Digitale Praxis


Digitale Abformung mit breitem Anwendungsspektrum

Der iTero-Element-Scanner von Align Technology.
Der iTero-Element-Scanner von Align Technology.


Neue Materialien und entsprechende Herstellungsprozesse haben dazu geführt, dass viele zahntechnischen Labore mittlerweile in einem digitalen Workflow arbeiten. Dennoch zögern viele Zahnärztinnen und Zahnärzte beim letzten Schritt der Digitalisierung im Herstellungsprozess von Zahnersatz – der digitalen Abformung. Dabei bieten moderne Intraoralscanner hohe Genauigkeit und ein breites Anwendungsspektrum von Einzelzahnrestaurationen bis hin zu Ganzkieferversorgungen und großen Implantatarbeiten. Was können die Gründe dafür sein?

Präzision durch Studien belegt

  • Abb. 1: Digitale Abformungen erfordern signifikant weniger Neuanfertigungen aufgrund schlechter Passung.

  • Abb. 1: Digitale Abformungen erfordern signifikant weniger Neuanfertigungen aufgrund schlechter Passung.
An der Genauigkeit der digitalen Abformtechnik kann es nicht liegen: Mittlerweile wurde in einer Studie belegt, dass die digitale Abformung den klassischen Abformungen meist überlegen ist [1]. Dies galt bisher vor allem für die Einzelzahnversorgung und kleinere Brücken; doch inzwischen sind Scans auch für Ganzkieferversorgungen, große Implantatarbeiten oder auch für die Aufbiss-Schienentherapie möglich.

Das zahntechnische Labor Stroh & Scheuerpflug in Ansbach hat über vier Jahre im Rahmen einer Studie [2] rund 2.500 digital abgeformte Restaurationen mit Restaurationen aus konventioneller Abformung verglichen (Abb. 1). Das Ergebnis zeigt deutlich: Die Notwendigkeit der Neuanfertigung einer prothetischen Arbeit aufgrund schlechter Passung sank von rund 3,5 % bei konventionellen Abformungen auf rund 0,5 % bei digitalen Abformungen. Diese Zahlen decken sich mit den klinischen Erfahrungen in meiner Praxis.

Kriterien bei der Wahl eines Intraoralscanners

Auf dem Markt sind zahlreiche Intraoralscanner verschiedener Anbieter erhältlich, die sich teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Welche Kriterien sind jedoch ausschlaggebend, um sich für das eine oder das andere Gerät zu entscheiden? Zu berücksichtigen sind vor allen Dingen die Genauigkeit, die Scangeschwindigkeit, die Datenverfügbarkeit, das Handling, die Schnittstellen und die Software-Tools.

Seit annähernd zwei Jahren gibt es den „iTero Element“ der Firma Align Technology, der als universell einsetzbares Gerät für den restaurativen und kieferorthopädischen Einsatz konzipiert wurde.

Er zeichnet sich durch die Genauigkeit der Abformung aus, was in zahlreichen Untersuchungen zur Präzision und Richtigkeit belegt werden konnte [1].

Die Scandarstellungen in Abbildung 2a und b verdeutlichen die Unterschiede. Eine präzise, zeichnungsscharfe Darstellung ist Grundlage für die Fertigung eines Zahnersatzes mit hoher Genauigkeit.

Die Softwaretools, die dem Anwender nach dem Scanvorgang zur Bearbeitung zur Verfügung stehen, sind sehr hilfreich. So kann unmittelbar nach Abschluss des Scans das für die Restauration zur Verfügung stehende Platzangebot anhand einer Farbskala kontrolliert und bei Bedarf korrigiert werden.

  • Abb. 2 a u. b: Die hohe Auflösung der STL-Datei beim iTero-Element und die dadurch gegebene Zeichnungsschärfe (links) gegenüber dem Ergebnis eines anderen Scanners (rechts) ist die Voraussetzung für die Genauigkeit und Passung des zu fertigenden Zahnersatzes (beispielhafte Abbildung).
  • Abb. 3: Der vorgegebene Scanpfad sollte mit Blick auf ein präzises Ergebnis unbedingt eingehalten werden.
  • Abb. 2 a u. b: Die hohe Auflösung der STL-Datei beim iTero-Element und die dadurch gegebene Zeichnungsschärfe (links) gegenüber dem Ergebnis eines anderen Scanners (rechts) ist die Voraussetzung für die Genauigkeit und Passung des zu fertigenden Zahnersatzes (beispielhafte Abbildung).
  • Abb. 3: Der vorgegebene Scanpfad sollte mit Blick auf ein präzises Ergebnis unbedingt eingehalten werden.

  • Abb. 4: Scanstrategie des iTero Element.
  • Abb. 4: Scanstrategie des iTero Element.

Ein eventueller Neuscan des Zahnes ist nicht erforderlich, denn durch eine Ausschneide-Funktion kann nur ein möglicherweise zu korrigierender Bereich nachgescannt werden. Diese Funktion ist bei eventuellen Fehlstellen an der Präparationsgrenze hilfreich.

Weitere wesentliche Pluspunkte des iTero Element sind der vorgegebene Scanpfad und die zugrunde liegende Scanstrategie (Abb. 3). Die Abform-Genauigkeit ist sehr stark von der Qualität des Scanpfads abhängig; daher sollte grundsätzlich dieser vom Hersteller vorgegebene Scanpfad eingehalten werden, vor allem bei Ganzkieferscans (Abb. 4).

