Allgemeine Zahnheilkunde

Mit dem Intraoralscanner zur passgenauen Brücke

Schluss mit Würgereiz und Abformfehlern

01.07.2012


Für Patienten mit starken Würgereflexen ist der klassische Silikonabdruck eine Tortur. Die digitale Abformung macht die präzise Erfassung der Mundsituation komfortabel für den Patienten und eliminiert Fehlerquellen. So haben Zahnarzt Dr. Michael Maier und ZTM Jörg Bies einem empfindlichen Patienten mit dem neuen Oralscanner cara TRIOS von Heraeus eine passgenaue fünfgliedrige NEM-Brücke [1] ermöglicht.

Digitale Technologien sind aus der Zahnmedizin und Zahntechnik nicht mehr wegzudenken. Der erste Schritt im computergestützten Workflow, die digitale Abformung, wird immer anwender- und patientenfreundlicher. Intraoralscanner liefern dem Zahntechniker die präzise Datenbasis für die passgenaue Gestaltung von hochwertigem Zahnersatz am Bildschirm.

Ausgangssituation und Planung

Im vorliegenden Fall sollte ein 60-jähriger Patient mit einer fünfgliedrigen Metallkeramikbrücke im II. Quadranten versorgt werden. Zähne 24 und 25 waren nicht mehr vorhanden. Als Brückenpfeiler dienten die Zähne 23, 26 und 27, wobei 26 und 27 verblockt werden sollten. Die Herausforderung lag in der absolut abdruckfreien Versorgung des Patienten. Dieser litt unter starken Würgereflexen, die eine konventionelle Abformung unmöglich machten. Der Intraoralscan war demnach die einzige Lösung, den Patienten prothetisch zu versorgen.

Abformung ohne Abformlöffel

Mit dem cara TRIOS formte der Zahnarzt Ober- und Unterkiefer sowie den Biss ab. Dabei muss der zu scannende Bereich trocken und blutfrei sein. Wie beim konventionellen Abdruck markiert der Zahnarzt mit einem Faden die Präparationsgrenze. Der Zahnarzt hatte bereits Erfahrung mit der digitalen Abformung. Der neue Intraoralscanner von Heraeus erfasst die Mundsituation intuitiv, präzise und puderfrei. In Echtzeit generiert der cara TRIOS aus den Messdaten eine detailgetreue anatomische 3D-Darstellung auf dem Bildschirm und ermöglicht dem Zahnarzt die direkte Kontrolle. Bei Bedarf lässt sich das Ergebnis in wenigen Sekunden selektiv korrigieren – bequem und effizient. Das Matching erlaubt dem Behandler das Unterbrechen und Fortsetzen des Scans sowie das Nachscannen von Details. So war der Zahnarzt in der Lage, flexibel auf den Patienten einzugehen und nach einer Unterbrechung genau da weiterzumachen, wo er aufgehört hatte. Durch das schmale Mundstück des Scanners traten Würgereiz und Erstickungsängste gar nicht auf. Der Patient war während des Scanvorgangs absolut entspannt und von der Technik begeistert. Per Mausklick stellte der Zahnarzt den gescannten Abdruck mitsamt den zugehörigen Falldaten auf dem webbasierten cara Meeting Point bereit. Als Schnittstelle vereinfacht die Plattform die reibungslose Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor.

Präzise Datenbasis für Modell und Gerüst

Der Zahntechniker konnte problemlos auf die Daten zugreifen. Auf Basis des Intraoralscans begann er mit der digitalen Gestaltung der Labormodelle (Abb. 1). Dabei unterstützte ihn die Model Builder Software im 3Shape Dental Designer. Er legte die Modelle für den Ober- und Unterkiefer (Abb. 2) an und richtete die okklusale Ebene aus (Abb. 3). Anschließend schnitt er das Modell virtuell zurecht. Da ein Alveolarmodell hergestellt werden sollte, achtete er darauf, möglichst viel Kieferkamm zu erhalten (Abb. 4 u. 5).

