Endodontie


Endodontie: der Erhalt von Zahnhartsubstanz im Fokus

Das TruNatomy-Konzept umfasst Instrumente und Hilfsmittel für die Eröffnung der Zugangskavität, das Management des Gleitpfads, die Aufbereitung des Kanals, seine Spülung und seine Trockenlegung bis hin zur Obturation.
Das TruNatomy-Konzept umfasst Instrumente und Hilfsmittel für die Eröffnung der Zugangskavität, das Management des Gleitpfads, die Aufbereitung des Kanals, seine Spülung und seine Trockenlegung bis hin zur Obturation.

Der Langzeiterfolg in der Endodontie hängt von vielen Faktoren ab. Abgesehen vom primären Ziel, sprich der Entfernung von Debris und Mikroorganismen aus dem Wurzelkanal, seiner Ausformung und Abfüllung, zählen der bakteriendichte Verschluss und die koronale Restauration dazu. Einen weiteren wichtigen Punkt stellt die möglichst weitgehende Erhaltung des Dentins dar.

Der Zahnarzt hat eine gute Chance, dass bei allen Dentinanteilen, die er im Zuge einer endodontischen Behandlung belässt, die Integrität durch die mechanische Belastung während des Eingriffs nicht beeinträchtigt ist. Damit tragen diese geschonten Dentinanteile wesentlich zur Stabilität bei.

Diese Erkenntnis ist seit dem auslaufenden 20. Jahrhundert gesichert; dagegen bleiben andere Aspekte der endodontischen Behandlung nach wie vor Gegenstand aktueller Forschungsvorhaben [1]: Dazu zählt im Bereich der mechanischen Eigenschaften die Ermüdungsfestigkeit (Materialverhalten nach vielen unkritischen, d.h. nicht unmittelbar zu Bruch oder Beschädigungen führenden Belastungen), die Rissentstehung und -ausbreitung sowie die Alterungsprozesse des Dentins.

Konsequenzen für die Praxis: Dentin erhalten

Unter den möglichen therapiebedingten Schwächungen endodontisch behandelter Zähne werfen die Auswirkungen der Stiftbefestigung noch Fragen auf, die es zu beantworten gilt.

Wenn auch vieles noch nicht vollständig geklärt ist, so lässt sich doch mit Blick auf die Technik die wichtigste Frage beantworten: Wie gehen der Zahnarzt und das gesamte Endo-Team vor, um nach dem Prinzip der „best practice“ die bekannten Risikofaktoren zu minimieren?

Ziel bleibt es, Zugänge zu den betroffenen Wurzelkanälen zu schaffen, sie auszuformen, effektiv zu reinigen und schließlich komplett zu füllen. Was seit Anfang dieses Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die weitestgehende Erhaltung des natürlichen Dentins und seiner strukturellen Integrität, insbesondere von 4 mm unter- bis 4 mm oberhalb des Alveolarkamms.

Das hat Konsequenzen, denn lange galt es als verpflichtend, dass der Zahnarzt im Sinne einer guten Sicht und eines optimalen Zugangs zu den Wurzelkanälen diese gut einsehbar darzustellen hatte. Anschließend waren die Feilen während des Anlegens eines Gleitpfads und während der Aufbereitung gerade einzuführen. Eine Abweichung davon stellte per se eine Bruchgefahr dar.

Auch weisen natürliche Wurzelkanäle keineswegs eine konische Form auf (oben weit und nach unten spitz zulaufend). Schon vor gut 15 Jahren hat man daher, als Pendant zur Arbeitslänge, den Begriff Arbeitsweite eingeführt. Daran wird deutlich: Wurzelkanäle besitzen eine bestimmte horizontale Ausdehnung. Diese kann vom Zugang bis zum Apex variieren – ebenso auch die Form.

So gibt es annähernd kreisrunde und länglich-ovale Querschnitte sowie weitere unterschiedliche Geometrien. Auch sie ändern sich gegebenenfalls entlang des Kanals. Wer bei der endodontischen Therapie Zahnhartsubstanz nach Möglichkeit erhalten möchte, muss diese Vorgaben der Natur berücksichtigen.

