Allgemeine Zahnheilkunde


Moderne Universaladhäsive für ein breites Indikationsspektrum

Noch vor 2 Jahren kamen immer mehr 1-Flaschen-Dentaladhäsive auf den Markt und der Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Bondings wurde dadurch komplexer. Mittlerweile werden diese von Universaladhäsiven abgelöst. Welche Vorteile diese haben, wird nachstehend erläutert.

Es gibt viele verschiedene adhäsive Arbeitsweisen: Phosphorsäureätzung vor der Adhäsivanwendung auf Schmelz und Dentin, komplett selbstkonditionierend oder selektive Ätzung des Zahnschmelzes mit Phosphorsäure – je nach klinischer Situation oder persönlicher Präferenz fällt die Entscheidung zugunsten einer bestimmten Technik aus. Und für jede gibt es auch spezialisierte Produkte. Dabei macht die zusätzliche Unterscheidung in 1-Flaschen-, 2-Flaschen- und 3-Flaschen-Adhäsive es nicht leichter, einen kompletten Überblick über das große Angebot zu gewinnen.

Universaler als universal

Automatisch stellte sich seit Jahren und Jahrzehnten die Frage: Sollte nicht ein einziges Adhäsiv alles können? So entstanden Universaladhäsive, die bei jedem Verfahren funktionierten: bei Etch & Rinse (mit separater Phosphorsäureätzung) ebenso wie bei Self-etch (selbstätzend) und bei der selektiven Schmelzätzung (nur der Schmelzrand wird mit Phosphorsäure konditioniert). Ein solches Adhäsiv bietet klinische Vorteile. So kann der Zahnarzt bei Defekten im Frontzahnbereich in der Etch&Rinse-Technik arbeiten, bei Kindern selbstätzend, oder er sichert durch die selektive Schmelzätzung bei Seitenzahndefekten mit hohem Schmelzanteil eine hohe Randqualität. Da alle diese Techniken mit einem einzigen Adhäsiv möglich sind, wurde hierfür die Bezeichnung „Universaladhäsiv“ geprägt. Sie ist allerdings nicht geschützt oder scharf definiert. Was beispielsweise, wenn auch indirekte Restaurationen zu befestigen sind? Was, wenn es sich bei dem Werkstoff um ein dualhärtendes oder um ein selbsthärtendes Füllungsmaterial handelt?

Ein Adhäsiv für diese Fälle dürfte in einem noch universaleren Sinne als Universaladhäsiv gelten, denn es wäre dann bei allen Techniken (Etch&Rinse, selbstätzend, selektive Schmelzätzung), bei direkten und indirekten Füllungen sowie bei Wurzelstiften indiziert. Auch solche Produkte gibt es inzwischen, und die besten von ihnen entfalten darüber hinaus zusätzlich die Eigenschaften eines Primers für Zirkonoxidrestaurationen (z.B. Prime & Bond active, Dentsply Sirona Restorative) [1]. Die Vorteile eines solchen Adhäsivs mit dem Prädikat „Universal“ in seinem weitesten Bedeutungsumfang liegen in der zahnärztlichen Praxis auf der Hand. Es kommt zum Beispiel vor, dass während der Präparation anders entschieden wird, weil die Kavität sehr tief ist, sodass man das Dentin lieber doch nicht ätzen möchte. Oder es wird entgegen ursprünglicher Annahmen statt einer direkten doch eine indirekte Restauration nötig. Für all diese Indikationen eignen sich die besagten Universaladhäsive der jüngsten Generation.

Aktive Feuchtigkeitskontrolle – aktive Ausbreitung

  • Abb. 1: Mit Eigenschaften, die man in Aktion beobachten kann: Prime & Bond active mit Active-Guard-Technologie.

