzt mit genau 4 krankheitsbedingten Fehltagen innerhalb der letzten 4 Jahrzehnte zwischen Leben und Tod schwebte. Mit seiner Äußerung: „Ich habe den Sensenmann schon vor der Tür stehen sehen“ war später die entsprechende Veröffentlichung betitelt. Die Autoren wiesen darauf hin, dass in ähnlich gelagerten Situationen in Schweden, Italien und den USA bereits Todesfälle vorgekommen seien.

Demnach stellte sich die Frage, wie man sich gegen die gefährlichen Legionellen schützen kann. In einer Dissertation aus dem Jahre 2014 wurde die Verwendung von Mikrofiltern vorgeschlagen und dabei, gemäß den Resultaten verschiedener Untersuchungen an der Universität Göttingen im Rahmen der Doktorarbeit [6], betont: „Die vom Hersteller zugelassenen chemischen Wasserzusätze sind alleine nicht in der Lage, für eine sichere Keimfreiheit zu sorgen.“ Ein Jahr später untersuchten italienische Wissenschaftler in einer Universitätszahnklinik in Bologna das Vorkommen von Legionellen in Dentaleinheiten und verglichen dabei die Wirksamkeit unterschiedlicher Vorsichtsmaßnahmen [7]: Unabhängig davon, ob das Wasser aus der Hausleitung unbehandelt blieb oder kontinuierlich oder periodisch mit Chemikalien behandelt wurde, konnte eine Kontamination mit Legionellen nicht verhindert werden. Dies ließ sich erst mit folgender Dreierkombination erreichen: der Verwendung von deionisiertem Wasser, einer kontinuierlichen chemischen Desinfizierung sowie einer zusätzlichen periodischen Desinfizierung mit anderen Wirkstoffen.

Auf dem Stand der Technik

  • Abb. 1b

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    © Dürr Dental SE
Ein wirksames Aufbereitungsverfahren für zahnmedizinisches Betriebswasser muss viele Anforderungen erfüllen. Es soll vor pathogenen Mikroorganismen aller Art schützen und zusätzlich Partikel und Schwebstoffe entfernen. Dazu gibt es verschiedene Ansätze. Einer von ihnen wurde auf der diesjährigen IDS vorgestellt und markiert einen Meilenstein. Denn hier haben Dentalingenieure zum ersten Mal eine fortgeschrittene Filtertechnologie mit der Elektrolyse kombiniert (Hygowater, Dürr Dental, Abb. 2). Eine patentierte Technik ist das Herzstück des Systems, die ein Hygieneexperte eines Dentaldepots folgendermaßen erläutert [8]: Das Wasser wird nach dem Prinzip der Elektrolyse durch eine hocheffektive Desinfektionskammer gepumpt. In der Desinfektionskammer werden einige der natürlich vorkommenden Salze in freies Chlor und hypochlorige Säure umgewandelt. Diese Säure desinfiziert 50- bis 100-mal effektiver als normales Chlor. Das ermöglicht eine hohe Desinfektionsrate bei sehr niedriger Konzentration von freiem Chlor.

Die Charité – Universitätszahnmedizin Berlin hat das System an 2 Dentaleinheiten mit bekannten Problemen getestet. Beide wiesen häufig auftretende, hohe heterotrophe Koloniezahlen auf, und zwar trotz bestehender Gegenmaßnahmen. Das dazu installierte System führte eine kontinuierliche chemische Desinfektion unter Verwendung von Wasserstoffperoxid/Silberionen durch. Im Rahmen der Untersuchung ersetzte man es durch das neue Kombinationsverfahren mit „Filter + Elektrolyse“. Die Wissenschaftler kamen zu folgender Schlussfolgerung [9]: „Die unterschiedlichen Koloniezahlen vor Installation des neuen Systems lassen vermuten, dass innerhalb kurzer Zeit erhebliche Veränderungen in der mikrobiologischen Biozönose des Wassersystems des Behandlungsgeräts stattfinden. Während des Betriebes der Einheit mit dem Filter-Elektrolyse-Kombinationssystem stellte sich über den Untersuchungszeitraum insgesamt ein stabilerer mikrobiologischer Zustand ein.“

Aufbereitet nach dem Verfahren der Wahl

Das Bewusstsein für hygienisches Betriebswasser in Dentaleinheiten hat sich in den vergangenen Jahren geschärft. Auch bei Praxisbegehungen wird verstärkt Wert darauf gelegt. Ein innovatives Wasseraufbereitungsverfahren, das jetzt Filtration und Elektrolyse kombiniert, führt zu einer zuverlässigen Entfernung von Schwebstoffen und reduziert die Anzahl der koloniebildenden Einheiten. Mit der Installation dieses Systems bringt sich die Zahnarztpraxis auf den Stand der Technik und nimmt gegenüber dem eigenen Team wie gegenüber den Patienten ihre Verantwortung im Bereich der Kernkompetenz „Hygiene und Infektionskontrolle“ wahr. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger


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