Digitale Praxis


Webinare der Cerec Masters vertiefen Behandlungsverfahren

08.09.2020

.
.

Die Nachfrage nach digitalen Helfern oder Plattformen ist in der niedergelassenen, allgemeinmedizinischen Praxis im Zuge der Covid-Krise deutlich gestiegen. Video-Sprechstunden werden vorbereitet, um Ärzte und Patienten zu verbinden und individuelle Therapieempfehlungen zu platzieren.

Die Veränderungen haben auch die Zahnmedizin erfasst. Nicht nur, dass der zahnmedizinische Versorgungsauftrag schon seit geraumer Zeit in zunehmendem Maße digital organisiert und Patienten mit computergestützten Systemen befundet sowie konservierend und prothetisch behandelt werden. Die aktuelle Situation hat dazu geführt, dass Fortbildungskurse nicht mehr als Präsenzveranstaltungen durchgeführt werden können. An deren Stelle sind die Webinare – also virtuelle Fachseminare im Internet – getreten, um die Hürde der Kontaktbeschränkung zu überspringen. Damit bekommt das Prinzip „Probleme sind nur dornige Chancen“ eine neue Bedeutung sowie Auftrieb für den fachlichen Wissensaustausch in der Fortbildung und bietet richtungweisende Perspektiven für die Zukunft.

Als einer der ersten Anbieter in der Zahnheilkunde hat der Cerec Masters Club, eine unabhängige Studiengruppe und Fortbildungseinrichtung mit Unterstützung des Karl-Häupl-Instituts der ZÄ- Kammer Nordrhein, Webinare als virtuelle, interaktive Plattform eingerichtet. Adressiert an Zahnärzte und Zahntechniker, konnte mit dem wöchentlichen „GoToWebinar“ eine „Fortbildungskrise“ ausgegrenzt werden.

Teilnehmeranstieg in Webinar-Kursen

Das Angebot, den Fortschritt der computergestützten Restauration mit dem Cerec-System kennenzulernen oder zu vertiefen, wurde im Zeitraum März bis Juni 2020 in 16 Webinaren umgesetzt und in steigendem Maße von ca. 700 Teilnehmern genutzt. Die Website des Cerec Masters Club wurde in dieser Zeit von ca. 19.000 Besuchern aufgesucht, um die dort hinterlegten Informationen und Dokumente einzusehen. Im Bildordner wurden 3.465 Videos, die klinische und softwaregesteuerte Vorgehensweisen zeigen, von den Besuchern angeklickt.

Unter der Leitung von Dr. Andreas Kurbad, Viersen, sowie von Materialspezialisten mit Expertise aus Forschung und Entwicklung wurde in den Webinaren der Kanon der konservierenden und prothetischen Zahnheilkunde thematisiert, jeweils unter Einsatz softwaregesteuerter Prozesse und manueller Verfahren zur ästhetischen Individualisierung vollkeramischer Restaurationen.

Die indizierten Therapielösungen betrafen Inlays, Onlays, Teilkronen, Frontzahn- und Kauflächen-Veneers, Kronen, Quadrantenversorgungen, Freiend-, Frontzahn-, Molaren- und Adhäsiv-Brücken, Aufbissschienen für Bisslageänderungen, Table Tops, chirurgische Bohrschablonen sowie emergenzprofilierte Suprastrukturen für Implantatversorgungen von der Planung bis zur Eingliederung. Vorgestellt und vertieft wurden die keramik- und CAD/CAM-gerechte Präparation, die Kastenelevation im Dentin, das Scan-Prozedere und die digitale Registrierung der Kiefer, die Modellherstellung sowie das virtuelle Artikulieren. Einen besonderen Schwerpunkt erhielt die softwaregestützte Konstruktion mittels der Applikationen Biogenerik und Biokiefer, die imstande sind, patientenspezifische Zahnformen aus dem „Restzahngedächtnis“ in das Konstruktionsdesign des neuen Zahnersatzes zu übernehmen und funktionelle Situationen zu berücksichtigen.

Für die „Königsdisziplin Frontzahnkronen“ wurden 2 Webinare genutzt. Zur Erfüllung hoher ästhetischer Ansprüche wurden spezielle Techniken zur Individualisierung und Charakterisierung des Zahnbildes demonstriert.

Mehr Wissen im Homeoffice

Mit der Werkstoffauswahl beschäftigten sich 3 Webinare, spezifiziert nach den Indikationen und Anforderungen an die Belastbarkeit und Ästhetik. Dadurch gelang es dem Moderator, anhand der Eigenschaften der Materialien und deren klinischen Bewährung einen differenzierten Überblick anbetrachts der Vielfalt der verfügbaren Werkstoffe zu schaffen.

Allein schon die Differenzierung der Zirkonoxid-Keramiken bewies, dass diese Werkstoffgruppe – aufgelegt für K+B-Gerüste und monolithische Restaurationen –sehr unterschiedliche lichtbrechende Eigenschaften und Festigkeitswerte bieten und Kenntnisse der Sinterbedingungen für die Transluzenz erfordern. Demonstriert wurde auch die Konditionierung von Zirkonoxid- Oberflächen für die keramische Bemalung. Zur Optimierung der Ästhetik stellte Kurbad das „Micro-Veneering“ mit thixotropen, aufbrennkeramischen Lusterpasten vor, die Chroma, Glanz und Fluoreszenz von Zirkonoxid erheblich steigern können.

Einen Peak an Teilnehmern löste das Webinar „rund um die Abutment-Krone“ aus. Als entscheidendes Bindeglied zwischen Implantat und Krone beschrieb Kurbad die Unterschiede zwischen konfektionierten Abutments, Hybrid-Abutments, zweiteiligen Systemen mit Metallinsert auf Klebebasis, monolithischen Abutments aus Zirkonoxid, individuellen Emergenzprofilen sowie die Eignung von verklebten und verschraubten Suprastrukturen. Die Empfehlung, dass mit der Verschlankung der Suprastruktur einer eventuellen Rezession des Weichgewebes und damit ein Sichtbarwerden des Abutments vorgebeugt werden kann, fand im anschließenden Chat breite Zustimmung.

Die Hybridkeramik

Aus Sicht der Teilnehmeranzahl war das Webinar zur „Hybridkeramik“ ein weiterer Höhepunkt. Als Co-Moderator konnte der Produktentwickler der polymerpenetrierten Feldspatkeramik (Enamic, Vita Zahnfabrik) die werkstofflichen und klinischen Eigenschaften vorstellen. Der Verbund von Netzwerkkeramik und infiltriertem Kunststoff bietet ein dentinähnliches Elastizitätsmodul und ist als Restauration in der Lage, neben der Biegefestigkeit von 180 MPa hohe Kaukräfte, die auf Restzahn und Periodontium einwirken, zu kompensieren. Diese „stoßdämpfende“ Wirkung ist geeignet, die Krafteinleitung auf Kronen und osseointegrierten Implantatpfeilern mit fehlenden Propriorezeptoren zu mildern.

  • Im Webinar vielbeachtet waren die Malkurse zur Steigerung und Individualisierung der Ästhetik diverser Restaurationswerkstoffe (hier e.max CAD vor Kristallisierung).

  • Im Webinar vielbeachtet waren die Malkurse zur Steigerung und Individualisierung der Ästhetik diverser Restaurationswerkstoffe (hier e.max CAD vor Kristallisierung).
    © CMC
Einen breiten Rahmen, als Appendix verteilt über mehrere Webinare, bot Kurbad dem „Super-Malkurs“ – der optischen Veredlung von Restaurationen aus Glaskeramik, Zirkonoxid, Hybridkeramik und keramikverstärkten CAD-Kompositen. Hierbei wurden unterschiedliche Mal- und Glasursysteme und deren Anwendung vorgestellt mit dem Ziel, zusammen mit differenzierten Poliertechniken eine höchstmögliche, naturidentische Ästhetik zu erreichen.

Webinare – ein Erfolgsrezept für die Zukunft?

Was ist das Fazit der Webinare der Cerec Masters aus Sicht der Teilnehmer und Veranstalter? Der Anstieg der Kursbesucher und die Reichweite der Website-Kontakte zeigten, dass das Interesse an Basisinformationen zu Werkstoffen, zum CAD/CAM-Einsatz in Kons und Prothetik, an „Tipps und Tricks“ zur Verbesserung der Ästhetik, besonders für Zirkonoxid, trotz der Covid-Krise ungebrochen ist.

Als „Einzelkämpfer“ in der Praxis sind Zahnärzte zwar gewohnt, selbstständig Entscheidungen zu treffen und Erfahrungen zu sammeln. Andererseits zeigen die Präsenzkurse des Cerec Masters Clubs, dass der Meinungsaustausch eine große Rolle spielt anbetrachts der dynamischen Entwicklungen bei Materialien und Behandlungsverfahren. Stellvertretend für die vielen Fragen im Chat zeigte sich, dass die Interaktion mit Response in den Webinaren für die Teilnehmer ein wesentlicher Faktor ist, Problemstellungen dicht am Thema schnell und direkt zu ventilieren. Hierbei spielt auch die Animation für Kontakt und Response eine entscheidende Rolle, die es ermöglicht, auch anonym Fragen dem Referenten zu stellen, die niemals in einem Präsenz-Symposium coram publico über die Lippen gekommen wären.

Ein Key-Learning ist auch, dass Webinare den Teilnehmer virtuell am Arbeitsplatz antreffen und Lösungen direkt in die Praxisplanung übertragen werden können. Webinare sind ökonomisch sinnvoll, erfordern logistisch keine zeitraubende Anfahrt und teure Unterkunft und die Vorträge können wiederholt vom Server abgerufen werden. „Sehen – Hören – Realisieren“ sind hier in einem Medium wirkungsvoll vereint.

Sicherlich – Präsenzkurse bieten nachvollziehbare Vorteile: Kollegen treffen, Netzwerk- und Kontaktpflege, multiple Gespräche, Nähe zu Referenten, berufsständische Diskussionen, kulturelle Begleitprogramme – aber auch Zeitaufwand und Kosten.

Wenn jedoch Synergien verschmolzen werden, kann daraus ein Mehrwert entstehen. Die Protagonisten der Webinare im Cerec Masters Club planen deshalb, Präsenzkurse und Symposien im Wechsel mit virtuellen Fortbildungen zu verbinden, um dadurch Vortragsinhalte in die Praxis zu transportieren. So wird z.B. der Cerec-Tag 2020, der am 18. und 19. September in Düsseldorf körperlich stattfindet, durch nachfolgende Webinare ergänzt. Dadurch können Präsenzbeiträge jederzeit im Homeoffice nochmals aufgerufen und vertieft werden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Manfred Kern