  • Abb. 1: Abholung der Scandaten im Webportal „cara Meeting Point“.
  • Abb. 2: Design der Modelle im Modell Builder des Dental Designers von 3Shape.
  • Abb. 1: Abholung der Scandaten im Webportal „cara Meeting Point“.
  • Abb. 2: Design der Modelle im Modell Builder des Dental Designers von 3Shape.

  • Abb. 3: Ausrichtung der okklusalen Ebene.
  • Abb. 4: Virtuelles Zurechtschneiden des Obekiefermodells (links) und Unterkiefermodells (rechts).
  • Abb. 3: Ausrichtung der okklusalen Ebene.
  • Abb. 4: Virtuelles Zurechtschneiden des Obekiefermodells (links) und Unterkiefermodells (rechts).

  • Abb. 5: Virtuelles Zurechtschneiden des Obekiefermodells (links) und Unterkiefermodells (rechts).
  • Abb. 5: Virtuelles Zurechtschneiden des Obekiefermodells (links) und Unterkiefermodells (rechts).

Mit einer grünen Linie wird die Präparationsgrenze der einzelnen Stümpfe virtuell festgelegt. Hat der Behandler diese Markierung nach dem Intraoralscan im cara TRIOS System bereits vorgenommen, wird diese als rote Linie dargestellt und kann vom Zahntechniker übernommen werden. Ansonsten legt er diese virtuell an, ebenso wie die Präparationsgrenze des Nachbarzahnes (Abb. 6). Nach dem Modell gestaltete der Zahntechniker die herausnehmbaren Stümpfe und anschließend den Modellsockel (Abb. 7–9).

  • Abb. 6: Virtuelles Festlegen der Präparationsgrenze der einzelnen Stümpfe (grüne Linie), vom Behandler nach dem Scan eingefügte Präparationsgrenze (rote Linie).
  • Abb. 7: Fertige virtuelle Modellgestaltung, noch ohne Sockel.
  • Abb. 6: Virtuelles Festlegen der Präparationsgrenze der einzelnen Stümpfe (grüne Linie), vom Behandler nach dem Scan eingefügte Präparationsgrenze (rote Linie).
  • Abb. 7: Fertige virtuelle Modellgestaltung, noch ohne Sockel.

  • Abb. 8: Gestaltung des virtuellen Modellsockels.
  • Abb. 9: Fertig gestaltetes Modell.
  • Abb. 8: Gestaltung des virtuellen Modellsockels.
  • Abb. 9: Fertig gestaltetes Modell.

Im nächsten Schritt gestaltete der Zahntechniker die virtuelle Brücke ebenfalls im Dental Designer (Abb. 10). Hierfür legte er zunächst die Brückeneinschubrichtung (Abb. 11) und dann die Präparationsgrenze für die Zähne 23, 26 und 27 fest (Abb. 12–14).

  • Abb. 10: Gestaltung der virtuellen Brücke im 3Shape Dental Designer.
  • Abb. 11: Festlegen der Brückeneinschubrichtung.
  • Abb. 10: Gestaltung der virtuellen Brücke im 3Shape Dental Designer.
  • Abb. 11: Festlegen der Brückeneinschubrichtung.

  • Abb. 12: Festlegen der Präparationsgrenze für Zahn 23 (links oben), Zahn 26 (rechts oben) und Zahn 27 (unten).
  • Abb. 13: Festlegen der Präparationsgrenze für Zahn 23 (links oben), Zahn 26 (rechts oben) und Zahn 27 (unten).
  • Abb. 12: Festlegen der Präparationsgrenze für Zahn 23 (links oben), Zahn 26 (rechts oben) und Zahn 27 (unten).
  • Abb. 13: Festlegen der Präparationsgrenze für Zahn 23 (links oben), Zahn 26 (rechts oben) und Zahn 27 (unten).

  • Abb. 14: Festlegen der Präparationsgrenze für Zahn 23 (links oben), Zahn 26 (rechts oben) und Zahn 27 (unten).
  • Abb. 14: Festlegen der Präparationsgrenze für Zahn 23 (links oben), Zahn 26 (rechts oben) und Zahn 27 (unten).

