Digitale Praxis


CEREC versus Straumann: Welche Teilkrone passt besser? – Teil 2


Nachdem im vorangegangenen Heft unter demselben Titel ein Fall vorgestellt wurde, in dem eine CEREC-Teilkrone zur Eingliederung kam, lesen Sie ein ähnliches Fallbeispiel – eine definitive Versorgung nach einer Wurzelkanalbehandlung – jedoch wird bei diesem Fall die Laborarbeit von Straumann eingegliedert.

 

 

 

 

Fallbericht

Bei der 45-jährigen Patientin war nach sekundärkariesbedingter Entfernung einer existierenden Gold-Teilkrone und Revision der darunter befindlichen Wurzelfüllung eine Neuversorgung indiziert.

Abbildung 1 verdeutlicht die Ausgangssituation, die präendodontologische Aufbaufüllung (Rebilda, VOCO) mit der ebenfalls mit Rebilda verschlossenen Trepanationsöffnung. Aus Abbildung 2 ist die Präparationsfläche ersichtlich. Im distalen Bereich wurde im Rahmen einer Kavitätenbodenelevation eine kleine approximale Kompositrestauration (Optibond FL/Kerr, Venus Diamond Flow Baseliner, Venus Diamond A3/Heraeus Kulzer) eingebracht und in die Präparation einbezogen. Die blaue Kompositabdeckung der Wurzelfüllung in Form des blauen Aufbaukomposits blieb bestehen. Auch in diesem Fall wurden zwei Abformungen angefertigt. Abbildung 3 zeigt das Labormodell für die CEREC-Erstellung, die Abbildung 4 den verwendeten CEREC-Lava-Ultimate-Block (Farbe A3, Blockgröße I).

  • Abb. 1: Präendodontologische Aufbaufüllung (Rebilda, VOCO) mit der ebenfalls mit Rebilda verschlossenen Trepanationsöffnung des Zahnes 16 vor adhäsiver Teilkronenpräparation.
  • Abb. 2: Präparierte „Table-Top“-Kavität zur Aufnahme einer adhäsiven Teilkrone mit distaler Kavitätenbodenelevation.
  • Abb. 1: Präendodontologische Aufbaufüllung (Rebilda, VOCO) mit der ebenfalls mit Rebilda verschlossenen Trepanationsöffnung des Zahnes 16 vor adhäsiver Teilkronenpräparation.
  • Abb. 2: Präparierte „Table-Top“-Kavität zur Aufnahme einer adhäsiven Teilkrone mit distaler Kavitätenbodenelevation.

  • Abb. 3: Labormodell für die CEREC-Erstellung.
  • Abb. 4: Der verwendete CEREC-Lava-Ultimate-Block.
  • Abb. 3: Labormodell für die CEREC-Erstellung.
  • Abb. 4: Der verwendete CEREC-Lava-Ultimate-Block.

  • Abb. 5: Die daraus geschliffene Teilkrone – noch komplett unbehandelt.
  • Abb. 6: Angefertigte CEREC-Teilkrone auf dem Labormodell in Okklusalansicht.
  • Abb. 5: Die daraus geschliffene Teilkrone – noch komplett unbehandelt.
  • Abb. 6: Angefertigte CEREC-Teilkrone auf dem Labormodell in Okklusalansicht.

  • Abb. 7: Angefertigte CEREC-Teilkrone auf dem Labormodell in Bukkalansicht.
  • Abb. 8: Die aus demselben Labor wie aus Fall 1 stammende Straumann-Teilkrone.
  • Abb. 7: Angefertigte CEREC-Teilkrone auf dem Labormodell in Bukkalansicht.
  • Abb. 8: Die aus demselben Labor wie aus Fall 1 stammende Straumann-Teilkrone.

Die angefertigte CEREC-Teilkrone (Abb. 5) zeigte eine gute Passung auf dem Labormodell (Abb. 6 und 7). Die Abbildung 8 präsentiert die aus dem Labor (Labor Steinacker, Wiesbaden) stammende Teilkrone, die Abbildungen 9 und 10 die Passung auf dem Modell sowie Abbildung 11 den direkten Vergleich beider Teilkronen in Okklusalansicht. Auch hier sind wiederum unterschiedliche Okklusionsinterpretationen erkennbar. Beide Arbeiten passten vergleichbar präzise. Aufgrund der schöneren Oberflächengestaltung fiel im vorliegenden Fall die Wahl auf die Eingliederung der Laborkrone. Abbildung 12 zeigt die mit dem Permanentmarker bemalten abzustrahlenden Flächen, Abbildung 13 die abgestrahlte und gereinigte Lava-Ultimate-Teilkrone. Aufgrund der Einbeziehung der existierenden Kompositrestaurationen (approximale Füllungen sowie okklusale Abdeckung der WF) muss auch hier die Klebefläche intraoral mit Aluminiumoxid abgestrahlt werden (Abb. 14 und 15). Nach gründlicher Reinigung von allen Strahlmittelpartikeln erfolgte an beiden Approximalflächen die zervikale Abdichtung mithilfe von Teilmatrizen (Garrison) und Holzkeilen (KerrHawe, Bioggio, Schweiz). Die Teilmatrizen werden an ihrem okklusalen Rand mit einer Schere zweimal eingeschnitten. Dies erlaubt ein leichtes Aufbiegen und somit die Gestaltung einer Art „Einflugtrichter“. Würden zwei gegenüberliegende Teilmatrizen ohne solche Entlastungsschnitte eingesetzt, laufen diese okklusal des Zahnäquators (Zone der größten Zirkumferenz) wieder zusammen und erschweren die Einpassung des Werkstückes während der Klebung.

