Allgemeine Zahnheilkunde


VisCalor: „Thermo-Viscous-Technologie“ (TVT) für direkte Frontzahnrestaurationen

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Die Erwärmung herkömmlicher Kompositmaterialien zur Optimierung der Anwendungseigenschaften wird in der Zahnmedizin schon seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert. Der Haupteffekt besteht in einer Verringerung der Viskosität, wodurch sich das Material besser an die Kavitätenwände anpasst und so das Randspaltrisiko mit folgenden Microleakages reduziert. Basierend auf der patentierten Thermo-Viscous Technology (TVT) hat die VOCO GmbH kürzlich eine neue Klasse innerhalb der Füllungskomposite geschaffen, die Fließfähigkeit und Modellierbarkeit vereint. Anhand eines Fallbeispiels mit dem Universalkomposit VisCalor werden die Vorgehensweise bei direkten Frontzahnrestaurationen detailliert beschrieben und die Vorteile der einfachen Anwendbarkeit eindrücklich unter Beweis gestellt.

Die Verwendung von thermoviskosen Materialien bei direkten Seitenzahnrestaurationen bringt den großen Vorteil, dass das Material appliziert werden kann, ohne Lufteinschlüsse zu produzieren. Es fließt optimal an die Kavitätenwände an, sogar in untersichgehende Bereiche. Zudem lassen sie sich auch erfolgreich für die Frontzahnrestauration nutzen.

Der hohe Füllstoffgehalt beim Nanohybrid-Komposit VisCalor verleiht dem Material beste mechanische Eigenschaften, sodass es auch anspruchsvollsten Situationen standhält. Zudem wurden die Vis-Calor-Produkte auf niedrige Schrumpfungswerte im Vergleich zu konventionellen Kompositen ausgelegt: Nach Herstellerangaben beträgt die volumetrische Schrumpfung 1,44% und der Schrumpfungsstress 4,6 MPa.

Zur direkten Restauration von Frontzähnen muss ein Komposit auch angemessene optische Eigenschaften aufweisen. Hierzu bedarf es unterschiedlicher Opazitäten und Transluzenzgrade, die die chromatischen Eigenschaften des verlorengegangenen opaken Dentins und der verlorengegangenen transluzenten Zahnschmelzschicht gut nachbilden. Der Einsatz eines opaken Farbtons ist bei der Frontzahnrestauration zwingend, da sonst das auf die Zahnschmelzoberfläche fallende Umgebungslicht durch das Material in die Mundhöhle transmittiert werden würde, anstatt zum Betrachter reflektiert zu werden.

Dies würde den restaurierten Bereich dunkel erscheinen lassen. VisCalor ist in 2 Transluzenzstufen erhältlich.

Die erste, hier als chromatischer Zahnschmelz bezeichnet, ist stärker transluzent und erhältlich in verschiedenen Farbtönen nach der klassischen VITA-Farbskala (VITA Zahnfabrik), ergänzt mit einigen besonderen VOCO-Farbtönen. Die zweite Transluzenzstufe ist ein opakes Komposit, hier als opakes Dentin bezeichnet.

Fallbeispiel: direkte Frontzahnrestaurationen mit VisCalor

Vorgehensweise Step-by-Step

Nachfolgend wird der Fall eines Patienten beschrieben, der in der zahnärztlichen Praxis vorstellig wurde, um mehrere Zähne in der Oberkieferfront behandeln zu lassen (Abb. 1A). An der Mesialfläche des Zahnes 23 wies der Patient eine kariöse Läsion der Klasse III auf. Am Zahn 22 waren mesial und distal jeweils eine insuffiziente Klasse-IV-Restauration sowie eine alte labiale zervikale Klasse-V-Restauration vorzufinden.

  • Abb. 1A: Zähne 22 und 23 vor der professionellen Zahnreinigung.
Abb. 1B: Zustand nach professioneller Zahnreinigung.
  • Abb. 1A: Zähne 22 und 23 vor der professionellen Zahnreinigung. Abb. 1B: Zustand nach professioneller Zahnreinigung.
    © Torres

Zahn 21 wies distal eine defekte Klasse-IV-Restauration und eine nicht zufriedenstellende Kontur der Inzisalkante auf. Nachdem die Zähne 13, 12, 11 und 21 bereits zuvor mit GrandioSO (VOCO) restauriert worden waren, sollte in weiteren Sitzungen die Versorgung der Zähne 22, 23, 24 und 25 mit VisCalor (VOCO) folgen. Der vorliegende Bericht konzentriert sich auf die Behandlung der Zähne 22 und 23 (Abb. 1B).

  • Abb. 1C u. D: Entfernung der defekten Restaurationen unter UV-Lichtquelle
und mit einem kugelförmigen Diamantbohrer.

