Digitale Praxis

Anwendung einer neuen Kamera mit Wechselobjektiven in der Praxis

„Drei kluge Köpfe“ unterstützen die Kariesdiagnostik

Die klinische Ausgangssituation: Intraoralaufnahme mit Verfärbung an Zahn 15.
Die klinische Ausgangssituation: Intraoralaufnahme mit Verfärbung an Zahn 15.

Das Herausragende an der in diesem Jahr eingeführten Kamera VistaCam iX HD von Dürr Dental zur Unterstützung der Kariesdiagnostik lässt sich kurz zusammenfassen: eine Schnittstelle, drei diagnostische Möglichkeiten. Wie dies in der Praxis zum Tragen kommt, veranschaulicht die folgende Darstellung eines Patientenfalls.

Wir verwenden in unserer Praxis digitale Kamerasysteme bereits seit 2003. Damals stellten wir immer wieder fest, dass sich Befunde in der Kariesdiagnostik allein mithilfe von Röntgenbildern den meisten Patienten nicht sinnvoll erläutern ließen – zu abstrakt, zu weit weg von den alltäglichen Sehgewohnheiten. Gleichzeitig wurde die Patientenaufklärung mit den Jahren immer wichtiger, nicht zuletzt infolge gesetzgeberischer Maßnahmen (Patientenrechtegesetz). Auch wir Zahnärzte stoßen mit der Röntgenaufnahme in der Kariesdiagnostik an gewisse Grenzen. Nicht immer können wir damit kleine Oberflächenläsionen oder kleine bis mittlere Approximalläsionen sicher erkennen. Nun sind über die intraorale Aufnahme hinaus über die letzten Jahre zwei Technologien hinzugekommen, die uns zusätzliche Möglichkeiten geben: die Fluoreszenzaufnahme und, erst kürzlich, die Infrarotaufnahme. Alle drei Funktionen vereint die neue Vista-Cam iX HD (Dürr Dental, Bietigheim-Bissingen). Als Zahnarzt arbeitet man dabei mit drei Wechselobjektiven – und so greifen die komplementären Bildinformationen im konkreten Fall zu diagnostischen Zwecken ineinander.

Sicher diagnostiziert – vollständig exkaviert 

Der Patient stellte sich in unserer Praxis mit einer okklusalen Verfärbung an Zahn 15 vor (Abb. 1). Für eine weitergehende Beurteilung fertigten wir eine Infrarotaufnahme an (Proxi-Wechselkopf). Der opak aufgehellte Bereich im distalen Approximalraum legte einen Verdacht auf Karies nahe (Abb. 2). Ein zum Vergleich angefertigtes Röntgenbild bestätigte diesen Verdacht (Abb. 3). Dem Patienten konnten wir den Behandlungsbedarf an Zahn 15 (Kariesentfernung und Restauration mit Komposit) anhand des Infrarotbildes verständlich machen. Während des Eingriffs nutzten wir die Möglichkeit zur intraoperativen Karieskontrolle (Proof-Wechselkopf). Direkt nach der Eröffnung zeigten sich rote Bereiche im Approximalraum (= Karies, Abb. 4). Die dabei stehende Zahl 1,8 deutete auf eine tiefgehende Schmelzläsion. Der Defekt war umgeben von gesundem Schmelz (grün). Die Kontrollaufnahme nach Kariesexkavation dokumentierte eine komplette Entfernung der befallenen Zahnhartsubstanz (Abb. 5). Die klinische Situation zum Behandlungsabschluss hielten wir, wie die „Vorher-Aufnahme“, in einem Intraoralbild fest (CAM-Wechselkopf, Abb. 6). Die zu Beginn auffällige okklusale Verfärbung an Zahn 15 erwies sich als nicht behandlungsbedürftig und konnte durch eine einfache Politur entfernt werden.

  • Abb. 1: Die klinische Ausgangssituation: Intraoralaufnahme mit Verfärbung an Zahn 15.
  • Abb. 2: Die Infrarotaufnahme legt einen Verdacht auf Approximalkaries nahe.
  • Abb. 1: Die klinische Ausgangssituation: Intraoralaufnahme mit Verfärbung an Zahn 15.
  • Abb. 2: Die Infrarotaufnahme legt einen Verdacht auf Approximalkaries nahe.

  • Abb. 3: Zum Vergleich das Röntgenbild: Es bestätigt die Approximalkaries an Zahn 15.
  • Abb. 4: Intraoperative Kontrolle direkt nach der Eröffnung: Das Falschfarbenbild, aufgenommen mit dem Fluoreszenz-Wechselobjektiv, erleichtert die Unterscheidung zwischen dem kariösen Bereich an Zahn 15 (rot) und dem gesunden Schmelz (grün).
  • Abb. 3: Zum Vergleich das Röntgenbild: Es bestätigt die Approximalkaries an Zahn 15.
  • Abb. 4: Intraoperative Kontrolle direkt nach der Eröffnung: Das Falschfarbenbild, aufgenommen mit dem Fluoreszenz-Wechselobjektiv, erleichtert die Unterscheidung zwischen dem kariösen Bereich an Zahn 15 (rot) und dem gesunden Schmelz (grün).

