Digitale Praxis

Das 3D-Röntgen – Vernetzung und Integration

Backstage bei Dentsply Sirona

Das Dentsply Sirona Innovationszentrum in Bensheim.
Das Dentsply Sirona Innovationszentrum in Bensheim.

Zu Gast bei Dentsply Sirona: Unsere Mitarbeiterin hat sich das digitale Röntgen zeigen lassen, die Röntgensoftware ausprobiert und erfahren, wie der digitale Arbeitsprozess – ein Implantat von der Planung bis zur fertigen Prothetik – in drei Sitzungen chairside möglich ist.

Dentsply Sirona ist in der Region nicht irgend jemand. Wer dem Taxifahrer am Bensheimer Bahnhof sagt, er möchte zu „Sirona“, muss nicht weitersprechen. Wo das Unternehmen ist, weiß hier jedes Kind. Taxifahrer dürften die kurze Distanz zum Firmensitz bedauern, fahren sie doch so oft dort hin. Meist internationales Publikum. Vor kurzem sei eine ganze Abordnung von „Ölscheichs“ nach Bensheim gekommen, meint der Taxifahrer.

Bereits 1987 hatte das Unternehmen mit CEREC, das die Herstellung von keramischem Zahnersatz am Behandlungsstuhl ermöglichte, einen frühen Schritt in die Digitalisierung der Zahnarztpraxis getan. Der Vorteil: Die Versorgung der Zähne mit Inlays – später auch mit Kronen und Brücken – wurde in einer Sitzung möglich, mit voller Wertschöpfung in der Praxis. Am Stand der Digitalisierung gemessen ist 1987 gefühlte Lichtjahre entfernt. Heute will Dentsply Sirona wieder Vorreiter sein. Das Ziel ist, den Zahnärzten die Möglichkeit zu bieten, einen Patienten mit einem Implantat und entsprechender Restauration in drei Sitzungen zu versorgen. Das Unternehmen nennt das „Integrierte Implantologie“. Dies war auch ein Thema eines Journalisten-Trainings in Bensheim. Im Mittelpunkt stand das digitale Röntgen in 3D. Dies ist eine Voraussetzung für die „Integrierte Implantologie“.

Produktion: So sieht er nackt aus

Zur digitalen Dentsply Sirona-Welt gehören zahlreiche Geräte und Systeme, die in Bensheim entwickelt und auch hergestellt werden. Bensheim ist der größte Produktionsstandort von Dentsply Sirona. In den Produktionshallen werden Instrumente, Behandlungseinheiten, CAD/CAM-Systeme und Röntgengeräte hergestellt. Sebastian Schäfer, der als Leiter des technischen Trainings in der Sirona Dental Akademie tätig ist, zeigte den Journalisten die Fertigung im Detail. Erstaunen bei den Panorama- Röntgengeräten: Die Stahl-Rohkörper unterscheiden sich zunächst nicht – dabei gehören aktuell sieben Modelle zum Produktportfolio. Lediglich das DVT-Gerät GALILEOS hat einen individuellen Aufbau. Auf Schienen werden die Rohlinge von Station zu Station bewegt, bis sie in orangefarbenen Boxen, ähnlich einem Mini-Wohncontainer, verschwinden und dort eingehend geprüft und kalibriert werden. Zum Schluss werden die Geräte für die Auslieferung fertig verpackt. Ihr Adressat wartet bereits, da hier nicht für das Lager, sondern kundenindividuell produziert wird. Die Bandbreite des digitalen Röntgens beginnt bei HELIODENT PLUS, einem intraoralen Röntgengerät. Die intraorale Produktfamilie wird mit digitalen Intraoralsensoren und einem Folienscanner – für den Seiteneinstieg in die digitale Technologie – vervollständigt. Die ORTHOPHOS-Familie arbeitet komplett digital: mit dem ORTHOPHOS XG 3 für das Panoramaröntgen, dem XG 5, der für das Fernröntgen nachrüstbar ist, und dem ORTHOPHOS XG 3D ready/ceph. Etwa vor einem Jahr kam der ORTHOPHOS SL auf den Markt. Auffällig ist, dass moderne Röntgengeräte entweder nachträglich aufgerüstet werden können oder bereits hybrid arbeiten, d.h.: Mit einigen sind sowohl klassische 2D- als auch 3D-Aufnahmen möglich. Die High-End-Lösung stellt der Volumentomograph GALILEOS ComfortPLUS dar: Beide Kiefer können damit gleichzeitig aufgenommen und mit der SICAT-Erweiterung für Funktionsdiagnostik zu Kaubewegungen animiert werden; über den integrierten Facescanner wird das Gesicht des Patienten dreidimensional wiedergegeben. So entsteht ein virtueller Patient auf dem Bildschirm.

