Endodontie


Fünf virtuelle Schritte für eine sichere und erfolgreiche endodontische Behandlung

Eine 3D-Darstellung aller Wurzelkanäle des betroffenen Zahns und ihrer genauen Verläufe erleichtert die Behandlungsplanung.
Eine 3D-Darstellung aller Wurzelkanäle des betroffenen Zahns und ihrer genauen Verläufe erleichtert die Behandlungsplanung.

Die 3D Endo-Software von Dentsply Sirona ist eine DVT-basierte Software zur Verbesserung der Planung und des Workflows bei endodontischen Behandlungen. Wie der Behandler sich ihre Vorteile zunutze machen kann, wird im Folgenden Schritt für Schritt dargestellt.

Die neue 3D Endo-Software bietet endodontisch tätigen Behandlern bessere Voraussetzungen für einen endodontischen und folglich restaurativen Erfolg. Diese Innovation basiert auf der Einbeziehung von DVT-Röntgendaten in die Planung einer Wurzelkanalbehandlung und wurde von Dentsply Sirona in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Ingenieuren aus den Bereichen „Endodontie“ und „digitales Röntgen“ entwickelt.

Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die 3D Endo-Software versetzt den Behandler in die Lage, eine deutlich bessere Übersicht und ein höheres Maß an Sicherheit – gerade bei außergewöhnlichen Kanalanatomien – zu gewinnen. Man denke hierbei z. B. an die Behandlung eines Unterkiefer-Prämolars. Wie oft hat man es nicht schon erlebt, dass ein zweidimensionales Röntgenbild keine zuverlässige Aussage über die Anzahl der Wurzelkanäle zuließ? Nicht nur diese Information lässt sich dank einer Kombination von 3D Endo-Software und DVT-Daten in jedem Patientenfall gewinnen, sondern auch eine Gesamtplanung des endodontischen Eingriffs ableiten und simulieren.

Aus dieser Simulation entnimmt der Behandler im Voraus, wie er beispielsweise die Trepanationsöffnung gestalten sollte, welche Feilen sich eignen und inwieweit sie vorgebogen werden müssen. Ferner lassen sich Kalzifikationen innerhalb des Wurzelkanals feststellen. Dieses Wissen ist der Schlüssel dazu, das gewünschte Behandlungsergebnis sicher zu erreichen.

Vorab digital durchgespielt für höhere Erfolgssicherheit

In der Praxis läuft die Arbeit mit der 3D Endo-Software nach einer Vorbereitungsphase in fünf aufeinanderfolgenden Schritten ab [1]:

Am Anfang stehen die Daten eines digitalen Volumentomogramms, aufgenommen z. B. mit einer Röntgeneinheit aus der Orthophos-Reihe oder alternativ dazu mit DVT-Geräten anderer Anbieter.

Der digitale Datensatz wird als DICOM-Datei (d. h. im anerkannten offenen Standard-Format Digital Imaging and Communications in Medicine für die medizinische Kommunikation) in die 3D Endo-Software übertragen.

Nach dieser Vorbereitung wird im ersten Schritt die klinische Situation in der 3D-Darstellung in axialen, sagittalen und koronalen Schnitten betrachtet, wobei die Transparenz des virtuellen Zahns auf dem Monitor variiert werden kann. Das Ergebnis ist eine sichere Diagnose.

Im zweiten Schritt wird der erkrankte Zahn ausgewählt und seine Wurzelkanalanatomie beleuchtet. Daraus leitet sich im dritten Schritt die Bestimmung der genauen Anzahl der Kanäle ab. Jeder davon wird dann für sich charakterisiert, d. h., insbesondere die Lage des Kanaleingangs und das Foramen apicale werden bestimmt.

In einem vierten Schritt macht die Software aufgrund der vorhandenen Informationen einen Vorschlag für die komplette endodontisch relevante Anatomie – inklusive aller Kanalverläufe.

  • Mithilfe von 3D-Röntgendaten (hier: ORTHOPHOS SL, Dentsply Sirona) lassen sich in der neuen 3D Endo-Software Wurzelkanalbehandlungen planen, im Voraus virtuell durchspielen und dabei optimieren.

  • Mithilfe von 3D-Röntgendaten (hier: ORTHOPHOS SL, Dentsply Sirona) lassen sich in der neuen 3D Endo-Software Wurzelkanalbehandlungen planen, im Voraus virtuell durchspielen und dabei optimieren.
Schließlich entsteht im fünften Schritt der Behandlungsplan, wobei insbesondere die Größen der Feilen für den Gleitpfad und die nachfolgende Aufbereitung festgelegt werden. In diesem Stadium lassen sich zum Beispiel auch virtuelle Stopper aus Gummi auf dem Feilenschaft positionieren und austesten, ob bei dem so definierten Referenzpunkt nach vollständiger Instrumentierung die richtige Arbeitslänge erreicht wird. Anschließend lässt sich die gesamte Aufbereitung virtuell durchspielen und dabei kritische Punkte auffinden, wie etwa besonders stark gekrümmte Abschnitte von Kanälen.

Ebenso hilft die 3D Endo-Software beim Auffinden einer geeigneten Masterfeile. Dafür wird auf eine umfangreiche Datenbank zurückgegriffen, die sowohl kontinuierlich rotierende Feilen (z. B. ProTaper Next) als auch reziprok bewegte Feilen (z. B. WaveOne Gold) enthält. Mit den letztlich ausgewählten Instrumenten kann der Behandler noch einmal die gesamte Behandlung von A bis Z virtuell durchführen, ehe er sie realiter vornimmt.

Von der virtuellen Planung zur koronalen Restauration

Eine ganze Reihe von Entwicklungen bei den Werkstoffen für flexiblere Feilen (z. B. m-wire-Nickel-Titan, Gold- Wärmebehandlung), bei den Geometrien (z. B. quadratischer Querschnitt bei ProTaper Next) sowie Vereinfachungen in der Systematik (z. B. Ein-Feilen-Systeme wie WaveOne Gold) haben die Wurzelkanalbehandlung sicherer und schneller gemacht. Während man Software-Unterstützung und virtuelle Behandlungsplanung zunächst vor allem in der Implantologie genutzt hat, bieten diese Technologien jetzt auch in der Endodontie einen immer wirksameren Support.

In Zukunft dürften weiter reichende Therapieverfahren an Bedeutung gewinnen. Sie erstrecken sich von der ersten Röntgenaufnahme eines schadhaften Zahns über die eigentliche endodontische Behandlung bis hin zur dichten Versiegelung und zur anschließenden koronalen Restauration. Denn erst damit ist die Therapie wirklich abgeschlossen und der Behandler kann eine langfristige Prognose abgeben.

Literatur
[1] van der Vyver, Peet J.; Paleker, F.: 3D Endo Software, glide path management and WaveOne Gold: Setting the stage for treating complex root canal anatomy. roots 3/2017, 22-30.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger