Allgemeine Zahnheilkunde


Was gibt es Neues aus den Hochschulen?

Foto UKJ - Heinrich-Weltzien, Universitaet Jena.
Foto UKJ - Heinrich-Weltzien, Universitaet Jena.

Eine geringere Karieserfahrung, ein zeitigerer Beginn der Zahnpflege und besseres Putzen – das sind die Ergebnisse eines neuen erfolgreichen Präventionsprogramms aus Jena. Ebenfalls wird in Jena ein neues biokompatibles Adhäsive entwickelt. Von einer Forschungsgruppe der Universität Mainz hört man von „Körperteilen aus dem 3D-Drucker“ und der Frage, ob elektrische Zahnbürsten wirklich besser putzen als Handzahnbürsten, hat sich unlängst die Cochrane Collaboration angenommen. Hier lesen Sie mehr über verschiedenartige Forschungsaktivitäten.

Studie zur frühkindlichen Karies: mehr Prävention, weniger Läsionen

Die aufsuchende Beratung in Kombination mit frühzeitigen Zahnarztbesuchen verbessert die Mundgesundheit bei Vorschulkindern. Dies ist das Ergebnis des mehrjährigen Präventionsprogramms „Vorsorge vor der Sorge“ der Zahnmediziner der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am Universitätsklinikum Jena (UKJ). Durchgeführt wurde das Programm gemeinsam mit dem Erstbesuchsdienst der Stadt Jena, in Form einer aufsuchenden Prävention, welche in dieser Form deutschlandweit bislang einzigartig ist.

Zunächst wurden die Eltern aller Neugeborenen in Jena von geschulten Mitarbeitern besucht, die die Familien umfassend berieten. Sie klärten u.a. über die Verwendung von Fluoriden, das Zähneputzen ab dem ersten Zahn und die Bedeutung des Zahnarztbesuchs im ersten Lebensjahr auf. Auf diese Weise sollte der Early Childhood Caries (EEC, auch Nuckelflaschenkaries genannt) vorgebeugt werden. Zusätzlich nahmen 512 (44.1%) von den insgesamt 1.162 geborenen Kindern an einem zusätzlichen Präventionsangebot von Juli 2009 bis Oktober 2010 teil. Sie kamen in die Poliklinik zur zahnärztlichen Erstuntersuchung mit erneuter Beratung der Eltern und Therapie initial-kariöser Läsionen mit Fluoridlack. Die Kinder wurden danach je nach individuellem Risiko über einen Zeitraum von 3 bis 4 Jahren mit halb- bzw. vierteljährlichen zahnärztlichen Untersuchungen betreut.

Vier Jahre nach dem Start des Präventionsprogramms wurde der Einfluss des Projektes auf die Mundgesundheit der teilnehmenden heute drei- bis vierjährigen Kinder analysiert. Dafür wurden alle Teilnehmer und Nicht-Teilnehmer für eine zahnärztliche Untersuchung und Elternbefragung eingeladen. Das Ergebnis: Die zahnärztliche Untersuchung von 755 Kindern (377 Kinder im Präventionsprogramm, 378 Kinder in der Kontrollgruppe; Durchschnittsalter 3,26 ± 0,51 Jahre) im Jahr 2013 zeigte eine signifikant bessere Mundgesundheit bei allen Kindern, die am Präventionsprogramm teilgenommen hatten (Kariesprävalenz 1.3% versus 17.2%, Karieserfahrung 0.3 ± 2.0 d3/4mfs versus 1.4 ± 4.4 d3/4mfs). Das Präventionsprogramm führte in den Familien zu einem zeitigeren Beginn der Zahnpflege, zu einem häufigeren Nachputzen der Kinderzähne durch die Eltern und häufigeren Verwendung von fluoridhaltigem Speisesalz im Haushalt im Vergleich zu allen Nichtteilnehmern.

„Wir haben gezeigt, dass eine frühzeitige Aufklärung und Sensibilisierung der Eltern für eine optimale Pflege der Milchzähne und für den Zahnarztbesuch im ersten Lebensjahr der Kinder sorgen kann“, erklärte Prof. Roswitha Heinrich-Weltzien, kommissarische Leiterin der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am UKJ. Projektleiterin Dr. Yvonne Wagner spricht sich dafür aus, bereits Säuglinge im ersten Lebensjahr beim Zahnarzt vorzustellen. Eltern sollten die Milchzähne ab dem Zahndurchbruch pflegen. Zudem zeige die Studie, dass bei einem erhöhten Kariesrisiko bis zu vier Zahnarztbesuche notwendig sein könnten, um den Kariesbefall der Milchzähne zu verhindern.