Die Besonderheiten der Röntgengeräte erklärte Achim Rubacek, Produktmanager extraorale bildgebende Systeme. Er war bereits in Bensheim in der Entwicklung und Technik tätig, als Dentsply Sirona noch Siemens war, kennt also die technische Seite genau. Bei der Produktpräsentation betonte er die Weiterentwicklung des Röntgensensors, die es ermöglicht, aus Röntgenstrahlen elektrische Signale direkt zu erzeugen, anstatt sie zunächst in Licht umzuwandeln. Mit dem „Direct Conversion Sensor“ (DCS) gelinge es so, über eine Cadmiumtellurid-Schicht schärfere Röntgenaufnahmen bei reduzierter Strahlendosis zu erzeugen. Tatsächlich erscheinen die Konturen schärfer, und die anatomischen Strukturen sind wesentlich besser zu erkennen. Ebenfalls praxisrelevant ist die Neuerung mit der Bezeichnung „Sharp-Layer-Technologie“ (SL) für das Panoramaröntgen. Aufgrund einer sehr großen Zahl von Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven können Positionierungsfehler nachträglich ausgeglichen werden. In das 2D-Bild kann gewissermaßen hineingezoomt werden. Beide Neuerungen sind im ORTHOPHOS SL vereint.

Eine Software für alle

Alle digitalen Röntgengeräte von Dentsply Sirona arbeiten mit der Software SIDEXIS 4, die jüngst das Update Version 4.1.3 erhielt. Beim Praxistest unter Anleitung von Sebastian Schäfer erwies sich die Software als übersichtlich und intuitiv begreifbar. Die Idee dahinter ist: von der Diagnose, für die die gesamte Patientenhistorie als Hintergrund zur Verfügung steht, über die Planung zur Therapie. Über eine Timeline steht dem Anwender die Patientenakte in Form aller vorangegangenen Röntgenbilder und Bilddaten aller Art zur Verfügung; diese können per Mausklick zusammengestellt und in einen „Leuchtkasten“ gezogen werden. Auch die Steuerung der Röntgengeräte über die Phase „Aufnahme“ stellt keine Hürde dar; über Import können beliebige Dateien oder Ordner mit nur einem Klick in das Programm hineingezogen werden. Auch angenehm: Die Abläufe in der Software unterscheiden sich nicht für 2D-Panorama und 3D.

  • Der GALILEOS und sein Innenleben.

  • Der GALILEOS und sein Innenleben.
In SIDEXIS 4 können über die Erweiterung durch GALILEOS Implant Einzelimplantate geplant werden. Voraussetzung ist ein dreidimensionales Röntgenbild mit einem Volumen ab 5,5 cm Ø x 5 cm. Zunächst muss für ein Implantat im Unterkiefer der Nervus mandibularis markiert werden. Dann kann das Implantat mit einem Sicherheitsabstand zum in der Software pink dargestellten Nerv platziert werden. Die Orientierung in drei Dimensionen fällt vielen zunächst schwer – hierzu ist eine entsprechende Einarbeitung notwendig – die entsprechenden Fachkunde-Kurse werden in der Dentsply Sirona Dental-Akadamie angeboten. Ob das Implantat klinisch adäquat positioniert ist, muss der Behandler selbst entscheiden. Die Software gibt allerdings Hinweise zum Nervabstand und mittels Bohrhülsen und -kanaldarstellung zur Realisierbarkeit der Bohrschablone.

