Endodontie


Mehr Sicherheit und Effizienz in der Endodontie

Die Endodontie hat sich durch die Einführung neuer Materialien, Instrumente und Techniken permanent weiterentwickelt. Heutzutage stehen für eine schnelle und sichere Aufbereitung von Wurzelkanälen moderne Endodontiesysteme zur Verfügung, die u. a. mit Sicherheitsfunktionen wie OTR (Optimum Torque Reverse) oder sogar OGP (Optimum Glide Path) ausgestattet sind, um eine Behandlung erfolgreicher durchzuführen. Dr. Sebastian Riedel arbeitet mit dem DentaPort ZX Set OTR und dem TriAuto ZX2 von Morita und zeigt nachfolgend auf, was es mit diesen Sicherheitsfunktionen auf sich hat und wie diese seine Behandlung optimieren.

Im Rahmen meiner Patienten-Aufklärungsgespräche für endodontische Maßnahmen bekomme ich immer wieder „ordentlich“ durchgeführte Behandlungen zu sehen, deren Urheber ohne maschinelle Unterstützung auskamen. In manchen Situationen ist der Einsatz von Handinstrumenten oder manuell eingesetzten Nickel-Titan-Instrumenten unverzichtbar, z. B. an Stufen im Kanal, an abrupten Krümmungen oder beim Passieren von frakturierten Instrumenten. Eine Behandlung gänzlich ohne eine effiziente maschinelle Unterstützung ist jedoch für mich schwer vorstellbar.

Mehr Effizienz und Sicherheit

  • Abb. 1: Modulares Endodontiesystem DentaPort ZX Set OTR mit namensgebender Sicherheitsfunktion OTR.

  • Abb. 1: Modulares Endodontiesystem DentaPort ZX Set OTR mit namensgebender Sicherheitsfunktion OTR.
Für maschinelle Aufbereitungshilfen stehen auf dem Markt verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Arbeitsweisen zur Verfügung. Ein System ist z. B. das DentaPort ZX Set OTR von Morita (Abb. 1): Es verfügt als modulares System über einen Apex Lokator, über ein optional erhältliches Handstück für die maschinelle Kanalaufbereitung, eine Polymerisationslampe und über die Funktion „Optimum Torque Reverse“ (OTR). Diese Funktion verbessert die endodontische Behandlung vor allem im Bereich der Sicherheit – denn ein Risiko bei jeder Wurzelkanalbehandlung ist und bleibt der Instrumentenbruch.

Das verwendete Material ist während einer Wurzelkanalaufbereitung hohen Anforderungen ausgesetzt, da die Wurzelkanalwand vollständig bearbeitet und der Wurzelkanal zur Spülung und zur späteren Obturation adäquat geformt werden muss.

Einerseits ist die Entfernung eines frakturierten Aufbereitungsinstrumentes zeitlich schwer kalkulierbar, andererseits erschwert ein nicht entfernbares Wurzelkanalinstrument die Desinfektion des betroffenen Kanals oder macht sie gänzlich unmöglich. Durch den Einsatz von gut kontrollierbaren Systemen sollten solche Frakturen idealerweise gegen Null reduziert werden.

Wie beim ursprünglichen System kann DentaPort ZX Set OTR beim Aufbereiten des Wurzelkanals simultan die Länge messen und die Drehbewegung der eingespannten Instrumente stoppen lassen, wenn die eingestellte Arbeitslänge erreicht ist. Ein Vorteil der OTR-Funktion ist dabei die sehr kleine Winkeldrehung der Feile, wodurch das Risiko des Feilenbruchs reduziert wird. Die Funktion beruht auf dem bei Endomotoren etablierten Prinzip, bei denen das auf die Feile wirkende Drehmoment automatisch gemessen wird. Je nach Belastung der Feile wird die Feilenrichtung gesteuert (drehmomentprovozierte Drehrichtungsreversion).

Die Reaktion des Motors beim Erreichen eines Drehmoments ist schneller als die des Anwenders. Dazu kommt, dass sich bei OTR die Feile im Falle eines zu großen Drehmoments nach der Rückdrehung – über die einmaligen 90° hinaus – weiter entgegen der Schneidrichtung dreht, bis sie sich wieder in einem sicheren Zustand befindet. Somit steht hier die Sicherheit über dem Zeitgewinn. Ohne Belastung schneidet die Feile kontinuierlich rotierend. Bei anderen Motoren, die beispielsweise ein akustisches Signal geben, wenn das Drehmoment einen eingestellten Wert erreicht, ist der Anwender zur Entscheidung gezwungen, ob er ohne Veränderung der Arbeitstiefe der Feile bzw. des Drucks auf die Feile fortfährt oder er durch Reduzierung einer der Parameter reagiert.

