Allgemeine Zahnheilkunde

Systemvergleich

CAD/CAM-Systeme – Teil 1

Abb. 1: Unterscheidungsmerkmale von CAD/CAM-Systemen.
Abb. 1: Unterscheidungsmerkmale von CAD/CAM-Systemen.

Die tägliche Arbeit in der Praxis wird zunehmend durch den Einsatz von CAD/CAM-Technologien beeinflusst. Auf der diesjährigen IDS wurde gezeigt, dass die Möglichkeiten hinsichtlich einer Auslagerung der Gerüstherstellung ausgebaut wurden: Neben den Herstellungseinheiten in Laboren bieten sich nun auch zahlreiche Industriepartner mit Fräszentren an. Nicht nur der Zahntechniker sollte sich deshalb mit diesem Thema befassen, auch der Zahnarzt – schließlich arbeitet er Hand in Hand mit dem Zahntechniker. Ferner sollte er über die zahntechnische Seite von CAD/CAM Bescheid wissen, da CAD/CAM nur in Kombination von werkstoffkundlichen Kenntnissen und klinischer Erfahrung, so Prof. Luthardt, verstanden und dargestellt werden kann. Nachfolgend werden die generellen Unterschiede der verschiedenen CAD/CAM-Systeme herausgearbeitet und erläutert, auf welche Punkte man bei der Wahl des Systems achten muss.

Die Zahntechnik befindet sich spätestens seit Anfang des neuen Jahrtausends vor starken Veränderungen. Zum einen wirken die maroden Zustände der Gesundheits- und Finanzsysteme stark auf das Gesundheitswesen und damit auch auf die Zahntechnik ein. Zum anderen finden technologische Fortschritte statt, die die Arbeitsweisen der Zahntechniker stark verändern. Last but not least kommt neben dem Kostendruck aufgrund veränderter gesetzlicher Sachlage noch zunehmend starker Druck aus den Billiglohnländern, vor allem aus China. Der deutsche (europäische) Zahntechniker wird auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, mit den herkömmlichen Produktionsarten mit diesen Preisen mitzuhalten, ohne seine Arbeit (weit) unter Wert zu verkaufen und somit quasi „wirtschaftlichen Selbstmord“ zu begehen.

Die Strategie, mit Qualität Kunden zu halten, wird aufgrund der eklatanten Preisunterschiede mittelfristig wohl nicht zum Erfolg führen, zumindest nicht für die Masse der Labors und Praxen – denn der „Premium-Markt“ ist mengenmäßig beschränkt und dürfte für die Masse der Dentallabors nicht ausreichen. Es ist einsichtig, dass 100 % der Dentallabore (Welches Dentallabor macht denn keine erstklassige Zahntechnik?) nicht 10 bis 20 % des Marktes bedienen können, ohne dass hier ein gewaltiger Schrumpfungsprozess eintreten muss, der den bisherigen noch weit in den Schatten stellt.

Daher stellt sich aus Sicht des Autors nicht die Frage, ob man sich mit CAD/CAM-Systemen beschäftigen soll, sondern wann. Und selbst diese Frage ist eigentlich auch schon beantwortet – nämlich allerspätestens heute!