Neben den kurzfristigen Erfolgen des Präventionsprogramms interessieren die Zahnärztinnen nun dessen Langzeitauswirkungen: 2016 werden alle teilnehmenden und auch die nichtteilnehmenden Familien erneut zu einer zahnärztlichen Untersuchung der Kinder in die Poliklinik eingeladen.

(Quelle: Dr. Yvonne Wagner, Universitätsklinikum Jena (UKJ)/ idw)


Körperteile aus dem 3D-Drucker – ein Vorteil für die MKG-Chirurgie

  • Foto Peter Pulkowski, Universitaet Mainz.

  • Foto Peter Pulkowski, Universitaet Mainz.
Die Nachformung des Kiefers, als zahntechnisches Modell im digitalen Workflow, ist hinlänglich bekannt. Das zugrunde liegende Prinzip, nämlich basierend auf digitalen Daten ein haptisches Modell zu erzeugen, treibt eine Forschergruppe um Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Bilal Al-Nawas (Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) der Universitätsmedizin Mainz) nun in andere Dimensionen: Basierend auf Aufnahmen aus medizinischen Bildgebungsverfahren wird die 3D-Drucktechnik genutzt, um individuelle dreidimensionale Patientenmodelle zu erstellen. Diese bilden kleinste anatomische Strukturen wie fein verästeltes Knochengewebe ab. Anhand dieser Modelle können die Mediziner beispielsweise durch Tumorleiden bedingte Kiefer-, Kopf- oder Gesichtsrekonstruktionen operativ besser planen und Transplantate präziser anpassen. Durch die genauere Planung können Gewebe geschont werden und die Operations- und Narkosezeit für den Patienten reduziert sich. Die Genesung geht schneller von statten und es können eine verbesserte Funktion und Ästhetik erreicht werden. Das Verfahren ist insbesondere für Fehlbildungschirurgie und Kieferdefekte geeignet. ??

Wissenschaftlich interessant ist die 3D-Drucktechnik zudem für den Bereich der regenerativen Medizin. Das ist zwar noch Zukunftsmusik: vielleicht aber können Implantate mit diesem Verfahren künftig hergestellt und neue Materialien genutzt werden.  


Parobehandlung könnte Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko senken

Meist steht Parodontitis in Untersuchungen als „Sündenbock“ da – die negativen Einflüsse auf Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck werden untersucht. Eine neue Studie testete den Umkehrschluss: kann man einen positiven Effekt erwarten, wenn Parodontitis erfolgreich therapiert wird? Für den Praxisalltag wäre dies von Interesse und sicherlich eine zusätzliche Motivation für eine gute Compliance. Die Studie an der Kardiologischen Klinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Lübeck, die im Dezember 2014 vorgestellt wurde, lässt vermuten, dass mit einer Parodontitis-Behandlung Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mögliche Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall auch reduziert werden können.

In einer Vorläuferstudie stellte eine Gruppe von Medizinern um Studienleiter Dr. med. Johannes Baulmann fest, dass Patienten mit Parodontitis steifere Gefäße haben und einen höheren zentralen Blutdruck.?Der Grund: „Sehr wahrscheinlich sind ... dieselben Bakterien, die die Parodontitis auslösen, auch die Ursache für den erhöhten Blutdruck und die vermehrten Herzinfarkte sowie Schlaganfälle,“ so Dr. med. Baulmann. In der aktuellen Studie gingen die Forscher der Frage nach, ob sich der Bluthochdruck im Umkehrschluss mit besserer Zahngesundheit wieder absenkt. Sie verfolgten dafür die Behandlungsfortschritte von 100 Patienten mit Parodontitis. Nach zwölf Monaten stellten die Forscher fest, dass Patienten mit erfolgreich bekämpfter Zahnfleischentzündung auch elastischere Blutgefäße hatten. Und besonders eindrucksvoll war für sie, dass der zentrale Blutdruck dieser Patienten gesunken war. Weitere Studien zu diesem Thema wären sicher sehr wünschenswert, da die Studienlage zur Frage, ob eine Parodontitistherapie einen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat noch dürftig ist, wie in einem Cochrane Review (August 2014) festgestellt wurde.


