Allgemeine Zahnheilkunde


Lachgassedierung in der modernen Kinderzahnheilkunde

18.12.2013

Der Einsatz inhalativer Sedierung mit Lachgas bei der Zahnbehandlung besonders ängstlicher Kinder ist zunehmend verbreitet. Die Tiefe der Sedierung lässt sich sehr gut steuern, das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen ist gering und der Behandlungsablauf gestaltet sich für die Patienten, deren Begleiter und auch den Anwender stressfreier. Nachfolgend berichtet ein Kollege über seine Erfahrungen mit der Lachgassedierung, die er seit gut zwei Jahren sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern erfolgreich anwendet.

Das Verfahren eignet sich zum Angst- und Schmerzmanagement von Patienten mit gering bis moderat ausgeprägter Zahnbehandlungsangst und kann bei Kindern ab einem Alter von 4–6 Jahren eingesetzt werden. Primär entscheidend für einen erfolgreichen Einsatz ist eine gewisse Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, da eine Mitarbeit der kleinen Patienten erforderlich ist. Diese Kooperationsfähigkeit ist bei extrem phobischen Kindern unter 4 Jahren oftmals nicht vorhanden, in diesen Fällen sollte eine Lachgassedierung daher als Behandlungsmethode ausgeschlossen werden. Ziel einer Lachgassedierung ist es, primär eine Angstkontrolle zu erreichen und die Kinder zu beruhigen. Hierin unterscheidet sich die Methode wesentlich von höheren Sedierungsformen oder der Vollnarkose, die eine Schmerzkontrolle und Angstausschaltung bei extrem panischen und enorm ängstlichen Patienten durch Ausschaltung des Bewusstseins erreichen, aber nur in Extremsituationen und unter Aufsicht eines erfahrenen Anästhesisten angebracht sind. Millionenfache Anwendungen der Lachgassedierung in den USA und Großbritannien pro Jahr ohne Zwischenfälle sprechen eine deutliche Sprache und seit einigen Jahren sind auch in Deutschland wieder zahlreiche erfolgreiche Sedierungen zu verzeichnen. In meiner Praxis habe ich mittlerweile ca. 240 Behandlungen unter Lachgas durchgeführt; 99,5 % sind dabei ohne Probleme und unter der gewünschten Sedierungstiefe des Patienten verlaufen.

Für Kinder gibt es kleine, duftende und bunte Nasenmasken

Nach einer erfolgten Aufklärung, Anamnese sowie einer Einverständniserklärung der Eltern gestaltet sich die Applikation von Lachgas bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich genauso wie bei Erwachsenen. Zunächst wird dem Patienten 100 % Sauerstoff verabreicht. Nach 1 bis 2 Minuten wird die Lachgaskonzentration in 10-%-Schritten hochtitriert, bis die gewünschte Sedierungstiefe erreicht ist. Der große Vorteil für Anwender und Patient – insbesondere bei Kindern – ist der schnelle Wirkungseintritt: Lachgas wird über die Lunge aufgenommen, im Blut gelöst und im zentralen Nervensystem bzw. im Gehirn absorbiert, wo es seine Wirkung entfaltet. Das Gas ist in Blut relativ unlöslich, sodass es schnell zu einer Angleichung zwischen der alveolären Konzentration in der Lunge und der Konzentration im Blut kommt. Dieses Phänomen, gepaart mit einer hohen Lipidlöslichkeit (die für die Verteilung im ZNS notwendig ist), führt zu einem raschen Wirkungseintritt innerhalb von Minuten. Das Einleiten der Sedierung ist damit auf wenige Minuten begrenzt. Damit sich das Kind während der Dauer des Eingriffs wohlfühlt, muss die Maske gut sitzen und die Flussrate des Gases optimal eingestellt sein. Eine Routine macht sich diesbezüglich aber schon nach wenigen Anwendungen deutlich bemerkbar. Ist die gewünschte Sedierungstiefe durch das Titrieren erreicht, wird in der Regel ein Lokalanästhetikum gespritzt, da Lachgas als Sedativum allein keine adäquate Schmerzreduktion gewährleistet. Unter der Sedierung wird die Injektion aber erfahrungsgemäß kaum wahrgenommen. Es gibt kleine Nasenmasken in bunten Farben mit verschiedenen Duftrichtungen, die das Kind zusätzlich motivieren, bei der Behandlung mitzumachen. Die Lachgassedierung lässt sich hervorragend mit hypnotischen und suggestiven Techniken kombinieren, z. B. mit Geschichten über Taucher oder Astronauten. Insbesondere suggestive Methoden sind in Verbindung mit einer Lachgassedierung zu empfehlen, sie steigern das Vertrauen der Kinder in die Behandlung und erleichtern das zunächst ungewohnte Tragen einer Nasenmaske.

Bei Kindern sind meist Lachgaskonzentrationen zwischen 30 und 50 % ausreichend. Allgemein anerkannt ist die alternative Verwendung der sogenannten „Blitzeinleitung“ bei besonders ungeduldigen oder quengeligen Kindern. Hier wird bereits zur Einleitung eine Lachgaskonzentration von 40–50 % verabreicht.

Während der Behandlung werden die Vitalparameter intermittierend überprüft. Das gesamte Team sollte stets mit ruhigen Stimmen für eine entspannte Atmosphäre sorgen, denn lautes Sprechen und hastige Bewegungen übertragen sich trotz Sedierung automatisch auf die Gemütslage des Kindes. Nach der Behandlung wird abschließend 3 Minuten lang 100 Prozent Sauerstoff verabreicht. Bereits geringe Lachgaskonzentrationen von 10–20 % führen zu einer signifikanten Veränderung der Psychomotorik. Es ist also bei der Entlassung besonders darauf zu achten, dass die Patienten ihre normale Psychomotorik zurückerlangt haben. Diese Erholungsphase ist jedoch extrem kurz, meist können die kleinen Patienten die Praxis nach ca. 20–30 Minuten mit ihren Eltern verlassen.

Fazit

Die Sedierung mit Lachgas bietet auch in der Behandlung schwer zu führender Kinder eine sichere und schonende Möglichkeit, eine potente Anxiolyse anzuwenden und dabei auf risikoreichere, tiefere Sedierungsformen oder gar Vollnarkosen zu verzichten. Der Bundesverband für Kinderzahnärzte gab im April 2013 nicht überraschend eine offizielle Empfehlung für den Einsatz der Lachgassedierung heraus und bestätigt damit die immer weiter steigende Akzeptanz und Nachfrage der Methode in Deutschland, insbesondere in der modernen Kinderzahnheilkunde. Mit einer nach national (Deutsche Gesellschaft für dentale Sedierung, DGfdS e. V.) und international gültigen Richtlinien (u. a. CED [2012]) durchgeführten Zertifizierung des anerkannten Instituts für dentale Sedierung in Köln – unter Leitung von Anästhesist, Notfallmediziner und Fachbuchautor Dr. Mathers – erhält man innerhalb von zwei Tagen die Befähigung, Lachgas in der eigenen Praxis sicher einzusetzen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Jesko Gärtner

Bilder soweit nicht anders deklariert: Jesko Gärtner


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