Allgemeine Überlegungen zur Systemwahl

Steht man vor der Auswahl eines CAD/CAM-Systems, gilt es viele Aspekte zu berücksichtigen1 (Abb. 1). Die Anschaffung eines solchen Systems lediglich aus „Prestigegründen“ dürfte schon seit langer Zeit nicht mehr entscheidend sein. Im Jahre 2009 kann man angesichts der Vielzahl bereits installierter CAD/CAM-Systeme davon ausgehen, dass sich diese Systeme etabliert haben.
Neben den grundsätzlichen Erwägungen (z. B. zentrale/dezentrale Produktion) stehen selbstverständlich wirtschaftliche Erwägungen, denn mit einer solchen Investition soll schließlich Geld verdient werden. Dies ist nichts Ehrenrühriges, sondern die Pflicht eines jeden Unternehmers.
Eine der ersten Entscheidungen, die gefällt werden muss, ist die, ob man ein System mit zentraler oder dezentraler Produktion möchte. Bei der dezentralen Produktion gibt es die Möglichkeit, direkt in der Zahnarztpraxis („chair-side“) oder im Dentallabor herzustellen. Hier muss erwogen werden, was im Falle eines Maschinenschadens passiert. Auch sind die Investitionskosten sehr hoch. Dadurch muss die Finanzierung besonders gut geplant werden und Finanzierungsangebote der Anbieter gewinnen an Bedeutung. Durch die hohen Investitionskosten sinkt zum einen die Liquidität und zum anderen koppelt man sich eventuell von dem technischen Fortschritt ab, da man nicht ohne Weiteres auf neue Produktionstechnologien ausweichen kann, weil die Banken keine neuen Kredite gewähren werden. Auch darf der Begriff „Wertschöpfung“ nicht mit „Gewinn“ gleichgesetzt werden. Grob gesprochen ist die Wertschöpfung jener Wert, der erschaffen wird, ohne dass die Kosten, die aufgewendet werden müssen, berücksichtigt werden – Gewinn dagegen ist das, was „hinten raus kommt“; also die Wertschöpfung abzüglich aller Kosten des Labors und der Praxis.
Bei der zentralen Produktion kann man unterscheiden zwischen industriellen Anbietern und Dentallaboratorien, die Dienstleistungen anderen (z. B. Laborzusammenschlüssen) anbieten. Bei den industriellen Anbietern gibt es nationale und internationale Anbieter. Letztere können ihre Produktionsstätten im Ausland besitzen (z. B. Procera mit Produktionsstätten in Schweden, die für den europäischen Markt produzieren, sowie in Boston, welche für den US- und kanadischen Markt fertigen).
Insgesamt muss auch berücksichtigt werden, ob irgendwelche Lizenzgebühren zu entrichten sind. So gibt es z. B. die Möglichkeit, dass bei jedem Produktionsgang über einen Dongle (also einen hardwareseitigen Schlüssel zur Freischaltung) eine Gebühr abgerechnet wird. Diese Gebühr wird jedoch auch bei einer Fehlproduktion fällig. Dies führt neben dem Material- und Zeitverbrauch zu zusätzlichen Kosten. Eine weitere mögliche Kostenquelle sind jährliche Lizenzgebühren für die Software. Hier muss gegebenenfalls geprüft werden, ob diese gerechtfertigt sind. Plausibel sind diese Gebühren dann, wenn Weiterentwicklungen und Verbesserungen („bug fixing“) damit abgedeckt werden.
Ein weiteres Entscheidungskriterium ist die Produktionsart. Hier sind Fertigungstechniken, wie sie beschrieben worden sind, Produktionszeiten und Schnittstellen zu beachten. Offene Schnittstellen haben den Vorteil, dass auf verschiedene Materialien und/oder Fertigungstechnologien zugegriffen werden kann.
Neben der Produktionsart spielen auch die zu verarbeitenden Materialien eine gewichtige Rolle. Es gibt Systeme, die nur auf ein Material (und eine Produktionsmethode) beschränkt sind. Nun kann dies eventuell den Bedürfnissen entsprechen. Prinzipiell scheint eine hohe Flexibilität jedoch sinnvoller zu sein, d. h., je offener ein System konzipiert ist, desto zukunftssicherer ist es.
Wie auch bei den Produktionstechniken sind für die Materialien offene Schnittstellen von Vorteil. Durch Zugriff auf andere Systeme stehen hierdurch dem Anwender verschiedene Welten offen. Hier kommen die Vorteile dezentraler Produktionsstätten voll zum Tragen. So kann aufgrund der höheren Auslastung wirtschaftlicher produziert werden und schneller auf neue Technologien und Materialien reagiert werden.
Allerdings haben wirklich offene Systeme einen gravierenden Nachteil. Das Labor, welches sich die einzelnen Komponenten kauft, ist auch für die Funktion verantwortlich, denn jeder Anbieter der Einzelkomponenten wird natürlich glaubhaft versichern, dass gerade seine Komponente fehlerfrei funktioniert. Um solche hochkomplexen Systeme reibungslos zum Laufen zu bringen (und zu halten!), bedarf es eines beträchtlichen Know-hows.
Für die Materialauswahl ist auch der eigene Kundenstamm von Bedeutung. Kann ich dessen Bedürfnisse mit einem solchen System befriedigen? Daher sollte man vorher die Bedürfnisse ermitteln. Dies gilt hinsichtlich Materialart und durchsetzbarer Abgabepreise. Aufgrund dieser Werte lässt sich ein möglicher Umsatz errechnen, der dann den realen Anschaffungs- und Unterhaltskosten gegenübergestellt werden muss.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Roland Dieter Strietzel


Weiterführende Links

> CAD/CAM-Systeme – Teil 2


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