Die Netzwerker: 3D-Röntgen und CEREC

Wenn ein 3D-Röntgenbild vorliegt und die Implantation fertig geplant ist, befindet sich der Anwender schon mitten im digitalen Prozess einer Implantatversorgung. Sebastian Schäfer spielte den gesamten Ablauf – eine Planung für ein Einzelimplantat ohne Knochenaufbau – für die Zahnarztpraxis durch: 3DRöntgen in Verbindung mit dem CEREC-System für die Planung und die Chairside-Fertigung der Implantatkrone. Falls Zirkoniumdioxid verarbeitet werden soll, wird ein Sinterofen (CEREC SpeedFire) benötigt.

  • Sebastian Schäfer (rechts im Bild) erklärt einem Besucher eine CEREC-Fräseinheit.

  • Sebastian Schäfer (rechts im Bild) erklärt einem Besucher eine CEREC-Fräseinheit.
Im Einzelnen: Mit dem CEREC Intraoralscanner wird digital abgeformt und in der CEREC Software eine vorläufige Krone geplant. Diese Planung wird in die Röntgensoftware importiert; CEREC-Scan und das 3D-Röntgenbild werden mittels Referenzpunkten übereinandergelegt. Die Krone sollte nun so auf dem Implantat positioniert werden, dass der Bohrkanal mittig liegt. Um die Konstruktion und Lage zu prüfen, kann sich der Anwender in der Software um das Implantat herum bewegen. Im nächsten Schritt – für die Herstellung einer Bohrschablone – müssen diese Daten in die CEREC Guide- Software zurückübertragen werden, die auf dieser Basis die Daten für eine Bohrschablone errechnet. Diese kann entweder für ein Einzelimplantat in der Schleif- und Fräseinheit CEREC MC XL Premiumpackagein der Praxis innerhalb von einer Stunde gefräst (CEREC Guide 2) oder bei SICAT (SICAT OPTIGUIDE) bestellt werden. Ein Punkt für die Bestellung bei SICAT: Dort prüft man zunächst die Planung – die Lieferung erfolgt im Laufe einer Woche.

  • Die Geräte von Dentsply Sirona ermöglichen durch deren Vernetzung die Optimierung der Arbeitsabläufe.

  • Die Geräte von Dentsply Sirona ermöglichen durch deren Vernetzung die Optimierung der Arbeitsabläufe.
Mit der Bohrschablone mit Tiefenstopp und den passenden Implantatschlüsseln kann das Implantat sehr sicher inseriert werden. Wenn die Planung korrekt war, wird das Implantat günstig im Knochen sitzen. Scanpost und Scanbody werden nach der Einheilzeit auf dem Implantat mit CEREC gescannt, um die Position des Implantats in der Software abzubilden. Die Geräte von Dentsply Sirona ermöglichen durch deren Vernetzung die Optimierung der Arbeitsabläufe. Sebastian Schäfer (rechts im Bild) erklärt einem Besucher eine CEREC-Fräseinheit. Auf dieser Basis wird die direktverschraubte Krone bzw. ein individuelles Abutment mit passender Krone geplant. Die Implantatkrone kann neuerdings auch in Zirkoniumdioxid ausgefräst und im CEREC SpeedFire gesintert werden.

Ausblick

Der Workflow für die Versorgung des Patienten mit einem Einzelimplantat in der Zahnarztpraxis ist ein Beispiel für die Marschrichtung bei Dentsply Sirona. Passenderweise auf dem Gebäude des Entwicklungszentrums charakterisierte Sebastian Schäfer diese Entwicklung als „Vernetzung und Integration“. Die bestehenden Geräte ermöglichen untereinander eine Vernetzung, und nun ginge es darum, diese gemeinsam in einen Workflow zu bringen. Neben der integrierten Implantologie gibt es beispielsweise bereits Workflows für die Kiefergelenkanalyse, die Atemweganalyse und die Kieferorthopädie.

Diese digitalen Arbeitsabläufe machen Arbeitsprozesse sicherer, effizienter und ermöglichen eine höhere Wertschöpfung für die Praxis. Natürlich stehen dahinter Investitionen, und der Zahnarzt muss letztendlich entscheiden, was für ihn sinnvoll ist und in welche Richtung er gehen will.

Dagmar Kromer-Busch

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dagmar Kromer-Busch

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dagmar Kromer-Busch


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