Allgemeine Zahnheilkunde


Omnichroma Flow: die perfekte Ergänzung zum pastösen Original

Multiple Zahnhalsläsionen, die sowohl auf falsche Zahnputztechnik als auch auf Parafunktionen zurückzuführen waren.
Multiple Zahnhalsläsionen, die sowohl auf falsche Zahnputztechnik als auch auf Parafunktionen zurückzuführen waren.

Dass Produktinnovationen eine Marktbedeutung haben, zeigt sich oft daran, wenn sich die „Marktbegleiter“ derselben Thematik annehmen und Produkte mit demselben Anwendungsfokus bringen, manchmal sogar im Detail verbessert oder an weitere Indikationen angepasst. Im Bereich der Füllungsmaterialien kann man hier z.B. die Bulk-Flow-Komposite und die Universaladhäsive nennen. Inzwischen gibt es sie in jeglicher Couleur von nahezu allen Herstellern. Ähnlich ist es bei der „Revolution“, eine einzige Kompositfarbe für alle Farbschattierungen der Zähne zu bringen, wie es Tokuyama vor 3 Jahren mit Omnichroma schaffte. Die Ergänzung dieser Produktidee durch eine Flow-Variante ist absolut zu begrüßen und rundet die Anwendungsmöglichkeiten hervorragend ab.

Der Trend zur Vereinfachung der Komposit-Farbpaletten ist in den letzten Jahren immanent: Sets mit mehr als 30 Farben für die perfekte individuelle Farbzusammenstellung mögen in Einzelfällen ihre Berechtigung haben [6,32–34]; in der breiten Anwendung schrecken sie aber eher ab. Schon Enamel Plus HRi (Micerium) kam mit einer deutlich reduzierten Materialpalette aus – was man daraus alles zaubern konnte, zeigten u.a. bereits Vanini und Hugo [4,21,22,34]. Amaris (VOCO) [7], Ceram.X mono & duo (Dentsply Sirona) [8,9], Ceram.X Spectra ST (Dentsply Sirona) [11], Filtek Universal (3M) [12,13] oder Clearfil Majesty ES-2 (Kuraray) führten den Trend zur Vereinfachung weiter fort.

Bereits 2019 kam Tokuyama mit einem weit beachteten neuartigen Komposit, welches nur eine einzige Restaurationsfarbe (unterstützt durch einen „Blocker“) für alle farblichen Indikationsbereiche abdeckte [10]. Gerade was die Ausdifferenzierung bei der Farbauswahl anbetrifft, treten bei zu großer Auswahl an Restaurationsfarben oft Schwierigkeiten bei der Detailabstimmung auf: Ist es jetzt eine A2 oder eine D2 – oder doch etwas mehr Graudominanz?

Schön, dass es durch den nun erstmals wirklich ersichtlichen Chamäleon-Effekt gerade von Materialien wie Omnichroma eine tatsächliche Erleichterung ergibt: Weniger Zeitaufwand bei der Farbauswahl kombiniert mit stimmigen ästhetischen Ergebnissen. Somit setzt sich die Erfolgsstory [1–3,5,8,14–17,20,23–29,31] direkter ästhetischer und adhäsiver Frontzahnrestaurationen weiter konsequent fort unter dem Aspekt von Anwendererleichterungen und einer reduzierten erforderlichen Vorratshaltung.

Gerade bei Zahnhalsdefekten ist die angesprochene Farbauswahl besonders schwierig [18,19], da sich die Defekte oftmals bis weit in die Labialfläche hineinziehen [17]. Hier passiert die Kavität die unterschiedlichsten Farbwerte – von einer Vita A3,5 im Zahnhalsbereich bis zu einer Vita A2-Farbe in der Mitte der Labialfläche.