Grüner Kleber

Die Idee hört sich bestechend an: Adhäsive auf biologischer Basis erzeugen – am besten aus Abfallprodukten, die sonst keiner mehr braucht. Tatsächlich wird die Entwicklung eines solchen „Bio-Klebers“ in der Zahnmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena vorangetrieben. Die Chemikerin Dr. Jana Wotschadlo hat einen biokompatiblen Kleber aus Stärke und Fettsäuren in ihrer Doktorarbeit umfassend untersucht und mit unterschiedlichen Rezepturen experimentiert. Zunächst stehen Anwendungen in der Verpackungsindustrie und Kosmetik im Vordergrund; zukünftiges Interesse wird sich auf die Medizin- und Zahntechnik richten. Das biokompatible Adhäsiv könnte etwa als Knochenkleber oder zum reversiblen Fixieren von Implantaten eingesetzt werden.

Dies ist nur einer von mehreren Forschungsansätzen, die sich mit der Entwicklung von Klebern auf Basis natürlicher Rohstoffe befassen. Sie nehmen sich die Natur als Vorbild: Geckofüße, Seepocken und Miesmuscheln.?Als ideal für grüne Kleber sieht man Rohstoffe an, die in anderen Prozessen als Abfall übrig bleiben. Ein Beispiel dafür ist Lignin, das bei der Herstellung von Papier in großen Mengen anfällt – ein Ligninkleberprojekt ist an drei Fraunhofer-Instituten in Arbeit.??

Selbst für das Kleben von lebenden Organen gibt es bereits Klebstoffe, die Nadel und Faden ersetzen könnten – wenn sie denn Marktreife erlangen.

(Quelle: „Nachrichten aus der Chemie“/idw)


Sind elektrische Zahnbürsten wirklich besser?

Eine Übersichtsstudie (Yaacob u.a.(2014)) der Cochrane Collaboration gibt dazu Auskunft. Nach eingehender Analyse sämtlicher Ergebnisse bestehender Studien, stellten die Wissenschaftler fest, dass elektrische Zahnbürsten tatsächlich etwas besser für die Mundhygiene sind. Aber: der Unterschied ist nicht groß.

So zeigen die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien: Bei einer Putzdauer von 1 bis 3 Monaten, wird Zahnbelag mit elektrischer Bürste um 11 % besser als durch manuelles Putzen entfernt. Der Schweregrad von dadurch ausgelösten Zahnfleischentzündungen reduziert sich aber lediglich um 6 %. Das ist ein statistisch signifikanter, aber kleiner Effekt.

Langfristig (über mehr als drei Monate) scheint sich dieser Effekt auf den ersten Blick zu steigern: Zahnbelag hatte sich um 21 % reduziert, Zahnfleischentzündungen um 11 %. Die Forscher stellen fest, dass diese Langzeitergebnisse jedoch auf deutlich weniger Studien basieren als die Kurzzeitdaten für Zeiträume von ein bis drei Monaten und sind somit weniger gut abgesichert.

Ein Großteil der analysierten Studien untersuchte weniger als 100 Teilnehmer und wurde von den Herstellern elektrischer Zahnbürsten finanziert. Statistische Überprüfungen zeigen jedoch, dass dies die zusammengefassten Ergebnisse nicht zu verzerren scheint.

Eine weitere Fragestellung der Autoren: Welche elektrische Bürste ist die beste?

Hinweise, dass eine Bürstenart einer anderen überlegen ist, konnten die Wissenschaftler in den analysierten Studien nicht finden. Mit einer Ausnahme: elektrische Bürsten, deren Kopf von Seite zu Seite schwingt, scheinen nicht besser als herkömmliche Bürsten zu putzen.

Allerdings begutachteten die Verfasser der Übersichtsarbeit keine Studien, die unterschiedliche Arten elektrischer Bürsten direkt miteinander verglichen. Am besten untersucht sind oszillierende Bürsten, deren Kopf sich rasch wechselnd nach rechts und links dreht.

(Österreichische Cochrane Zweigstelle, Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie)

 

Falls nicht anders vermerkt, basieren die Meldungen auf Pressemitteilungen der jeweiligen Universitäten im Informationsdienst Wissenschaft e.V. (idw); Auswahl und Bearbeitung: Dagmar Kromer-Busch.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dagmar Kromer-Busch

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dagmar Kromer-Busch


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