Allgemeine Zahnheilkunde


Früherkennung von Hautkrebs im Gesicht in der zahnärztlichen Praxis – Teil 1


Maligne Hauttumoren treten überwiegend im Kopfbereich auf. Bei der zahnärztlichen Untersuchung des Patienten bietet sich eine gute Gelegenheit, im Gesicht des Patienten Hautkrebs in einem frühen Stadium zu entdecken. Mit einer Umfrage sollte untersucht werden, welche Einstellung niedergelassene Zahnärzte und Zahnärztinnen zur Früherkennung von Hautkrebs in der zahnärztlichen Praxis haben. Es stellt sich u. a. heraus, dass fast alle befragten Zahnärzte Patienten selten oder nie zu Veränderungen der Gesichtshaut befragt haben. Ein Drittel der Zahnärzte hatte Hautkrebs höchstens einmal während ihrer Berufstätigkeit diagnostiziert, zwei Drittel noch nie. Die Mehrheit der Zahnärzteschaft zeigte sich jedoch grundsätzlich einer Vorsorgeuntersuchung in der Zahnarztpraxis gegenüber offen. Lesen Sie die Ergebnisse der Befragung im folgenden Beitrag nach.

Hautkrebs ist die weltweit häufigste Krebserkrankung mit der höchsten jährlichen Zuwachsrate. In Deutschland werden pro Jahr etwa 250.000 Neuerkrankungen an Hautkrebs diagnostiziert31. Während das maligne Melanom als gefährlichste Hautkrebsform relativ selten ist, dominieren bei den Neuerkrankungen die nichtmelanozytären (epithelialen) Hautkrebsarten (Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom) mit einem Anteil von über 90 %. 80 bis 90 % der malignen Epitheliome treten im Kopf- Hals-Bereich auf10,24. Von den epithelialen Hautkrebsformen ist das maligne Melanom mit einer Inzidenz von ca. 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr und einer hohen globalen Letalität (alle Krebsstadien) von ca. 20 bis 30 % abzugrenzen24,31. Die Inzidenz des Melanoms ist in den letzten dreißig Jahren auf das Fünffache angestiegen8.
Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei den Basalzellkarzinomen bei der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen, bei den Plattenepithelkarzinomen bei den 70- bis 79-Jährigen2. Da der Anteil der über 60 Jahre alten Menschen in Deutschland heute etwa 25 % der Gesamtbevölkerung ausmacht und dieser Wert bis 2030 auf 35 bis 38 % der Bevölkerung ansteigen wird19, ist schon allein aus demographischen Gründen mit einem steilen Anstieg der Erkrankungsinzidenz zu rechnen. Der karzinogene Hauptrisikofaktor für die Ausbildung von malignen Melanomen ist die zeitweilig stark erhöhte UV-Bestrahlung2. Bei den epithelialen Hautkrebsformen ist es die kumulative UV-Exposition über das ganze Leben11. Durch verlängerte Freizeit mit längerem Aufenthalt im Freien und durch vermehrte Urlaube in sonnenreichen Regionen erhöht sich alljährlich die Sonnenbestrahlung der Haut und damit auch die Rate der UV-induzierten Hautschädigungen3,11,28. Zudem ist seit Ende der 1960er Jahre die UV-Strahlung in Mitteleuropa um etwa 15 % angestiegen13. Auch die gegen aggressive UV-Strahlung schützende Ozonschicht dünnt sich in Mitteleuropa immer weiter aus. So lagen die Monatsmittelwerte in Österreich in den letzten Jahren seit 1997 im Winter bis 20 % und in den Sommermonaten bis 10 % unter dem langjährigen Monatsmittel14. Härle wies bereits 1995 darauf hin, dass bei einer Abnahme der Ozonschicht um 1 % die Zahl der Basalzellkarzinome um 5 % zunimmt10. Zu dieser natürlichen UVBelastung kommen Besuche von Sonnenbänken, die mehr als 12 Millionen Deutsche regelmäßig aufsuchen25. Unter den Solarienbesuchern dominiert die Gruppe der 18- bis 39-Jährigen mit einem Anteil von rund 60% (Abb. 1a u. b).

  • Abb. 1a: Alter von über 18 Jahren in Deutschland (gesamt: 12,2 Mio.) (mod. nach Reisinger 2007).

  • Abb. 1a: Alter von über 18 Jahren in Deutschland (gesamt: 12,2 Mio.) (mod. nach Reisinger 2007).
  • Abb. 1b: Altersverteilung der Sonnenbankbesucher (mod. nach Reisinger 2007).

  • Abb. 1b: Altersverteilung der Sonnenbankbesucher (mod. nach Reisinger 2007).

Als Folge der genannten Entwicklungen zeigt die Inzidenz der epithelialen Hauttumoren in den letzten dreißig Jahren weltweit einen steilen Anstieg27. Lear und Smith gehen von einer Häufigkeitszunahme aller Hautkrebsformen von 10 % pro Jahr aus18. Da fast zwei Drittel der malignen Hauttumoren im Gesicht auftreten12,15 und die Früherkennung und Frühdiagnose zu verbesserten Heilungsraten mit reduzierter Morbidität und geringeren Behandlungskosten führt26, sind alle Arztgruppen, die in der Kopf-Hals-Region tätig sind, aufgerufen, verstärkt auf Hautveränderungen im Gesicht zu achten und Patienten gegebenenfalls einer raschen, fachgerechten Therapie zuzuführen (Abb. 2)
  • Abb. 2: Nodulär-ulcerierendes Basalzellkarzinom der linken Augenbraue.

