Endodontie


Die Entfernung der temporären Wurzelkanaleinlage

Das Ziel der endodontischen Behandlung ist die möglichst vollständige Eliminierung aller lebensfähigen Mikroorganismen aus dem Wurzelkanalsystem. Neben mechanischer Wurzelkanalaufbereitung in Kombination mit antibakteriellen Spüllösungen tragen zusätzlich eingebrachte medikamentöse Einlagen zu einer weiteren Reduktion der Keimzahl bei. Ihre vollständige Entfernung vor der definitiven Wurzelkanalfüllung ist für einen langfristigen Therapieerfolg unerlässlich. Im Folgenden werden die wesentlichen Techniken und Hilfsmittel zur Entfernung medikamentöser Einlagen vorgestellt und anhand der verfügbaren Angaben in der Literatur bewertet.

Eine Wurzelkanalbehandlung verfolgt das Ziel, einen Zahn mit entzündlich veränderter oder nekrotischer Pulpa als funktionsfähige Kaueinheit zu erhalten. In Biofilmen organisierte Mikroorganismen und deren Abbauprodukte spielen die entscheidende Rolle in der Entstehung pulpaler und periapikaler Erkrankungen. Die Ziele der endodontischen Therapie sind deshalb auf die möglichst vollständige Eliminierung aller lebensfähigen Bakterien und deren Toxine sowie des gesamten nekrotischen und vitalen Pulpagewebes ausgerichtet.

Der Einsatz antimikrobieller Substanzen in Form von Spüllösungen soll vor allem die Reinigung schwer oder nicht instrumentierbarer Wurzelkanalregionen verbessern, eine vollständige Elimination aller Bakterien aus dem Wurzelkanal ist allerdings nicht möglich [13]. Unterstützend eingebrachte medikamentöse Einlagen können zu einer weiteren Reduktion der Keimzahl beitragen [46] und den Zeitraum zwischen zwei Behandlungen überbrücken, wenn eine vollständige Präparation und Füllung in der ersten Sitzung wegen Schmerzen oder aus Zeitgründen nicht möglich oder nicht erwünscht sind. Mittel der Wahl ist Kalziumhydroxid, aber auch Ledermix, eine Mischung aus einem Antibiotikum und einem Kortikoid, oder Chlorhexidingel, alleine oder in Kombination mit Kalziumhydroxid, werden häufig als medikamentöse Einlagen verwendet.

Vor der definitiven Füllung des Wurzelkanalsystems sollte eine möglichst vollständige Entfernung der medikamentösen Einlage angestrebt werden, was aber meist nur unvollständig gelingt; besonders in den Kanalwandbezirken, die nur schwer von Spülmedien und Instrumenten erreicht werden, verbleiben Reste von Kalziumhydroxid, die bis zu 45 % der Kanaloberflächen bedecken können [35].

Konsequenzen verbleibender Reste der medikamentösen Einlage am Kanalwanddentin sind [48]:

  • Beeinträchtigung des Füllmaterials: Reste von Kalziumhydroxid im Wurzelkanal verlängern die Verarbeitungszeiten Zinkoxid-basierter Wurzelkanalsealer [9]. Schichtstärke, Konsistenz und Qualität des Sealers werden verschlechtert [40].
  • Entstehen von Cracks in ZnO-Sealern [32]
  • Reduktion der Fließfähigkeit und Abbindezeit von Sealern [40]
  • verringerte Dichtigkeit der Wurzelkanalfüllung [14,15]
  • reduzierte Messgenauigkeit der Endometriegeräte [58]
  • schlechtere Adhärenz des Sealers [12]
  • unzureichende Penetration des Sealers in die Dentintubuli und Kompromittierung der Wandständigkeit der Wurzelkanalfüllung [26,48]
  • schlechtere Haftung adhäsiv inserierter Stifte
  • Verbleibt Ca(OH)2 im apikalsten Anteil des Wurzelkanals und apikal der Wurzelkanalfüllung, kann das Medikament ausgewaschen oder resorbiert werden mit der Folge der Undichtigkeit und Unvollständigkeit der Füllung.
  • Verbleiben Ledermix oder v. a. Triple Antibiotic Paste im Wurzelkanal, besteht das Risiko von Zahnverfärbungen aufgrund des Tetrazyklinanteils in diesen Medikamenten [27].