  • Abb. 1C u. D: Entfernung der defekten Restaurationen unter UV-Lichtquelle und mit einem kugelförmigen Diamantbohrer.
    © Torres
Vor Behandlungsbeginn wurde zunächst eine professionelle Zahnreinigung mit einem Pulverstrahlgerät unter Verwendung von Natriumbicarbonat (Cavitron Prophy Jet, Dentsply Sirona) durchgeführt, um den Biofilm und Tabakflecken zu entfernen. Anschließend folgte die Farbauswahl mit der VisCalor-Farbskala (VOCO). Die defekten Restaurationen wurden mit einem speziellen Gerät, bestehend aus einem mit einer UV-Lichtquelle gekoppelten Hochgeschwindigkeitswinkelstück (Cobra LED Ultra Vision, Gnatus) und einem kugelförmigen Diamantbohrer, unter Wasserkühlung entfernt (Abb. 1C und D).

Das UV-Licht ermöglichte die einfache visuelle Lokalisierung des alten Komposits, um dieses vollständig aus der Kavität zu entfernen. Die labialen Präparationsgrenzen wurden mit einem konischen Diamantbohrer angeschrägt.

Anschließend wurde zur Trockenlegung Kofferdam gelegt (Abb. 1E). Das Universaladhäsiv Futurabond U (VOCO) wurde 20 Sek. lang auf die aufbereiteten Flächen einmassiert (Abb. 1F und G) und 10 Sek. mit einem LED-Lichthärtegerät (VALO, Ultradent) polymerisiert.

Aufgrund des einfachen Zugangs wurde die aufbereitete mesiale Klasse-III-Kavität des Zahnes 23 zuerst restauriert. Für den Ersatz des verlorengegangenen Dentins wurde der opake Farbton OA2 gewählt. In der Zwischenzeit wurde das VisCalor Caps aus der Blisterverpackung entnommen, in einen herkömmlichen Caps Dispenser eingelegt (Abb. 1H und 2A) und 3 Min. im Temperiergerät zum Erwärmen von Komposit-Kapseln platziert (Caps Warmer, VOCO) (Abb. 2B), das zuvor auf 68 °C vorgewärmt worden war.

  • Abb. 1E: Trockenlegung mit Kofferdam.
Abb. 1F u. G: Universaladhäsiv Futurabond U (VOCO) wurde gemischt und
dann 20 Sek. lang einmassiert.
Abb. 1H: VisCalor Caps wurden aus der Blisterverpackung entnommen...
  • Abb. 2A: ... und in einen herkömmlichen Caps Dispenser eingelegt.
Abb. 2B: Platzierung für 3 Min. im Temperiergerät zum Erwärmen von
Komposit-Kapseln (Caps Warmer, VOCO).
Abb. 2C: Opakes Komposit zur Wiederherstellung des Dentinkerns wurde aus
dem Caps in die Kavität appliziert.
Abb. 2D: Das opake Komposit wurde mit einem Kugelstopfer an die Kavität
adaptiert.
  • Abb. 1E: Trockenlegung mit Kofferdam. Abb. 1F u. G: Universaladhäsiv Futurabond U (VOCO) wurde gemischt und dann 20 Sek. lang einmassiert. Abb. 1H: VisCalor Caps wurden aus der Blisterverpackung entnommen...
    © Torres
  • Abb. 2A: ... und in einen herkömmlichen Caps Dispenser eingelegt. Abb. 2B: Platzierung für 3 Min. im Temperiergerät zum Erwärmen von Komposit-Kapseln (Caps Warmer, VOCO). Abb. 2C: Opakes Komposit zur Wiederherstellung des Dentinkerns wurde aus dem Caps in die Kavität appliziert. Abb. 2D: Das opake Komposit wurde mit einem Kugelstopfer an die Kavität adaptiert.
    © Torres

Nach Entnahme aus dem Caps Warmer wurde das Material sofort innerhalb von 20 Sek. appliziert. Die schnelle Verarbeitung ist von signifikanter Bedeutung, da sich die Viskosität nach Entnahme aus dem Temperiergerät und der daraus resultierenden Abkühlung wieder erhöht (thermo-kontrollierte Viskosität) und die Fließfähigkeit von VisCalor somit von Sekunde zu Sekunde abnimmt.

Nach jedem der folgenden Schritte wurde die jeweilige VisCalor-Schicht gemäß Herstellerangaben lichtgehärtet. Das opake Komposit wurde zur Wiederherstellung des Dentinkerns direkt aus dem Caps in die Kavität appliziert (Abb. 2C) und mit einem Kugelstopfer an die Kavität adaptiert (Abb. 2D). Die Versorgung der Klasse-V-Kavität an Zahn 22 verlief identisch (Abb. 2E und F).

