Allgemeine Zahnheilkunde


Behandlung und Abrechnungsmöglichkeiten dentiner Hypersensibilität – Teil 2

Fortsetzung

Das sich anschließende Behandlungskonzept

Um die Behandlungsstrategie sinnvoll einzuleiten, muss nunmehr über den klinischen, intraoralen Untersuchungsbefund geklärt werden, ob die schmerzempfindlichen Zähne tatsächlich den sie schützenden Hart- und Weichgewebemantel verloren haben. Zu beachten ist hierbei, dass eine für den Patienten schmerzhafte Dentinüberempfindlichkeit nicht immer mit einer ins Auge springenden Freilegung der Wurzeloberfläche verbunden sein muss. Eine unscheinbare Gingivarezession oder eine nur schwer auszumachende Stillman-Cleft können schon dafür ausschlaggebend sein, dass der Patient dringend therapeutische Schritte zur Linderung seiner missliebigen Sensationen einfordert. Bei der Inspektion zur Lokalisation der Gebissbereiche, aus denen die vom Patienten angegebenen Missempfindungen kommen, ist darüber hinaus darauf zu achten, ob Erosionen, Attritionen oder Abrasionen vorherrschen. Zu dieser Untersuchung gehört auch die Auffindung möglicherweise versteckt liegender Kariesläsionen im Bereich der Wurzeloberfläche, insbesondere vom Verlauf der Schmelz-Zement-Grenze bis in den krevikulären Parodontalraum.

Abrechnungsmöglichkeiten für die Behandlung

Hinsichtlich der entstehenden und für Patienten zu erwartenden Kosten verweise ich bei gesetzlich Krankenversicherten auf die Möglichkeit, in Fällen mit einfachen Beschwerden, die Zahnhalsempfindlichkeit ohne zusätzliche Kosten zu behandeln. Für eine derartige zahnärztliche Dienstleistung, welche im Rahmen des „GKV-Wirtschaftlichkeitsgebotes“ die Behandlung aller hypersensiblen Zähne in einer Sitzung umfassen muss, ist die BEMA-Nummer 10 (üZ) anzusetzen. Mit einer Bewertungszahl von 6 und einem Punktwert von – je nach Krankenkasse – weit unter einem Euro ist diese zahnärztliche Dienstleistung allerdings betriebswirtschaftlich mehr als „defizitär“ denn als profitabel anzusehen.

Bei komplexeren und zu wiederholenden Behandlungen der Zahnhalsüberempfindlichkeit für gesetzliche Krankenversicherte wie auch für Privatpatienten generell, empfehle ich Leistungen gemäß den GOZ-Positionen 201, 203 oder 234. Position 201 ist die „Behandlung überempfindlicher Zahnflächen, je Kiefer, je Sitzung“. Diese Position ist mit einem Einfachsatz von 2,81 € verbunden inklusive der für die Praxis entstehenden Kosten für die verwendeten Materialen.

Die Positionen 203 und 234 sind als Analogleistungen gemäß § 6 Abs. 2 GOZ zu erbringen. Diese Behandlungen können dann als „selbstständige, zahnärztliche Leistungen“ entsprechend nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen GOZ-Leistungen berechnet werden. Position 203 „Besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen von Kavitäten, je Kieferhälfte oder Front, je Sitzung“ ohne Beschränkung der bedarfsbedingten Wiederholung hat einen Einfachsatz von 3,66 €. Position 234 „Maßnahmen zur Erhaltung der freiliegenden vitalen Pulpa“ kann je Zahn und je Sitzung angesetzt werden. Mit einem Einfachsatz von 11,25 € ist sie die höchstdotierte der von mir in solchen Fällen vorgenommen Behandlungen. Auf die Berechnung von Auslagen und Kosten für die im Rahmen dieser Leistungen verwendeten Materialien verzichte ich, aufgrund der „Streitigkeiten“, die meiner Abrechnungserfahrung nach nicht selten damit verbunden sind, insbesondere mit den Beihilfestellen Privatversicherter des öffentlichen Dienstes. Nach meiner Kosten-Nutzen-Aufwandsanalyse ist dieser Verzicht, allerdings sicherlich von mir zähneknirschend kommentiert, dennoch betriebswirtschaftlich sinnvoll.

Empfehlungen für die häusliche  Prophylaxe

Grundsätzlich versuche ich bei den Fällen von Dentinhypersensibilität, vor allem wenn ausgeprägte Bereiche freiliegender Zahnhälse vorliegen, nicht nur über die Therapiemöglichkeiten aufzuklären, sondern den Patienten insbesondere auch über vorbeugende Maßnahmen und Verhaltensweisen zu informieren.

Dies umfasst die Erläuterung, welche Allgemeinerkrankungen oder spezielle Ess- und Trinkgewohnheiten die Zahnhalsüberempfindlichkeit auslösen oder verstärken können. Ein ganz besonderes Augenmerk lege ich darauf, eingehend mit dem Patienten zu betrachten, welche Mundhygieneprodukte, Mundpflegegewohnheiten und Putztechniken unter Umständen sogar zusätzlich diese Beschwerden verschlimmern oder gar erst auslösen, wie die bereits oben erwähnten anionischen Tenside, die den Smear Layer entfernen.

Nach meiner klinischen Erfahrung ist allein die Verwendung fluoridhaltiger und niedrigabrasiver Zahncremes bei Patienten mit dentiner Hypersensivität nicht ausreichend. Zahncremes für schmerzempfindliche Zähne sollten aktive Inhaltsstoffe enthalten, wie Kaliumsalze, die die Schmerzweiterleitung des Nervs blockieren (z. B. Sensodyne® Multicare Zahncreme) oder Strontiumsalze, die die offenen Dentintubuli verschließen (z. B. Sensodyne F Zahncreme). Interessanterweise enthalten heute zwar 95 % aller Zahncremes Fluorid, dennoch leiden bis zu 40 % der Bevölkerung an schmerzempfindlichen Zähnen. Meine Erfahrungen decken sich also mit den allgemeinen Erkenntnissen. Die regelmäßige Applikation hochdosierter Fluoridgele (z. B. Sensodyne® Proschmelz® Fluorid Gelée) in der Praxis und zu Hause ist eine weitere begleitende Maßnahme, die Patient und Zahnarzt gemeinsam durchführen können.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Markus Th. Firla



Nachhaltige Zahnmedizin – so geht's
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