Allgemeine Zahnheilkunde


Was leisten moderne Universaladhäsive?

Adhäsive Befestigung.
Adhäsive Befestigung.


Mit der voranschreitenden Entwicklung im Bereich der Restaurationsmaterialien haben sich auch die Adhäsive und deren Anwendungstechniken verändert. Nach zahlreichen Self-Etch- und Etch&Rinse-Adhäsiven sowie klassischen Mehrflaschen-Systemen erfreuen sich nun Einkomponenten-Universaladhäsive zunehmender Beliebtheit. PD Dr. Falk Schwendicke geht nachfolgend u. a. der Frage nach, wie leistungsfähig diese sind, ob andere Systeme nun bald überflüssig werden und welches Adhäsivsystem er persönlich bevorzugt.

Die Entwicklung, Verfahren zu vereinfachen, ist auch im Bereich der Füllungstherapie zu beobachten. Ein verbessertes Materialhandling, die Reduzierung der Arbeitsschritte und eine kürzere Verarbeitungszeit sind hierbei die Ziele. Dabei stehen nicht nur die Restaurationswerkstoffe selbst im Fokus, sondern insbesondere auch die verwendeten Haftvermittler, denn seit einiger Zeit werden Universaladhäsive, die als „Alleskönner“ im Bereich der adhäsiven Befestigung daherkommen, immer populärer.

Adhäsive Befestigung – die Technik entscheidet

Der Füllungserfolg ist von vielen Faktoren abhängig. Einer ist die sorgfältige Anwendung des Haftvermittlers. Jeder Arbeitsschritt, falls nicht korrekt durchgeführt, kann negative Auswirkungen auf den Haftverbund haben. Ein häufiger Fehler ist beispielsweise eine unzureichend lange oder fehlerhafte Lichtpolymerisation. Anwendungsfehler sind gerade bei techniksensitiven Produkten wahrscheinlicher, während durch eine unkomplizierte Handhabung das Auftreten von potenziellen Fehlern minimiert wird. Garanten für ein gelingendes Ergebnis sind zudem ausreichendes Wissen über die Eigenschaften der Zahnhartsubstanzen, über mögliche Fehlerquellen beim Konditionieren sowie über die spezifische Anwendung der Adhäsive. Beispielsweise muss ein wasserbasiertes Adhäsiv ausreichend getrocknet werden. Gleichzeitig ist eine ausreichende Feuchtigkeit der Dentinoberfläche (keine „Übertrocknung“ bzw. die Anwendung eines Wiederbefeuchtungsschrittes) ein entscheidender Faktor für den Haftverbund.

Das klassische Etch&Rinse-Verfahren ist noch immer verbreitet. Es benötigt den separaten Arbeitsschritt einer Ätzung mit Phosphorsäure. Anschließend wird ein „Einflaschen-Adhäsiv“ oder ein Mehrflaschen-System mit Primer und Adhäsiv angewandt. Nach meiner Einschätzung ist die Phosphorsäureätzung gerade auf dem Schmelz oftmals noch immer eine sinnvolle und gute Wahl, da sich mit ihr hohe Haftkräfte erzielen lassen. Allerdings ist das Verfahren auch recht techniksensitiv und es besteht die Gefahr, das Dentin nach der Ätzung zu „übertrocknen“, was häufig zu postoperativen Beschwerden führt. Zudem ist die Anwendung von Mehrschritt-Systemen generell zeitintensiver.

