Allgemeine Zahnheilkunde

Aus Wissenschaft und Hochschulen.

Kariestherapie: Mehr Zurückhaltung, bitte!

Der Einsatz „sanfter“ Methoden der Kariestherapie ist wünschenswert, damit mehr Zahnsubstanz erhalten werden kann und die Abwärtsspirale bis hin zur Extraktion des Zahnes möglichst langsam in Schwung kommt.

Diskutiert werden derzeit das Versiegeln von Karies und die Infiltration, bei der demineralisierte, weiche Zahnsubstanz mit einem Kunststoff aufgefüllt wird. Dass ein solches mikroinvasives Vorgehen das Risiko der Kariesprogression bei anfänglicher Karies senkt, ergab ein Cochrane-Review* aus dem Jahr 2015 [1]. Das Fazit der Autoren lautete damals, dass mikroinvasive Behandlungen wie Versiegelung oder Infiltration von Approximalkaries frühe, nicht kavitierte Schmelzläsionen und Initialkaries stoppen können.

An diesem Punkt knüpft ein Review mit neuer Fragestellung an: Inwieweit entspricht die Praxis der wissenschaftlichen Evidenz? Wo liegt die Grenze für den Behandler, bei Karies invasiv einzuschreiten [2]? Das Ergebnis des Reviews deutet darauf hin, dass Karies zu schnell invasiv behandelt wird.

Die beiden Autoren schlossen 30 Studien aus 17 Ländern, die sich meist auf Erwachsene und bleibende Zähne beziehen, in die Meta-Analyse ein. Diese umfasst den Zeitraum 1983 bis 2014. Es zeigte sich, dass 21 % der Zahnärzte bereits eine Approximalkaries, die sich auf den Zahnschmelz beschränkt, invasiv behandeln würden. Bei Risikopatienten ist die Wahrscheinlichkeit einer Füllungstherapie beinahe doppelt so hoch. Approximalkaries, die die Schmelz-Dentin-Grenze erreicht hat, würden 48 % der Behandler nach eigener Auskunft mit einer Füllungstherapie behandeln. Bei okklusalen Läsionen mit Schmelzverfärbung bzw. Kavitation, aber ohne Dentinbeteiligung, würden 12 % der Behandler einschreiten, bei Dentinbeteiligung 74 %. Unterschiede gab es zwar zwischen den unterschiedlichen Nationen – Tendenzen zu einer Veränderung der Behandlungsentscheidungen waren aber nicht feststellbar. Das ist erstaunlich, da in jüngster Zeit die Wirksamkeit nichtinvasiver Methoden stärker untersucht und belegt wurde.

Somit zogen die Autoren denn auch das Fazit, dass es notwendig sei, die Entscheidungen der Praktiker, invasiv zu therapieren, zu hinterfragen und genauer zu verstehen. Und man müsse nach Wegen suchen, die Konsequenzen wissenschaftlicher Erkenntnisse (stärker) in die Praxis zu implementieren.

Quelle: 1 Dorri M, Dunne S, Walsh T, Schwendicke F: Micro-invasive interventions for managing proximal dental decay in primary and permanent teeth. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015; 11: CD010431. DOI: 10.1002/ 14651858. 2 Innes NPT, Schwendicke F: Restorative thresholds for carious lesions. Journal of Dental Research; Abstract online: 14. Februar 2017, DOI: 10.1177/0022034517693605

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dagmar Kromer-Busch


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