Endodontie


Differenzialdiagnose unklarer pulpitischer Schmerzen

Das intraligamental applizierte Anästhetikum breitet sich entlang der Zahnwurzel und intraossär aus.
Das intraligamental applizierte Anästhetikum breitet sich entlang der Zahnwurzel und intraossär aus.

Patienten mit irradiierenden pulpitischen Schmerzen sind eine Herausforderung für den Behandler, da der schmerzverursachende Zahn nicht mit normalen Praktiken festgestellt werden kann – der Patient hat starke Schmerzen und sein Zahnarzt kann ihn davon nicht erlösen.

Im Rahmen einer klinischen Observationsstudie [11] zur Bewertung der modernen Injektionssysteme für intraligamentäre Anästhesien präsentierten sich wiederholt auch Patienten mit nicht eindeutig zu lokalisierender Schmerzursache [12]. Da sie nicht im festgelegten Studiendesign erfasst werden konnten, wurde ihre Therapie getrennt dokumentiert [12]. Die Ursache der irradiierenden Schmerzen konnte mit den konventionellen Methoden Radiografie, Perkussion und Kälte-/Wärme-Test nicht diagnostiziert werden. Wegen der starken Schmerzen der Patienten waren adäquate Maßnahmen angezeigt. Die in der Literatur angesprochene Methode der Differenzialdiagnose zur Feststellung des die pulpitischen Schmerzen verursachenden Zahnes [2,7,9] wurde in allen Fällen angewandt und dokumentiert (Tab. 1).

  • Tab. 1: In allen Fällen konnte der Ursprung der irradiierenden Schmerzen eindeutig diagnostiziert werden. Quelle: Zugal et al. (2005).
  • Tab. 1: In allen Fällen konnte der Ursprung der irradiierenden Schmerzen eindeutig diagnostiziert werden. Quelle: Zugal et al. (2005).
    © Taubenheim

Zugal et al. schreiben, dass sich die Dosierradspritze SoftJect als sehr sensibles Instrumentarium für eine absolut zuverlässige Differenzialdiagnose erwies [12]. Der jeweils die unklaren pulpitischen Schmerzen verursachende Zahn wurde in allen Fällen zweifelsfrei festgestellt und angemessene therapeutische Maßnahmen wurden eingeleitet [12]. Alle betroffenen Zähne konnten erhalten werden [12]. Die Gesamtzahl von 6 Fällen ist zwar gering, die Erfolgsquote von 100% kann aber als evidenzgestützt angesehen werden.

Material und Methode

Alle klinischen und anwendungstechnischen Fragen zur Applikation der intraligamentären Anästhesie wurden in den letzten 40 Jahren vollständig und evidenzbasiert beantwortet [1,3– 6,8,10]. Die intraligamentäre Anästhesie (IL-A) ist eine primäre Methode der dentalen Lokalanästhesie und wird mehr und mehr als Alternative der Infiltrations- und Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior angewandt. Zu einer – anstehenden – Differenzialdiagnose müssen geringe Mengen eines bewährten Anästhetikums (mit Adrenalin), pro Zahnwurzel ca. 0,2 ml, in den Desmodontalspalt approximal des zu anästhesierenden Zahnes appliziert werden. Das applizierte Anästhetikum breitet sich entlang der Zahnwurzel und im angrenzenden Gewebe (intraossär) aus und erreicht in etwa 20 Sekunden das Foramen apicale – der Anästhesieeffekt tritt ein.

Bei 2-wurzeligen Zähnen erfolgen je eine mesiale und eine distale Injektion, wobei die Zeit für die 2. Injektion in der Tendenz länger ist (> 20 Sek.). Bei 3-wurzeligen Zähnen erfolgt die 3. Injektion – in die Furkation – noch langsamer (> 25 Sek.), um dem zahnumgebenden Gewebe ausreichend Zeit zu geben, das angediente Anästhetikum zu resorbieren und damit unerwünschten Effekten, z.B. Elongationsgefühl oder Druckschmerz nach Abklingen der Anästhesie, vorzubeugen. Im Unterkiefer erfolgen die sukzessiven Einzelzahnanästhesien von mesial nach distal, um auszuschließen, dass die Einzelzahnanästhesie eines distalen Zahnes zu einer Blockade des N. alveolaris inferior führt und auf diesem Weg auch den mesialen Zahn anästhesiert und damit die Differenzialdiagnose verhindert.

  • Abb. 1: Spritzensysteme ohne ein integriertes, mehrstufiges Hebelsystem erleichtern die präzise Applikation des Anästhetikums.

  • Abb. 1: Spritzensysteme ohne ein integriertes, mehrstufiges Hebelsystem erleichtern die präzise Applikation des Anästhetikums.
    © Taubenheim
Durch die intraligamentalen Injektionen sind die relevanten Zähne praktisch ohne Latenzzeit tief anästhesiert, sodass der Behandlungsbeginn sofort nach Feststellung des die irradiierenden Schmerzen verursachenden Zahnes erfolgen kann. Die therapeutischen Maßnahmen, endodontische Behandlungen und Füllungstherapie, die sich der Differenzialdiagnose anschließen, werden im Rahmen der üblichen Behandlungskonzepte durchgeführt. Sensible mechanische Spritzensysteme ohne integrierte kraftverstärkende Hebel, z.B. Dosierradspritzen (Abb. 1), erleichtern dem Behandler die präzise Applikation des erforderlichen Anästhetikums zur Differenzialdiagnose irradiierender pulpitischer Schmerzen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Wolfgang Bender - Lothar Taubenheim - Dr. Walter Zugal


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