In der endodontischen Literatur wurden zahlreiche chemische und mechanische Verfahren sowie Kombinationen aus beiden beschrieben (Abb. 1), mit deren Hilfe medikamentöse Einlagen aus dem Wurzelkanal entfernt werden können.

  • Abb. 2: Gruben in der Wurzelkanalwand mit standardisierter Größe werden mit Kalziumhydroxid gefüllt und anschließend gereinigt.
  • Abb. 3: Design der SAF. Durch das Innere der Hohlfeile wird Spüllösung in den Wurzelkanal geleitet.
  • Abb. 2: Gruben in der Wurzelkanalwand mit standardisierter Größe werden mit Kalziumhydroxid gefüllt und anschließend gereinigt.
  • Abb. 3: Design der SAF. Durch das Innere der Hohlfeile wird Spüllösung in den Wurzelkanal geleitet.

Testverfahren

Eine geläufige Methode zur Untersuchung und Bewertung der Kalziumhydroxidentfernung stellt das Grubenmodell [36] dar (Abb. 2). Die Präparation von Gruben in die Kanalwand simuliert instrumentell unzugängliche Kanalbezirke und erlaubt eine annähernde Standardisierung der Ausgangssituation. Dennoch können die demonstrierten Unebenheiten keinesfalls die große anatomische Varianz und Komplexität des gesamten Wurzelkanalsystems widerspiegeln.

In anderen Studien wird die Sauberkeit entlang der gesamten Kanalwand betrachtet [34,35]. Hierzu werden die Probenzähne längs in zwei Hälften gespalten und die Rückstände an Medikament mit unterschiedlichen Scores bewertet oder die Ausdehnung quantitativ ermittelt.

Instrumentation

Eine häufig empfohlene Methode zur Entfernung der medikamentösen Einlage ist die Bearbeitung des Wurzelkanals mit einem auf Arbeitslänge eingebrachten Wurzelkanalinstrument, das eine oder mehrere Größen stärker ist als das zuletzt verwendete Instrument, in Kombination mit ausreichender Anwendung verschiedener Spüllösungen [34,45,49]. Zu berücksichtigen ist, dass es bei manueller Entfernung zu einem zusätzlichen Dentinabtrag kommt; es kann daher erwogen werden, bei der vorherigen Sitzung noch nicht bis zur festgelegten apikalen Größe zu präparieren, um eine Überpräparation und folgende Schwächung der Wurzel zu vermeiden und die apikale Master-Feile (AMF) erst bei der Entfernung der Einlage einzusetzen.

Vor allem in gekrümmten Wurzelkanälen muss aber beim Entfernungsversuch die Möglichkeit einer Veränderung der Wurzelkanalanatomie (Begradigung, Stufenbildung, Überpräparation) beachtet werden. Während die Entfernung der Einlage aus gekrümmten Wurzelkanälen mit Stahlinstrumenten ein hohes Risiko der Begradigung birgt [23], scheint die Entfernung unter Verwendung rotierender Nickel-Titan-Instrumente ohne Veränderung der Kanalanatomie zu gelingen [31]. Kuga et al. [33] verglichen zwei Nickel-Titan-Systeme (K3 Endo und ProTaper) in Kombination mit Spülungen (NaOCl und EDTA). Mit keinem Verfahren wurde eine vollständige Entfernung des Medikaments erreicht; beide Instrumententypen hinterließen Reste des Ca(OH)2, speziell im apikalen und zervikalen Kanaldrittel und unabhängig von der verwendeten Spüllösung. ProTaper zeigte bessere Ergebnisse als die K3-Feilen und schnitt in einer weiteren Untersuchung ebenso gut ab wie die Self Adjusting File (SAF) [20]. Lambrianidis et al. [35] konnten nach Anwendung verschiedener Spüllösungen und deren Aktivierung mit einer AMF feststellen, dass noch bis zu 45 % der Kanalwand mit Kalziumhydroxid bedeckt waren. Die Medikamentenrückstände fanden sich vornehmlich in der Apikalregion und die Autoren empfehlen deshalb die Verwendung einer Patency- Feile zur gesonderten Reinigung des apikalen Kanaldrittels [34]. In Kombination mit aktivierter Spülung (Ultraschall, EndoActivator oder EndoVac) ergab die maschinelle Entfernung der Einlage mit ProTaper-Instrumenten der Größen F 4 oder F 5 gute Resultate [21,53].

  • Die Bearbeitung des Wurzelkanals mit Instrumenten resultiert in einer unvollständigen Entfernung des Medikamentes und birgt in gekrümmten Wurzelkanälen das Risiko der Begradigung.
  • Die Entfernung mit Stahlinstrumenten ist nur für gerade Wurzelkanäle zu empfehlen; in gekrümmten Kanälen sind NiTi-Instrumente zu bevorzugen.

Spüllösungen

Die alleinige Anwendung von Natriumhypochlorit als Spüllösung wird überwiegend als unzureichend bewertet [31,50]. Bei Anwendung der Chelatoren EDTA und Zitronensäure wurden signifikant bessere Ergebnisse erreicht als bei Spülung mit NaOCl. NaOCl zeigte aber auch in Kombination mit den Chelatoren keine verbesserten Ergebnisse [49]. Nach Spülung mit 3 % NaOCl allein sowie in Kombination mit 17 % EDTA oder Kochsalzlösung blieben bis zu 45 % der Kanalwand von Ca(OH)2 bedeckt [35]. Die Kombination von 15 % EDTA mit einer NaOCl-Abschlussspülung entfernte Kalziumhydroxidreste signifikant besser als NaOCl allein [14,15,40]. Dies wird auf eine Chelatbildung von EDTA mit den Ca(OH)2-Resten zurückgeführt. Die Komplexe könnten durch die anschließende NaOCl- Abschlussspülung leichter entfernt werden. In anderen Studien konnte der synergistische Effekt von EDTA und NaOCl aber nicht bestätigt werden [31,35,49]. Berücksichtigt werden muss die limitierte Wirksamkeit des EDTA, dessen sehr große Chelatkomplexe jeweils nur 2 Kalzium-Ionen binden können, sodass bereits nach kurzer Einwirkzeit keine weitere Wirkung mehr zu erwarten ist. Volumen und Applikationszeit des verwendeten EDTAs hatten keinen Einfluss auf die Reinigungswirkung [30]. Auch die Spülung mit Zitronensäure, Maleinsäure oder Phosphorsäure wurde empfohlen [41,43].

Çalt und Serper [14] beschrieben eine vollständige Entfernung von Ca(OH)2 aus dem Wurzelkanal, wenn mit 10 ml 17 % EDTA und abschließend mit 10 ml 5 % NaOCl gespült wurde. Möglicherweise hatte hier auch die größere Spülmenge von 20 ml einen Einfluss auf das Ergebnis, in anderen Studien wurden geringere Spülmengen von 7,5 ml [31], 10 ml [35], 12,5 ml [14] und 15 ml [34] verwendet. Von Einfluss ist darüber hinaus die Eindringtiefe der Spülnadel: Bei einem Abstand vom Apex von 5 mm fiel die Reinigungswirkung signifikant schlechter aus als bei tieferem Vordringen [17].

Unterschiede zwischen den Einlagen

Abhängig von ihrer Konsistenz, lassen sich verschiedene Arten der medikamentösen Einlage unterschiedlich einfach entfernen.

