Allgemeine Zahnheilkunde


Lachgassedierung bei kleinen Patienten

22.12.2011

Quelle: © by-sassi/pixelio.de
Quelle: © by-sassi/pixelio.de

Mehr als 80% der Kinder, die erstmals eine Zahnbehandlung unter Lachgassedierung erlebt haben, möchten auch beim nächsten Zahnarztbesuch nicht darauf verzichten. Aus Sicht des Zahnarztes führt die Lachgassedierung bei 9 von 10 Patienten zum gewünschten Effekt. Das zeigen die Ergebnisse einer neuen Studie des Kölner Instituts für dentale Sedierung (IdS), die auf dem 23. Internationalen Kongress für Kinderzahnheilkunde (IAPD 2011) in Athen vorgestellt wurde[1].

Kooperationsunwillige Kinder, die extreme Angst vor einer Zahnbehandlung haben, können meist nur unter Vollnarkose behandelt werden. Diese ist jedoch risikobehaftet und mit einem großen organisatorischen Aufwand verbunden. „Kinder, die der Behandlung zwar ängstlich gegenüberstehen, diese aber nicht völlig verweigern, sind meist schon mit dem weit weniger tiefgreifenden Verfahren der Lachgassedierung behandelbar“, so Dr. Frank G. Mathers, Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Leiter des Instituts für dentale Sedierung.

Studienergebnisse

Dies unterstreicht die am 18. Juni 2011 beim IAPD 2011 präsentierte IdS-Studie „How satisfied are recently-trained German dentists and their patients with dental care under nitrous oxide sedation?“ Fünf Zahnärzte, die zuvor vom Institut für dentale Sedierung (IdS in Köln) in der Lachgassedierung ausgebildet und zertifiziert wurden, behandelten 32 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 15 Jahren, die erstmals eine Lachgasbehandlung erhielten (Behandlungsdauer jeweils 45–60 Minuten). Verabreicht wurde das Lachgas mit einem Biewer Medical Sedaflowsystem mit Accutron Digital Ultra Flowmeter. Im Anschluss wurden die Patienten gefragt, ob sie sich auch bei der nächsten Behandlung für Lachgas entscheiden werden. Die Ergebnisse: 26 Patienten (81%) antworteten mit „Ja“, 4 Patienten (13%) waren unentschlossen und 2 Patienten (6%) antworteten mit „Nein“.

Neben der Patientenzufriedenheit wurde ermittelt, wie zufrieden die behandelnden Zahnärzte mit dem Ergebnis der Lachgassedierung sind. Dazu wurden jeweils der Sedation Score sowie die erreichte Stufe auf der Houpt Behavior Rating Scale dokumentiert.

Der Sedation Score (Werte 1–4, wobei 1 für „wach und nervös“ und 4 für „schlafend, aber erweckbar“ steht) gibt an, welche Sedierungstiefe beim Patienten erreicht wurde. Die Ergebnisse der Studie: 32 Patienten erreichten den Optimalwert 2 („wach und beruhigt“), 2 Patienten erreichten 3 („müde und beruhigt“). Kein Patient ist eingeschlafen oder in die Bewusstlosigkeit abgerutscht. Die Houpt Behavior Rating Scale (Stufen 1–6, wobei 1 für „Behandlungsabbruch“ und 6 für „exzellent“ steht) zeigt, wie der behandelnde Arzt das Ergebnis der Lachgassedierung einschätzt. 22 Patienten waren nach Einschätzung der Behandler „exzellent“ sediert, 4 Patienten „sehr gut“, 3 Patienten „gut“, 2 Patienten „befriedigend“ und bei einem Patienten wurde die Behandlung mangels Erfolg abgebrochen. Bei 9 von 10 Patienten wurde der gewünschte Effekt von Entspannung und weitestgehender Angstfreiheit erreicht, sodass die Behandlungen unter optimalen Bedingungen abgeschlossen werden konnten.

Abgrenzung Lachgassedierung und -anästhesie

Lachgas wurde bereits in früheren Jahren zur zahnärztlichen Sedierung in deutschen Zahnarztpraxen eingesetzt. Doch aufgrund der damals unzureichenden technischen Ausstattung und der schlechten Steuerbarkeit der Sedierungstiefe verschwand das Verfahren wieder aus den Praxen. Die heute umfassendere Kompetenz der Zahnärzte und eine neue und sicherere Generation von Lachgasapplikationsgeräten tragen dazu bei, dass das Verfahren wieder ins Bewusstsein vieler deutscher Zahnmediziner gerückt ist. Während in den USA oder England bereits die meisten Zahnärzte Lachgas einsetzen, ist es in Deutschland noch immer nur ein ausgewählter Kreis.

Aufpassen muss man, wenn der Begriff Lachgassedierung mit einer Lachgasanästhesie (Vollnarkose) gleichgesetzt wird. Zwischen beiden Verfahren besteht jedoch ein erheblicher Unterschied. Während der Patient bei der Lachgassedierung nie das Bewusstsein verliert und alle Atemund Schutzreflexe erhalten bleiben, ist er bei einer Lachgasanästhesie bewusstlos und auf künstliche Beatmung angewiesen. Die unbewusste Gleichsetzung der Begriffe kann den Eindruck erwecken, dass die Gefahren einer Lachgasanästhesie deutlich heruntergespielt werden sollen. Während es bei Lachgasanästhesien immer wieder zu Todesfällen kommt, ist in der mehr als 150-jährigen Geschichte der Lachgassedierung noch kein Mensch ernsthaft zu Schaden gekommen. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Markus Lemke

Bilder soweit nicht anders deklariert: Markus Lemke


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