Klar ist: Feilenbrüche wird es in der Praxis immer geben. Allerdings haben sich durch den Einsatz des DentaPort ZX Set OTR meiner Erfahrung nach die ohnehin wenigen Frakturen gefühlt weiter reduziert, da durch die einsetzende Reaktion auf den Anstieg des Drehmomentes der entscheidende Hinweis kommt, das Instrument weniger aktiv einzusetzen. Zudem reduziert sich die Arbeitszeit für die aktive mechanische Bearbeitung des Zahnes erheblich, wodurch schneller und vollumfänglicher desinfiziert werden kann. Insbesondere bei größeren Feilendurchmessern zeigt sich, dass Feilen durch die Rückwärtsbewegung im Rahmen der Torquekontrolle öfter und ohne erkennbare Verschleißerscheinungen benutzt werden können. Weniger Instrumente pro Kanal sind die Folge.

Funktion für eine sichere und schnelle Gleitpfaderstellung

  • Abb. 2: Neuer Endomotor Apex Lokator TriAuto ZX2 ermöglicht die sichere und schnelle Gleitpfaderstellung mithilfe der OGP-Funktion.

  • Abb. 2: Neuer Endomotor Apex Lokator TriAuto ZX2 ermöglicht die sichere und schnelle Gleitpfaderstellung mithilfe der OGP-Funktion.
Auf der diesjährigen IDS präsentierte Morita den TriAuto ZX2 (Abb. 2), einen Endomotor mit integriertem Apex Lokator, der neben OTR die Sicherheitsfunktion „Optimum Glide Path“ (OGP) vorweist. Dieses neue Feature erlaubt dem Anwender, besonders schnell und sicher den Gleitpfad maschinell herzustellen. Die Kombination von OGP und OTR ermöglicht, das Instrument ohne Verblockung oder Stufenbildung auf die Arbeitslänge zu bringen. Darüber hinaus macht das System die Behandlung ökonomischer, da sich laut Hersteller der Verbrauch der Feilen von 5 auf 1 reduziert. Alles in allem schont das System demnach einerseits die natürliche Zahnsubstanz und sorgt andererseits für eine effizientere Therapie. Das kabellose Konzept steigert zudem die Flexibilität in der Praxis.

Fazit

Die gewohnte Vollrotation eines Wurzelkanalinstruments ist eine effektive Art, Hartsubstanz der Wurzelkanalwand abzutragen. Der Vorteil von mit modernen Sicherheitsfunktionen ausgestatteten Systemen wie DentaPort ZX Set OTR oder TriAuto ZX2 ist, dass im Sinne einer oszillierenden oder reziproken Arbeitsweise das eingespannte Instrument durch die Drehmomentkontrolle weiter effektiv zum Abtrag genutzt werden kann. Der Anwender sollte jedoch mit den Funktionen der simultanen Längenmessung in Kombination mit den Optionen „Auto Start“ beim Einführen der Feilen in den Kanal und „Auto Stop“ bzw. „Auto Apical Reverse“ beim Erreichen eines wählbaren Abstandes zum physiologischen Apex vertraut sein. Diese Funktionen erleichtern die Anforderung an eine korrekte Längenmessung und Aufbereitung.

Die OTR-Funktion ist von Vorteil, da nur eine sehr kleine Winkeldrehung der Feile benötigt wird, um messtechnisch die aktuelle Belastung zu ermitteln (bei DentaPort ZX Set OTR und TriAuto ZX2). Die optimierten Drehwinkel reduzieren das Feilenbruchrisiko sowohl in Schneid- als auch in Rückdrehrichtung. Gemeinsam mit darauf abgestimmten Systemen wie den EndoWave-Instrumenten ist das OTR-System sehr effizient und die offene Bauweise, die auch andere Feilensysteme zulässt, vergrößert den Anwendungsbereich über das EndoWave-Feilensystem hinaus.

Die neue OGP-Funktion wiederum verfolgt das Ziel, in punkto Schnelligkeit und Sicherheit die maschinelle Erstellung des Gleitpfads, der die eigentliche Kanalausformung einleitet und damit die optimale Vorbereitung des Wurzelkanals für eine sichere Endodontie darstellt, zu optimieren. Innovative Funktionen moderner Endodontiesysteme helfen dem Anwender, die Anforderungen der Wurzelkanalbehandlung bestmöglich zu meistern. 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Sebastian Riedel