Kalziumhydroxid

Es zeigte sich, dass nicht nur die Spüllösung, sondern auch das Trägermedium, mit dem das Kalziumhydroxidpulver angemischt wurde, Einfluss auf die Entfernbarkeit hat. So haben Zubereitungen mit öligen und viskösen Medien zwar einen verlängerten Wirkungszeitraum [22], lassen sich jedoch im Gegensatz zu Zubereitungen mit wässriger Lösung schwerer entfernen [26,39,44]. Es ist bekannt, dass sowohl 17 % EDTA als auch 10 % Zitronensäure Kalziumhydroxid in wässrigem Medium effektiv entfernen können. In öligem Medium ist Zitronensäure EDTA jedoch überlegen [44]. Beide Spülmedien konnten Ca(OH)2 aber ebenfalls nicht vollständig entfernen [31]. Es zeigte sich sogar, dass zwei unterschiedliche Kalziumhydroxidpräparate unterschiedlich auf Spülungen mit EDTA und Maleinsäure reagierten [37].

Kalziumhydroxid + Chlorhexidin

Die Mischung der beiden Komponenten ließ sich mit 7 % Maleinsäure oder 10 % Zitronensäure besser entfernen als mit 1 % NaOCl oder 17 % EDTA [8,43].

Ledermix

Ledermix lässt sich einfacher entfernen als Kalziumhydroxid und konnte zu 95 % entfernt werden, Pulpdent-Kalziumhydroxidpaste nur zu 73 % [17] bzw. zu 52 % (Ledermix) und 1,7 % (Ca[OH]2) [47]. Ein Unterschied zwischen Ultraschall und RinsEndo wurde nicht gefunden.

Triple Antibiotic Paste

Triple Antibiotic Paste (TAP), angewendet als Einlage bei Behandlung zur Regeneration der Pulpa, lässt sich deutlich schlechter entfernen als Ca(OH)2. Nach Anwendung von EndoActivator, Ultraschall oder EndoVac verblieben mehr als 80 % der Paste im Wurzelkanal im Gegensatz zu 2 % der Kalziumhydroxideinlage. Die photoneninduzierte photoakustische Strömungstechnik (PIPS) erwies sich als effektiver als der EndoActivator [5]. Wurde 1 % NaOCl mit Ultraschall aktiviert, konnte mehr TAP aus lateralen Gruben entfernt werden als durch nicht aktivierte Spülung [7].

  • Insgesamt ist der alleinige Einsatz von Spüllösungen als unzureichend effektiv zur Entfernung medikamentöser Einlagen zu bewerten. Eine Kombination aus EDTA und NaOCl kann die Entfernung aber effektiv unterstützen.

Aktivierte Spülung

Durch wiederholte Aktivierung und Durchmischung der Spülflüssigkeit kann versucht werden, die medikamentöse Einlage besser zu entfernen. Eine Aktivierung der Spülflüssigkeit lässt sich durch manuelle Bewegung einer hand- oder maschinell betriebenen Feile oder durch Spülgeräte erreichen, die Schall oder Ultraschall auf das Spülmedium übertragen.

Tasdemir et al. [55] verglichen an 24 Prämolaren die Effizienz der aktivierten Ultraschallspülung mit NaOCl mit derjenigen einer kombinierten Handspülung mit NaOCl und EDTA. Die Ultraschallspülung war signifikant effektiver und entfernte 75 % der medikamentösen Einlage aus dem Wurzelkanal. In einer Reihe von Studien ergab sich eine deutliche Überlegenheit der Ultraschallaktivierung gegenüber der passiven Handspülung [2,16,31,37,47,53,61]. Dabei zeigte die Ultraschallspülung in einigen Studien vergleichbare Reinigungsergebnisse wie das schallgestützte Spülsystem RinsEndo [47] oder das EndoVac-Gerät [61]. Wiseman et al. [60] bewerteten in einer Mikro-CT-Studie die Reinigungseffektivität der Ultraschallspülung und verglichen die Ergebnisse mit denjenigen der Schallspülung. Die Ultraschallspülung entfernte nach 3-mal 20-sekündiger Aktivierung 69,5 % der Kalziumhydroxideinlage und arbeitete signifikant effektiver als die ebenso lange verwendete Schallspülung, die nur 48,6 % der Einlage entfernte. In einer vergleichenden Studie schnitt Ultraschall signifikant besser in der Entfernung von Kalziumhydroxid aus lateralen Gruben ab als EndoActivator, RinsEndo, Canal Brush oder die Handspülung [51].