  • Abb. 5: Intraoperative Kontrolle: Die kariösen Bereiche sind vollständig entfernt.
  • Abb. 6: Intraoralaufnahme zum Behandlungsabschluss: die definitive Füllung an Zahn 15.
  • Abb. 5: Intraoperative Kontrolle: Die kariösen Bereiche sind vollständig entfernt.
  • Abb. 6: Intraoralaufnahme zum Behandlungsabschluss: die definitive Füllung an Zahn 15.

Ein weites Feld von diagnostischen Möglichkeiten 

Diagnose von Approximalkaries mithilfe von Infrarotaufnahmen, intraoperative Karieskontrolle mit dem Fluoreszenz-Falschfarbenbild, Patientenaufklärung über die Intraoralaufnahme – damit veranschaulicht dieser Patientenfall eine ganze Reihe von Möglichkeiten, welche die neue Wechselkopfkamera bietet. Die Anwendungsgebiete gehen aber noch darüber hinaus. So lassen sich über eine Fluoreszenzaufnahme Okklusal- und Glattflächenkaries erkennen. In Zweifelsfällen (Behandlungsbedarf oder nicht?) können Verlaufskontrollen durchgeführt werden. So werden unnötige Behandlungen vermieden. Dem Patienten gegenüber kann nach unserer Erfahrung eine notwendige Therapie gerade mit dem Falschfarbenbild unmittelbar einsichtig gemacht werden. Die schwarzweiße Infrarotaufnahme kann er im Allgemeinen nicht „mit einem Blick“ verstehen, aber mit mündlichen Erläuterungen und durch Vergleich mit Intraoralaufnahmen am Monitor – wie auch im oben dargestellten Fall – wird auch ein solches Bild verständlich. Die meisten Schwierigkeiten bereitet dem Patienten die Interpretation einer Röntgenaufnahme. Anhand einer Infrarotaufnahme können wir ihm aber zumindest erläutern, warum sie im Einzelfall erstellt werden muss. Während Initialkariesläsionen im Approximalbereich oft sogar besser als im Röntgenbild zu erkennen sind (z. B. in der typischen Dreiecksform), kann die Interpretation bei tiefgehender, bis ins Dentin reichender Karies oder bei Füllungen und Inlays schwierig werden. Der Grund liegt darin, dass Dentin wie kariöse Läsionen opak erscheint und Komposite die Infrarotstrahlung nicht passieren lassen.

Schlussfolgerung für die Kariesdiagnostik 

Um die Möglichkeiten der drei Wechselobjektive auszuschöpfen, sollte man sich einmal klarmachen, inwieweit sich die Informationen ergänzen. Bei der Erfassung von Karies schon im Anfangsstadium hilft die Fluoreszenzaufnahme auf Okklusalund Glattflächen, während die Infrarotaufnahme Approximalkaries sichtbar macht. Die Röntgenaufnahme erübrigt sich damit in vielen Fällen, was beim Patienten gut ankommt. „Keine Strahlenbelastung“ – das empfindet er in der Regel als Plus. Während der Kariesexkavation helfen Fluoreszenzaufnahmen. In früheren Zeiten haben wir dazu Färbeflüssigkeiten verwendet und mussten jeweils deren Einwirkzeit abwarten – es war einfach keine Option, die wir als ideal empfanden. Mit der Fluoreszenzaufnahme fühlen wir uns heute gerade beim Arbeiten im nervnahen Bereich sicherer und können die Entfernung von „Restkaries“ auch forensisch einwandfrei dokumentieren. Rein praktisch gesehen bedeutet die Ausführung dreier diagnostischer Möglichkeiten in einer einzigen (Wechselkopf )Kamera eine nicht zu unterschätzende Arbeitserleichterung. Ich brauche weniger Platz und muss nicht nach verschiedenen Geräten greifen, die rechts, links und hinter mir liegen, sondern ich habe meine kompakte „Diagnosekamera für alles“ in der Hand, solange ich sie benötige, und ansonsten liegt sie griffbereit an ihrem Ort.

Auch die Prophylaxe wird erfolgreicher 

Über die kariesdiagnostischen Möglichkeiten hinaus lassen sich mit dem Fluoreszenz-Wechselkopf auch Plaque und Zahnstein visualisieren. Das hilft unserem Prophylaxe-Team in der Patientenaufklärung enorm weiter. Patienten, die sich noch nie einer konsequenten professionellen Prophylaxe unterzogen haben, sehen schnell, wie wichtig das ist. Den Skeptiker überzeugt die Gegenüberstellung von „Vorher-/Nachher-Aufnahmen“. Hier wird ihm klar: „Es wurde Plaque entfernt, die ich mit meiner häuslichen Mundhygiene nicht erfasst habe.“ Ist der Nutzen erst einmal erkannt, halten diese Patienten im Anschluss auch die Recall-Termine gewissenhafter ein.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. med. dent. Jens-Christian Hanf

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. med. dent. Jens-Christian Hanf