  • Abb. 9: Passung der Labor-Teilkrone auf dem Labormodell in Okklusalansicht.
  • Abb. 10: Passung der Labor-Teilkrone auf dem Labormodell in Palatinalansicht.
  • Abb. 9: Passung der Labor-Teilkrone auf dem Labormodell in Okklusalansicht.
  • Abb. 10: Passung der Labor-Teilkrone auf dem Labormodell in Palatinalansicht.

  • Abb. 11: Beide Teilkronen für den Zahn 16 in Okklusalansicht: rechts die Straumann-Teilkrone aus dem Labor, links die CERECTeilkrone.
  • Abb. 12: Die mit dem Permanentmarker bemalten abzustrahlenden Flächen der Straumann-Labor-Teilkrone.
  • Abb. 11: Beide Teilkronen für den Zahn 16 in Okklusalansicht: rechts die Straumann-Teilkrone aus dem Labor, links die CERECTeilkrone.
  • Abb. 12: Die mit dem Permanentmarker bemalten abzustrahlenden Flächen der Straumann-Labor-Teilkrone.

  • Abb. 13: Die abgestrahlte und gereinigte Lava-Ultimate-Teilkrone.
  • Abb. 14: Abstrahlen der Klebeflächen mit Kompositbasis in der Kavität mit Aluminiumoxid.
  • Abb. 13: Die abgestrahlte und gereinigte Lava-Ultimate-Teilkrone.
  • Abb. 14: Abstrahlen der Klebeflächen mit Kompositbasis in der Kavität mit Aluminiumoxid.

  • Abb. 15: Die abgestrahlte intraorale Klebefläche an Zahn 16.
  • Abb. 15: Die abgestrahlte intraorale Klebefläche an Zahn 16.

Im vorliegenden Fall wurde nach einer Schmelzätzung (Abb. 16) die Ätzung auf das Dentin ausgedehnt (Abb. 17). Es erfolgten somit eine 15- bis 60-sekündige Schmelzätzung sowie eine 15-sekündige Dentinätzung. Nach gründlichem Absprühen des Ätzgels und Trocknen der Kavität nach Vorgaben des „Wet Bonding“-Prinzips erfolgte die Applikation einer Schicht Scotchbond Universal auf alle Präparationsflächen des Zahnes (Abb. 18 und 19) als auch auf der Teilkronen-Klebefläche (Abb. 20). Auf beiden Flächen erfolgte keine Lichthärtung; das Adhäsiv wird über den im Befestigungskomposit RelyX Ultimate enthaltenen Aktivator gehärtet. Die Abbildung 21 zeigt die Überstandsentfernung vor der Polymerisation, Abbildung 22 die vom Befestigungsmaterial gesäuberte Teilkrone und Abbildung 23 die Lichtpolymerisation (20 s/Fläche, Elipar S10, 3M ESPE).

  • Abb. 16: Schmelzätzung mit 34%igem Phosphorsäuregel.
  • Abb. 18: Applikation einer Schicht Scotchbond Universal auf alle Präparationsflächen des Zahnes.
  • Abb. 16: Schmelzätzung mit 34%igem Phosphorsäuregel.
  • Abb. 18: Applikation einer Schicht Scotchbond Universal auf alle Präparationsflächen des Zahnes.

  • Abb. 17: Ergänzung der Ätzung auf die verbliebenen Dentinflächen.
  • Abb. 19: Die mit dem Adhäsivfilm überzogene Klebefläche des Zahnes.
  • Abb. 17: Ergänzung der Ätzung auf die verbliebenen Dentinflächen.
  • Abb. 19: Die mit dem Adhäsivfilm überzogene Klebefläche des Zahnes.

  • Abb. 20: Dieselbe Adhäsvschicht auf der Teilkrone – beides unpolymerisiert.
  • Abb. 21: Überstandsentfernung mithilfe eines Schaumstoff-Pellets.
  • Abb. 20: Dieselbe Adhäsvschicht auf der Teilkrone – beides unpolymerisiert.
  • Abb. 21: Überstandsentfernung mithilfe eines Schaumstoff-Pellets.

  • Abb. 22: Die mit RelyX Ultimate eingeklebte Teilkrone.
  • Abb. 23: Lichtpolymerisation (3 x 20 s, Elipar S10).
  • Abb. 22: Die mit RelyX Ultimate eingeklebte Teilkrone.
  • Abb. 23: Lichtpolymerisation (3 x 20 s, Elipar S10).

