Allgemeine Zahnheilkunde


Hauterkrankungen der Lippen und der Mundschleimhaut in der zahnärztlichen Praxis – Teil 1

Häufig besteht eine enge Beziehung von Erkrankungen der Haut mit Veränderungen im Bereich der Mundschleimhaut. Die Mundschleimhaut ist ein Gebiet, welches sich meistens dem ersten Blick des Dermatologen entzieht, aber sich ständig im Fokus anderer Fachbereiche, wie der Zahnmedizin und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, befindet. Hier ist die Beurteilung der Mundschleimhaut meist ein Nebenbefund, der oft keine eventuell notwendigen Konsequenzen nach sich zieht, meist aus fehlender Erfahrung. Dieser Übersichtsartikel soll einen kleinen Einblick liefern und für die häufigsten Erkrankungen im Bereich der Lippen und der Mundschleimhaut im Alltag der zahnärztlichen Praxis sensibilisieren, damit eine zeitnahe Zuweisung des Patienten in eine fachspezifische Klinik oder Praxis erfolgt.

Die Lippe (Labium oris) ist ein paarweise vorkommendes Organ mit der Oberlippe (Labium superius), die von der Nase bis hin zum Lippenrot reicht, und der Unterlippe (Labium inferius). Die seitliche Begrenzung bilden die Nasolabialfalten und in der Mitte befindet sich das Philtrum. Die Haut der Lippen geht im Bereich des Vestibulum oris in die Schleimhaut des Mundes über. Es handelt sich um ein nicht verhornendes Plattenepithel. Für eine klinische Diagnostik ist die Einteilung in Lippenregionen, d.h. die äußere Lippenhaut, das Lippenrot und die Lippenschleimhaut, sinnvoll.
„Deine Lippen sind entzaubert“, so heißt es bei Theodor Storm. Damit es nicht so weit kommt, werden nachfolgend wichtige Erkrankungen u. a. im Bereich der Lippe, die man möglicherweise zuletzt in der Dermatologie- Vorlesung im Studium gesehen hat, anhand von klinischen Beispielen vorgestellt.

Erkrankungen der Lippen – klinische Beispiele

Lippenschwellung (Makrocheilie) (Top 5)

Cheilitis glandularis gilt als eine seltene Erkrankung der kleinen Speicheldrüsen (Glandulae labiales), die mit einer Hyperplasie derselben einhergeht. Als Ursache gelten das Rauchen, UV-Licht und andere chronisch irritative Faktoren. Klinisch zeigt sich ein großes Spektrum von Manifestationsformen. Diese reichen von erythematösen Flecken bis hin zu knotigen Läsionen im Bereich der Unterlippe und Mundhöhle. Die Diagnose lässt sich meist anhand der Anamnese und Klinik feststellen. Differenzialdiagnostisch gilt es ein Plattenepithelkarzinom auszuschließen, besonders bei bekannter chronischer UV-Exposition und/oder immunsupprimierten Patienten7.

Cheilitis granulomatosa (Abb. 1) ist eine eigenständige granulomatöse Entzündungsreaktion oder eine Teilmanifestation beim Melkersson- Rosenthal-Syndrom2,10, Morbus Crohn oder der Sarkoidose23.
Diese Entzündungsreaktionen gehen mit einer Lippenschwellung und einer sekundären Lippenverplumpung (Makrocheilie) einher2,10. Bei dieser Erkrankung sind zunächst episodenhafte Schwellungen, später permanente Schwellungen vor allem der Oberlippe auffällig. Das klinische Bild ist meist für eine Diagnostik wegweisend, in Zweifelsfällen muss eine Probebiopsie die Diagnose sichern.

Kontaktcheilitis ist ein Lippenekzem, das durch allergische oder irritativ-toxische Kontaktstoffe19 ausgelöst wird, wie zum Beispiel gegen Wollwachs oder Kolophonium. Klinisch auffällig sind trockene schuppende Lippen mit schmerzhaften Fissuren, teilweise Erythemen bis hin zu Lippenödemen und möglicherweise Bläschen. Die Patienten beschreiben ein Spannungsgefühl und Juckreiz. Wichtig für die Diagnostik ist die Identifikation der auslösenden Kontaktstoffe.

Angioödem (Quincke-Ödem) ist ein meist an den Lippen akut bis zu drei Tage anhaltendes, als eine prall-elastische Schwellung tastbares Ödem der unteren Dermis und Subkutis. Bei einer Lippen-, Zungen- und Pharynxschwellung handelt es sich um eine lebensbedrohliche Situation. Es lassen sich ein hereditäres (autosomal-dominant), sowie ein erworbenes Angioödem unterscheiden. Letzteres tritt aufgrund eines C1-Esterase-Inhibitor- Mangels auf oder wird durch andere Mechanismen wie allergische, pseudoallergische oder medikamentöse Einwirkungen verursacht.

Hämangiome (Abb. 2) sind sehr häufige gutartige, vergrößerte Gefäßhamartome, die im Bereich der Lippen wie auch anderen Weichgewebsregionen der Mundhöhle in den ersten Lebensmonaten auftreten können. Bis zu fünfmal häufiger treten Hämangiome bei Mädchen als bei Jungen auf. Bis zu 60 % der Hämangiome finden sich im Bereich des Kopfes. Die Hämangiome durchlaufen meist mehrere Stadien (Latenz, Proliferation, Plateau und Regression). Es gibt superfizielle fokale (Erdbeerhämangiom), superfizielle diffuse und subkutane Hämangiome. Die tiefen subkutanen Hämangiome treten häufig in Kombination mit einem superfiziellen Hämangiom auf (Eisberg-Phänomen).

Erkrankungen der äußeren Lippenhaut (Top 5)

Herpes simplex ist eine Infektion durch den Herpessimplex-Virus (HSV). Die häufigste Manifestation einer Herpes-simplex-Virus-Infektion tritt in Form von Typ 1 im Bereich der Lippen als Herpes simplex labialis recidivans in loco (Lippenherpes) auf. Die Inzidenz beträgt 1,6 pro 1.000 Patienten pro Jahr, die Prävalenz 2,5 pro 1.000 Patienten pro Jahr18.
Schätzungsweise ein Drittel von allen infizierten Patienten entwickelt ein Rezidiv9. Meist sind chronisch-rezidivierende Eruptionen gruppiert stehender, stecknadelkopfgroße Bläschen auf gerötetem Grund auffällig. Für Prodromi sprechen Juckreiz, Spannungsgefühl und eventuell auch Schmerz. Häufig ist die Infektion durch UV-Licht oder durch Traumata induziert.

Periorale Dermatitis (Abb. 3) zeigt sich häufig bei jungen Frauen, die ihr Gesicht mit den verschiedensten Cremes und Make-up überpflegen. Es finden sich perioral kleinste follikulär gebundene und teilweise kunfluierende Papeln. Meist ist ein erscheinungsfreier Saum um den Mund auffällig14,24.

Atrophie der Lippen ist eine chronisch entzündliche Veränderung durch chronische Lichteinwirkung. Oft zeigt sich dieses Bild in Kombination mit dem Bild der Landmannshaut (Seemannshaut).

Lentigo simplex ist ein nicht einheitlich definierter und gebrauchter Begriff für einen meist 1 bis 3 mm große, erworbene, saisonal nicht reversible, bräunliche makuläre Hyperpigmentierung der Schleimhaut, hervorgerufen durch eine lineare Vermehrung der basalen Melanozyten.

Follikultis ist eine chronisch rezidivierende Entzündung der Follikel durch gramnegative Erreger im Mundbereich, meist blassgelbe follikuläre Pusteln auf entzündlich gerötetem Grund. Sie geht häufig mit starker Seborrhö einher.



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