Im Vergleich der Ultraschallanwendung mit NaOCl oder Wasser als Spülmedium schneidet NaOCl besser ab; die Ultraschallspülung mit Wasser ist nur so effektiv wie die Handspülung mit NaOCl [59]. Keine signifikant überlegene Wirkung der passiven Ultraschallspülung gegenüber der manuellen Spültechnik beschreiben Balvedi et al. [10]. In einer Untersuchung an geraden Wurzelkanälen war der EndoActivator überlegen [4].

Das Gesamtvolumen an Spüllösung (bei Tasdemir et al. [55] 10 ml und 20 ml bei Wiseman et al. [60]) und die Aktivierungszeit der Ultraschallspülung (bei Tasdemir et al. [55] von 30 Sekunden und bei Wiseman et al. [60] von 60 Sekunden) differieren in den vorliegenden Studien deutlich, sodass diesbezüglich keine abschließenden Empfehlungen ausgesprochen werden können. Das von Adler [1] erprobte Spülprotokoll mit 4-minütiger Spülzeit in Form von Zyklen von 8 x 30 Sekunden und unter ständiger Zufuhr neuer Spülflüssigkeit (3%iges Natriumhypochlorit) erbrachte gute Ergebnisse.

  • Insgesamt lässt sich der positive Effekt aktivierter Spülflüssigkeiten in der Literatur belegen. Allerdings war die komplette Entfernung des Ca(OH)2-Präparates auch auf diesem Weg in der Regel nicht möglich.
  • Eine abschließende Bewertung des Einflusses von Spüllösungen und der rein mechanischen Wirkung ist anhand der derzeitigen Datenlage schwierig, da diese meist in Kombination angewendet werden [27].

Die Self-Adjusting File (SAF)

  • Abb. 3: Design der SAF. Durch das Innere der Hohlfeile wird Spüllösung in den Wurzelkanal geleitet.

  • Abb. 3: Design der SAF. Durch das Innere der Hohlfeile wird Spüllösung in den Wurzelkanal geleitet.
Die SAF (ReDent Nova, Ra’anana, Israel) (Abb. 3) ist eine hohle, kompressible Feile in der Form eines spitzen Zylinders. Sie ist aufgebaut aus einem dünnen, zylinderförmigen Nickel-Titannetz, das sich dem Wurzelkanal dreidimensional anpassen kann und so den Querschnitt zirkulär vergrößert, aber in seiner Form unverändert lässt [42]. Die Feile arbeitet mit 5.000 Vibrationen pro Minute bei einer Amplitude von 0,4 mm. Durch die Kompression der Lamellen der Feile im Wurzelkanal entsteht eine nach außen gerichtete Kraft, da die Feile versucht, ihre ursprüngliche Dimension wieder anzunehmen. Durch diese zirkumferente Kraft, verbunden mit der leicht abrasiven Oberfläche des Titannetzes und der Eigenvibration des Handstücks, wird die Feile gegen die Wurzelkanalwände gepresst und erreicht so eine schrittweise und gleichmäßige Entfernung dünner Dentinschichten [29]. Spülflüssigkeit lässt sich in voller Länge durch das hohle Innere in den Wurzelkanal leiten. Die Spüllösung erfährt durch die Eigenvibration der Feile dabei zusätzlich eine Aktivierung.