  • Abb. 1: Mit Eigenschaften, die man in Aktion beobachten kann: Prime & Bond active mit Active-Guard-Technologie.
    © Dentsply Sirona Restorative
Ein für die Praxis wichtiges Thema stellt die Feuchtigkeitskontrolle dar. Hier muss der Zahnarzt klassischerweise den goldenen Mittelweg beschreiten, damit ein Adhäsiv seine Haftkraft optimal entfalten kann: Die Zahnhartsubstanz soll nicht zu feucht belassen, aber auch nicht übertrocknet werden. Das stellt an sich schon eine Gratwanderung dar. Bei schlechter Sicht in einen tiefen approximalen Kasten bleibt oft ein Rest von Unsicherheit. Gut, wenn das Universaladhäsiv hier eine deutlich aktivere Rolle übernimmt, sich als ausgesprochen tolerant erweist und gleichmäßig hohe Haftwerte selbst auf zu feuchtem oder zu trockenem Dentin erzielt. Dies gelingt z.B. Prime & Bond active (Abb. 1). Ein weiterer Vorteil von Prime & Bond active besteht in der aktiven Ausbreitung des Adhäsivs. Die Active-Guard™-Technologie sorgt für eine optimale Oberflächenspannung und einen geringen Kontaktwinkel auf dentalen Substraten. Damit kann es die gesamte Verbundfläche leichter benetzen. Auch die relativ hohe Oberflächenspannung von Wasser kann effektiv überwunden werden. Eine „proaktive“, spontane Einbindung kleiner Wassermengen wird ohne unerwünschte Phasentrennung realisiert. Beim Verblasen verflüchtigt sich dann die Restfeuchte zusammen mit dem Lösungsmittelgemisch des Adhäsivs (Isopropanol/Wasser). So entsteht ein solider Haftverbund – unabhängig vom Verfahren (Etch& Rinse, selbstätzend, selektive Schmelzätzung) und von der Art der Restauration (direkt oder indirekt) (Abb. 2 und 3).
  • Abb. 2: An alle Dentalsubstrate angepasst: Ein einzelner Tropfen Prime & Bond active wurde mit einem Applikatortip ohne weitere Verarbeitung auf die Oberfläche aufgetragen. Er breitet sich von selbst („aktiv“) über den größten Teil der Fläche aus.
  • Abb. 3: Prime & Bond active vermischt sich aktiv mit Wasser und deckt so gleichmäßig die Kavität ab. Das überschüssige Wasser verdunstet dann zusammen mit dem Lösungsmittel, sodass eine lückenlose, homogene Adhäsivschicht entsteht.
  • Abb. 2: An alle Dentalsubstrate angepasst: Ein einzelner Tropfen Prime & Bond active wurde mit einem Applikatortip ohne weitere Verarbeitung auf die Oberfläche aufgetragen. Er breitet sich von selbst („aktiv“) über den größten Teil der Fläche aus.
  • Abb. 3: Prime & Bond active vermischt sich aktiv mit Wasser und deckt so gleichmäßig die Kavität ab. Das überschüssige Wasser verdunstet dann zusammen mit dem Lösungsmittel, sodass eine lückenlose, homogene Adhäsivschicht entsteht.

Die Aussage, ein 1-Flaschen-Adhäsiv könne die zuverlässig hohen Haftwerte klassischer Mehr-Flaschen-Adhäsive nicht erreichen, wurde durch eine aktuelle Studie widerlegt [2]: Ein modernes Universaladhäsiv erzielt die gewünschten, gleichmäßig hohen Haftwerte sogar unter Verzicht auf eine 2. Adhäsivschicht, wie Prime & Bond active. Die besten Universaladhäsive sind bis in die praktischen Details durchdacht. Zur Formulierung als 1-Flaschen- Adhäsiv gehört ein komfortabler Klappdeckel-Verschluss zur präzisen Dosierung mit nur einer Hand.

Reihen der Adhäsive lichten sich

Adhäsive mit den genannten proaktiven Handling-Eigenschaften haben sich in den vergangenen Jahren als überlegen erwiesen, sodass mittlerweile „ältere Produkte“ vom Markt verschwinden, insbesondere die reinen Self-Etch-Adhäsive werden obsolet. Vor allem jedoch braucht sich der Zahnarzt um die Auswahl des benötigten Adhäsivs weniger Gedanken zu machen. So lässt sich aufgrund der reduzierten Anzahl unterschiedlicher Adhäsive die Vorratshaltung vereinfachen und gleichzeitig die Anwendungssicherheit erhöhen, denn die modernen Universaladhäsive überspannen ja das gesamte Indikationsspektrum und fügen sich in umfassendere Systeme ein.


Literatur:
  1. Amaral M, Belli R, Cesar PF, Valandro LF, Petschelt A, Lohbauer U: The potential of novel primers and universal adhesives to bond to zirconia. J Dent 42 (1), 90-98 (2014).
  2.  Ahmed MH, de Munck J, van Landuyt K, Peumans M, Yushihara K, van Meerbeek B: Do universal adhesives benefit from an extra bonding layer? J Adhes Dent 21, 117-132 (2019).
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger


Bislang deuten die vorliegenden Daten auf ein geringes Infektionsrisiko mit dem Coronavirus in der zahnärztlichen Praxis hin. Um eine realistische Einschätzung zu erhalten, wie stark Zahnärzte und ihre Mitarbeiter betroffen sind, bittet die BZÄK betroffene Praxen um Meldung.

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