  • Abb. 2E u. F: Mit der Klasse-V-Kavität an Zahn 22 wurde identisch verfahren.
Abb. 2G u. H: Farbton A3 zum Ersatz des verlorengegangenen Zahnschmelzes
und zur Vervollständigung der mesialen Kontur des Zahnes 23.
  • Abb. 3A: Flacher Pinsel für die Formgebung der Oberflächenschicht.
Abb. 3B–D: Analog wurde bei der Klasse-V-Kavität an Zahn 22 vorgegangen.
  • Abb. 2E u. F: Mit der Klasse-V-Kavität an Zahn 22 wurde identisch verfahren. Abb. 2G u. H: Farbton A3 zum Ersatz des verlorengegangenen Zahnschmelzes und zur Vervollständigung der mesialen Kontur des Zahnes 23.
    © Torres
  • Abb. 3A: Flacher Pinsel für die Formgebung der Oberflächenschicht. Abb. 3B–D: Analog wurde bei der Klasse-V-Kavität an Zahn 22 vorgegangen.
    © Torres

Zum Ersatz des verlorengegangenen Zahnschmelzes und zur Vervollständigung der mesialen Kontur des Zahnes 23 wurde der Farbton A3 verwendet (Abb. 2G und H). Die Formgebung dieser Oberflächenschicht erfolgte mit einem flachen Pinsel (Abb. 3A). Analog wurde bei der Klasse-V-Kavität an Zahn 22 vorgegangen (Abb. 3B bis D).

Um die Rekonstruktion der approximalen Bereiche an Zahn 22 zu vereinfachen, wurde die Kofferdam-Klammer entfernt (Abb. 3E) und ein transparenter Mylar-Cellophanstreifen (DuPont) platziert und verkeilt (Abb. 3F). Zur Konturierung der palatinalen Fläche wurde eine dünne Schicht VisCalor in der Farbe A3 in die Kavität appliziert und mit dem linken Zeigefinger und dem Cellophanstreifen zur Formgebung gegen den Zahn gedrückt und gehärtet (Abb. 4A). Anschließend wurde das Material im Bereich der Approximalfläche aufgetragen, mit einem zylinderförmigen Instrument modelliert und gehärtet (Abb. 4B und C).

  • Abb. 3E u. F: Entfernung der Kofferdam-Klammer. Ein transparenter Cellophanstreifen
wurde platziert und verkeilt.
Abb. 3G u. H: Eine dünne Schicht VisCalor wurde in der Farbe A3 in die Kavität
appliziert.
  • Abb. 4A: Zustand während der Formgebung.
Abb. 4B u. C: Zustand nach finaler Modellierung und Härtung.
  • Abb. 3E u. F: Entfernung der Kofferdam-Klammer. Ein transparenter Cellophanstreifen wurde platziert und verkeilt. Abb. 3G u. H: Eine dünne Schicht VisCalor wurde in der Farbe A3 in die Kavität appliziert.
    © Torres
  • Abb. 4A: Zustand während der Formgebung. Abb. 4B u. C: Zustand nach finaler Modellierung und Härtung.
    © Torres

Bei der distalen Kavität wiederholte sich das gleiche Prozedere noch einmal (Abb. 4D und E). Der Wiederaufbau des Dentinkerns erfolgte im Farbton OA2 (Abb. 4F bis H), wobei für die Restauration der Labialfläche etwas Platz gelassen wurde (Abb. 5A). Anschließend wurde das Komposit in der Zahnschmelzfarbe A3 appliziert und modelliert (Abb. 5B bis D).

  • Abb. 4D u. E: Bei der distalen Kavität wurde analog vorgegangen.
Abb. 4F–H: Wiederherstellung des Dentinkerns im Farbton OA2.
  • Abb. 5A: Für die Restauration der Labialfläche mit dem Komposit in Zahnschmelz-
Farbton wurde etwas Platz gelassen.
Abb. 5B–D: Danach wurde das Komposit der Farbe A3 appliziert und modelliert.
  • Abb. 4D u. E: Bei der distalen Kavität wurde analog vorgegangen. Abb. 4F–H: Wiederherstellung des Dentinkerns im Farbton OA2.
    © Torres
  • Abb. 5A: Für die Restauration der Labialfläche mit dem Komposit in Zahnschmelz- Farbton wurde etwas Platz gelassen. Abb. 5B–D: Danach wurde das Komposit der Farbe A3 appliziert und modelliert.
    © Torres

Für die finale Ausarbeitung der Restaurationen kamen zunächst Schleifscheiben sowie -streifen und dann Diamantpolierer (Dimanto, VOCO) zum Einsatz (Abb. 5E). In Abbildung 5F ist das Endergebnis nach der Politur zu sehen, die Abbildungen 6A bis D zeigen den Vergleich zwischen dem Ausgangsbefund (6A und B) und der Situation nach Abschluss der umfangreichen Behandlung (6C und D).

  • Abb. 5E: Die Restaurationen wurden zunächst mit Schleifscheiben und Cellophanstreifen
und dann mit Diamantpolierern (Dimanto, VOCO) finiert und poliert.
Abb. 5F: Restaurationen nach der finalen Ausarbeitung.
  • Abb. 6A u. B: Ausgangsbefund.
  • Abb. 5E: Die Restaurationen wurden zunächst mit Schleifscheiben und Cellophanstreifen und dann mit Diamantpolierern (Dimanto, VOCO) finiert und poliert. Abb. 5F: Restaurationen nach der finalen Ausarbeitung.
    © Torres
  • Abb. 6A u. B: Ausgangsbefund.
    © Torres

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Carlos Rocha Gomes Torres, DDS, PhD


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