Bislang liegen nur wenige In-vitro-Studien vor, die sich mit der Entfernung einer medikamentösen Einlage mithilfe der SAF befassen [2,16,20,57]. In einer µCT-Studie wurden an 80 extrahierten menschlichen Zähnen mit ovalen Wurzelkanälen zwei Methoden zur Entfernung der Kalziumhydroxideinlage miteinander verglichen: die Entfernung mit der piezoelektrischen Ultraschallspülung (Piezon Master 400, EMS, München) und mithilfe der SAF [1]. Keine der beiden untersuchten Methoden erreichte eine vollständige Entfernung der medikamentösen Einlage. Im direkten Vergleich der beiden Systeme untereinander zeigte sich eine signifikante Überlegenheit des SAF-Systems gegenüber der passiven Ultraschallspülung. Obwohl die Ultraschallspülung der SAF signifikant unterlegen war, konnten mehr als 73 % der medikamentösen Einlage entfernt werden. Es liegen aber auch gegensätzliche Ergebnisse mit einer Überlegenheit des Ultraschalls gegenüber der SAF [2] oder eine Gleichwertigkeit von SAF und maschineller Entfernung mit ProTaper-Instrumenten [20] vor. Bei der Entfernung der Einlage aus simulierten internen Resorptionen erwiesen sich Ultraschall und SAF als gleichwertig, waren aber EndoVAc, EndoActivator und der CanalBrush signifikant überlegen [56].

EndoActivator

Das EndoActivator-System (Dentsply DeTrey, Konstanz) (Abb. 4) besteht aus einem mit Schallfrequenz schwingenden Handstück, in das eine nichtschneidende Plastikspitze inseriert wird. Die zwischen Ansatz und Kanalwand befindliche Spüllösung wird aktiviert und es werden Druckschwankungen erzeugt, die zu einer Ablösung von Gewebe, Débris und Einlagen von der Wurzelkanalwand führen sollen. Der EndoActivator zeigte sich effektiver als ein Ultraschallsystem, das EndoVac-Gerät oder die Handspülung [4]. In C-förmigen Wurzelkanälen schnitten Ultraschall (31 % des Kalziumhydroxids nicht entfernt) und der EndoActivator (28 %) besser ab als die passive Handspülung (68 %) [38]. Die Effektivität des EndoActivator im apikalen Kanaldrittel wird angezweifelt [3]; in einigen Studien schnitten vor allem Ultraschallsysteme oder photoneninduzierte photoakustische Strömungstechnik (PIPS) besser ab [5,6] (Abb. 5).

  • Abb. 5: Nach intensiver Bearbeitung in der seitlichen Grube zurückbleibende Kalziumhydroxidreste.
  • Abb. 6: Die CanalBrush mit kleinen, in alle Richtungen abstehenden Plastikborsten.
  • Abb. 5: Nach intensiver Bearbeitung in der seitlichen Grube zurückbleibende Kalziumhydroxidreste.
  • Abb. 6: Die CanalBrush mit kleinen, in alle Richtungen abstehenden Plastikborsten.

CanalBrush

Die CanalBrush (Roeko/Whaledent, Langenau) ist eine kleine Plastikbürste, deren Borsten zu allen Seiten abstehen und die im Winkelstück mit max. 600 U/ min-1 eingesetzt wird (Abb. 6). Die Entfernung der Einlage mit dieser Bürste erwies sich im apikalen Kanalanteil als effektiver als die Handinstrumentation, weiter koronal gab es keinen Unterschied. Die Bürste transportierte jedoch Ca(OH)2 über den Apex hinaus [24] und zeigte sich im apikalen Kanalbereich dem EndoVac-System und der SAF deutlich unterlegen. Bei der Entfernung einer Einlage aus internen Resorptionskavitäten schnitten SAF und Ultraschall deutlich besser ab [56] (Abb. 7).

  • Abb. 7: Auch nach Bearbeitung mit Ultraschall bleiben Kalziumhydroxidreste zurück [52].
  • Abb. 8: Das mit Druck arbeitende Rins-Endo-Handstück.
  • Abb. 7: Auch nach Bearbeitung mit Ultraschall bleiben Kalziumhydroxidreste zurück [52].
  • Abb. 8: Das mit Druck arbeitende Rins-Endo-Handstück.