  • Abb. 2: Nodulär-ulcerierendes Basalzellkarzinom der linken Augenbraue.
. Somit ergibt sich die Frage, ob sich Zahnärzte, die in Deutschland neben den Hausärzten am häufigsten von den Patienten konsultiert werden, ebenfalls an der Hautkrebsvorsorge beteiligen sollten1,12,22.

Untersuchung

105 osthessische Allgemeinzahnärzte und -zahnärztinnen erhielten einen Fragebogen, der anonym beantwortet werden konnte. Im allgemeinen Teil des Fragebogens wurden das Alter, das Geschlecht und die Dauer der zahnärztlichen Berufstätigkeit erfasst. Der spezielle Teil enthielt Fragen zur Hautkrebsdiagnostik und -vorsorge bei Patienten in der zahnärztlichen Praxis sowie zur Häufigkeit der eigenen Vorsorgeuntersuchungen.
Zur Klärung möglicher Zusammenhänge zwischen der Art der Antworten und der Geschlechtszugehörigkeit wurde eine Korrelationsanalyse nach Spearman durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mit dem Statistikprogramm SPSS für Windows.

Ergebnisse

Es kamen 74 Fragebögen zur Auswertung. 29 Fragebögen (39,2 % aller Fragebögen) waren von Zahnärztinnen und 45 (60,8 %) von Zahnärzten ausgefüllt worden.
Im allgemeinen Teil der Umfrage ergab sich folgendes Bild: Das Durchschnittsalter aller befragten Zahnärzte/ innen betrug 45,4 ± 8,2 Jahre (? 42,9; ? 46,9 Jahre). Vier Zahnärzte/ innen verzichteten auf eine Altersangabe. Der jüngste Teilnehmer der Studie war 28 und der älteste 63 Jahre alt. Die Zeitdauer der zahnärztlichen Berufstätigkeit betrug durchschnittlich 18,3 ± 7,7 Jahre (min. 3, max. 36 Jahre), wobei die zahnärztliche Tätigkeit der Zahnärztinnen durchschnittlich etwa 5 Jahre unter der der männlichen Kollegen lag. Der spezielle Teil der Umfrage ergab, dass nur ein Zahnarzt häufig von Patienten auf deren Hautveränderungen im Gesicht angesprochen worden war. Mehr als drei Viertel der Befragten (78,1 %) waren nur selten, 20,5 % noch nie von Patienten zu Hautveränderungen befragt worden. Etwa zwei Drittel (67,1 %) der befragten Zahnärzte/innen hatten noch nie bei einem Patienten Hautkrebs im Gesicht diagnostiziert, bei einem Drittel war dies mindestens einmal während ihrer Berufstätigkeit der Fall gewesen. Fast alle Zahnärzte/innen (90,5 %) hatten schon einmal Patienten wegen einer Hautveränderung im Gesicht geraten, einen Facharzt aufzusuchen. Hierbei wurde am häufigsten (79,7 %) zur Konsultation eines Dermatologen oder einer Hautklinik geraten, etwa ein Drittel empfahl, einem MKG-Chirurgen aufzusuchen. 22 Zahnärzte/innen nannten verschiedene Fachärzte, wobei am häufigsten die Kombination Dermatologe und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg empfohlen wurde (Abb. 3)

  • Abb. 3: Empfehlungen der Zahnärzte/innen für fachärztliche Konsultationen wegen verdächtiger Hautveränderungen im Gesicht (n = 67).

  • Abb. 3: Empfehlungen der Zahnärzte/innen für fachärztliche Konsultationen wegen verdächtiger Hautveränderungen im Gesicht (n = 67).
. 81,1 % der befragten Zahnärzte/innen erachten die Durchführung einer Hautkrebsvorsorge im Gesichtsbereich in der zahnärztlichen Praxis für sinnvoll, 18,9 % sprechen sich dagegen aus. Allerdings fühlen sich 70,8 % der Kollegen/innen nicht ausreichend über bösartige Hauterkrankungen informiert.
Bei der Selbstbeurteilung gaben 78 % der Befragten an, dass sie sich bisher selten oder noch nie bei einem Hautarzt einem Hautkrebsscreening unterzogen haben. Nur 11 % suchen einmal jährlich den Hautarzt auf, weitere 11 % alle zwei Jahre (Abb. 4)
  • Abb. 4: Häufigkeit der Hautkrebsvorsorge bei Zahnärzten und Zahnärztinnen (n = 74).

  • Abb. 4: Häufigkeit der Hautkrebsvorsorge bei Zahnärzten und Zahnärztinnen (n = 74).
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Die statistische Auswertung der Daten ergab keine signifikante Korrelation zwischen der Geschlechtszugehörigkeit und der Art der Antwort. Es waren lediglich einige geschlechtsspezifische Trends erkennbar. So fühlte sich nur ein Viertel der Zahnärztinnen, aber ein Drittel der Zahnärzte ausreichend über bösartige Hautveränderungen informiert. Bei sich selbst hatten Zahnärztinnen öfter ein Hautkrebsscreening durchführen lassen als dies bei ihren männlichen Kollegen der Fall war (Abb. 4).

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Früherkennung von Hautkrebs im Gesicht in der zahnärztlichen Praxis – Teil 2

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: PD Dr. Dr. Frank Halling

Bilder soweit nicht anders deklariert: PD Dr. Dr. Frank Halling


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