Allgemeine Zahnheilkunde


Der aktuelle Stand der Röntgendiagnostik in der Zahnmedizin – Teil 2

Abb. 6: Paralleltechnik (http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtwinkeltechnik/Michael Ottenbruch).
Abb. 6: Paralleltechnik (http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtwinkeltechnik/Michael Ottenbruch).

Fortsetzung

Intraorale Zahnaufnahmen

Zahnfilme dienen der detaillierten Beurteilung der Zahnhartsubstanz, des Parodontalspaltes, und des periapikalen Gewebes. Der intraorale Kleinbildstatus ist wegen der geringeren Übersicht, der unvollständigen Darstellung der Kiefer im Vergleich zum Orthopantomogramm und seiner hohen Strahlenbelastung obsolet. Um einen Zahn zwar vergrößert, aber unverzerrt in richtigen Größenverhältnissen darzustellen, ist die Paralleltechnik anzuwenden. Dabei trifft der Strahl rechtwinklig auf den Bildempfänger, der parallel zur Zahnachse positioniert ist (Abb. 6). Wenn der Bildempfänger aus anatomischen Gründen nicht parallel zur Zahnachse eingerichtet werden kann, ist die Halbwinkeltechnik anzuwenden. Dabei trifft der Zentralstrahl rechtwinklig auf

  • Abb. 7: Halbwinkeltechnik (http://de.wikipedia.org/wiki/Halbwinkeltechnik/Michael Ottenbruch).

  • Abb. 7: Halbwinkeltechnik (http://de.wikipedia.org/wiki/Halbwinkeltechnik/Michael Ottenbruch).
die Winkelhalbierende zwischen Zahn und Bildempfänger (Abb. 7). Der Zahn wird größenrichtig, aber mit falschen Proportionen (verkürzte Krone, verlängerte Wurzel) abgebildet. Daher eignet sich die Methode schlecht zur Kariesdiagnostik und zur Beurteilung des parodontalen Attachments. Eine spezielle Form des Zahnfilms ist die Bissflügelaufnahme. Dabei wird der Film quer positioniert und so mehrere Kronen abgebildet. Die Indikationen sind die Darstellung von approximaler Karies, dem approximalen Randschluss von Restaurationen, Sekundärkaries, Zahnstein, Parodontitis marginalis, Malokklusionen, perimplantären Knochenstrukturen und der Implantatschulter. Zahnhalskaries ist aufgrund des Tangentialeffekts schlecht darstellbar. Dieser Effekt beschreibt den Umstand, dass Strukturen, die von der Strahlung tangential getroffen werden, also parallel zum Strahlengang liegen, deutlich abgebildet werden, während quer getroffene Strukturen nur als mehr oder weniger dichte Verschattungen dargestellt werden. Ebenfalls eine Rolle spielt der Additionseffekt, der bedingt, dass Fissurenkaries durch intakten Schmelz, eine vergleichsweise dickere und dichtere Struktur, überlagert wird und somit auch schwer erkennbar ist. Sie sollte besser klinisch beurteilt werden. Dieselben
  • Abb. 8: Übersichts- und Halbseitenaufbissaufnahme Oberkiefer.

  • Abb. 8: Übersichts- und Halbseitenaufbissaufnahme Oberkiefer.
  • Abb. 9: Speichelstein.

  • Abb. 9: Speichelstein.
Gesetzmäßigkeiten gelten auch für die Aufbissaufnahme, bei der der Röntgenfilm parallel zur Okklusionsebene positioniert wird. Mögliche Projektionen sind Übersichts-, Halbseiten- oder Teilaufnahmen von Ober- oder Unterkiefer (Abb. 8). Übersichtsaufnahmen erfassen den ganzen Kiefer symmetrisch, Halbseitenaufnahmen bilden eine Kieferhälfte, Teilaufnahmen meist die Frontzahnregion ab. Indikationen sind die Abklärung von Speichelsteinen (Abb. 9) und von Raumforderungen, und, wie zum Beispiel beim Unterkiefer-Weisheitszahn, die Gewinnung einer dritten Ebene, um die Lage in der bukko-lingualen Dimension abschätzen zu können. Weitere Möglichkeiten, um konventionelle zweidimensionale Röntgenbilder um eine Darstellung der dritten Dimension zu erweitern, sind die transversale Schichtaufnahme, die seitliche Schädelaufnahme und wiederholte intraorale Zahnfilme mit verändertem Strahlengang, im Sinne der SLOB (Same Lingual, Opposite Buccal)-Regel. Diese Regel besagt: Wenn der Tubus im Vergleich zu einer am besten in Paralleltechnik angefertigten Erstaufnahme nach mesial oder distal bewegt wird, die Strukturen, die an einer unterschiedlichen Stelle im Strahlengang, also weiter bukkal oder lingual liegen, in Relation anders abgebildet. Bewegt sich ein Objekt mit dem Tubus, so befindet es sich lingual zur Referenzstruktur, bewegt es sich in die Gegenrichtung, liegt es bukkal (Abb. 10). Diese Technik wird vor allem bei der Röntgenmessaufnahme, bei der es gilt, die mesiobukkale von der mesiolingualen Wurzel zu unterscheiden, angewendet. Weitere Möglichkeiten für die Darstellung in drei Ebenen mittels konventionellen Röntgens sind die transversale Schichtaufnahme und die
  • Abb. 10: Die SLOB-Regel.