Nachdem der Zahntechniker den virtuellen Zementspalt definiert hatte, bearbeitete er die Restauration nach funktionalen und ästhetischen Gesichtspunkten im „Smile Composer“ (Abb. 15) – eine hilfreiche Funktion im Dental Designer, die die schnelle und sichere anatomische Gestaltung erleichtert (Abb. 23). Die vollanatomische Brücke wurde für die Keramikverblendung anatomisch reduziert (Abb. 16). Die Daten für die virtuell gestaltete Brücke und die Labormodelle übermittelte das Labor unkompliziert über den cara Meeting Point an das cara Fertigungszentrum in Hanau. Hier wurde die Brücke im additiven SLM-Verfahren aus NEM-Pulver lasergeschmolzen.

  • Abb. 15: Vollanatomische Gestaltung mit dem Smile Composer.
  • Abb. 16: Anatomisch reduzierte Brücke zur Vollverblendung.
  • Abb. 15: Vollanatomische Gestaltung mit dem Smile Composer.
  • Abb. 16: Anatomisch reduzierte Brücke zur Vollverblendung.

Ästhetische Verblendung in perfekter Okklusion

Zusammen mit dem Gerüst erhielt der Zahntechniker die zugehörigen cara Kunststoffmodelle aus Polyamid (Abb. 17 u. 18). Die Gerüsteinprobe in der Praxis ergab eine perfekte Passung in situ, sodass der Zahntechniker mit der Verblendung beginnen konnte (Abb. 19 u. 20). Mit einem universellen Artikulatoradapter lässt sich das cara Modell in jeden Artikulator einsetzen und bildet so die Basis für die Verarbeitung und Verblendung der Restauration im Labor.

  • Abb. 17: Oberkiefermodell aus Polyamid.
  • Abb. 18: Ober- und Unterkiefer in Schlussbisssituation.
  • Abb. 17: Oberkiefermodell aus Polyamid.
  • Abb. 18: Ober- und Unterkiefer in Schlussbisssituation.

  • Abb. 19: Einprobe des cara SLM Gerüstes: die Gerüstpassung ist optimal.
  • Abb. 20: Mit HeraCeram verblendetes Gerüst.
  • Abb. 19: Einprobe des cara SLM Gerüstes: die Gerüstpassung ist optimal.
  • Abb. 20: Mit HeraCeram verblendetes Gerüst.

Zur besseren Verblendung des Gerüsts hätte sich der Zahntechniker eine glattere Oberfläche des Kunststoffmodells gewünscht. Die cara SLM Brücke passte präzise auf das cara Kunststoffmodell. Die Brücke wurde mit HeraCeram (Heraeus) vollverblendet (Abb. 21). Das Ergebnis: Eine gute Okklusion und eine tolle Ästhetik. Die Passgenauigkeit und naturgetreue Optik überzeugten auch den Patienten (Abb. 22–24).

  • Abb. 21: Fertig verblendete Brücke.
  • Abb. 22: Brücke in situ (noch nicht zementiert).
  • Abb. 21: Fertig verblendete Brücke.
  • Abb. 22: Brücke in situ (noch nicht zementiert).

  • Abb. 23: Brücke in situ (noch nicht zementiert).
  • Abb. 24: Brücke in situ (noch nicht zementiert).
  • Abb. 23: Brücke in situ (noch nicht zementiert).
  • Abb. 24: Brücke in situ (noch nicht zementiert).

Fazit

Komfortabel, präzise und puderfrei: Das cara System von Heraeus deckt die gesamte Kette der computergestützten Prothetik ab. Der cara TRIOS erfaßt selbst Kunststoffe, Metalle und Weichgewebe puderfrei und präzise. Die 3D-Darstellung in Echtzeit ermöglicht dem Zahnarzt, das Ergebnis sofort zu kontrollieren und bei Bedarf in wenigen Sekunden selektiv zu korrigieren – Abformfehler werden so bequem und effizient eliminiert. Durch das schmale Mundstück des Intraoralscanners hat der Patient weder Würgereiz noch Erstickungsängste zu befürchten. Der Behandler kann flexibel auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen. Zahnarzt und Zahntechniker profitieren von reibungslosen Prozessen und einer präzisen Datenbasis für die passgenau konstruierte Versorgung.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Jörg Bies

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Jörg Bies


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