Natürlich kann dies über ein angepasstes Schichtkonzept adäquat ästhetisch restauriert werden, nur ist es für eine Klasse-V-Versorgung oftmals überproportional aufwändig. Deswegen punktet ein Material wie Omnichroma sehr gut in Indikationsbereichen der Zahnhalsregion, da man sich dann im Prinzip überhaupt keine Gedanken mehr über die Farbauswahl machen muss. Lediglich die Ergänzung des Omnichroma-Blockers verhindert ein unerwünschtes Durchscheinen farblich unpassender Untergründe.

Die im Folgenden vorgestellten beiden Fallbeispiele zeigen die Anwendung von Omnichroma bei unterschiedlichen Zahnhalsdefekten in Kombination mit Omnichroma Flow und dem Omnichroma Flow-Blocker: mal Omnichroma Flow alleine, mal in Kombination mit Omnichroma Flow-Blocker, mal als 3er-Kombination aus Omnichroma Flow, Omnichroma Flow-Blocker und dem pastösen Omnichroma.

Fallbeispiele

Fall 1: multiple Zahnhalsdefekte

  • Abb. 1: Multiple Zahnhalsläsionen, die sowohl auf falsche Zahnputztechnik als auch auf Parafunktionen zurückzuführen waren.

  • Abb. 1: Multiple Zahnhalsläsionen, die sowohl auf falsche Zahnputztechnik als auch auf Parafunktionen zurückzuführen waren.
    © Ernst
Bei der 41-jährigen Patientin imponierten multiple Zahnhalsläsionen, die sowohl auf falsche Zahnputztechnik als auch auf Parafunktionen zurückzuführen waren (Abb. 1). Nach Umstellung der Zahnputztechnik und dem konsequenten Tragen einer nächtlichen Aufbissschiene im Unterkiefer war es nun an der Zeit, die sie am stärksten störenden Zahnhalsdefekte an den Zähnen 12 und 13 zu versorgen. Die Klebeflächen beider Zähne wurden mit einem Feinkorn-Mikropräparationsdiamanten (8830M, Komet, Lemgo) angefrischt und in dem Arbeitsgang auch die in der Kavität auflagernden Verfärbungen entfernt.

Eine weitere Präparation erfolgte nicht. Da der Sulkus gesund und fest war, wurde auf eine Fadeninsertion, die oft die sinnvollste Art und Weise der Kontaminationskontrolle bei Zahnhalsdefekten darstellt [17], zugunsten einer individuellen Verschalung mithilfe eines Frasaco-Streifens (Frasaco, Tettnang) verzichtet.

Diese Verschalungstechnik (Abb. 2) hat den Vorteil, dass automatisch zervikal ein perfekter Abschluss der Restauration unter idealen Kautelen einer Kontaminationskontrolle bei korrekt sitzendem und mit kleinen Holzkeilchen (KerrHawe, Bioggio, Schweiz) fixiertem Streifen gewährleistet wird (Abb. 3). Das Füllungsmaterial kann die spitzen Winkel später perfekt ausfüllen – vorausgesetzt, es hat die richtige Konsistenz, um hier defektfrei abzufließen bzw. zu adaptieren.

  • Abb. 2: Individuelle Verschalung mit Frasaco-Streifen, fixiert mit kleinen Holzkeilchen.
  • Abb. 3: Phosphorsäurekonditionierung der Gesamtkavität mit 37,5%igem niedrigviskösem Phosphorsäuregel.
  • Abb. 2: Individuelle Verschalung mit Frasaco-Streifen, fixiert mit kleinen Holzkeilchen.
    © Ernst
  • Abb. 3: Phosphorsäurekonditionierung der Gesamtkavität mit 37,5%igem niedrigviskösem Phosphorsäuregel.
    © Ernst

  • Abb. 4: Situation nach Abspülen des Ätzgels.