Intelligente Scanstrategie

Die Scanstrategie des iTero Element lässt die Abformung großer prothetischer Restaurationen zu. Die präparierten Zähne werden zunächst einzeln in hoher Auflösung gescannt. Danach werden diese einzelnen Scans in einen Gesamtscan eingerechnet, der die gesamte Kiefersituation inklusive der Präparationen darstellt. Dies bietet den Vorteil, dass man beim Scanvorgang – gerade bei der Präparation mehrerer Pfeiler – sich jedem einzelnen Pfeiler widmen kann und somit die notwendigen Retraktionsmittel erst kurz vor dem Scan entfernen muss. Andere Intraoralscanner beschränken sich auf die Möglichkeit eines Scans der Gesamtsituation.

Wie bei der klassischen Abformung lassen sich mehrere präparierte Zähne kaum gleichzeitig trocken und blutungsfrei halten. Deshalb ist es im Anschluss erforderlich, den Scan durch Ausschneiden und eventuelles Nachscannen der Fehlstellen an den Präparationsgrenzen zu korrigieren.

Ganzkiefer- und Implantatversorgungen

Nicht immer ist die genannte Möglichkeit eines Scans vor der Präparation mit anschließendem Ausschneiden der zu scannenden Region und dem folgenden Einrechnen der präparierten Pfeilerzähne ausreichend. Durch etliche nebeneinander liegende Präparationen und das Einrechnen der Präparationen in einen Scan kann dies zu Ungenauigkeiten aufgrund mangelnder Informationen über den umgebenden Bereich führen.

Der iTero Element eignet sich aufgrund der besonderen Scanstrategie sehr gut zum Scannen von Ganzkiefersituationen. Diese Option ist nicht nur als Basis für die Herstellung von Zahnersatz hilfreich, sondern ebenso für die Therapie mit Aufbiss-Schienen oder als Grundlage zur Herstellung von Bohrschablonen für die Implantologie.

Bei der Abformung von Implantatversorgungen zeigen sich weitere große Vorteile des intraoralen Scannens. Mit konventionellen Methoden war die Übertragung der Implantatsituation im Mund für Patienten und Arzt häufig unkomfortabel und schwierig. Auch ließ sich durch lange Übertragungspfosten gerade im Molarenbereich die Abformung häufig nicht problemlos entfernen. Oftmals war die Abformung von Implantaten und Zähnen nicht in allen Bereichen präzise, was Wiederholungen der Abformung notwendig werden ließ.

  • Abb. 5 und 6: Implantatabformung mit dem iTero Element.

  • Abb. 5 und 6: Implantatabformung mit dem iTero Element.
Diese Probleme entfallen bei der digitalen Abformung. Der iTero Element bietet die Möglichkeit, zunächst den Restkiefer inklusive der offenen Implantatschraube zu scannen, um das Emergenzprofil darzustellen (Abb. 5 u. 6). Anschließend wird ein zum Implantatsystem und zur Implantatgröße passender Scanpfosten eingeschraubt, um die Implantatposition zu übertragen. Dieser wird ebenfalls gescannt. Die Software des Scanners rechnet diesen automatisch in den ersten Scan ein.

Somit stehen dem zahntechnischen Labor neben der genauen Position des Implantates im Kiefer auch Informationen zum umgebenden Gewebe zur Verfügung.

Nach Abformung des Gegenkiefers und der digitalen Bissnahme ist die Abformung beendet. Falls weitere präparierte Zähne in dieser Abformung enthalten sind, können diese – wie oben beschrieben – einzeln präzise abgeformt und sofort im Monitor überprüft werden. Wichtig ist hierbei, dass das Labor über die Masterliste des Implantatsystems verfügt.

Abstimmung mit dem Labor

Nach der abschließenden Kontrolle werden die Scandaten an das Align Technology Service Team übermittelt und dort bearbeitet. Sie erscheinen anschließend im iTero zertifizierten zahntechnischen Labor und können dort weiterverarbeitet werden. Das gemeinsame Festlegen der Präparationsgrenzen durch den Zahnarzt und den Zahntechniker via Fernzugriff auf den Rechner des Labors erhöht die Qualität der Restaurationen.

Der Umstieg auf die digitale Abformung bedingt eine Umstellung des Workflows sowohl in der Praxis als auch im zahntechnischen Labor. Dieser neue Workflow muss zwischen beiden Partnern detailliert besprochen werden, um die Notwendigkeiten und Probleme der Beteiligten kennenzulernen.

Fazit

Um Patienten heutzutage präzise und komfortabel zu behandeln, ist die digitale Abformung inzwischen state of the art. Der iTero Element der Firma Align Technology ist ein Intraoralscanner, der aufgrund seiner technischen Ausführung in der Praxis universell einsetzbar ist und in unserer Praxis auch bei großen Restaurationen oder Implantatversorgungen sehr präzise Ergebnisse liefert.

Quellen:
[1] Studie der DGDOA 2015, www.dgdoa.de. Dr. Wolfgang Baresel, Dr. Ingo Baresel und Dr. Jens Baresel.
[2] Florian Schmidt, ZT Labor Stroh&Scheuerpflug, 2016, www.dgdoa.de.
 

Interessierte können den Scanner auf der IDS bei Align Technology in Halle 2.2, E 010/F 029 in Augenschein nehmen.

 

 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Ingo Baresel