  • Abb. 10: Die SLOB-Regel.
seitliche Schädelaufnahme, die in der Kieferorthopädie als Fernröntgen bezeichnet wird. Die transversale Schichtaufnahme ist eine mögliche Spezialfunktion des Panoramaröntgengerätes. Dabei werden mehrere Schichtungen in transversaler Richtung in einer begrenzten Region aufgenommen, ähnlich der Darstellung im Dental-CT, wie später noch ausgeführt wird. Die Durchführung ist diffizil und erfordert gut ausgebildetes Personal mit anatomischen Kenntnissen und Erfahrung im Umgang mit dem Gerät. Sie kann in einfachen Fällen zur Überprüfung der Lage des Mandibularkanals, zur Lagebeurteilung von retinierten Zähnen und zur Überprüfung des horizontalen Knochenangebots in der Implantologie eingesetzt werden5 (Abb. 11). Eine weitere Spezialfunktion des Panoramagerätes ist die Darstellung der Kiefergelenke in Multischichtung. Diese kann ausschließlich zur Darstellung der kondylären Hartgewebe angewandt werden, und findet ihre Indikation daher in der Abklärung von möglichen Arthrosen und anderen degenerativen Veränderungen (Abb. 12). Die seitliche Schädelaufnahme zeigt den Kieferkammquerschnitt im Frontzahnbereich. So kann zum Beispiel bei vier interforaminär geplanten Implantaten ein lingualer Unterschnitt ausgeschlossen werden (Abb. 13). Ihr Haupteinsatzbereich liegt jedoch in der Kieferorthopädie als so genanntes Fernröntgen. Die seitliche Schädelaufnahme, bei der das Gesicht des Patienten nach rechts gerichtet ist, wird dabei in einem fix definiertem Filmfokus-Abstand von 1,5 m durchgeführt. Die Durchzeichnung des Bildes gibt Aufschluss über verschiedene kieferorthopädische Parameter, wie die Position von Oberkiefer und Unterkieferbasis (pro-, retro- oder eugnath), Inklination der Frontzähne, Wachstumstendenz, Molarenrelation und das Profil des Patienten (Abb. 14). Sie ist Bestandteil jeder kieferorthopädischen Planung, und dient auch zur Kontrolle des Therapiefortschritts.
  • Abb. 11: Transversale Schichtaufnahme.
  • Abb. 12: Kiefergelenk in Multischichtung.
  • Abb. 11: Transversale Schichtaufnahme.
  • Abb. 12: Kiefergelenk in Multischichtung.

  • Abb. 13: Fern- und Panoramaröntgen zur Implantatplanung.
  • Abb. 14: Fernröntgen-Durchzeichnung.
  • Abb. 13: Fern- und Panoramaröntgen zur Implantatplanung.
  • Abb. 14: Fernröntgen-Durchzeichnung.

Darstellung in drei Dimensionen

Trotz dieser Möglichkeiten der räumlichen Darstellung unter Zuhilfenahme von verschiedenen Techniken der zweidimensionalen Bildgebung gibt es Grenzen der Aussagekraft, was zu Informationsdefiziten für Diagnostik und Therapieplanung führen kann. Dies betrifft etwa die Lagebeziehungen verschiedener Strukturen zueinander, die exakte Anatomie, wie z. B. die genaue Ausdehnung der Kieferhöhle oder die Lage des Mandibularkanals über seinen ganzen Verlauf hinweg, und die Ausdehnung von Pathologien und ihren Bezug zu benachbarten Strukturen. Daher haben dreidimensionale Verfahren die Diagnostik und Therapieplanung vor allem in der Oralchirurgie und Implantologie revolutioniert. Sie bieten eine übersichtliche, detailgetreue, eindeutige und vollständige Darstellung in allen drei Ebenen, die es ermöglicht, die Bilddaten mit digitalen Planungsprogrammen zu kombinieren. Somit ist es möglich, die Invasivität des Eingriffs möglichst gering zu halten, und das Komplikationsrisiko entscheidend zu reduzieren6.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Petra Rugani - Prof. Dr. Dr. Norbert Jakse

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Petra Rugani , Prof. Dr. Dr. Norbert Jakse



Aufruf zur Online-Umfrage für ZÄ, ZMP und DH – Studie zu Gingivawucherungen
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Prof. Dr. Christian Graetz et al., Universitätsklinikum Kiel, freuen sich über die Teilnahme an einer anonymisierten Umfrage. Zeitdauer ca. 10 Minuten. Die Studie untersucht, ob aus zahnmedizinischer Sicht eine adäquate Versorgung des o.g. Krankheitsbildes „gingivale Wucherungen“ vorliegt.