RinsEndo

Das RinsEndo-System (Dürr Dental, Bietigheim-Bissingen) (Abb. 8) arbeitet mit NaOCl, das mit Druck in den Wurzelkanal hineingepumpt und wieder zurückgesaugt wird.

  • Abb. 8: Das mit Druck arbeitende Rins-Endo-Handstück.

  • Abb. 8: Das mit Druck arbeitende Rins-Endo-Handstück.
RinsEndo schnitt besser als die Handspülung und ebenso gut ab wie Ultraschall, erreichte aber keine vollständige Entfernung [39]. In der Entfernung von Ca(OH)2 aus lateralen Gruben oder aus gekrümmten Wurzelkanälen konnten allerdings mit US oder dem EndoActivator besser gereinigte Wurzelkanäle erzielt werden [51,52]. In einer anderen Studie fand sich kein Unterschied zwischen beiden Systemen bei der Entfernung von Ledermix oder Kalziumhydroxid aus seitlichen Gruben [47].

EndoVac

Das EndoVac-System (Discus Dental, Culver City, USA) arbeitet mit Unterdruck, der die Spüllösung apikalwärts saugt. Hierzu wird ein entsprechender dünner Saugansatz auf Arbeitslänge eingebracht und koronal Spüllösung appliziert. Die wird durch den Unterdruck apikalwärts gesaugt und sodann über die Kanüle aus dem WK gesaugt. Der EndoActivator und auch Ultraschall und die SAF entfernten deutlich mehr Ca(OH)2 als das EndoVac-System, welches aber besser abschnitt als die EndoBrush oder die Handspülung und gleich gut wie die SAF [4,16,57,61].

Photoneninduzierte photoakustische Strömungstechnik (PIPS)

Bei dieser Technik handelt es sich um ein Verfahren, bei dem ein Laser mit niedriger Energie und extrem kurzer Pulsdauer eingesetzt wird. Es wird kein Material abgetragen, sondern es wird in einer Flüssigkeit die Bildung von Schockwellen induziert. In der Entfernung von Double oder Triple Antibiotic Paste zeigte sich diese Methode effektiver als die Handspülung oder der EndoActivator [5]. Ca(OH)2 wurde aus lateralen Gruben im Wurzelkanal mit PIPS effektiver entfernt als mit Ultraschall, dem EndoActivator oder der Handspülung [6].

Schlussfolgerungen:
  • Abb. 9a u. b: Dreidimensionale farbliche Darstellung der applizierten medikamentösen Einlage vor (rot) und nach (grün) der Entfernung [1].

  • Abb. 9a u. b: Dreidimensionale farbliche Darstellung der applizierten medikamentösen Einlage vor (rot) und nach (grün) der Entfernung [1].

  • Die möglichst vollständige Entfernung der medikamentösen Einlage ist bedeutsam, um Auswirkungen verbliebenen Materials auf die Wurzelkanalfüllung, die Adhäsion von Füllungsmaterialien oder den Langzeiterfolg der Therapie zu vermeiden.
  • Keine der vorgestellten Methoden ist in der Lage, eine vollständige Entfernung der medikamentösen Einlage zu erreichen, vielfach verblieben 50 % und mehr der Einlage im Wurzelkanal (Abb. 9).
  • Alle Techniken der Entfernung werden am effektivsten unter Zufuhr großer Mengen an Spüllösung eingesetzt; am wirkungsvollsten hat sich die Kombination aus NaOCl und EDTA erwiesen.
  • Die besten Ergebnisse wurden nach Anwendung einer aktivierten Technik (Ultraschall, EndoActivator, SAF) erzielt.
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Michael Hülsmann - Dr. Anne Kathrin Schmidt

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Michael Hülsmann , Dr. Anne Kathrin Schmidt



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