  • Abb. 4: Situation nach Abspülen des Ätzgels.
    © Ernst
Es erfolgte die Phosphorsäurekonditionierung der Gesamtkavität mit 37,5%igem niedrigviskösen Phosphorsäuregel (Gel Etchant, Kerr, Orange, CA, USA, Abb. 3). Der transparente Frasaco-Streifen ermöglicht die perfekte visuelle Kontrolle über die korrekte Applikation von Ätzgel bis Füllungsmaterial, da von labial stets Einsicht genommen werden kann. Die Abbildung 4 zeigt die klinische Situation nach Abspülen des Ätzgels. Als Adhäsiv kam ein traditionelles Mehrflaschensystem zum Einsatz (Optibond FL, Kerr).

Da im vorliegenden Fall aufgrund der Erreichbarkeit der spitzen Winkel zwischen der zervikalen Kavitätenbegrenzung und dem Frasaco-Steifen auf jeden Fall ein niedrigvisköses Füllungsmaterial gefragt war, konnte dieses aufgrund der geringen Defektgröße auch zur Versorgung der Gesamtkavität als Restaurationsmaterial der Wahl herangezogen werden. Voraussetzung ist eine geeignete Standfestigkeit des Materials, sodass das Füllungsmaterial mit der Kanüle quasi „aufgemalt“ werden kann, ohne wegzufließen.

Die Farbauswahl ergab für den Zahn 12 eine Vita-Farbe A1 und für den Zahn 13 die Vita-Farbe A2. Bei konventionellen Materialien wäre jetzt die Bereitlegung 2er verschiedener Farben an Restaurationsmaterialien erforderlich gewesen. Sowohl aufgrund der erforderlichen Konsistenz als auch aufgrund der automatischen Farbadaptation fiel die Wahl auf Omnichroma Flow (Tokuyama, Tokyo, Japan), da dann beide Kavitäten mit demselben Füllungsmaterial versorgt werden konnten.

  • Abb. 5: Endergebnis der Omnichroma Flow-Versorgung nach Ausarbeitung und Politur.

  • Abb. 5: Endergebnis der Omnichroma Flow-Versorgung nach Ausarbeitung und Politur.
    © Ernst
Da bei dem Zahn 12 im Zervikalbereich eine deutlich ausgeprägte Dentinverfärbung zu verzeichnen war, wurde hier punktuell der neue Omnichroma Flow Opaker aufgebracht, um ein optisches Abdecken dieses verfärbten Bereiches zu gewährleisten. An Zahn 13 kam ausschließlich Omnichroma Flow ohne den Blocker zum Einsatz. Die Abbildung 5 zeigt das Endergebnis der Omnichroma Flow-Versorgung nach Ausarbeitung und Politur.

Das Ergebnis zeigt, dass derartige Defekte randdicht, in korrekter anatomischer Form und in perfekter Farbanpassung auch alleine mit dem niedrigviskösen Omnichroma Flow ohne Überdeckung durch die pastöse Variante erstellt werden können. Die Patientin zeigte sich mit dem Endergebnis sehr zufrieden; eine Versorgung des Zahnes 21 wünschte sie hingegen nicht. Beide Restaurationen wurden als MKV-Füllung mit einer Zuzahlung von jeweils 60 Euro berechnet.

Fall 2: Versorgung eines solitären Zahnhalsdefektes

  • Abb. 6: Zahnhalsdefekt an Zahn 12.