Darum lautet die klare Antwort auf die Eingangsfrage nach der „best practice“: Durch ein dentinschonendes Vorgehen kann der Zahnarzt die Prognose des betreffenden Zahns verbessern. Dies wiegt schwerer als die „gute Sicht“, eine „konische Ausformung“ und die anderen genannten Aspekte. Mit einem möglichst dentinschonenden Vorgehenden rückt das Ziel, den betreffenden Zahn über die gesamte Lebensspanne des Patienten zu erhalten, deutlich näher.

  • Die klinische Situation nach Aufbereitung der Wuzelkanäle (l.) und nach der Obturation unter Verwendung des Endodontie-Konzepts TruNatomy (Dentsply Sirona).
  • Die klinische Situation nach Aufbereitung der Wuzelkanäle unter Verwendung von TruNatomy (Dentsply Sirona).
  • Die klinische Situation nach Aufbereitung der Wuzelkanäle (l.) und nach der Obturation unter Verwendung des Endodontie-Konzepts TruNatomy (Dentsply Sirona).
  • Die klinische Situation nach Aufbereitung der Wuzelkanäle unter Verwendung von TruNatomy (Dentsply Sirona).

Moderne Feilen schaffen die Voraussetzungen

Warum hat man das nicht schon immer so gehalten und der natürlichen Gestalt der Wurzelkanäle eine größere Aufmerksamkeit geschenkt? Erstens sind die Möglichkeiten der endodontischen Diagnostik und Behandlungsplanung in jüngster Zeit enorm gewachsen (Stichwort: dreidimensionale Darstellung der Wurzelkanalanatomie), und zweitens ging es in der Werkstoffkunde einen entscheidenden Schritt nach vorn. Nachdem man über Jahre immer flexiblere Nickel-Titan-Legierungen erfunden hatte, überschritt die Produktforschung und -Entwicklung kürzlich eine Grenze, und jenseits dieser Grenze wird es therapeutisch interessant.

Die neueste Generation bietet Nickel-Titan-Feilen, die sich statt gerade auch schräg in den Wurzelkanal einführen lassen. Wer bisher mit Gates-Glidden-Bohrern und progressiv konisch geformten Aufbereitungsfeilen gearbeitet hat, greift nun zu regressiv konischen Instrumenten, erhält damit einen größeren Anteil der natürlichen Zahnhartsubstanz und schont insbesondere das Dentin (z.B. TruNatomy, Dentsply Sirona).

Ein ganzes System sichert den Erfolg

  • Feilen, Papierspitzen, Obturatoren, Spülkanüle – alles aufeinander abgestimmt (TruNatomy, Dentsply Sirona).

  • Feilen, Papierspitzen, Obturatoren, Spülkanüle – alles aufeinander abgestimmt (TruNatomy, Dentsply Sirona).
    © Dentsply Sirona
Als entscheidend haben sich darüber hinaus eine effektive Entfernung von Debris und von Mikroorganismen bzw. eine Minimierung der Gesamtkeimzahl im aufbereiteten Wurzelkanal sowie eine komplette Füllung und ein bakteriendichter Verschluss erwiesen. Darum empfiehlt es sich, mit einem System von abgestimmten Komponenten zu arbeiten. Hier wird das Feilensortiment um eine hochflexible Spülkanüle sowie Papier- und Guttaperchaspitzen in zu den Feilen passenden Größen ergänzt.

Auf diese Weise bietet ein solches Behandlungskonzept die Voraussetzungen für eine effektive Desinfektion des Kanals, für einen spürbar präzisen Tug-Back-Effekt und eine formschlüssige Abdichtung (Conform Fit, Dentsply Sirona). So lässt sich selbst bei stark gekrümmten Kanälen oder eingeschränktem Zugang ein vorhersagbarer endodontischer Erfolg erzielen und für den betreffenden Zahn tendenziell eine bessere Prognose stellen.


Literatur:

[1] Gluskin AH, Peters CI, Peters OA. Minimally invasive endodontics: challenging prevailing paradigms. British Dent J 2014; 216 (6): 347–353.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger