Digitale Praxis


Meine ersten Schritte hin zur digitalen Praxis

© Alexander Fischer
© Alexander Fischer

Die Digitalisierung schreitet permanent voran, sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich und jeder von uns geht anders damit um. Auch der Zahnarzt und Praxisinhaber steht vor der Entscheidung, wenn nicht schon geschehen, wann und in welchem Ausmaß er den analogen Weg verlässt und den digitalen Weg beschreitet. Alexander Fischer, seit 2005 in eigener Zahnarztpraxis in Berlin niedergelassen und hauptsächlich implantologisch tätig, beschreibt nachfolgend seine ersten Schritte auf dem Weg hin zur digitalen Praxis.

Oft werde ich gefragt, ob man sich in der dentalen Welt zwischen einer analogen und digitalen Vorgehensweise entscheiden muss und ob die Digitalisierung eine Revolution darstelle. Aus meiner Sicht haben wir mit der fortschreitenden Digitalisierung Werkzeuge bekommen, die uns einerseits fordern, aber auch neue Möglichkeiten in unserem Praxisalltag eröffnen. Allerdings wird die Digitalisierung niemals dazu führen, dass wir unser Handwerk nicht mehr beherrschen müssen. Ein Profi bleibt ein Profi, ein Spezialist ein Spezialist.

Im Jahr 2002 begann ich zu implantieren; bis dato hatte ich Implantate nur prothetisch versorgt. Relativ schnell nutzte ich die Möglichkeit, über ein CT die Implantatposition digital zu planen (mit der Software Simplant und Nobel Guide). In erster Linie dachte ich, dass die Chirurgie somit leichter würde. Erst später begriff ich, dass ich auf diese Weise eine bessere prothetisch verwertbare Position des Implantates bestimmen und dem Zahntechniker somit bessere Voraussetzungen für seine Arbeit liefern kann. Seit geraumer Zeit ist die navigierte Implantation in meiner Praxis Standard.

Ein komplett digitaler Workflow wird möglich

Ähnlich war die Überlegung im Bereich der digitalen Planung von individuellen Abutments. Das Emergenzprofil eines konfektionierten Aufbaus ist kreisrund, während das Austrittsprofil der Zähne ein divergentes Muster hat. Diese Feststellung brachte mich zu der Überlegung, ausschließlich mit individuellen Abutments zu arbeiten. Nicht nur ein ästhetisch anspruchsvoller Frontzahn benötigt eine funktionelle Unterstützung, um die Ausformung des Sulkus und den Erhalt oder Wiedergewinn der Papillen zu gewährleisten, auch ein Seitenzahn benötigt diese, um „Schmutznischen“ zu vermeiden und die Chippinggefahr möglichst gering zu halten.

Der letzte und entscheidende Punkt war die Überlegung, wie man beides miteinander verbinden kann, um eine Sofortversorgung des Implantates mit einem endgültigen, individuellen Abutment zu erreichen und die möglichen Fehlerquellen eines analogen Abdrucks zu umgehen. Mithilfe der Simplant-Software konnte ich eine vorhersagbare Implantatposition planen, und mit dem Cerec-System war es möglich, einen digitalen intraoralen Scan von hoher Qualität zu erhalten. Ich matchte also die DICOM-Daten aus dem DVT mit den STL-Daten aus dem intraoralen Scan und bestellte mir, nachdem ich ein Implantat geplant hatte, nicht nur die Bohrschablone für die passgenaue Implantation, sondern auch ein Atlantis-Abutment. Über den Datensatz des Abutments war es nun möglich, mir vom Labor über das Cerec-Gerät oder über Atlantis selbst eine provisorische Krone erstellen zu lassen – und dem Labor die Daten für die endgültige Krone für die Herstellung zu überlassen. Ich konnte von diesem Moment an ohne analoge Zwischenschritte eine Sofortversorgung mit dem endgültigen, individuellen Abutment und einer provisorischen Krone erhalten. „One-Abutment-One-Time“ funktioniert und erlaubt mir, das Einwachsen des Saumepithels in die Abutmentoberfläche zu gewährleisten, ohne dass diese Verbindung durch Herausdrehen von Bauteilen wieder zerstört wird.

Ein kompletter digitaler Workflow ist also möglich. Vergessen sollte man aber nicht, dass man auf das professionelle Handwerk eines zahntechnischen Labors trotzdem nicht verzichten sollte. So wie die bildgebenden Verfahren (DVT) nicht die augmentativen Spezialtechniken eines Chirurgen ersetzen, der einfach viel besser erkennt, wenn ein Knochenaufbau nötig ist, so ist der digitale Workflow lediglich ein verbessertes Werkzeug, um die Zusammenarbeit von Zahnarzt und Labor effektiver zu gestalten. Abdrücke müssen nicht wiederholt, Werkstücke nicht umsonst angefertigt und Patienten nicht mehrfach einbestellt werden. Allerdings müssen sich auch alle Parteien mit den neuen Techniken auseinandersetzen, wobei die Absprachen bei Weitem nicht so zeitintensiv sind wie in der analogen Welt.

Eine Digitalisierung setzt Teamarbeit voraus

Zwei Dinge möchte ich meinen Kollegen aus der Zahnärzteschaft gerne ans Herz legen:

  1. Ein Gerätekauf sollte wohl überlegt und durchdacht werden. Oft zahlt es sich aus abzuwarten; es muss nicht sofort die Marktneuheit erworben werden. Ich ließ z.B. meine ersten 3D-Aufnahmen in einem Röntgenzentrum anfertigen. Erst als mein „altes“ analoges OPTG irreparabel war, entschloss ich mich dazu, mir ein 2D/3D-Kombigerät zu kaufen. Machen Sie einen Schritt nach dem anderen.
  2. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass das Praxisteam auf die digitale Reise mitgenommen wird. Nur wenn z.B. Arbeitsschritte – wie das Scannen mit dem Intraoralscanner – delegiert werden, wird das Team nicht nur erfolgreich sein, sondern auch zufrieden.

  • Eine 3D-Bilddiagnostik möchte ZA Fischer nicht mehr missen.

  • Eine 3D-Bilddiagnostik möchte ZA Fischer nicht mehr missen.
    © Alexander Fischer
Die Digitalisierung schließt bei mir auch sämtliche Vorgänge oder Abläufe der Praxis ein: Mit der Zahnarztsoftware Charly starteten wir schon mit der Praxisgründung. Die Abrechnung, die Zeiterfassung, die Terminplanung und der Recall sowie ein Management- Informations-System und Auswertungen laufen über dieses Programm. Weitere digitale Bausteine folgten sukzessiv. So erfolgen die Materialverwaltung über Wawibox, die Dokumentation und Patientenaufklärung mit dem Kommunikationstool infoscop von Synmedico und in der Endodontologie nutzen wir EndoIQ von Dentsply. Mit ihr dokumentieren wir die komplette Wurzelbehandlung einschließlich Messungen, Instrumentenfolge und aufgebrachten Torque. Über Parostatus in charly wird die PA samt Vor- und Nachbehandlung und Patienteninstruktionen dokumentiert und festgehalten, sodass der Patient anhand der gesammelten Daten seine Entzündung und deren Verlauf selbsterklärend verfolgen kann.

Wöchentlich anberaumte Teamsitzungen helfen bei der Abwicklung digitaler Projekte und Prozesse. Hierbei auftretende Scheu oder Ängste der Mitarbeiter sind vom Praxisinhaber ernst zu nehmen und durch gemeinsame Schulungen konsequent abzubauen. Für mich bringt derzeit die Kombination digitaler und noch analoger Prozessketten für den Praxisalltag große Vorteile im Hinblick auf die Genauigkeit, Nachhaltigkeit, Schnelligkeit und Kommunikation. Ich kann Prozesse kreieren, die vorteilhaft für den Patienten sind, sodass die beste Wirkung – das Lächeln des Patienten – gewährleistet bleibt.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Alexander Fischer


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