  • Abb. 6: Zahnhalsdefekt an Zahn 12.
    © Ernst
Ein ähnlich gearteter Fall zeigt die Versorgung des Zahnes 12 bei einer 50-jährigen Patientin: Die inzwischen funktionsstabile Patientin stört sich an dem Zahnhalsdefekt an Zahn 12 (Abb. 6). Die Verschalung und damit die Isolierung des Defektes erfolgte über die Unica anterior Matrize (Polydentia, Mezzovico-Vira, Schweiz), approximal adaptiert und über 2 Composi-Tight 3D Fusion Wedges (Garrison Dental Solutions, Spring Lake, Mi, USA, Abb. 7) abgedichtet. Die adhäsive Vorbehandlung erfolgte äquivalent zum vorangestellten Fall (Abb. 8).
  • Abb. 7: Verschalung und Isolierung des Defektes mit einer Unica anterior Matrize, adaptiert mit 2 Composi-Tight 3D Fusion Wedges.
  • Abb. 8: Die mit dem Adhäsiv versehene Klebefläche.
  • Abb. 7: Verschalung und Isolierung des Defektes mit einer Unica anterior Matrize, adaptiert mit 2 Composi-Tight 3D Fusion Wedges.
    © Ernst
  • Abb. 8: Die mit dem Adhäsiv versehene Klebefläche.
    © Ernst

Auch hier besteht die Herausforderung darin, die schwer zu erreichenden, spitzen Winkel zwischen der Kavität und der Unica-Matrize blasenfrei mit Kompositmaterial aufzufüllen. Im Gegensatz zum 1. Fall erlaubt die Metall-Unica-Matrize keine visuelle Kontrolle der Füllungsmaterial-Adaptation von labial. Hier muss entweder darauf vertraut werden, das Material korrekt zu adaptieren, oder man geht nach der „Schneepflugtechnik“ vor: Diese Vorgehensweise erlaubt ein Einpressen des Flowables in die spitzen Winkel durch den Druck eines nachfolgend (ohne separate Polymerisation des Flowables) eingebrachten pastösen Kompositmaterials und verhindert somit gut Unterschüsse als auch Luftblaseneinschlüsse.

Voraussetzung ist allerdings der dichte Sitz der Matrize. Diese Technik wurde erstmals von Opdam et al. 2003 für Klasse-I-Kavitäten beschrieben [30], später von der Heidelberger Zahnerhaltungskunde für den Frontzahnbereich aufgegriffen und dort ebenso etabliert [35]. Somit war diese Behandlungsindikation prädestiniert für die Kombination aus Omnichroma und Omnichroma Flow, welche zeitgleich polymerisiert wurden.

Die Abbildung 9 zeigt die Behandlungssituation unmittelbar nach Ausarbeitung und Politur, die Abbildung 10 bei einer weiteren Kontrolle nach einem halben Jahr. Auch hier ergab sich dank der automatischen Farbadaptation sowohl von Omnichroma als auch von Omnichroma Flow eine perfekte Farbanpassung.

  • Abb. 9: Behandlungssituation unmittelbar nach Ausarbeitung und Politur.
  • Abb. 10: Endergebnis der Versorgung des Zahnes 12 bei einer weiteren Kontrolle nach einem halben Jahr.
  • Abb. 9: Behandlungssituation unmittelbar nach Ausarbeitung und Politur.
    © Ernst
  • Abb. 10: Endergebnis der Versorgung des Zahnes 12 bei einer weiteren Kontrolle nach einem halben Jahr.
    © Ernst

Der Glanzgrad des extrem feinkörnigen Füllungsmaterials blieb zudem komplett erhalten. Die Patientin war erstaunt über die heutigen Möglichkeiten einer ästhetischen und minimalinvasiven Defektversorgung, bei der die optimale Farbanpassung primär auf die Einfachheit des ausgewählten Restaurationsmaterials zurückzuführen ist.

Schlussbetrachtung

Eine einfache und strukturierte Herangehensweise bei Zahnhalsfüllungen bedeutet in keinster Weise, einen Kompromiss in dem erzielbaren funktionellen und ästhetischen Behandlungsergebnis eingehen zu müssen. Die Auswahl des Restaurationsmaterials in den beiden vorgestellten Fällen beschränkte sich auf die jeweils geeignetste Konsistenz und die Frage des Erfordernisses eines zu verwendenden Blockers. Die Verschalung der vorgestellten Defekte bedurfte eines wesentlich höheren Abwegungs- und Umsetzungsaufwandes als die Restauration selbst.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst


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