Endodontie


Reziproke Aufbereitung im endodontischen Praxisalltag

31.01.2018

Die Aufbereitung gekrümmter Wurzelkanäle mittels steifer und unflexibler endodontischer Feilen kann die Behandlung erschweren und zu unerwünschten Komplikationen führen. Mit der neu entwickelten RECIPROC blue-Feilengeneration ist dem Unternehmen VDW in der Endodontologie ein wichtiger Durchbruch gelungen. Durch ein innovatives Produktionsverfahren sind die RECIPROC blue-Feilen besonders flexibel und besitzen ein geringeres Frakturrisiko als herkömmliche Feilen. Dr. Sergiu Nicola, ein führender Endodontologe aus Bukarest, berichtet über seine Erfahrungen mit RECIPROC blue.

Dr. Sergiu Nicola, Sie betreiben seit vielen Jahren eine etablierte endodontologische Praxis in Bukarest.

  • Dr. Sergiu Nicola, M.Sc.

  • Dr. Sergiu Nicola, M.Sc.
Ja, ich habe mein Studium an der zahnmedizinischen Fakultät der Medizinischen und Pharmazeutischen Universität Carol Davila in Bukarest im Jahr 2003 abgeschlossen und im Jahr 2008 den Masterstudiengang in Endodontologie erfolgreich absolviert. Im Jahr 2006 habe ich mich in meiner Praxis auf Endodontologie spezialisiert und führe seitdem überwiegend nichtoperative Wurzelkanalbehandlungen durch.

Sie verwenden seit Langem rotierende und reziprok arbeitende Instrumente und Endomotoren. Was empfehlen Sie Ihren Kollegen, die noch mit herkömmlichen Methoden arbeiten?

Bei der großen Anzahl an Fällen in meiner Praxis habe ich bald festgestellt, dass sich eine Wurzelkanalaufbereitung mit einem rotierenden Instrument besser durchführen lässt als durch eine manuelle Aufbereitung. Eine maschinelle Aufbereitung erfolgt in der Regel schneller, sodass ich mich auch um andere wichtige Dinge kümmern kann, wie beispielsweise um eine ausreichende Spülung. Meine ersten Erfahrungen mit reziproken Instrumenten machte ich im Jahr 2008, als ich einen von Dr. Ghassan Yared publizierten Artikel über Wurzelkanalaufbereitung mit nur einem einzigen NiTi-Instrument las. Dr. Yared führte Wurzelkanalbehandlungen nur mit dem F2 ProTaper durch, und zwar allein durch die reziproke Bewegung, und oftmals ohne vorab einen Gleitpfad zu erstellen.

Da wurde mir klar, dass eine Wurzelkanalaufbereitung auch mit nur einem reziprok arbeitenden Instrument erfolgen kann. Kurz darauf belegten einige Studien, dass reziprok arbeitende Feilen eine höhere Bruchsicherheit aufweisen als herkömmliche rotierende Feilen. Der alleinige Nachteil bestand damals darin, dass der einzige für reziproke Instrumente einsetzbare Motor ein Bürstenmotor war und ich selbst bereits einige davon zerstört hatte. Im Jahr 2011 hat VDW dann die RECIPROC-Feile sowie einen neuen Endomotor auf den Markt gebracht, der den Verschleiß nahezu komplett eliminierte.

Welche Feilen eignen sich Ihrer Meinung nach am besten für enge Wurzelkanäle?

  • RECIPROC blue Feile in Anwendung. (Bildnachweis: Dr. Sergiu Nicola)

  • RECIPROC blue Feile in Anwendung. (Bildnachweis: Dr. Sergiu Nicola)
Der Mindestdurchmesser eines MB2-Kanals, der die größte Herausforderung für die Aufbereitung darstellt, beträgt etwa 0,15 mm bei etwa 1 mm Arbeitslänge. Hier ist es schwer, koronale Interferenzen zu eliminieren, um die Arbeitslänge zu erreichen. Wurzelkanäle sind oft nur im Eingangsbereich des Wurzelkanals kalzifiziert und gewöhnlich auch nur bis zu einer Tiefe von 1 bis 2 mm. Deshalb verwende ich zur Vorbereitung zunächst eine kleine rotierende Feile, um kalzifizierte Kanäle gängig zu machen. Im Anschluss benutze ich RECIPROC-Feilen. Oft behandle ich auch die kalzifizierten Kanäle direkt mit RECIPROC. Und auch wenn die Feile für den Einsatz in einem engen Kanal zu groß erscheint, so besitzt sie doch die Fähigkeit, sich im Kanal zu zentrieren. Die neuen RECIPROC blue-Feilen sind viel flexibler als die klassischen RECIPROC-Feilen, sodass kaum mehr zusätzliche superelastische Feilen notwendig sind. Durch die reziproke Arbeitsweise erreiche ich die Arbeitslänge in wenigen Minuten und habe so mehr Zeit für die Spülung.

Was gefällt Ihnen an den RECIPROC blue-Feilen besonders?

Ich verwende RECIPROC blue-Instrumente, seit sie im September 2016 auf den Markt gekommen sind. Mir gefällt insbesondere, dass sich die neue Feile weicher und flexibler anfühlt als die klassischen RECIPROC-Instrumente und ich RECIPROC blue deshalb auch bei schwierigen Konstellationen anwenden kann. Sowohl bei vitalen als auch bei nekrotischen Fällen verwende ich RECIPROC blue. Bei Revisionen beginne ich jedoch noch immer mit der klassischen R25-Feile, da diese etwas steifer ist und ich beim Entfernen der alten Wurzelkanalfüllungen mit mehr Druck arbeiten kann. Eine bewährte Methode, um Kunststoffmaterialien zu entfernen, besteht beispielsweise darin, eine R25-Feile kräftig in das Material hineinzudrücken, da R25 den Trägerstoff schnell zerkleinert.

Worauf sollte man bei der Aufbereitung unregelmäßig geformter Wurzelkanäle ganz besonders achten?

Wenn ich einen stark oder zweifach gekrümmten Wurzelkanal zu behandeln habe, dann überprüfe ich gewöhnlich nach jedem Präparationsschritt mit der RECIPROC-Feile die Gängigkeit des Kanals mit einer manuellen Feile. Denn die RECIPROC-Feilen sind so aktiv und schnell, dass Ablagerungen entstehen können. Bei engen oder mehrfach gekrümmten Kanälen können diese den Kanal blockieren.

Würden Sie das RECIPROC-System Ihren Kollegen empfehlen?

Ich würde in jedem Fall dazu raten, reziprok arbeitende Feilensysteme zu verwenden. Reziprok arbeitende Instrumente eröffnen eine ganz neue Welt in der mechanischen Aufbereitung von Hauptwurzelkanälen. Ein reziprokes System ist sicherer, schneller und meist sogar kostengünstiger, da weniger Feilen benötigt werden. Wenn andere Zahnärzte ein reziprokes System ausprobieren möchten, dann sollten sie mit dem VDW-System beginnen. Meiner Meinung nach ist es derzeit das beste auf dem Markt erhältliche System. Ich möchte darauf hinweisen, dass mir diese Empfehlung keinerlei Vorteile bringt.

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Korrespondenzadresse:

Dr. Sergiu Nicola, M.Sc.
Fachpraxis für Endodontie
Str. Tudor Vianu Nr. 24, Sector 1
Bukarest, Rumänien
Tel.: +40 773 855954
sergiu.nicola(at)gmail.com