Demgegenüber steht die Self-Etch-Technik. Die Anwendung selbstkonditionierender Adhäsive bietet gerade bei der Behandlung des Dentins Vorteile, da damit eine geringere Gefahr der „Übertrocknung“ besteht. Darüber hinaus ist diese Technik in der Anwendung etwas schneller als klassische Etch&Rinse-Verfahren, weil weniger Flaschen benötigt werden – insbesondere wenn anstatt eines Zweischritt- Systems ein Einflaschen-Adhäsiv zum Einsatz kommt. Allerdings ist der Zeitgewinn nicht signifikant, da auch bei der Self-Etch-Technik eine ausreichend lange Applikation sichergestellt sein muss und bei geringer Haftfläche oft eine selektive Ätzung des Schmelzes notwendig ist. Ich persönlich verwende selbstkonditionierende Zweischritt- Adhäsivsysteme nicht, sondern nutze entweder ein mit Phosphorsäurekonditionierung arbeitendes Mehrflaschen- System oder ein selbstkonditionierendes Einschritt-System, oftmals mit vorheriger beschriebener, selektiver Ätzung des Schmelzes mit Phosphorsäure.

Potenzial der Universaladhäsive

Die Auswahl des geeigneten Ätzverfahrens ist eine „Wissenschaft“ für sich. Nicht nur das Material beeinflusst die Wahl, sondern auch die entsprechende Indikation. Die Bedeutung von Universaladhäsiven nimmt dabei immer mehr zu. Für sie spricht unbestreitbar ihre einfache Anwendbarkeit. Wir brauchen unkomplizierte Lösungen, denn eines ist klar: Kein Zahnarzt kann mit zehn Systemen ebenso gut umgehen, wie er es mit dem einen System seines Vertrauens kann. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist zudem die Lagerung der Materialen. Die Zunahme an Indikationen sollte nicht bedeuten, dass man immer mehr Fläschchen bevorraten muss, um jedem „klinischen Fall“ gerecht werden zu können.

Ich habe bisher positive Erfahrungen mit Einkomponenten-Universaladhäsiven wie G-Premio BOND (GC) gemacht. Das Material ist einfach in der Handhabung. Die Verarbeitungszeit beträgt nach dem Aufbringen auf die Anmischschale sieben Minuten, was ein komfortables und stressfreies Arbeiten ermöglicht. Dabei ist die eigentliche Anwendung mit zehn Sekunden Applikationszeit und fünf Sekunden Trocknung laut Herstellerangaben zügig zu bewerkstelligen. Die Anwendbarkeit und Konsistenz empfinde ich als sehr angenehm und bisher konnte ich keine Hypersensibilitäten feststellen, wobei ich aber derzeit noch nicht über ausreichende Langzeiterfahrungen verfüge. Ausstehend sind vor allem klinische Studien, die die Wirksamkeit und sichere Anwendung belegen. Dies ist jedoch ein generelles Problem – die Innovationszyklen bei Dentalmaterialien sind zu kurz, um jedes Material ausgiebig klinisch getestet zu haben, bevor es angewandt wird! Dies ist also auch eine Aufforderung an die (universitäre und industrielle) Forschung, In-vitro-Testsysteme zu entwickeln und zu validieren, mit denen die klinische Wirksamkeit von Adhäsivsystemen vorab bewertet werden kann.

Fazit

Die Anforderungen an moderne Adhäsive lassen sich leicht auf den Punkt bringen: Sie sollen durch ein einfaches Handling und verlässlich hochwertige Ergebnisse überzeugen. Hier sind Universaladhäsive ein weiterer Schritt. Sie werden in naher Zukunft gleichwohl klassische Adhäsivtechniken keineswegs überflüssig machen. In der Lehre ist ein mit Phosphorsäurekonditionierung arbeitendes Mehrflaschen-System nach wie vor der Goldstandard. Wie bereits erwähnt, geht die Entwicklung nach meinem Dafürhalten aber hin zur selektiven Schmelzätzung und der anschließenden Anwendung eines Einschritt-Adhäsivs. Universaladhäsive wie G-Premio BOND können zudem auch komplett selbstkonditionierend eingesetzt werden und besitzen weitere Vorzüge, die viele Anwender zu schätzen wissen. Die Einfachheit der Systeme hilft, potenzielle Anwendungsfehler zu reduzieren und die Wahrscheinlichkeit des restaurativen Erfolgs zu erhöhen.  

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Priv.-Doz. Dr. Falk Schwendicke


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