Abbildung 24 verdeutlicht das Endergebnis nach abgeschlossener Überstandsentfernung sowie intraoraler Nachpolitur nach kleineren Einschleifkorrekturen. Die Abbildung 25 zeigt dieselbe Situation bei einer Nachkontrolle nach einigen Wochen und Abbildung 26 eine am selben Tag vorgenommene Bissflügel-Röntgenaufnahme zur Diagnostik der Approximalräume im 4. Quadranten. Aus dieser Röntgenaufnahme ist die gute Röntgenopazität der Teilkrone sowie der approximaldistalen Kompositrestauration zur Elevation des Kavitätenbodens erkennbar.

  • Abb. 24: Die fertige Lava-Ultimate-Teilkrone von Straumann.
  • Abb. 25: Nachkontrolle der Teilkrone an Zahn 16 nach einigen Wochen.
  • Abb. 24: Die fertige Lava-Ultimate-Teilkrone von Straumann.
  • Abb. 25: Nachkontrolle der Teilkrone an Zahn 16 nach einigen Wochen.

  • Abb. 26: Bissflügel-Röntgenkontrolle rechts: Die Röntgenopazität des Lava-Ultimate-Materials kann als gut bezeichnet werden.
  • Abb. 26: Bissflügel-Röntgenkontrolle rechts: Die Röntgenopazität des Lava-Ultimate-Materials kann als gut bezeichnet werden.

Fazit

Beide Verfahrenstechniken waren in der Lage, präzise passende indirekte Restaurationen zu produzieren. Die individuellen Unterschiede in der anatomischen Form basieren sicherlich eher auf der Computerkonstruktion des Anwenders als auf individuellen Besonderheiten der einzelnen Systeme. Das Ergebnis dieses nicht repräsentativen Vergleichs kann man sowohl als „Straumann ist auch nicht besser als CEREC“ als auch als „CEREC ist genauso gut wie Straumann“ interpretieren. Wichtig ist hingegen, dass neben der bekannten Tatsache, dass CEREC funktioniert, für Nicht-CEREC-Anwender ebenso die Möglichkeit besteht, die identischen Materialien über das Labor ihres Vertrauens in CAD/CAM-Fertigung zu beziehen und einzugliedern. Positiv überrascht hat die jeweilige Laborrechnung: 155,00 Euro inklusive MwSt. und Lieferung. Wenn man bedenkt, dass der Lava-Ultimate-Block allein bereits 30 Euro Materialkosten verschlingt, ein fairer Preis! Es stellt sich die Frage, wieso für die beschriebenen Herstellungsmethoden ein gesägtes Labormodell benötigt wird. Der CEREC-Erstellung genügte ein ungesägtes Modell. Ein Argument mag sicherlich der Vorteil des Einzelstumpfes bei Ausarbeitung und Politur sein. Dies wäre bei einer klassischen Keramik sicherlich erforderlich, das Lava-Ultimate-Material lässt sich aber im Gegensatz zu Keramik so einfach und schnell polieren, dass ein Halten mit der Hand absolut möglich ist. Der finale Hochglanz sollte ohnehin erst nach der Eingliederung und nach einer eventuell notwendigen okklusalen Adjustierung aufgebracht werden. Falls auch bei dem Straumann-Verfahren auf ein Sägemodell verzichtet werden könnte und ein ungesägtes Modell ausreichen würde, könnten die Laborkosten sicherlich noch einmal um ein paar Euro reduziert werden. Im Vergleich zu einer Lithiumdisilikatkrone oder -teilkrone stellt sich bei dieser reinen CAD/CAM-Fertigung ein deutlicher Preisvorteil dar, der zwischen 100 und 200 Euro ausmachen kann. Wenn man bedenkt, dass der Patient unabhängig von der Art der labortechnischen Herstellung lediglich einen Festzuschuss erhält, bleibt die Einsparung 1 : 1 beim Patienten – der dürfte sich sicherlich über 100 Euro mehr in der Tasche freuen. Und das wird bei einer vergleichbaren Materialqualität erreicht, vorausgesetzt, das Material hält in vivo, was die In-vitro-Daten versprechen.

Derartige CAD/CAM-Verfahren, die keiner personal- und damit personalkostenintensiven Arbeiten bedürfen, sind das ideale Gegengewicht der deutschen Zahntechnik gegenüber der Konkurrenz aus Osteuropa und Asien – die Geräte und die Blöcke kosten überall auf der Welt dasselbe. Für derartige einfache zahnfarbene, nicht individualisierte Arbeiten im Seitenzahnbereich, welche die vorrangigen Versandobjekte ins Ausland darstellen, ist das vorgestellte Material sicherlich ein interessanter Werkstoff – für hochästhetische individualisierte Keramikarbeiten im Frontzahnbereich ist der Zahntechniker vor Ort nach wie vor unabdingbar.

Danksagung:

Mein herzlicher Dank gilt Herrn Oberarzt Dr. Helmut Dietrich aus der Poliklinik für Prothetik der Universitätsmedizin Mainz, der die CEREC AC zur Verfügung stellte und mir die Möglichkeit gab, die CEREC-Teilkrone mit der Schleifmaschine der prothetischen Abteilung zu erstellen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst